Nervenschmerzen am Abend: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Schmerzen und Schlafprobleme sind oft miteinander verbunden und können sich gegenseitig verstärken. Viele Menschen, die unter Schmerzen leiden, haben mit Schlaflosigkeit zu kämpfen, da sich die Schmerzen nachts stärker anfühlen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Nervenschmerzen, die sich abends verstärken, und bietet einen umfassenden Überblick über Symptome, Diagnose und verschiedene Behandlungsansätze.

Einführung

Nervenschmerzen, auch neuropathische Schmerzen genannt, sind eine besondere Form chronischer Schmerzen, die durch Schädigungen oder Fehlfunktionen des Nervensystems verursacht werden. Im Gegensatz zu anderen Schmerzarten, die durch akute Verletzungen oder Entzündungen entstehen, resultieren neuropathische Schmerzen aus einer Dysfunktion der Nerven selbst. Die Schmerzwahrnehmung kann im Laufe des Tages schwanken, aber viele Betroffene empfinden die Schmerzen nachts als stärker.

Ursachen neuropathischer Schmerzen

Neuropathische Schmerzen können vielfältige Ursachen haben, darunter:

  • Diabetes: Ein hoher Blutzuckerspiegel kann die peripheren Nerven schädigen und zu diabetischer Neuropathie führen.
  • Nervenverletzungen: Unfälle, Operationen oder Knochenschäden können Nerven dauerhaft schädigen.
  • Infektionen: Herpes Zoster (Gürtelrose) kann nach der Abheilung lang anhaltende, brennende Schmerzen (postherpetische Neuralgie) verursachen.
  • Erkrankungen des zentralen Nervensystems: Multiple Sklerose, Schlaganfälle und Rückenmarksverletzungen können neuropathische Schmerzen hervorrufen.
  • Tumore und Krebs: Tumore oder deren Behandlung (Bestrahlung, Chemotherapie) können Nerven schädigen.
  • Alkoholmissbrauch: Chronischer Alkoholkonsum kann eine periphere Neuropathie verursachen.
  • Genetische Erkrankungen: Einige genetische Störungen wie die hereditäre sensorische und autonome Neuropathie (HSAN) können ebenfalls neuropathische Schmerzen verursachen.

Warum Nervenschmerzen abends schlimmer werden

Es gibt mehrere Gründe, warum Nervenschmerzen abends und nachts stärker wahrgenommen werden:

  • Hormonelle Schwankungen: Die Produktion des entzündungshemmenden Hormons Cortisol erreicht gegen Mitternacht ihren niedrigsten Punkt. Cortisol hat aktivierende Wirkungen im Körper und hemmt tagsüber die Schmerzwahrnehmung. Da der Körper nachts zur Ruhe kommen soll, wird die Cortisolproduktion reduziert, was zu einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit führen kann.
  • Aufmerksamkeitsfokus: Tagsüber lenken alltägliche Aktivitäten wie Arbeit, Hobbys und soziale Kontakte von den Schmerzen ab. Nachts, wenn diese Ablenkungen wegfallen, konzentriert sich das Gehirn stärker auf die Schmerzsignale.
  • Schlafpositionen: Bestimmte Schlafpositionen können Druck auf Nerven ausüben und die Schmerzen verstärken, insbesondere bei bewegungsabhängigen Schmerzen. Der Mensch bewegt sich nachts im Durchschnitt mehr als 30-mal, was zu Aufwachreaktionen führen kann.
  • Schlafentzug: Eine Nacht mit wenig Schlaf kann die Schmerzen am nächsten Tag verstärken, da der Körper bei unzureichender Erholung weniger effektiv auf schmerzlindernde Mechanismen zurückgreifen kann.
  • Innere Uhr: Die Schmerzintensität folgt einer Sinuskurve über 24 Stunden mit einer maximalen Intensität zwischen 3 und 4 Uhr morgens und einer minimalen Intensität um 15 und 16 Uhr nachmittags, unabhängig vom Verhalten und allen äußeren Umweltfaktoren.

