Die Wechseljahre sind eine natürliche Übergangsphase im Leben einer Frau, die mit einer Vielzahl von körperlichen und emotionalen Veränderungen einhergehen kann. Viele Frauen erleben die Wechseljahre ohne jegliche Beschwerden gut gelaunt, leistungsfähig, sportlich aktiv und mental auf der Höhe.
Einführung
Die Wechseljahre, auch Klimakterium genannt, markieren das Ende der reproduktiven Phase einer Frau. Dieser Übergang ist durch hormonelle Veränderungen gekennzeichnet, insbesondere durch den Rückgang der Östrogenproduktion in den Eierstöcken. Diese hormonellen Schwankungen können eine Reihe von Symptomen auslösen, darunter Nervenschmerzen, die oft mit anderen Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen einhergehen.
Ursachen von Nervenschmerzen in den Wechseljahren
Der sinkende Östrogenspiegel während der Wechseljahre kann verschiedene Auswirkungen auf den Körper haben, die zu Nervenschmerzen beitragen können:
- Veränderungen im Nervensystem: Östrogen spielt eine Rolle bei der Funktion des Nervensystems. Ein Mangel kann die Nervenempfindlichkeit erhöhen und zu Schmerzen führen.
- Entzündungen: Der Östrogenmangel kann Entzündungen im Körper fördern, die Nerven reizen und Schmerzen verursachen können.
- Muskelverspannungen: Hormonelle Veränderungen können zu Muskelverspannungen führen, die wiederum Nerven einklemmen und Schmerzen verursachen können.
- Reduzierte Durchblutung: Östrogen trägt zur Aufrechterhaltung einer guten Durchblutung bei. Ein Mangel kann die Durchblutung der Nerven beeinträchtigen und Schmerzen verursachen.
- Erhöhte Schmerzempfindlichkeit: Laut Forschung sinkt die Schmerzschwelle bei einem niedrigen Östrogenspiegel, weshalb Schmerzen schneller und stärker wahrgenommen werden.
Symptome von Nervenschmerzen in den Wechseljahren
Nervenschmerzen in den Wechseljahren können sich auf verschiedene Arten äußern:
- Kribbeln und Taubheitsgefühl: Ein häufiges Symptom ist ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl in Händen, Füßen, Armen und Beinen.
- Brennende Schmerzen: Einige Frauen verspüren brennende Schmerzen, insbesondere im Mundbereich. Wenn du das Gefühl hast, dass es in oder an deinem Mund brennt, dieser kribbelt, sich heiß oder taub anfühlt, kann das ebenfalls an den hormonellen Veränderungen liegen.
- Elektrische Schocks: Während der Perimenopause und der Menopause können bei Frauen Empfindungen auftreten, die einem Stromschlag ähneln.
- Muskelschmerzen: Morgens nach dem Aufstehen fühlen sich deine Muskeln ganz steif an, obwohl du in der Nacht gut geschlafen und dich auch am Tag zuvor nicht übermäßig angestrengt hast? Wenn du Muskelschmerzen am ganzen Körper verspürst, kann das auch an den Wechseljahren liegen - genauer gesagt, an der Hormonumstellung in dieser Zeit. Infolge eines niedrigen Östrogenspiegels werden die Muskeln weniger elastisch. Hinzu kommt, dass Östrogen für die Freisetzung von Endorphinen verantwortlich ist - den körpereigenen Botenstoffen, die Schmerzen lindern können.
- Gelenkschmerzen: Gelenkschmerzen in den Wechseljahren können sich auf verschiedene Arten äußern. Häufig berichten Frauen von steifen und geschwollenen Gelenken. Vor allem Rücken, Hände und Knie sind betroffen. Die Gelenkschmerzen können so stark sein, dass sie das alltägliche Leben beeinträchtigen und die Mobilität einschränken. Typischerweise sind die Beschwerden besonders intensiv morgens nach dem Aufstehen oder auch nach längerer sitzender Tätigkeit.
Diagnose von Nervenschmerzen in den Wechseljahren
Um Nervenschmerzen in den Wechseljahren zu diagnostizieren, wird ein Arzt in der Regel folgende Schritte unternehmen:
Lesen Sie auch: Hüft-TEP und Nervenschmerzen
- Anamnese: Der Arzt wird Fragen zu den Symptomen, dem Zeitpunkt des Auftretens und anderen relevanten medizinischen Informationen stellen.
- Körperliche Untersuchung: Eine körperliche Untersuchung kann helfen, andere mögliche Ursachen für die Schmerzen auszuschließen.
- Hormonspiegel: Eine Blutuntersuchung kann den Östrogenspiegel bestimmen und feststellen, ob ein Mangel vorliegt.
