Das Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum bietet mit seiner Ruhr-Epileptologie ein umfassendes Angebot für Patienten mit Epilepsie und deren Angehörige. Neben der medizinischen Versorgung liegt ein starker Fokus auf Forschung und Fortbildung. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Epilepsie-Zentrums Bochum, von Vorträgen und Fortbildungsveranstaltungen bis hin zu innovativen Therapieansätzen und Forschungsschwerpunkten.
Expertenwissen im Fokus: Vorträge und Fortbildungen
Die Ruhr-Epileptologie engagiert sich stark in der Aus- und Weiterbildung von Ärzten und anderen Berufsgruppen, die mit Epilepsiepatienten arbeiten. Das Angebot richtet sich an Mitarbeiter von Werkstätten, Berufsbetreuer, Bezugspersonen im betreuten Wohnen, aber auch an Angehörige anderer Berufsgruppen wie Physiotherapeuten und Ergotherapeuten. Ziel ist es, das Wissen über Epilepsie zu vertiefen und die Kompetenz im Umgang mit Betroffenen zu stärken.
Veranstaltungsreihen und Themen:
- Curriculärer Herbst- und Frühjahrskurs Epileptologie (veranstaltet von der GmedBKW): Diese Veranstaltungsreihe vermittelt Ärzten Entscheidungskompetenz in der Diagnostik und Therapie von Epilepsie. Themen sind unter anderem die semiologiebasierte Differentialdiagnose und die initiale Pharmakotherapie.
- Online-Fortbildungen: Experten wie Prof. Dr. med. Jörg Wellmer geben in interaktiven eLearnings Hilfestellungen, um anfallsartige Ereignisse ätiologisch richtig einzuordnen. Die Fortbildungen behandeln Themen wie die Unterscheidung zwischen epileptischen und psychogenen Anfällen sowie Synkopen.
- Vortragsreihe "Medizin und Musik": Diese Reihe beleuchtet das Thema "Musik und Medizin" aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven. Referenten aus unterschiedlichen Fachbereichen tragen dazu bei, das Thema klangvoll und interessant zu präsentieren.
- Online-Abende für Betroffene und Angehörige: Die Epilepsieberatungsstellen in Bayern und ihre Netzwerkpartner bieten Online-Vorträge zu verschiedenen Themen rund um Epilepsie an. Die Angebote richten sich an Menschen mit Epilepsie, deren Angehörige und Interessierte. Themen sind unter anderem Unterstützungsmöglichkeiten im Alltag, Autismus bei Kindern mit Epilepsie und der Umgang mit Ämtern und Behörden.
- Veranstaltungen für Eltern: Es gibt spezielle Online-Abende für Eltern mit Epilepsie, die sich über ihren Alltag austauschen und gegenseitig unterstützen können. Auch Themen wie Schwangerschaft und Kinderwunsch bei Epilepsie werden behandelt.
- Vorträge zu Schwerbehindertenausweis und Sozialleistungen: Rechtsanwälte informieren über das Thema Schwerbehinderung und Sozialleistungen, was besonders für Familien mit chronisch kranken Kindern wichtig ist.
- Epilepsie bei Kindern und Jugendlichen: Online-Infoabende informieren über Anfallsformen, Erste Hilfe und die Erfahrungen betroffener Kinder. Es werden Anregungen gegeben, wie man mit Kindern über Epilepsie ins Gespräch kommen und sie bei der Krankheitsbewältigung unterstützen kann.
- Umgang mit der Erkrankung im Alltag: Vorträge geben Anregungen, wie man anderen die Krankheit erklären und Angst vor einem Anfall nehmen kann. Es wird thematisiert, welche Informationen im Familien- und Freundeskreis wichtig sind und was am Arbeitsplatz beachtet werden sollte.
- Grundlagen zu Epilepsie und epileptischen Anfällen: In diesen Vorträgen werden die verschiedenen Erscheinungsformen epileptischer Anfälle, die Vorgänge im Gehirn während eines Anfalls und die Möglichkeiten zur Verhinderung von Anfällen erläutert. Auch die Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall wird thematisiert.
- ICF (Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit): Es wird dargestellt, wie Menschen mit Epilepsie mithilfe der ICF Bedarfe formulieren und bei Leistungsträgern wirksame Hilfen beantragen können.
