Nervenschmerzen, oft als neuropathische Schmerzen bezeichnet, können sich auf vielfältige Weise äußern. Eine besonders quälende Form sind Schmerzen, die sich wie Stromschläge anfühlen. Diese elektrisierenden Schmerzen können plötzlich auftreten und den Betroffenen stark beeinträchtigen. In diesem Artikel werden die Ursachen, Diagnosemethoden und Therapiemöglichkeiten für Nervenschmerzen, die sich wie Stromschläge anfühlen, detailliert erläutert.
Was sind Nervenschmerzen?
Nervenschmerzen entstehen durch Schädigungen oder Funktionsstörungen des Nervensystems. Im Gegensatz zu anderen Schmerzarten, die durch akute Verletzungen oder Entzündungen verursacht werden, resultieren neuropathische Schmerzen aus einer Dysfunktion der Nerven selbst. Diese Dysfunktion kann durch Verletzungen, Krankheiten oder bestimmte Zustände verursacht werden, die das Nervensystem betreffen.
Neuropathische Schmerzen werden fachsprachlich auch als neuropathische Schmerzen bezeichnet. Sie entstehen als direkte Folge einer Schädigung von „Gefühlsfasern“ des Nervensystems. In diesem Punkt unterscheiden sich neuropathische Schmerzen grundsätzlich von allen anderen Schmerzen, zum Beispiel Rücken-, Kopf- oder Tumorschmerzen. Anders als beim „normalen“ Schmerzerleben entstehen die Schmerzimpulse in der Regel nicht mehr im Bereich der Nervenendigungen von Schmerzfasern in den Geweben des Körpers.
Symptome von Nervenschmerzen
Neben brennenden und elektrisierenden Schmerzen oder Ameisenlaufen können Nervenschmerzen auch viele andere Symptome hervorrufen. Diese können sich individuell unterschiedlich bemerkbar machen. Typische Symptome sind:
- Brennende oder stechende Schmerzen: Die Schmerzen können wie ein Brennen oder Stechen empfunden werden, was typisch für neuropathische Schmerzen ist.
- Elektrisierende Empfindungen: Ein elektrisierendes oder schießendes Gefühl entlang eines Nervs tritt häufig auf.
- Taubheit oder Kribbeln: Die betroffene Region kann sich taub oder kribbelnd anfühlen (Parästhesien).
- Überempfindlichkeit: Schon leichte Berührungen oder Reize können starke Schmerzen verursachen (Allodynie).
- Schmerzen bei Kälte oder Hitze: Manche Menschen empfinden eine abnormale Empfindlichkeit gegenüber Kälte oder Wärme.
- Gefühlsstörungen: Betroffene leiden unter Gefühlsstörungen wie Missempfindungen (z. B. Kribbeln) oder Taubheit.
- Muskelschwäche: Auch Fehlfunktionen der von den Nerven versorgten Muskeln sind mögliche Auswirkungen mit Schwäche bis hin zu Lähmungen.
- Anhaltende Missempfindungen: Wie Kribbeln oder Taubheitsgefühl.
- Schmerzüberempfindlichkeit: Dann genügen schon schwache Reize (wie sanfter Druck, leichtes Piksen mit stumpfer Nadel oder Hautkontakt mit kalten oder warmen Gegenständen), um Schmerzen auszulösen.
Die Schmerzwahrnehmung bei Nervenschmerzen ist typischerweise verändert. Schon harmlose Reize wie leichte Berührung, Wärme, Kälte oder Druck auf der Haut können bei Betroffenen Schmerzen auslösen (Allodynie).
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Ursachen von Nervenschmerzen wie Stromschlägen
Nervenschmerzen, die sich wie Stromschläge anfühlen, weisen typischerweise auf eine Nervenreizung oder -schädigung hin. Wenn Nerven eingeklemmt oder verletzt werden, können sie scharfe, elektrisierende Empfindungen übertragen. Sie kommen auch bei anderen Krankheiten vor, bei denen die Nervenfunktion beeinträchtigt ist. Der Schmerz kann an verschiedenen Stellen des Körpers, einschließlich Armen und Beinen, spürbar sein.