- Weitere Tests: In einigen Fällen können weitere Tests wie Nervenleitgeschwindigkeitsstudien oder bildgebende Verfahren erforderlich sein, um andere Erkrankungen auszuschließen.
Behandlungsansätze bei Nervenschmerzen in den Wechseljahren
Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, um Nervenschmerzen in den Wechseljahren zu lindern:
Hormontherapie (HT)
Die Hormontherapie ist eine gängige Behandlungsmethode, um den Östrogenmangel auszugleichen und die damit verbundenen Symptome, einschließlich Nervenschmerzen, zu lindern.
- Wie sie funktioniert: Die HT ersetzt das fehlende Östrogen im Körper und kann so die Nervenfunktion verbessern, Entzündungen reduzieren und die Schmerzempfindlichkeit senken. Östrogen, das in einer Hormontherapie enthalten ist, kann Entzündungen reduzieren und die Gelenkgesundheit unterstützen.
- Arten der HT: Es gibt verschiedene Arten von HT, darunter Östrogen-Monotherapie und kombinierte Östrogen-Gestagen-Therapie. Die Wahl der Therapie hängt von den individuellen Bedürfnissen und der Krankengeschichte der Frau ab. Ich bevorzuge die Therapie mit bioidentischen Hormonen. Hier wäre ein Estrogen-Gel am besten, das man auf die Haut aufträgt - es wirkt systemisch und hat weniger Nebenwirkungen. Wichtig ist, dass man zum Schutz der Gebärmutterschleimhaut zusätzlich dazu Progesteron oder ein Gestagen in Kapselform nimmt.
- Risiken und Vorteile: Die HT kann wirksam bei der Linderung von Nervenschmerzen sein, birgt jedoch auch Risiken wie ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel, Schlaganfall und Brustkrebs. Es ist wichtig, die Risiken und Vorteile mit einem Arzt zu besprechen, bevor man sich für eine HT entscheidet.
Nicht-hormonelle Behandlungen
Für Frauen, die keine HT wünschen oder können, gibt es eine Reihe von nicht-hormonellen Behandlungen, die helfen können, Nervenschmerzen zu lindern:
- Schmerzmittel: Rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol können helfen, leichte bis moderate Schmerzen zu lindern.
- Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva, wie z. B. selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRIs), können bei der Behandlung von Nervenschmerzen wirksam sein.
- Antikonvulsiva: Antikonvulsiva, die normalerweise zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt werden, können auch bei Nervenschmerzen helfen.
- Topische Cremes: Cremes mit Capsaicin oder Lidocain können helfen, Schmerzen lokal zu lindern. Arnika beispielsweise wirkt abschwellend, entzündungshemmend und schmerzlindernd. Als Gel oder Salbe auf die betroffenen Stellen aufgetragen, unterdrücken die enthaltenen Wirkstoffe die Entzündung in einem frühen Stadium.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, Muskeln zu stärken, die Flexibilität zu verbessern und Schmerzen zu lindern.
- Akupunktur: Akupunktur ist eine traditionelle chinesische Medizin, bei der feine Nadeln in bestimmte Punkte des Körpers gestochen werden, um Schmerzen zu lindern. Die Behandlung mit den feinen Nadeln empfinden viele Betroffene als hilfreich gegen Gelenkschmerzen in den Wechseljahren.
- Nahrungsergänzungsmittel: Ein Mangel an Vitamin D, Calcium, Kalium oder Magnesium kann zu Ganzkörperschmerzen in den Wechseljahren führen. Denn diese Mineralstoffe sind unter anderem für die Steuerung der Reflexe, die Regeneration von Zellen, die Durchblutung, die Reizweiterleitung, die Schmerzwahrnehmung sowie den Aufbau von Gewebe zuständig.
Natürliche Methoden
Neben medizinischen Behandlungen gibt es auch eine Reihe von natürlichen Methoden, die helfen können, Nervenschmerzen in den Wechseljahren zu lindern:
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann helfen, Muskeln zu stärken, die Flexibilität zu verbessern und Schmerzen zu lindern. Die beste Strategie, um Gelenk- und Muskelbeschwerden entgegen zu wirken, ist ausreichend Bewegung. Dabei kommt es nicht auf sportliche Spitzenleistungen an. Regelmäßiger und moderater Sport sowie ein aktiver Alltag tun den Gelenken gut und wirken zudem vorbeugend. Bewegung fördert den Austausch von Gelenkflüssigkeit und Knorpel, Knochen und Bindegewebe werden mit wichtigen Nährstoffen versorgt. „Gelenkschonende Sportarten wie Nordic Walking, Radfahren, Gymnastik oder Wassergymnastik - auch Spazieren - sind super. Wichtig ist, dass wir es mehrmals die Woche tun“, so Paepke. Bei Beschwerden in den Händen kann tägliche Finger-Gymnastik hilfreich sein.
