Die Weil-Osteotomie ist ein chirurgischer Eingriff, der zur Behandlung von Vorfußbeschwerden wie Hallux rigidus, Metatarsalgie oder Hammerzehen eingesetzt wird. Ziel ist es, die Mittelfußknochen zu verlängern oder zu verkürzen, um die biomechanischen Verhältnisse zu normalisieren, Schmerzen zu reduzieren und Fehlstellungen zu korrigieren. Obwohl die Weil-Osteotomie in vielen Fällen erfolgreich ist, können nach dem Eingriff Nervenschmerzen auftreten.
Was ist eine Weil-Osteotomie?
Die Weil-Osteotomie ist eine horizontale Durchtrennung eines Mittelfußknochens, die an der streckseitigen Grenze des Knorpelüberzugs des Mittelfußköpfchens, also im Zehengrundgelenk, beginnt. Die Osteotomie erlaubt eine dosierte Verschiebung des Mittelfußköpfchens nach proximal (fersenwärts). Dadurch wird die Länge des Mittelfußknochens angepasst. In geringem Ausmaß ist auch eine Verschiebung des Mittelfußköpfchens zur Innenseite oder Außenseite des Fußes möglich. Die Osteotomie wird mit einer kleinen selbstbohrenden Schraube aus Titan fixiert und erlaubt eine sofortige Belastung des Fußes nach der Operation. Die Weil-Osteotomie kann an den Mittelfußknochen 2 bis 5 durchgeführt werden.
Ursachen von Nervenschmerzen nach Weil-Osteotomie
Nervenschmerzen nach einer Weil-Osteotomie können verschiedene Ursachen haben:
- Direkte Nervenverletzung: Während der Operation können Nerven im Operationsgebiet verletzt werden. Dies kann zu vorübergehenden oder dauerhaften Nervenschäden führen.
- Nervenkompression: Durch die Verlagerung des Mittelfußköpfchens oder die Bildung von Narbengewebe kann es zu einer Kompression von Nerven kommen. Dies kann zu Schmerzen, Taubheitsgefühl oder Kribbeln im betroffenen Bereich führen.
- Entzündung: Eine Entzündung im Operationsgebiet kann ebenfalls Nervenschmerzen verursachen. Die Entzündung kann durch die Operation selbst, durch eine Infektion oder durch andere Faktoren ausgelöst werden.
- Narbenbildung: Narbengewebe kann sich um Nerven bilden und diese einklemmen oder reizen. Dies kann zu chronischen Nervenschmerzen führen.
- Fehlstellungskorrektur: Die Korrektur der Mittelfußstellung kann in einigen Fällen zu einer veränderten Belastung der Nerven führen, was Schmerzen verursachen kann.
- Überlastung der plantaren Anteile des Zehengrundgelenks: Ein prominentes Os metatarsale kann zu einer Überlastung der plantaren Anteile des Zehengrundgelenks in der Abrollphase des Fußes führen.
- Narbige Einsteifung des operierten Gelenks: Als typische Komplikation kann es zu einer narbigen Einsteifung des operierten Gelenks kommen.
Symptome von Nervenschmerzen nach Weil-Osteotomie
Die Symptome von Nervenschmerzen nach einer Weil-Osteotomie können vielfältig sein und hängen von der Ursache und dem Ausmaß der Nervenschädigung ab. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Schmerzen: Die Schmerzen können stechend, brennend, ziehend oder dumpf sein. Sie können konstant sein oder nur bei bestimmten Bewegungen oder Belastungen auftreten.
- Taubheitsgefühl: Ein Taubheitsgefühl im betroffenen Bereich kann auf eine Nervenschädigung hinweisen.
- Kribbeln: Ein Kribbeln oder Ameisenlaufen im betroffenen Bereich kann ebenfalls auf eine Nervenschädigung hinweisen.
- Elektrische Schocks: Einige Patienten berichten von elektrischen Schocks, die durch den betroffenen Bereich ziehen.
- Überempfindlichkeit: Der betroffene Bereich kann überempfindlich auf Berührungen oder Druck reagieren.
- Muskelschwäche: In einigen Fällen kann es zu einer Muskelschwäche im betroffenen Bereich kommen.
- Eingeschränkte Beweglichkeit: Durch die Schmerzen und die Nervenschädigung kann die Beweglichkeit des Fußes und der Zehen eingeschränkt sein.
Diagnose von Nervenschmerzen nach Weil-Osteotomie
Die Diagnose von Nervenschmerzen nach einer Weil-Osteotomie umfasst in der Regel eine körperliche Untersuchung, eine Anamnese und gegebenenfalls weitere diagnostische Maßnahmen.
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- Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird den Fuß und die Zehen untersuchen, um die Schmerzquelle zu lokalisieren und mögliche Nervenschädigungen festzustellen.
- Anamnese: Der Arzt wird den Patienten nach seinen Beschwerden, dem Verlauf der Schmerzen und möglichen Auslösern fragen.
- Weitere diagnostische Maßnahmen: In einigen Fällen können weitere diagnostische Maßnahmen erforderlich sein, um die Ursache der Nervenschmerzen zu ermitteln. Dazu gehören:
- Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG): Diese Untersuchung misst die Geschwindigkeit, mit der elektrische Signale durch die Nerven geleitet werden. Sie kann helfen, Nervenschädigungen zu identifizieren.
- Elektromyographie (EMG): Diese Untersuchung misst die elektrische Aktivität der Muskeln. Sie kann helfen, Nervenschädigungen zu identifizieren, die die Muskeln beeinflussen.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Diese Untersuchung kann helfen, Nervenkompressionen, Entzündungen oder Narbenbildung im Operationsgebiet zu identifizieren.
