Viele Frauen erleben während der Schwangerschaft körperliche Veränderungen, die zu Muskel-, Band- und Sehnenschmerzen führen können. Besonders häufig betroffen ist der untere Rücken, wo stechende Schmerzen bis in das Gesäß oder Bein ausstrahlen können. Obwohl diese Symptome oft als "Ischiasbeschwerden" bezeichnet werden, handelt es sich meist nicht um eine echte Ischialgie, bei der der Ischiasnerv gereizt ist. Stattdessen gibt es vielfältige Ursachen für diese Schmerzen im unteren Rücken während der Schwangerschaft.
Ursachen von Nervenschmerzen in der Schwangerschaft
Veränderte Körperstatik
Der Körperschwerpunkt verlagert sich während der Schwangerschaft kontinuierlich, was den Rücken stark belastet. Die Bauchmuskulatur, die normalerweise den Rücken stabilisiert, ist weniger funktionstüchtig. Dadurch erhöht sich der Druck auf die Lendenwirbelsäule.
Hormonelle Veränderungen
Die veränderte Hormonlage führt zu einer Lockerung der Bänder und Sehnen im Iliosakralgelenk (ISG), der Verbindung zwischen Kreuzbein und Becken. Dies bereitet den Körper auf die Geburt vor, kann aber auch Instabilität und Schmerzen verursachen. Durch die Schwangerschaftshormone werden die Knorpel, Sehnen und Bänder im Becken weicher als sonst. Der Symphysenspalt vergrößert sich in der Schwangerschaft um drei bis vier Millimeter. Dadurch wird das Becken in Vorbereitung auf die Geburt erweitert.
Muskelverspannungen
Die Gesäßmuskulatur muss die veränderte Statik ausgleichen, was zu Verspannungen und Reizzuständen führen kann. Dies kann sich wie ein eingeklemmter Ischiasnerv anfühlen. Tatsächlich gehen die Beschwerden aber meist vom Iliosakralgelenk aus. Wenn ein Muskel, der das nicht gewohnt ist, plötzlich sehr viel arbeiten muss, reagiert er mit Verspannung und Reizzuständen.
Karpaltunnelsyndrom
Der Karpaltunnel ist eine Sehnenscheide am Handgelenk, in der Sehnen und Nerven vom Unterarm in die Hand führen. In diesem Tunnel befindet sich auch der sogenannte Medianus-Nerv, der bis in die Spitzen deiner Finger verläuft. Nun ist es so, dass sich in der Schwangerschaft hormonell bedingt Wasser im Bindegewebe einlagert, das daraufhin anschwellen kann. Und da sich das Bindegewebe auch in unmittelbarer Nachbarschaft des Medianus-Nervs befindet, übt es einen gewissen Druck darauf aus. Das kann zu einem Verlust seiner Funktion führen. Die dadurch verursachten Beschwerden treten zumeist im letzten Schwangerschaftsdrittel und häufig in beiden Händen auf. In der Regel schwinden sie nach der Geburt - manchmal können aber auch langfristige Beeinträchtigungen entstehen.
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Typische Symptome des Karpaltunnelsyndroms
- Kribbeln und taube Finger
- Schmerzen im Handgelenk und Unterarm
- Steifes Gefühl in den Fingern, besonders morgens
- Schwache Finger, Hände und Handgelenke
Behandlung von Nervenschmerzen in der Schwangerschaft
Bewegung und Sport
Regelmäßige Bewegung ist entscheidend, um Rückenschmerzen vorzubeugen und zu lindern. Geeignete Aktivitäten sind Spazierengehen, Treppensteigen, rückenfreundliche Sportarten wie Pilates, Yoga, Schwimmen, Walken oder Tanzen. Es ist ratsam, die sportliche Betätigung mit dem Arzt oder der Hebamme abzusprechen.
Eine wirksame Übung ist die "Katze-Kuh-Übung": Im Vierfüßlerstand den Rücken bei der Ausatmung rund machen (Katzenbuckel) und bei der Einatmung in ein Hohlkreuz wechseln.
Wärme
Wärmeanwendungen können bei Beschwerden helfen. Ein warmes Vollbad, Kompressen, ein Heizkissen oder eine Wärmflasche können entspannend wirken. Wärme ist häufig eine gute Möglichkeit der Entspannung für Schwangere. Sei es mit einer Wärmflasche, einem Vollbad oder einem Kirschkernkissen.
Manuelle Therapie
Physiotherapie und manuelle Therapie können Blockaden im ISG lösen, die Muskulatur entspannen und die Durchblutung fördern. Sanfte Griffe lockern das Gewebe und lösen Verspannungen.
Akupunktur und Taping
Akupunktur oder Taping können ebenfalls lindernd wirken.
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Beckengurt
In manchen Fällen kann ein Beckengurt verschrieben werden, um den Bauch und die Lendenwirbelsäule zu entlasten.
Entlastung im Alltag
Es ist wichtig, die Wirbelsäule und das ISG im Alltag zu entlasten. Vermeiden Sie es, beim Sitzen den unteren Rücken längere Zeit zu runden. Verwenden Sie ein Keilkissen oder einen Sitzball. Legen Sie abends beim Liegen auf dem Sofa eine Deckenrolle unter die Knie.
Entspannungsübungen
Entspannungsübungen können Stress-bedingte Rückenschmerzen lindern. Alles, was den Körper entspannt ist bei Rückenschmerzen in der Schwangerschaft gut.
