Nervenschmerzen nach Chemotherapie: Wie Homöopathie und Naturheilverfahren helfen können

Krebserkrankungen und ihre Behandlung stellen Betroffene vor große Herausforderungen. Neben den konventionellen Therapien wie Chemotherapie, Bestrahlung und Hormontherapie suchen viele Patient*innen nach ergänzenden Möglichkeiten, um ihre Lebensqualität zu verbessern, Nebenwirkungen zu lindern und das Krebsrisiko zu senken. Hier kommen Naturheilverfahren und die Homöopathie ins Spiel.

Was ist Naturheilkunde?

Naturheilkunde umfasst verschiedene Verfahren, die mit natürlichen Heilmitteln die Selbstheilungskräfte des Körpers anregen. Dazu gehören:

  • Bewegung: Yoga, Sport und andere körperliche Aktivitäten.
  • Entspannungstechniken: Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Achtsamkeitsübungen.
  • Heilpflanzen: Ätherische Öle und andere pflanzliche Arzneimittel.

Diese Verfahren haben oft eine lange Tradition und ihre Wirksamkeit ist teilweise wissenschaftlich belegt.

Einsatz von Naturheilverfahren in der Krebstherapie

Naturheilverfahren können in drei Bereichen unterstützend eingesetzt werden:

  1. Verbesserung der Lebensqualität: Naturheilkunde bietet Patient*innen die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden und die Therapie aktiv mitzugestalten.
  2. Minderung von Nebenwirkungen: Insbesondere bei Chemotherapie oder antihormoneller Therapie können Naturheilverfahren helfen, die Begleiterscheinungen zu reduzieren.
  3. Prävention nach Krebs: Naturheilverfahren können dazu beitragen, das individuelle Krebsrisiko zu senken.

Pflanzliche Arzneimittel zur Linderung von Nebenwirkungen

Konventionelle Krebsbehandlungen gehen oft mit starken Nebenwirkungen und einer Einschränkung der Lebensqualität einher. Pflanzliche Arzneimittel können hier unterstützend wirken und Linderung verschaffen.

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Grüner Tee

Grüner Tee enthält Epigallocatechingallat (EGCG), das antioxidative und antitumorale Eigenschaften besitzt. Er wird gerne zur Senkung des individuellen Krebsrisikos eingesetzt. Allerdings sind bei hochkonzentrierten Präparaten Nebenwirkungen wie Schlaflosigkeit, Magen-Darm-Verstimmungen, hoher Blutdruck und Hautreaktionen möglich. Bei einer Bortezomib-Therapie sollte auf grünen Tee verzichtet werden, da er die Wirkung des Medikaments vermindern kann.

Ingwer

Ingwer wirkt entzündungshemmend, antibakteriell, antiviral und antioxidativ. Er kann Schmerzen, Krämpfe und Verdauungsbeschwerden lindern und wird besonders gegen Übelkeit auf Reisen oder in der Schwangerschaft empfohlen. Ingwer kann auch bei chemotherapieinduzierter Übelkeit oder Unwohlsein nach einer Operation helfen.

Tipp: 3 Gramm frischen Ingwer in dünne Scheiben schneiden, mit 200 ml heißem Wasser aufgießen und zehn Minuten ziehen lassen.

Achtung: Bei Sodbrennen und Magenproblemen sollte Ingwer mit Vorsicht genossen werden, da die scharfen Inhaltsstoffe die Beschwerden verschlimmern können.

Johanniskraut

Johanniskraut ist ein bekanntes Heilkraut gegen leichte und mittelschwere Depressionen. Aufgrund des hohen Wechselwirkungspotenzials mit anderen Wirkstoffen sollte es jedoch während einer Chemotherapie möglichst vermieden werden. Stattdessen empfiehlt es sich, psychischen Belastungen mit Hilfe eines Psychoonkologen, moderatem Sport und meditativen Verfahren entgegenzuwirken.

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Ginseng

Ginseng kann bei Fatigue, dem durch Chemotherapie ausgelösten Müdigkeits- und Erschöpfungssyndrom, eingesetzt werden. Studien haben gezeigt, dass amerikanischer bzw. asiatischer Ginseng die Fatigue verbessern kann. Die empfohlene Dosierung liegt bei ein bis zwei Gramm der getrockneten Wurzel täglich. Frauen mit hormonabhängigem Brustkrebs sollten auf Ginseng verzichten, da es sich um ein Phytoöstrogen handelt, das das Tumorwachstum fördern könnte.