Die Auslöser für Neuralgien sind vielfältig, denn sie werden von unterschiedlichen Grunderkrankungen verursacht:
- Nervenkompression: Eine Nervenkompression tritt auf, wenn Druck auf einen Nerven ausgeübt und so seine normale Funktion gestört wird. Häufige Beispiele sind das Karpaltunnelsyndrom, bei dem ein Nerv im Handgelenk eingeklemmt wird, oder Ischias, bei dem der Ischiasnerv durch einen Bandscheibenvorfall im unteren Rückenbereich betroffen ist. Ein Bandscheibenvorfall entsteht, wenn der weiche innere Teil einer Bandscheibe durch einen Riss in der härteren äußeren Schicht drückt. Typischerweise tritt es im unteren Rücken oder Nacken auf und führt zu Schmerzen, Taubheitsgefühl oder Kribbeln, welches in die Arme oder Beine ausstrahlen. Es ist oft die Folge von Alterung oder Verletzung.
- Nervenentzündung (Neuritis): Eine Nervenentzündung entsteht, wenn ein Nerv gereizt wird, anschwillt und entzündet ist. Dies kann verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel Infektionen, Autoimmunerkrankungen oder Verletzungen. Wenn ein Nerv entzündet ist, kann er schmerzhafte, scharfe Empfindungen auslösen, die einem Stromschlag ähneln. Die zugrundeliegende Ursache wird durch einen Arzt festgestellt. Hierfür sind körperliche Untersuchung, bildgebende Maßnahmen und Bluttests geeignet. Die Behandlung konzentriert sich in der Regel auf die Beseitigung der Ursache, eine akute Schmerzlinderung und begleitende Krankengymnastik.
- Multiple Sklerose (MS): Bei Multipler Sklerose (auch als MS abgekürzt) kann es aufgrund einer Schädigung der Nervenhülle, dem sogenannten “Myelin”, zu Nervenschmerzen kommen. Hierzu kommt es, weil das eigene Immunsystem die Nervenschutzsicht fälschlicherweise als fremd erkennt, angreift und schädigt. In der Folge stört dies die normalen Nervensignale und führt oft zu scharfen, stromschlagähnlichen Empfindungen, insbesondere in den Armen, Beinen oder im Rumpf. Besonders häufig klagen betroffene über stromschlagartige Schmerzen im Bein, die von Zuckungen im Bein bei MS begleitet werden. Die Behandlung von MS umfasst Medikamente zur Beeinflussung des Krankheitsverlaufs sowie Trainingstherapie.
- Diabetes: Bei Diabetes sind Nervenschmerzen, die sich wie Stromschläge anfühlen, oft auf eine Erkrankung namens “diabetische Neuropathie” zurückzuführen. Dieser Schaden stört die normale Nervenfunktion und führt zu scharfen, stromschlagähnlichen Empfindungen. Möglicherweise verspüren Betroffene auch Taubheits- oder Kribbelgefühle. Eine effektive Kontrolle des Blutzuckerspiegels kann das Fortschreiten von Nervenschäden verhindern und bestehende Symptome lindern. Daher ist Vorsorge bei Diabetes so wichtig. Bei der diabetischen Neuropathie kommt es durch den erhöhten Blutzuckerspiegel zu Veränderungen im Bereich der Nervenfasern, die Schmerzen auslösen können.
- Gürtelrose (Herpes Zoster): Beispiel für eine Nervenschädigung in Folge einer Infektion ist die Gürtelrose, eine Spätfolge der Windpocken. Die auslösenden Viren (Varizella-zoster-Viren) verbleiben nach dem Abklingen der Windpocken in den Nerven und werden zu einem späteren Zeitpunkt reaktiviert. Dadurch entzündet sich der betroffene Nerv, was mit Schmerzen und Missempfindungen einhergeht. Schließlich rötet sich die Haut in dem versorgten Körperareal und es bilden sich Bläschen. Wenn die Entzündung eine erhebliche Nervenschädigung nach sich zieht, heilt sie allerdings nicht innerhalb von 2 bis 4 Wochen ab. Etwa jeder 5.
- Alkoholmissbrauch: Im Rahmen von Alkoholismus kommt es in sehr, sehr vielen Fällen zum Auftreten von Nervenschmerzen. Typisch ist wieder die beidseitige Symptomatik, vor allem im Bereich der Beine, der Füße. Typisch sind brennende Schmerzen. Chronischer Alkoholkonsum kann eine periphere Neuropathie verursachen und neuropathische Schmerzen hervorrufen.
