Parkinson ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen, die das Leben vieler Menschen beeinträchtigt. Die Uniklinik Homburg bietet Betroffenen eine umfassende Versorgung und beteiligt sich aktiv an der Parkinson-Forschung. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Parkinson-Ambulanz an der Uniklinik Homburg, von innovativen Behandlungsmethoden bis hin zu aktuellen Forschungsprojekten.
Parkinson: Eine Herausforderung für Betroffene und Forschung
Parkinson ist eine chronische Erkrankung, die überwiegend im höheren Lebensalter auftritt und die Bewegungsfähigkeit einschränkt. Die Erkrankung lässt sich nicht heilen, schreitet jedoch meist nur langsam voran. Vor allem medikamentöse Therapien können die Symptome wirksam lindern und kontrollieren, so dass viele Menschen noch lange ein weitgehend selbstständiges Leben führen können.
Die Parkinson-Krankheit ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung und mit einer Prävalenz von 200-300/100.000 Einwohner in Deutschland eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Bei den über 65-jährigen liegt die Prävalenz sogar bei 1.800/100.000. Durch die Veränderung der Altersstruktur der Bevölkerung ist bis 2030 mit einer Verdopplung der Patientenzahlen zu rechnen.
Das INSPIRE-Projekt: Innovative Versorgung für Parkinson-Patienten im Saarland
Menschen aus dem Saarland, die von der Krankheit betroffen sind, können am Forschungsprojekt „INSPIRE“ teilnehmen, das die Versorgung von Parkinsonpatientinnen und -patienten verbessern möchte. Es handelt sich um ein Forschungsprojekt, das von Professor Sergiu Groppa, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum des Saarlandes, geleitet wird. Versicherte gesetzlicher Krankenkassen, die an Parkinson erkrankt sind, können sich in dem Projekt über zwölf Monate hinweg bei allen ambulanten Behandlungsschritten von akademisch ausgebildeten Pflegefachpersonen, sogenannten Advanced Practice Nurses, zu Hause unterstützen und telemedizinisch begleiten lassen. Die Techniker Krankenkasse (TK) und die DAK-Gesundheit sind Partner des Projekts.
Ziele des INSPIRE-Projekts
„Eine optimale Versorgung von Menschen mit Parkinson-Syndromen hat zum Ziel, die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Familien entscheidend zu verbessern und gleichzeitig die Behandlungen effektiver, erreichbarer und den Übergang von Kliniken, ambulanten Versorgern und Therapeuten kontinuierlicher zu gestalten. Durch den Einsatz innovativer Lösungen wie die Betreuung durch Advanced Practice Nurses und die Stärkung der Betroffenen und ihrer Familien, in einer Kombination aus persönlichen Visiten und telemedizinischer Kommunikation und Vernetzung, können wir heute und in Zukunft eine nachhaltige und individualisierte Versorgung anbieten. Das Projekt des GBA-Innovationsfonds ‚Inspire‘ ist ein wichtiger Baustein für die Lösungen von morgen im Saarland, deshalb werbe ich für die Teilnahme und Unterstützung des Projektes zur Verbesserung der individuellen Behandlungsmöglichkeiten unserer Patienten“, sagt Professor Sergiu Groppa.
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Die Rolle der Advanced Practice Nurses (APN)
Die Advanced Practice Nurses - das sind auf Masterniveau qualifizierte Pflegefachpersonen mit mehrjähriger Berufserfahrung - übernehmen im Versorgungsprojekt eine zentrale Rolle. Sie beurteilen für jeden Patienten die Krankheitssituation und erstellen einen individuell passenden Behandlungs- und Versorgungsplan. Dieser wird von ihnen mit den behandelnden Fachärzten abgestimmt und im engen telemedizinischen Austausch mit den Patientinnen und Patienten regelmäßig evaluiert und angepasst.
Ein weiterer zentraler Bestandteil des Projekts ist die Verzahnung mit dem bereits bestehenden interdisziplinären Netzwerkstrukturen des Parkinson-Netzwerks Rhein-Main (PNRM+). Diesem Netzwerk gehören unter anderem Spezialisten aus den Bereichen Neurologie, Physio- und Ergotherapie, Logopädie sowie Parkinson-Selbsthilfegruppen an, die von den Advanced Practice Nurses bei Bedarf in die Behandlung eingebunden werden. An der Studie können insgesamt 1.300 Menschen mit Parkinson-Syndrom für insgesamt zwölf Monate teilnehmen.