Mistel

Die Misteltherapie wird kontrovers diskutiert. Eine alleinige Therapie mit Mistel reicht nicht aus, um Krebs zu behandeln. Unter Umständen kann sie jedoch die Lebensqualität verbessern und Nebenwirkungen der Krebstherapie wie trockene Schleimhäute, Mundschleimhautentzündungen oder gastrointestinale Beschwerden lindern. Die Mistel wird unter die Haut gespritzt, wodurch Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle entstehen können. Bei malignen Melanomen, Leukämie- oder Lymphomerkrankungen wird von der Misteltherapie abgeraten.

Homöopathie bei Nervenschmerzen nach Chemotherapie

Die Homöopathie behandelt Krankheiten nach dem Prinzip "Ähnliches mit Ähnlichem" in hoch verdünnten Potenzen. Bei Nervenschmerzen nach Chemotherapie, auch bekannt als Polyneuropathie, kann die Homöopathie eine unterstützende Rolle spielen.

Das Prinzip der Homöopathie

In der Homöopathie steht der Mensch mit seinen individuellen Beschwerden und seiner Persönlichkeit im Vordergrund. Die Erkrankungsart selbst tritt in den Hintergrund. Durch eine ausführliche Anamnese wird der Patient analysiert und erhält individuell abgestimmte Präparate.

Studienlage zur Homöopathie

Bisherige Studien zur Homöopathie können aufgrund von kleinen Patientenkollektiven, Studienabbrüchen und der Heterogenität in der Homöopathie keine signifikanten Aussagen zur Wirksamkeit belegen. Viele Patienten verspüren jedoch eine Verbesserung ihrer Lebensqualität durch die Einnahme homöopathischer Mittel.

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Homöopathische Mittel bei Nervenschmerzen

Die Wahl des passenden homöopathischen Mittels richtet sich nach der jeweiligen Schmerzqualität und -intensität. Eine genaue Anamnese und Zuordnung der Symptome und Begleitumstände sind daher wichtig. Einige homöopathische Mittel, die begleitend bei neuropathischen Schmerzen eingesetzt werden können, sind:

  • Aconitum: Bei stechenden und brennenden Nervenschmerzen.
  • Agaricus muscarius: Bei Missempfindungen, Kribbeln und Taubheit.
  • Spigelia: Bei regelmäßig auftretenden Schmerzen.
  • Verbascum: Bei akut auftretenden Nervenschmerzen.
  • Kalium phosphoricum, Magnesium phosphoricum, Zincum chloratum: Zur Beruhigung von Nervensystem und Muskulatur.
  • Cina, Cypripedium pubescens, Natrium carbonicum: Bei erhöhten Reizzuständen und Muskelkrämpfen.

Ergänzende Maßnahmen

Neben der Einnahme homöopathischer Mittel können auch andere Maßnahmen zur Linderung von Nervenschmerzen beitragen:

  • Aromatherapie: Schmerzlindernde Öle wie Cajeput und Rosmarin, entspannende Öle wie Lavendel und Majoran, stimmungsausgleichende Öle wie Lemongras und Melisse.
  • Massagen: Bei Verspannungen, Schmerzen und psychischem Stress können Massagen helfen, Muskelgruppen aufzulockern und zu entspannen.
  • Wickel und Einreibungen: Wickel und Kompressen mit Kamille oder Schafgarbe können bei bestimmten Beschwerden lindernd wirken.
  • Physiotherapie: Durch Mobilisierung und Muskelaufbau können Schwächen in der Muskulatur und Instabilitäten kompensiert werden.
  • Hydrothermotherapie: Kalte oder wechselwarme Güsse können zur Linderung der Symptomatik verordnet werden.
  • Elektrotherapie: Die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) kann bei Neuralgien in Betracht gezogen werden.
  • Ernährung: Eine vitaminreiche und fettreduzierte Kost wird empfohlen.

Wichtige Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Pflanzliche Präparate können hochwirksame Substanzen sein, die mit starken Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln einhergehen können.
  • Johanniskraut und Grapefruitsäfte können die Wirkung von Chemotherapeutika verstärken oder abschwächen.
  • Kurkuma kann Wechselwirkungen mit verschiedenen Enzymsystemen haben, die orale Krebsmedikamente betreffen.
  • Setzen Sie Ihren Arzt und Apotheker nicht nur über Ihre Nahrungsergänzungsmittel oder ergänzenden Therapien in Kenntnis, sondern auch über Ihre Lebensmittelgewohnheiten.
  • Brechen Sie die Misteltherapie ab und sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie Fieber, allergische Symptome oder ungewöhnliche Reaktionen beobachten.
  • Bei Lymphödemen, Hautirritationen oder Unwohlsein sollten Wärmeanwendungen beendet und Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden.

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