Nervenschmerzen, Kitzeln im Hals und Husten: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Die Ursachen für Nervenschmerzen, Kitzeln im Hals und Husten können vielfältig sein. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Erkrankungen und Syndrome, die diese Symptome auslösen können, und stellt mögliche Therapieansätze vor. Es ist wichtig zu beachten, dass Halsschmerzen, Kitzeln im Hals und Husten in den meisten Fällen harmlos sind, jedoch auch auf ernstere Gesundheitsprobleme hinweisen können.

Glossopharyngeusneuralgie: Wenn Nervenschmerzen im Rachenraum auftreten

Die Glossopharyngeusneuralgie ist eine seltene Erkrankung, die durch attackenartige Schmerzen im Bereich der Ohrregion, der Zunge, des Rachens und der Mandeln gekennzeichnet ist. Die Schmerzattacken werden durch Reizung des Nervus glossopharyngeus, auch bekannt als Zungen-Rachen-Nerv, ausgelöst. Dieser Nerv ist ein sensomotorischer Nerv, der zur Bewegung der Rachenmuskulatur beiträgt und Informationen vom Rachen, den Mandeln und der Zunge ins Gehirn leitet.

Symptome und Auslöser

Die Glossopharyngeusneuralgie äußert sich durch heftige, blitzartig auftretende, meist ein- und linksseitige Schmerzen, die häufig im gleichseitigen Rachen-, Hals-, Mandeln-, Zungen- und Ohrbereich beginnen und meist nur von sekundenlanger Dauer sind. Die Schmerzattacken werden typischerweise durch Schlucken, Kauen, Husten, Gähnen, Sprechen oder Berührung ausgelöst. Oftmals essen betroffene Patienten aus Angst vor den Schmerzen immer weniger und magern rasch ab.

Ursachen und Häufigkeit

Man geht davon aus, dass die Erkrankung meist auf eine Nervenkompression (Nerveneinengung) zurückzuführen ist, die durch Gefäße entsteht, die in unmittelbarer Nähe verlaufen. Die räumliche Nähe und Pulsationen (Ausdehnung und Zusammenziehen) des Gefäßes führen zur Schädigung der schützenden Nervenhülle und lösen die typischen Schmerzen aus. Die Glossopharyngeusneuralgie ist eine seltene Erkrankung.

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose wird üblicherweise aufgrund von Schilderungen der Beschwerden gestellt. Um andere Ursachen auszuschließen, wie z. B. multiple Sklerose, Autoimmunerkrankungen, Verletzungen der Halswirbelsäule oder Tumorerkrankungen wird üblicherweise eine MRT des Gehirns durchgeführt.

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Die medikamentöse Behandlung mit dem Antiepileptikum Carbamazepin ist die erste Wahl. Andere Medikamente gegen Epilepsie (wie Pregabalin) oder Medikamente, die bei Depressionen verordnet werden, können in Betracht gezogen werden, vor allem bei einer mangelhaften Wirkung von Carbamazepin. Eine weitere Möglichkeit ist das Setzen einer lokalen Betäubungsspritze in den vom Nerv gereizten Bereich. Wenn die medikamentöse Behandlung nicht erfolgversprechend ist, kann eine Operation in Betracht gezogen werden. Es stehen mehrere chirurgische Verfahren zur Verfügung:

  • Mikrovaskuläre Dekompression: Der Druck des Gefäßes auf den Nerv kann reduziert werden, indem in einer mikrochirurgischen Operation Nerv und Gefäß voneinander getrennt werden und ggf. ein Teflonkissen dazwischen gelegt wird.
  • Radiofrequenzläsion: Bei der anderen Behandlungsmethode wird der Nerv mit einem Gamma-Knife, das ähnlich wie ein Brennglas arbeitet, durch Hitze verödet.

Sensorischer neuropathischer Husten (SNC): Chronischer Husten durch Nervenreizung

Sensorischer neuropathischer Husten (SNC) ist eine chronische Hustenerkrankung, die auf herkömmliche Behandlungen nicht anspricht. Er wird durch eine Überempfindlichkeit der Nerven in den Atemwegen verursacht.

Symptome und Auslöser

Patienten mit SNC verspüren oft ein Kitzeln oder ein plötzliches Trockenheitsgefühl im Kehlkopfbereich, das einen Hustenanfall auslöst. Häufige Auslöser sind Sprechen (Vibration), das Einatmen warmer oder kalter Luft (Temperaturwechsel) und das Berühren einer Stelle am Hals (Druck). Die Hustenanfälle können sehr heftig sein und zu Begleiterscheinungen wie tränenden Augen, Naselaufen, Übelkeit und sogar Ohnmacht führen.

Behandlung

Die Behandlung von SNC zielt darauf ab, die Nervenüberempfindlichkeit zu reduzieren. Häufig eingesetzte Medikamente sind:

  • Amitriptylin: Ein Antidepressivum, das auch bei neuropathischen Schmerzen eingesetzt wird.
  • Gabapentin: Ein Antiepileptikum, das ebenfalls bei neuropathischen Schmerzen wirksam sein kann.
  • Topisches Capsaicin: Capsaicin, der Wirkstoff in scharfen Paprikaschoten, kann als Spray auf die Rachenschleimhaut aufgetragen werden, um die Nervenempfindlichkeit zu reduzieren.