- Tumore und Krebs: Tumore oder deren Behandlung (z. B. durch Bestrahlung oder Chemotherapie) können Nerven schädigen und neuropathische Schmerzen auslösen. Der Tumor geht primär nicht mit einem Nervenschmerz einher, sondern mit einem sogenannten nozizeptiven Schmerz. Das sind Schmerzen, die durch die Schädigung des Gewebes durch den Tumor zustande kommen. Erst wenn der Tumor wächst und durch dieses Wachstum Nervenfasern bzw. Im Rahmen von Bestrahlungen kommt es zu Bindegewebsneubildungen.
- Verletzungen: Verletzungen, wie etwa durch Unfälle, Operationen oder Knochenschäden, können Nerven dauerhaft schädigen und neuropathische Schmerzen verursachen. Auch Nervenquetschungen oder Nervendurchtrennungen im Rahmen von Unfällen oder Operationen - z.B. des Trigeminus-Nervs im Gesicht bei zahnärztlichen Eingriffen - können Nervenschmerzen nach sich ziehen.
- Infektionen: Einige Infektionen wie Herpes Zoster (Gürtelrose) können nach der Abheilung lang anhaltende, brennende Schmerzen hinterlassen, bekannt als postherpetische Neuralgie.
- Erkrankungen des zentralen Nervensystems: Multiple Sklerose, Schlaganfälle und Rückenmarksverletzungen können neuropathische Schmerzen hervorrufen, wenn Nervenbahnen beschädigt werden.
- Genetische Erkrankungen: Einige genetische Störungen wie die hereditäre sensorische und autonome Neuropathie (HSAN) können ebenfalls neuropathische Schmerzen verursachen.
- Mangelerscheinungen: Ein Mangel an Vitamin B12 kann Nervenschädigungen begünstigen.
Diagnose von Nervenschmerzen
Die Diagnose neuropathischer Schmerzen erfolgt durch:
- Anamnese und klinische Untersuchung: Der Arzt erfragt die Krankheitsgeschichte und Symptome und führt neurologische Untersuchungen durch, um den Schmerzcharakter und die Empfindlichkeiten zu bewerten. Der erste und für mich einer der wichtigsten Punkte in der Diagnostik von Schmerzen und natürlich auch von Nervenschmerzen ist das Anamnesegespräch mit dem Patienten. Wie ist Nervenschmerz? Aus der Anamnese erfahre ich auch genau, ob Erkrankungen vorliegen, die mir schon einen Hinweis geben, dass ein Nervenschmerz vorhanden sein kann. Ob beispielsweise eine Zoster-Infektion vorgelegen hat, ob Diabetes mellitus vorliegt, ob Alkoholismus vorhanden ist, ob der Patient raucht. All das sind ganz, ganz wichtige Informationen. Oder ob eine erblich bedingte Erkrankung vorhanden ist.
- Körperliche Untersuchung: Hier müssen zugänglich sein die Körperteile, die erkrankt sind.
- Neurologische Untersuchungen: Wie Reflextests durchgeführt.
- Bildgebende Verfahren: MRT und CT können helfen, strukturelle Probleme im Nervensystem zu identifizieren, wie etwa Bandscheibenvorfälle oder Tumore. Oft werden darüber hinaus moderne bildgebende Verfahren eingesetzt, zum Beispiel die Computertomografie (CT) oder die Magnetresonanztomografie (MRT, auch als Kernspintomografie bezeichnet). Sie können eine Nervenschädigung direkt sichtbar machen. Eine bildgebende Diagnostik ist dann erforderlich, wenn Nervenschmerzen spezifische Anzeichen oder Symptome aufweisen, die auf tieferliegende Probleme hinweisen. Dies können Bandscheibenvorfälle, eine Wirbelsäulenstenose (Verengung) oder Tumore (Raumforderungen) sein. Die Bildgebung ist vor allem dann angezeigt, wenn zu den Symptomen erhebliche Schwäche oder Funktionsverlust gehören oder vergangene Traumata oder Verletzungen vorliegen. Mit detaillierten Bildern helfen MRT- und CT-Verfahren dabei, den genauen Ort und die Art der Nervenkompression oder -schädigung zu bestimmen.
- Elektrophysiologische Tests: Nervenleitgeschwindigkeitstests (Elektroneurografie) und Elektromyographie (EMG) messen die elektrische Aktivität in den Nerven und Muskeln und helfen, Nervenschäden zu lokalisieren. Beide Untersuchungen werden dann durchgeführt, wenn wir uns davon ein weiteres wichtiges Ergebnis für die Diagnostik des Nervenschmerzes erhoffen. Eine Elektroneurografie ist eine Untersuchung, bei der die Erregbarkeit des Nerven überprüft wird. Bei der Elektromyografie wird die Funktionalität des Muskels untersucht.