Symptome neuropathischer Schmerzen

Neuropathische Schmerzen äußern sich oft auf besondere Weise und unterscheiden sich von anderen Schmerzarten:

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  • Brennende oder stechende Schmerzen: Die Schmerzen können wie ein Brennen oder Stechen empfunden werden.
  • Elektrisierende Empfindungen: Ein elektrisierendes oder schießendes Gefühl entlang eines Nervs tritt häufig auf.
  • Taubheit oder Kribbeln: Die betroffene Region kann sich taub oder kribbelnd anfühlen (Parästhesien).
  • Überempfindlichkeit: Schon leichte Berührungen oder Reize können starke Schmerzen verursachen (Allodynie).
  • Schmerzen bei Kälte oder Hitze: Manche Menschen empfinden eine abnormale Empfindlichkeit gegenüber Kälte oder Wärme.

Diagnose neuropathischer Schmerzen

Die Diagnose neuropathischer Schmerzen erfolgt durch:

  • Anamnese und klinische Untersuchung: Der Arzt erfragt die Krankheitsgeschichte und Symptome und führt neurologische Untersuchungen durch, um den Schmerzcharakter und die Empfindlichkeiten zu bewerten.
  • Bildgebende Verfahren: MRT und CT können helfen, strukturelle Probleme im Nervensystem zu identifizieren, wie etwa Bandscheibenvorfälle oder Tumore.
  • Elektrophysiologische Tests: Nervenleitgeschwindigkeitstests und Elektromyographie (EMG) messen die elektrische Aktivität in den Nerven und Muskeln und helfen, Nervenschäden zu lokalisieren.
  • Labortests: Bluttests können Infektionen, Diabetes oder andere zugrunde liegende Ursachen aufdecken.
  • Quantitative sensorische Testung (QST): Prüfung der Hautempfindlichkeit.
  • Neurographie: Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit.
  • Somatosensibel evozierte Potenziale (SEP): Prüfung der gesamten Gefühlsbahn von der Haut über das Rückenmark bis ins Gehirn.
  • Hautbiopsie: Untersuchung einer Gewebeprobe aus der Haut unter dem Mikroskop, um Small-Fiber-Neuropathien zu diagnostizieren.

Behandlungsmöglichkeiten für neuropathische Schmerzen

Die Behandlung neuropathischer Schmerzen ist oft komplex und kann aus einer Kombination von Medikamenten, physikalischen Therapien und alternativen Ansätzen bestehen. Realistische Behandlungsziele sollten vor Therapiebeginn gemeinsam mit dem Patienten besprochen werden.

  1. Medikamentöse Therapie:

    • Antidepressiva: Amitriptylin oder Duloxetin haben schmerzlindernde Eigenschaften.
    • Antikonvulsiva: Gabapentin und Pregabalin dämpfen die Nervenaktivität.
    • Opioide und Tramadol: Werden bei schweren Schmerzen nur vorsichtig und in niedrigen Dosen eingesetzt.
    • Topische Therapie: Cremes oder Pflaster mit Lidocain oder Capsaicin können Schmerzen lokal lindern.
  2. Physiotherapie und Ergotherapie:

    • Kräftigungs- und Bewegungsübungen: Stärken die Muskulatur, fördern die Beweglichkeit und reduzieren Schmerzen.
    • Sensorisches Training: Desensibilisierungsübungen können die Schmerzempfindlichkeit verringern.
  3. Psychologische Therapie:

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    • Kognitive Verhaltenstherapie (CBT): Hilft, mit den Schmerzen besser umzugehen und das Schmerzempfinden zu reduzieren.
    • Schmerzbewältigungstraining: Techniken zur Stressbewältigung und Entspannung verbessern den Umgang mit Schmerzen.
  4. Neuromodulation:

    • Spinal Cord Stimulation (SCS): Elektrische Impulse blockieren die Schmerzsignale.
    • Periphere Nervenstimulation: Elektrische Impulse reduzieren die Schmerzsignale.
    • Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Niederfrequente elektrische Impulse lindern die Schmerzen.
  5. Alternative Therapien:

    • Akupunktur: Kann bei einigen Patienten Linderung bewirken.
    • Entspannungstechniken: Progressive Muskelentspannung und Yoga können helfen, die Schmerzen zu lindern und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern.
    • Homöopathische Komplexmittel: z.B. neuroLoges® mit einer Dreierkombination aus Koloquinte (Colocynthis), Indianischem Wurmkraut (Spigelia anthelmia) und Gift-Sumach (Rhus toxicodendron).
  6. Lifestyle-Änderungen:

    • Ernährung und Gewichtskontrolle: Eine ausgewogene Ernährung kann das allgemeine Wohlbefinden verbessern, insbesondere bei Erkrankungen wie Diabetes.
    • Regelmäßige Bewegung: Moderates Training und Bewegung können helfen, die Muskeln zu stärken und die Nervenfunktion zu unterstützen.
    • Schlafhygiene: Guter und erholsamer Schlaf ist wichtig, um Schmerzen und Überempfindlichkeit zu reduzieren.