- Röntgenaufnahmen: Röntgenaufnahmen können helfen, Fehlstellungen der Mittelfußknochen oder andere strukturelle Probleme zu identifizieren, die zu Nervenschmerzen beitragen können.
Behandlung von Nervenschmerzen nach Weil-Osteotomie
Die Behandlung von Nervenschmerzen nach einer Weil-Osteotomie hängt von der Ursache und dem Ausmaß der Nervenschädigung ab. Zu den häufigsten Behandlungsoptionen gehören:
- Konservative Behandlung:
- Schmerzmittel: Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) oder Opioide können helfen, die Schmerzen zu lindern.
- Antineuropathische Medikamente: Medikamente wie Gabapentin oder Pregabalin können helfen, Nervenschmerzen zu reduzieren.
- Kortikosteroide: Kortikosteroide können helfen, Entzündungen zu reduzieren und Nervenschmerzen zu lindern. Sie können oral eingenommen oder direkt in den betroffenen Bereich injiziert werden.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit des Fußes und der Zehen zu verbessern, die Muskeln zu stärken und die Schmerzen zu lindern.
- Orthesen: Orthesen wie Einlagen oder Schienen können helfen, den Fuß zu stabilisieren und die Belastung der Nerven zu reduzieren.
- Lokale Injektionen: Injektionen mit Lokalanästhetika oder Kortikosteroiden können helfen, die Schmerzen vorübergehend zu lindern.
- Kompressionsstrümpfe: Das Tragen eines Kompressionsstrumpfes wird vor allem bei Patienten mit vorbestehenden Erkrankungen wie Herzinsuffizienz oder Krampfadern empfohlen. Nach Hallux valgus Operationen sollten spezielle Kompressionsstrümpfe getragen werden, welche über ein spezielles Fach für die Großzehe verfügen. Damit wird verhindert, dass die frisch operierte und gerade gestellte Großzehe wieder nach außen verschoben wird.
- Lymphdrainage: Lymphdrainage ist eine physiotherapeutische Therapiemaßnahme, wodurch das Wasser aus dem Bein massiert wird.
- Chirurgische Behandlung: In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um die Ursache der Nervenschmerzen zu beheben. Mögliche operative Eingriffe sind:
- Nervenfreilegung: Bei einer Nervenkompression kann der Nerv freigelegt werden, um den Druck zu reduzieren.
- Narbenkorrektur: Narbengewebe, das Nerven einklemmt oder reizt, kann operativ entfernt werden.
- Neurektomie: In seltenen Fällen kann es erforderlich sein, einen Nerv zu durchtrennen, um die Schmerzen zu lindern. Dies ist jedoch eine irreversible Maßnahme, die nur in ausgewählten Fällen in Betracht gezogen werden sollte.
- Revision der Osteotomie: In einigen Fällen kann es erforderlich sein, die Osteotomie zu revidieren, um die Mittelfußstellung zu korrigieren und die Belastung der Nerven zu reduzieren.
- Arthrodese: Bei fortgeschrittener Arthrose kann eine Arthrodese (Versteifung des Mittelfußgelenks) notwendig sein.
Prävention von Nervenschmerzen nach Weil-Osteotomie
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die ergriffen werden können, um das Risiko von Nervenschmerzen nach einer Weil-Osteotomie zu reduzieren:
- Sorgfältige Operationsplanung: Eine sorgfältige Operationsplanung kann helfen, das Risiko von Nervenverletzungen während der Operation zu minimieren.
- Schonende Operationstechnik: Eine schonende Operationstechnik kann helfen, Nervenverletzungen und Entzündungen zu vermeiden.
- Frühe Mobilisierung: Eine frühe Mobilisierung nach der Operation kann helfen, Narbenbildung und Nervenkompressionen zu reduzieren.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit des Fußes und der Zehen zu verbessern, die Muskeln zu stärken und die Schmerzen zu lindern.
- Geeignetes Schuhwerk: Das Tragen von geeignetem Schuhwerk kann helfen, die Belastung der Füße zu reduzieren und Nervenschmerzen vorzubeugen.
- Vermeidung von Überlastung: Eine Überlastung der Füße sollte vermieden werden, um Entzündungen und Nervenschmerzen vorzubeugen.
- Anpassung des metatarsalen Alignments in minimalinvasiver Operationstechnik: Das Risiko einer Gelenksteife oder einer schwebenden Zehe ist nach minimalinvasiven Korrekturen (DMOs) deutlich geringer als nach Weil-Osteotomien.
Rehabilitation nach Weil-Osteotomie
Nach einer Weil-Osteotomie ist eine funktionelle Nachbehandlung mit kontrollierter Belastung entscheidend für die Knochenheilung und das funktionelle Ergebnis. Die Rehabilitation umfasst in der Regel:
- Schmerzmanagement: Schmerzmittel und andere Maßnahmen zur Schmerzlinderung.
- Schwellungskontrolle: Hochlagerung, Kühlung und Kompressionsverbände zur Reduzierung von Schwellungen.
- Beweglichkeitsübungen: Frühzeitige Beweglichkeitsübungen zur Verbesserung der Gelenkfunktion.
- Krafttraining: Kräftigungsübungen zur Stärkung der Fuß- und Beinmuskulatur.
- Gangschulung: Erlernen eines korrekten Gangbildes mit oder ohne Belastung.
- Anpassung des Schuhwerks: Tragen von geeignetem Schuhwerk zur Unterstützung des Fußes.
- Physiotherapie: Unter Anleitung des Physiotherapeuten lernt der Patient das Laufen mit oder ohne Belastung (Gehschule), lernt wie die Hilfsmittel korrekt benutzt werden. Es werden passive Bewegungsübungen, Massage, Lymphdrainage und Krafttraining durchgeführt.
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