Thoracic-outlet-Syndrom (TOS): Kompression von Nerven und Blutgefäßen im Hals- und Brustbereich

Das Thoracic-outlet-Syndrom (TOS) umfasst Störungen, die durch Kompression von Nerven, Arterien oder großen Venen im Hals- und Brustbereich auftreten.

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Symptome

Wenn Druck auf die Nerven ausgeübt wird, treten Schmerzen und ein Kribbeln (Parästhesien) in der Hand, am Hals, in der Schulter und im Arm auf. Wenn der Druck auf die Arterien ausgeübt wird, werden die Arme blass und kühl. Wenn der Druck auf die Venen ausgeübt wird, schwellen die Arme an und die darüber liegende Haut kann bläulich aussehen.

Ursachen und Risikofaktoren

Eine Vielzahl von Knochen- und Weichteilveränderungen können die Gefäße und Nerven unter Druck setzen. Häufig entsteht die Engstelle in der natürlichen sogenannten Skalenuslücke zwischen den Skalenusmuskeln am seitlichen Hals (Skalenussyndrom). Risikofaktoren für das TOS sind schlechte Körperhaltung, das Tragen schwerer Lasten auf der Schulter, Schleudertrauma, Gewichtheben sowie Sportarten mit wiederholten Arm- und Schulterbewegungen (z.B. Schwimmen, Golf, Volleyball) ungünstige Schlafpositionen, aber auch Anspannung durch Depressionen und Stress. Weitere Ursachen sind Veränderungen am Schlüsselbein, beispielsweise nach einem Bruch. Das Thoracic-Outlet-Syndrom kann auch Folge einer sogenannten atavistischen Halsrippe sein.

Diagnose und Behandlung

Zur Diagnose des TOS können verschiedene Untersuchungen durchgeführt werden. Um bedrängten Nerven wieder mehr Platz zu verschaffen, wird oft Physiotherapie eingesetzt. Mit gezielter Dehnung und Kräftigung soll ein muskuläres Ungleichgewicht ausgleichen und die Haltung verbessert werden. Unterstützend können Kinesio-Tapes wirksam sein. Auch Cortison-Spritzen in betroffene Halsmuskeln (Skalenus-Muskeln) werden eingesetzt. Ist eine Venen-Thrombose die Ursache, kann das Blutgerinnsel manchmal mit blutverdünnenden Medikamenten wieder aufgelöst werden. Gegen die Schwellung hilft Hochlagerung des betroffenen Armes. Bei ausgeprägten Symptomen von Nervenkompressionen und bei gefährlichen Gefäßeinengungen kann eine Entfernung der umgebenden Strukturen erforderlich sein, die für die Einengung verantwortlich sind, z.B. bestimmte Muskeln, zusätzliche verdickte Bänder, oder auch die erste Rippe.

Weitere mögliche Ursachen für Nervenschmerzen, Kitzeln im Hals und Husten

Neben den oben genannten Erkrankungen können auch andere Faktoren zu Nervenschmerzen, Kitzeln im Hals und Husten führen:

  • Halswirbelsäulenprobleme: Schmerzen tief im Ohr oder Schmerzen am Knochen hinter dem Ohr können ihren Ursprung in einer Irritation der Nerven oder der Muskulatur aus dem zweiten oder dritten Halswirbelkörper haben. Auch das Kloßgefühl im Hals kann seinen Grund in Pathologien der oberen HWS haben - ebenso Stimmstörungen mit Heiserkeit sowie Druck im Kehlkopf nach längerem Sprechen.
  • Interkostalneuralgie: Bei einer Interkostalneuralgie leiden Betroffene unter ziehenden oder stechenden Schmerzen, die länger als zwei bis drei Tage anhalten. Häufig spüren Patienten sie wie Stiche beim Atmen, die sich zum Beispiel durch Husten, Druck auf den Brustkorb oder Bewegung verstärken.
  • Seitenstrangangina: Bei der Seitenstrangangina handelt es sich um eine Komplikation der Rachenentzündung (Pharyngitis), die mit starken, oft einseitigen Halsschmerzen einhergeht.
  • Atypische Lungenentzündung: Husten und Rückenschmerzen können bei einer atypischen Lungenentzündung als gemeinsame Symptome auftreten.
  • Herzprobleme: Tatsächlich handelt es sich bei plötzlichen, ziehenden oder stechenden Schmerzen, die in den Hals, den Rücken und/oder die Arme ausstrahlen, um mögliche Anzeichen für einen Herzinfarkt.
  • Refluxkrankheit: Weil Rachenschleimhaut und Kehlkopf besonders empfindlich sind, kann Magensäure diese Bereiche rasch reizen und sogar zu einer Entzündung führen, medizinisch laryngopharyngealen Reflux.
  • Halstumore: Nicht zuletzt können Halsschmerzen auch durch Rachenkrebs hervorgerufen werden.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Nicht immer sind Halsschmerzen, Kitzeln im Hals und Husten harmlos. Bei folgenden Anzeichen sollten Sie das Halsweh von einem Arzt untersuchen lassen:

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  • Plötzliche, sehr starke Halsschmerzen, auch im vorderen Bereich
  • Halsschmerzen mit Fieber über 39 Grad
  • Kloßgefühl im Hals
  • Erschwertes Schlucken und/ oder Atmen
  • Atemnot
  • Schwierigkeiten, den Mund ganz zu öffnen (Kiefersperre)
  • Die Schmerzen werden im Laufe der Tage stärker werden und nicht schwächer
  • Halsschmerzen, die länger als zwei Wochen anhalten

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