Schlafhygiene bei Nervenschmerzen

Eine gute Schlafhygiene ist entscheidend für die Bewältigung von Nervenschmerzen:

  • Regelmäßiger Schlafrhythmus: Jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett gehen und aufstehen, auch am Wochenende.
  • Angenehme Schlafumgebung: Dunkles, ruhiges und kühles Schlafzimmer.
  • Entspannungsrituale: Ein warmes Bad, Lesen oder Entspannungsübungen vor dem Schlafengehen.
  • Vermeidung von Stimulanzien: Kein Koffein oder Alkohol vor dem Schlafengehen.
  • Körperliche Aktivität: Regelmäßige Bewegung tagsüber, aber nicht kurz vor dem Schlafengehen.
  • Bequeme Schlafposition: Finden Sie eine Position, die den Druck auf die Nerven minimiert.
  • Schlaftagebuch: Führen Sie ein Schlaftagebuch, um Muster zu erkennen und die Schlafhygiene zu optimieren.

Fibromyalgie als mögliche Ursache

Fibromyalgie ist eine chronische Schmerzerkrankung, die sich durch Schmerzen in verschiedenen Körperregionen äußert. Typische Beschwerden sind Schlafstörungen, Müdigkeit, Erschöpfung und Konzentrationsprobleme. Die Schmerzen können auf der Haut, in den Muskeln und Gelenken spürbar sein und sich wie eine Muskelzerrung oder ein Muskelkater anfühlen. Fibromyalgie kann die Schmerzverarbeitung im Gehirn stören und die Schmerzschwelle senken.

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Die Diagnose erfolgt durch ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch, eine körperliche Untersuchung und den Fibromyalgie-Symptom-Fragebogen. Die Behandlung umfasst Bewegung, Medikamente (Amitriptylin, Duloxetin, Pregabalin), physikalische Therapien, multimodale Schmerztherapie und psychotherapeutische Verfahren.

Neuralgische Amyotrophie

Eine neuralgische Amyotrophie ist eine seltene Erkrankung, bei der plötzlich reißende Schmerzen im Arm auftreten, die sich bis zur Hand ausbreiten. Typisch sind heftige Schmerzen in der Schulter oder im Arm, die plötzlich abends oder nachts auftreten. Zusätzlich kann es zu Muskelschwäche und Lähmungen einzelner Muskelpartien kommen. Die Ursache ist weitgehend unbekannt, aber es wird vermutet, dass sie mit einer Entzündung des Plexus brachialis zusammenhängt.

Die Diagnose erfolgt durch eine ausführliche Befragung, eine körperliche und neurologische Untersuchung sowie eine Elektroneurographie und eine Elektromyographie. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, und umfasst Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente wie Kortikosteroide und Physiotherapie.

Polyneuropathie

Polyneuropathie ist eine Nervenkrankheit, die durch Kribbeln, Brennen und Taubheit in den Füßen und Beinen gekennzeichnet ist. Die Ursache liegt in Schäden an den langen Nerven, die Muskeln, Haut und Organe mit dem Gehirn verbinden. Je nachdem, welche Nerven betroffen sind, können unterschiedliche Beschwerden im Vordergrund stehen.

Die Diagnose erfolgt durch neurologische Untersuchungen, Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, Quantitative Sensorische Testung und gegebenenfalls eine Gewebeprobe. Die Behandlung zielt darauf ab, die Ursache zu behandeln (z.B. Blutzuckerkontrolle bei Diabetes, Abstinenz bei Alkoholmissbrauch) und die Symptome zu lindern. Zur Schmerzbekämpfung haben sich Antidepressiva, Antikonvulsiva und Capsaicin-Pflaster bewährt.

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