Partner des INSPIRE-Projekts
Leiter des Innovationsfondsprojektes „INSPIRE“ ist Professor Sergiu Groppa, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum des Saarlandes, der auch die Konsortialführung innehat. Weitere Konsortialpartner sind neben der Techniker Krankenkasse und der DAK-Gesundheit die Universitätsmedizin Frankfurt, die Katholische Hochschule Mainz und die Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen. Darüber hinaus besteht eine Kooperation mit Berufsverbänden und Fachkliniken.
Die Parkinson-Ambulanz an der Uniklinik Homburg
Die Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) verfügt über eine Ambulanz für Bewegungsstörungen, Parkinson und Tiefe Hirnstimulation (THS). Hier wird für Patientinnen und Patienten eine umfassende Diagnostik sowie individuelle Therapieansätze angeboten. Ziel ist es, Ihnen eine bestmögliche Versorgung und Verbesserung Ihrer Lebensqualität zu ermöglichen.
Umfassende Diagnostik und Therapie
Die spezialisierte Ambulanz bietet eine umfassende Diagnostik und individuelle Therapieansätze für Patientinnen und Patienten mit Parkinson und anderen Bewegungsstörungen wie Dystonie, Tremor oder Chorea.
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Bewegungsstörungen gehören zu den häufigsten Krankheiten in der Neurologie. Dazu gehören folgende Erkrankungen:
- Morbus Parkinson: Eine fortschreitende Erkrankung des Nervensystems, die Bewegungsstörungen wie Zittern (Tremor), Steifheit und Schwierigkeiten beim Gehen verursacht.
- Tremor oder Zittererkrankungen: Unter Tremor versteht man ein unwillkürliches Zittern, das verschiedene Körperteile betreffen kann.
- Dystonien: Eine Dystonie ist eine neurologische Bewegungsstörung, die durch unkontrollierte Muskelkontraktionen und abnorme Haltungen gekennzeichnet ist. Insbesondere bei fokalen Dystonien werden Botulinumtoxin-Injektionen als schonende und effektive Behandlungsmethode eingesetzt.
- Restless Legs Syndrom (unruhige Beine)
- Seltenere Bewegungsstörungen die mit Unter- oder Überbeweglichkeit (wie zB. Ataxien, Chorea, Kleinhirnerkrankungen, die Wilson’sche Krankheit, Tic-Störungen, Gilles-de-la-Tourette Syndrom) vergesellschaftet sind. Chorea ist eine Bewegungsstörung, die durch unwillkürliche, unregelmäßige und unvorhersehbare Bewegungen gekennzeichnet ist.
Therapieansätze
Die ambulante und stationäre Therapie erfolgt in engster Zusammenarbeit von Expertenteams, die neben Ärzten, Psychologen, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und speziell ausgebildeten Pflegern die Behandlung von Patienten mit Bewegungsstörungen begleiten. National und international etablierte Therapieverfahren werden angeboten. Die Behandlung reicht von der Therapieeinstellung und medikamentösen Optimierung, über die Botulinumtoxintherapie bei Dystonien, Tremorerrkankungen und Spastik und modernen Pumpentherapieverfahren (wie die intrathekale Baclofengabe bei schweren Dystonien oder Spastik oder L-Dopa bzw. Apomorphinpumpen bei der Parkinson-Krankheit), bis zur Anwendung der Tiefen Hirnstimulation (in enger Zusammenarbeit mit der Klinik für Neurochirurgie). Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Tiefen Hirnstimulation (THS), einer innovativen Behandlungsmethode, die vielen Betroffenen eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität ermöglicht.
Die tiefe Hirnstimulation (THS) ist ein Verfahren, bei dem Elektroden im Gehirn implantiert werden, um bestimmte Bereiche zu stimulieren und dadurch Symptome von Bewegungsstörungen zu lindern.