- Ernährung: Eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann helfen, Entzündungen zu reduzieren und die allgemeine Gesundheit zu verbessern. Eine pflanzenbasierte Kost mit viel Gemüse, Salaten, nicht zu süßen Früchten, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen, ungesättigten Fetten - das ist ideal. Milchprodukte, Fisch und mageres Fleisch sollte man in Maßen genießen. Da Übergewicht zu einer erhöhten Belastung der Gelenke führt, ist ein gesundes Gewicht wesentlich. Bewegung und pflanzenbasierte Ernährung unterstützen hier, Alkohol, Zucker und verarbeitete Fleischprodukte hingegen sollten gemieden werden.
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation und progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen und Schmerzen zu lindern.
- Wärme- und Kälteanwendungen: Wärme- und Kälteanwendungen können helfen, Schmerzen lokal zu lindern.
- Massagen: Wohltuende Massagen sind hervorragend geeignet, um Muskeln zu lockern und am ganzen Körper für Entspannung zu sorgen. Verwende dazu am besten Massageöle wie Jojoba-, Mandel-, oder Arnikaöl. Wenn du einige Tropfen ätherisches Öl wie Rosmarin, Kiefer, Fichte oder Eukalyptus dazu gibst, kannst du den lindernden Effekt zusätzlich verstärken. Das Öl fördert nämlich die Durchblutung und wirkt entkrampfend. Bei akuten Beschwerden kann das Einreiben mit Franzbranntwein Linderung verschaffen.
- Saunabesuche: Die Wärme regt nämlich die Durchblutung im Körper an, was sich positiv auf schmerzende und verspannte Muskeln auswirken kann. Außerdem werden beim Saunieren Endorphine ausgeschüttet, die sogenannten Glückshormone, was das Schmerzempfinden hemmen kann.
Weitere Beschwerden in den Wechseljahren
Neben Nervenschmerzen können in den Wechseljahren auch andere Beschwerden auftreten:
Lesen Sie auch: Nervenschaden nach Zahnbehandlung: Symptome und Therapie
- Hitzewallungen: Meist kündigen sich die Hitzewallungen durch leichten Kopfdruck und Unbehagen an, die sogenannte aufsteigende Hitze. Danach breitet sich in kürzester Zeit eine Hitzewelle über Gesicht, Hals und Oberkörper aus. Das Gesicht rötet sich und es folgt ein Schweißausbruch. Viele Frauen fühlen sich durch diesen Schweißausbruch entlastet, bei anderen entsteht das Gefühl von Hitzestau. Manchmal kann dem Schweißausbruch ein Frösteln folgen.
- Schlafstörungen: Bei vielen Frauen sind Schlafstörungen und Schlaflosigkeit die ersten Anzeichen der Wechseljahre, noch bevor Hitzewallungen oder andere typische Wechseljahrbeschwerden auftreten. Ist dafür zu Beginn der Wechseljahre ein Mangel an Progesteron verantwortlich, fehlt später auch Östrogen, was ebenfalls zu Schlafstörungen und Schlaflosigkeit führen kann.
- Stimmungsschwankungen: Im Allgemeinen haben Östrogene eine stimmungsaufhellende Wirkung und aktivieren das zentrale Nervensystem. In Folge der hormonellen Umstellung der Wechseljahre kann bei wenigen Frauen das seelische Gleichgewicht zuweilen ins Wanken geraten.
- Gewichtszunahme: In den Wechseljahren nehmen viele Frauen an Gewicht zu. Wie könnte es anders sein: Auch hier spielen die veränderten Hormonspiegel eine wichtige Rolle. Es wird weniger Östrogen und dafür mehr Testosteron (männliches Sexualhormon) gebildet. Dadurch verändert sich das Fettverteilungsmuster, weg von der "Birne" mit den Fettpolstern an Hüfte und Po, hin zur "Apfelform", bei der sich das Fett hauptsächlich am Bauch sammelt.
- Scheidentrockenheit: Vor allem der Rückgang von Östrogen führt dazu, dass die Schleimhäute im Genitalbereich dünner und trockener sowie anfälliger für Verletzungen werden. Die Vagina (Scheide) kann sich trockener anfühlen, Frauen haben eventuell Schmerzen beim Sex.
- Haarausfall: Der Verlust von Haaren Ist für die meisten Frauen besonders problematisch. Das dünner werdende Haar und Haarausfall sind eine weitere Folge der hormonellen Schwankungen.
Lesen Sie auch: Medikamentenfreie Schmerzlinderung bei Nervenschmerzen
tags: #nervenschmerzen #in #den #wechseljahren