Haltung
Achten Sie auf eine gerade Körperhaltung und vermeiden Sie ein Hohlkreuz. Stellen Sie sich vor, dass sich das Kind noch sicher und geschützt im Körper befindet.
Schlafen
Schlafen Sie auf der Seite, gerne mit einem Kissen zwischen den Knien und unter dem wachsenden Bauch.
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Unterstützung im Haushalt
Wenn möglich, kann eine Unterstützung für den Haushalt sehr hilfreich sein, besonders wenn Sie schon Kinder haben.
Übungen zur Entspannung und Dehnung
- Halbe Taube: Dehnt die Gesäßmuskulatur.
- Nadelöhr: Alternative zur halben Taube im Sitzen auf einem Stuhl.
- Stufenlagerung: Entlastet den unteren Rücken im Liegen.
- Vierfüßlerstand: Die Füße sind aufgestellt, die Schulterblattspitzen ziehen in Richtung Becken, so dass sich der Rücken lang anfühlt. Ausatmend rundest du deinen Rücken vom Becken bis zu den Schultern. In dieser Haltung bleibst du für drei Atemzüge. Die Bewegung kann auch dynamisch durchgeführt werden.
- Schneidersitz: Die Sitzbeinhöcker sind in dieser Haltung gut spürbar. Beim Einatmen bewegt sich die Wirbelsäule nach vorne, beim Ausatmen in einer Kreisbewegung nach hinten. Beim Vorwärtskreisen wird das Brustbein nach vorne und oben geschoben, so dass ein leichtes Hohlkreuz entsteht, beim Zurückkreisen rundet sich der Rücken so weit wie möglich. Die Hände können dabei unterstützen. Anschließend werden die Kreise wieder kleiner, bis du im aufrechten Sitz angekommen bist.
- Drehsitz: Lege dich auf den Rücken, beide Beine sind hüftbreit aufgestellt. Die Arme liegen in Schulterhöhe auf dem Boden. Nun werden die Beine zusammen auf eine Seite abgelegt. In dieser Haltung bleibst du für drei Atemzüge und wechselst dann mit der Einatmung zur anderen Seite. Die Übung sollte langsam begonnen und dann im Atemrhythmus durchgeführt werden. Dabei werden die Beine immer mit der Einatmung aufgestellt und mit der Ausatmung abgelegt.
Was Sie bei Symphysenschmerzen in der Schwangerschaft vermeiden sollten
Grundsätzlich ist es bei Symphysenschmerzen sinnvoll, dass Sie Ihren Körper schonen und vor allem bestimmte Bewegungen vermeiden. Dazu gehören etwa Treppensteigen und plötzliche oder ruckartige Bewegungen wie Sprünge oder schnelle Richtungswechsel. Verzichten Sie außerdem darauf, lange Schritte zu machen, ein gestrecktes Bein abzuspreizen oder es anzuheben. Beim Anziehen von Kleidung ist es zum Beispiel besser, wenn Sie sich auf die Bettkante setzen, als auf einem Bein zu balancieren.
Hilfsmittel bei Symphysenschmerzen
Manchen Betroffenen hilft bei Symphysenschmerzen ein Beckengurt aus dem Sanitätshaus. Dieser hält das Becken und die Gelenke stabil, was vor allem beim Gehen eine Erleichterung sein kann. Wenn eine Symphysenlockerung festgestellt wird, übernimmt die Krankenkasse in der Regel die Kosten.
Nachts können Betroffene in der Seitenlage ein Kissen zwischen die Knie klemmen, das entlastet die Symphyse. Dieser hält das Becken und die Gelenke stabil, was vor allem beim Gehen eine Erleichterung sein kann.
Medikamentöse Behandlung
Lokalanästhetika, die zur Muskelentspannung gespritzt werden, sind in der Schwangerschaft tabu. Schmerzmittel sollten Sie während der Schwangerschaft nicht ohne ärztlichen Rat und niemals dauerhaft einnehmen. Dies gilt auch für rezeptfrei verkäufliche Medikamente.
Schmerztherapie in der Schwangerschaft
- Leichte Schmerzen: Paracetamol kann während der gesamten Schwangerschaft angewendet werden. Aus der Gruppe der NSAID ist Ibuprofen das Mittel der ersten Wahl, darf aber nur im 1. und 2. Trimenon angewendet werden.
- Mittelstarke bis starke Schmerzen: Paracetamol in Kombination mit Codein; bei entsprechender Indikation Tramadol oder Buprenorphin, auch z. B. in Kombination mit NSAID wie Ibuprofen oder Diclofenac (bis maximal Schwangerschaftswoche 28, ab Schwangerschaftswoche 20 nur Einzeldosen NSAID).
- Stärkste Schmerzen: Morphin oder Buprenorphin können während der Schwangerschaft verwendet werden.
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Wann sollte man ärztlichen Rat einholen?
- Bei anhaltenden Rückenschmerzen, die durch Entspannung nicht gelindert werden.
- Bei Schmerzen, die in ein Bein ausstrahlen, sowie Kraftausfällen oder Taubheitsgefühlen in einem Bein (Hinweis auf Bandscheibenvorfall).
- Bei plötzlich auftretenden oder lange anhaltenden Rückenschmerzen.
- Schmerzmittel sollten Sie während der Schwangerschaft nicht ohne ärztlichen Rat und niemals dauerhaft einnehmen.
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