Interdisziplinäres Team
Das erfahrene Team aus Neurologinnen und Neurologen, Pflegekräften, Therapeutinnen und Therapeuten arbeitet interdisziplinär und setzt auf modernste Technik sowie wissenschaftlich fundierte Therapien, um die bestmögliche Betreuung sicherzustellen. Dabei wird großer Wert auf eine ganzheitliche und patientenorientierte Versorgung gelegt. Neben der medikamentösen Therapie werden auch physiotherapeutische, ergotherapeutische und logopädische Behandlungen angeboten.
Kontaktinformationen der Ambulanz
- Kontakt & Standort:Klinik für NeurologieAmbulanz für Bewegungsstörungen, Parkinson & THSGebäude 90, Erdgeschoss, Poliklinik66421 Homburg
- Sprechstunden & Terminvergabe:Sprechstundenzeiten 8 - 14 UhrTerminvergabe Montag bis Freitag 12 - 14:30 Uhr+49 6841 16-24138
Hinweise für den Termin
Bitte bringen Sie zu Ihrem Termin, soweit vorhanden, folgende Unterlagen mit:
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- Europäische Versichertenkarte
- Medizinische Vorbefunde, inklusive Laborbefunde
- Aktuellen Medikationsplan
- Röntgen-, CT- und MRT-Bilder (wenn vorhanden)
- Betreuungsurkunde (wenn vorhanden)
- Seh- und Hörhilfen (wenn benötigt)
- Anfallskalender (wenn vorhanden)
Forschungsschwerpunkte
Im Rahmen von mehreren nationalen und internationalen Projekten erforscht die Klinik die Entstehungsmechanismen der Bewegungsstörungen (vor allem der Parkinson-Krankheit und der Dystonien) und arbeitet an der Optimierung der aktuellen und zukünftigen Therapieverfahren.
Forschungsprojekte im Fokus
Im Fokus der Studien stehen:
- Die Parkinson Krankheit
- Morbus Parkinson ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung und mit einer Prävalenz von 200-300/100.000 Einwohner in Deutschland eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen.
- Dystonien
- Tiefe Hirnstimulation
Tiefe Hirnstimulation im Detail
Die Behandlungsoptionen des M. Parkinson und der Dystonien aber auch der Tremor Erkrankungen haben sich durch die Entwicklung der tiefen Hirnstimulation deutlich erweitert. Anders als primär auf Neurotransmitterstoffwechsel, Zellregeneration oder Zellersatz fokussierten Behandlungsansätze nutzen diese Therapieverfahren die vorhandenen Funktionsreserven noch intakter Systemkomponenten. Am bekanntesten sind die Erfolge der tiefen Hirnstimulation bei der Parkinson-, Tremor- Erkrankung und den Dystonien. Gute Effekte wurden aber auch bei der Behandlung anderer neurologischer (wie Epilepsien, Schmerzsyndrome) und psychiatrischer Erkrankungen (wie therapieresistente Depressionen und Zwangsstörungen) erzielt.
Optimierte Nachsorge nach THS
Weiterhin wird an einer optimierten Nachsorge nach der tiefen Hirnstimulation gearbeitet. Obwohl weltweit Tausende von Patienten eine tiefen Hirnstimulationstherapie bei Parkinson und anderen Bewegungsstörungen erhalten haben, sind viele Mediziner und Krankenhäuser mit dieser Behandlung noch nicht vertraut. Bei viele Patienten mit tiefer Hirnstimulation erfolgt die Implantation problemlos nur wird die Nachsorge nicht optimal verfolgt. Auch bei neuen medizinischen Problemen wissen viele Ärzte nicht genau worauf man achten sollte.
Es gibt jedoch einige Punkte, die die Patienten mit tiefer Hirnstimulation und Ärzte beachten sollten. Als ist es wichtig zu wissen welche Untersuchungen möglich sind. MRT Untersuchungen können nur unter bestimmten Vorausseetzungen zB nur mit einer speziellen Spule oder nur bestimmte Aufnahmen durchgeführt werden. Andere Körperteile können nicht mehr per MRT untersucht werden. Diese Situation liegt vor, weil sich der Stimulator und die Elektroden während der Kernspintomographie erhitzen werden können und das Hirngewebe schädigen. Weiterhin müssen die Radiologen gewisse Vorsichtsmaßnahmen beachten, wenn sie eine MRT Untersuchung durchführen. In unserer Einrichtung bekommen Sie die Informationen hierzu. Gerne nehmen wir auch Kontakt mit Ihren Ärzte.