Diagnostik und Therapie auf höchstem Niveau
Die Ruhr-Epileptologie bietet ein breites Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten für Menschen mit Epilepsie. Ein erfahrenes Team von Ärzten, Psychologen und Therapeuten arbeitet interdisziplinär zusammen, um eine individuelle Behandlung zu gewährleisten.
Diagnostische Verfahren:
- Moderne MR-Technik: In Kooperation mit Heidelberg werden innovative diagnostische Verfahren eingesetzt, um die Ursachen der Epilepsie zu erkennen.
- Gedächtnissprechstunde: Um frühzeitig klinisch relevante kognitive Defizite zu erkennen, wird eine Gedächtnissprechstunde angeboten.
- Ultraschallambulanz: Niedergelassene Neurologen können Patienten bei speziellen Fragestellungen in die Ultraschallambulanz überweisen.
Therapeutische Angebote:
- Medikamentöse Therapie: Es werden alle modernen und innovativen Substanzen zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt.
- Psychotherapie: Dr. med. Rosa Michaelis, Fachärztin für Neurologie und ärztliche Psychotherapeutin, erklärt die Bedeutung psychischer Erkrankungen in der Epileptologie.
- Botulinumtoxinbehandlungen: Bei Dystonien werden Botulinumtoxinbehandlungen angeboten.
Forschungsschwerpunkte: Innovation für die Zukunft
Die Neurologie des Universitätsklinikums Knappschaftskrankenhaus Bochum ist neben der medizinischen Versorgung der Patienten in ihren Schwerpunkten sehr forschungsaktiv.
Forschungsschwerpunkte:
- Multiple Sklerose: Aktuell geht es um Ursachen neuroimmunologischer Erkrankungen wie vor allem Einflüsse aus der Umwelt mit dem Fokus auf die Ernährung und den Darm (Mikrobiom und Metabolismus). Erkenntnisse der Forschung werden bei MS-Patienten angewendet.
- Entzündliche Polyneuropathie: Die Neurologie bietet innovative diagnostische Verfahren und Therapieoptionen an.
- M. Parkinson: Die Parkinson-Spezialambulanz richtet sich an Patienten mit der Verdachts- oder bereits gesicherten Diagnose eines Morbus Parkinson oder anderer extrapyramidal-motorischer Erkrankungen (Dystonie, Multisystematrophie u.a.).
- Chorea Huntington: Seit fast 20 Jahren forschen die Neurologen des KKB im Huntington Zentrum NRW. Gemeinsam mit vielen nationalen und internationalen Kooperationspartnern sind sie an etwa 100 wissenschaftlichen Publikationen beteiligt.
- Neurodegenerative Erkrankungen: Die klinische Forschung im Bereich Parkinson und Demenz ist im Forschungszentrum für Neurodegeneration unter der Leitung von Prof. Siegfried Muhlack etabliert.
- Therapieresistente neuroimmunologische Erkrankungen: Diese Spezial-Sprechstunde bietet eine spezialisierte Beratung und Versorgung für PatientInnen mit therapie-refraktären und aggressiven Krankheitsverläufen neuroimmunologischer Erkrankungen, z.B. Multiple Sklerose, Neuromyelitis optica Spektrumerkrankung, Myasthenie, chronisch-inflammatorische Neuropathien oder stiff-person Syndrom.
- Sehstörungen bei neurologischen Erkrankungen: Mit Hilfe einer VR-Brille („Virtual Reality“) werden Augenbewegungen automatisiert untersucht und gemessen, um Zusammenhänge zwischen neurologischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose und Sehstörungen zu untersuchen.
Kooperationen und Netzwerke
Das Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum arbeitet eng mit anderen Kliniken und Institutionen zusammen, um eine optimale Versorgung der Patienten zu gewährleisten.
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Beispiele für Kooperationen:
- Katholisches Klinikum Bochum (KKB): Die Neurologie ist Teil des KKB und profitiert von der interdisziplinären Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen.
- VfL Bochum 1848: Das KKB kooperiert mit dem VfL Bochum 1848 im Bereich der medizinischen Vorsorge der Jugendmannschaften.
- Epilepsieberatungsstellen in Bayern: Die Ruhr-Epileptologie arbeitet mit den Epilepsieberatungsstellen in Bayern zusammen, um Online-Veranstaltungen für Betroffene und Angehörige anzubieten.
- Huntington Zentrum NRW: Die Neurologen des KKB forschen seit fast 20 Jahren im Huntington Zentrum NRW und sind an zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen beteiligt.
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