Stimulatoren können auch die Messung des Elektrokardiogramm (EKG) beeinflussen. Dieser Test kann wichtig sein, wenn Sie vor, während oder nach der Operation Herzprobleme haben. Daher sollten Sie Ihr tragbares Steuergerät für die tiefe Hirnstimulation mitbringen, um Ihren Stimulator im Krankenhaus auszuschalten. Seien Sie in der Lage, Ihre Stimulatoren ein- und auszuschalten, bevor Sie ins Krankenhaus gehen oder bevor Sie eine Operation durchführen. (Auch hier ist nicht davon auszugehen, dass das medizinische Personal in der Lage sein wird, die Stimulatoren für Sie auszuschalten). Auch für den Fall, dass bei Ihnen die Gehirnströme per Elektroenzephalographie (EEG) gemessen werden sollen, oder wenn Sie während eines stationären oder ambulanten Eingriffs überwacht werden sollen, müssen Sie wissen, wie Sie Ihr Gerät ausschalten können.
Wenn Sie sich einer Operation unterziehen und einen Stimulator für die tiefe Hirnstimulation haben, sind die meisten Anästhetika sicher. Allerdings müssen einige Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, wenn ein Elektrokoagulator oder andere elektrische Geräte zB verwendet wird. Diese könnten mit Ihrem Stimulator möglicherweise interfierenren oder die Einstellungen auf die Werkseinstellungen zurücksetzen. Wir können sehr gerne zu Vorsichtsmaßnahmen beraten und die notwendigen Vorbereitungsschritte empfehlen. Oft muss der Stimulator ausgeschaltet werden. Wichtig wäre, dass Ihre Ärzte die notwendigen Informationen haben und jemand Ihnen bestätigen kann ob, der Stimulator ein oder ausgeschaltet ist und dass die korrekten Einstellungen nach der Operation erneut eingestellt werden.
Nur ein mit tiefer Hirnstimulation erfahrener Arzt sollte solche Vorgänge beraten und überwachen. Falls in dem Krankenhaus, in dem Sie behandelt werden, kein erfahrenes Spezialist für Bewegungsstörungen zur Verfügung steht und/oder wenn die Einrichtung nicht mit Patienten mit M. Parkinson oder Bewegungsstörungen oder Patienten mit Systeme für tiefe Hirnstimulationen vertraut ist, ist es wahrscheinlich am besten, im Vorfeld mit uns Kontakt aufzunehmen und die anstehenden Untersuchungen oder Behandlungen genauer vorzubereiten.
Privatambulanz von Prof. Dr. Sergiu Groppa
In der Privatambulanz von Prof. Dr. Sergiu Groppa an der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums des Saarlandes erhalten Sie eine umfassende, individuelle Diagnostik und Therapie für ein breites Spektrum neurologischer Erkrankungen. Schwerpunkte sind unter anderem Bewegungsstörungen, Epilepsien, Kopfschmerzen, neurodegenerative sowie neuroimmunologische Erkrankungen.
Prof. Groppa kombiniert langjährige Erfahrung mit modernster Diagnostik und innovativen Behandlungsmethoden. Die persönliche Betreuung steht im Mittelpunkt, um gemeinsam die bestmögliche Therapie zu entwickeln und eine optimale Versorgung zu gewährleisten.
Kontaktinformationen der Privatambulanz
- Kontakt & Standort:Klinik für NeurologiePrivat-AmbulanzGebäude 90, Erdgeschoss, Poliklinik66421 Homburg
- Hinweise für Ihren Termin:Bitte bringen Sie zu Ihrem Termin, soweit vorhanden, folgende Unterlagen mit:
- Europäische Versichertenkarte
- Medizinische Vorbefunde, inklusive Laborbefunde
- Aktuellen Medikationsplan
- Röntgen-, CT- und MRT-Bilder (wenn vorhanden)
- Betreuungsurkunde (wenn vorhanden)
- Seh- und Hörhilfe (wenn benötigt)
- Termin-Kontaktformular:Online-Terminanfrage über das Kontaktformular auf der Webseite der Uniklinik Homburg.