- Quantitative sensorische Testung (QST): Zur Prüfung der Hautempfindlichkeit.
- Somatosensibel evozierte Potenziale (SEP): Zur Prüfung der gesamten Gefühlsbahn von der Haut über das Rückenmark bis ins Gehirn.
- Hochauflösende Ultraschall-Untersuchung: Wird beispielsweise oft kombiniert mit einer Elektroneurografie.
- Nervenbiopsie: Die Nervenbiopsie ist die Standarduntersuchung für das Feststellen einer Erkrankung von dünnen Nervenfasern. Sie ist die Standarddiagnostik für die sogenannte Small-Fiber-Neuropathie.
- Labortests: Bluttests können Infektionen, Diabetes oder andere zugrunde liegende Ursachen aufdecken.
- Schmerzprotokollierung: Indem ich diese Skalierung nehme 0 - kein Schmerz, 10 - ganz starke Schmerzen. Wichtig ist, dass Sie sagen: Wie ist der durchschnittliche Schmerz? Wie kann ich am besten meine Schmerzen protokollieren? Wenn es erforderlich ist, dass Sie Schmerzen protokollieren, dann bieten sich sogenannte Schmerztagebücher an. Was kann man in diesen Schmerztagebüchern eintragen?
Wichtige Informationen für den Arzt
Es ist wichtig, dem Arzt genaue Informationen über die Art und Lokalisation der Schmerzen zu geben. Dazu gehören:
- Art des Schmerzes: Ist es ein brennender oder elektrisierender Schmerz? Tritt er plötzlich auf?
- Lokalisation: Wo genau im Körper tritt der Schmerz auf?
- Triggerfaktoren: Sind die Schmerzen abhängig von bestimmten Auslösern wie Essen, Trinken oder Sprechen (z. B. bei Trigeminusneuralgie)?
- Tageszeitliche Schwankungen: Treten die Schmerzen eher tagsüber oder nachts auf?
- Schmerzintensität: Wie stark ist der Schmerz auf einer Skala von 0 bis 10 (0 = kein Schmerz, 10 = stärkster vorstellbarer Schmerz)?
Therapie von Nervenschmerzen
Die Behandlung neuropathischer Schmerzen ist oft komplex und kann aus einer Kombination von Medikamenten, physikalischen Therapien und alternativen Ansätzen bestehen. Die Behandlung von Nervenschmerzen gestaltet sich oft schwierig, sofern keine Operation zur Entlastung des betroffenen Nervs möglich ist. Schmerzfreiheit kann nur in den seltensten Fällen erreicht werden. Daher sollen realistische Behandlungsziele vor Therapiebeginn gemeinsam mit dem Patienten besprochen werden.
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Medikamentöse Therapie
- Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva, wie Amitriptylin oder Duloxetin, haben schmerzlindernde Eigenschaften und wirken oft gut bei neuropathischen Schmerzen.
- Antikonvulsiva: Medikamente wie Gabapentin und Pregabalin, die zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt werden, wirken auch bei neuropathischen Schmerzen, indem sie die Nervenaktivität dämpfen. In diesen Fällen wird begleitend zu einer medikamentösen Schmerztherapie ein Antiepileptikum verabreicht, um die Erregbarkeit der Nerven zu mindern.
- Opioide und Tramadol: Bei schweren Schmerzen können Opioide und Tramadol in bestimmten Fällen verschrieben werden, aber sie werden aufgrund des Risikos von Abhängigkeit und Nebenwirkungen meist nur vorsichtig und in niedrigen Dosen eingesetzt.
- Topische Therapie: Cremes oder Pflaster mit Wirkstoffen wie Lidocain oder Capsaicin können direkt auf die betroffene Hautstelle aufgetragen werden, um Schmerzen lokal zu lindern. Wenn Sie einen oberflächlichen Nervenschmerz haben, kann es auch durch die Verwendung bestimmter Pflaster zu einer Linderung Ihrer Schmerzsymptomatik kommen.
- Analgetika: Neben einem Analgetikum kann diese zusätzlich ein Antidepressivum und ein Antiepileptikum umfassen.
Die Medikamente, die Sie nehmen, wenn Ihnen der Rücken wehtut, die sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika, können Sie bei Nervenschmerzen vergessen. Es sind ganz bestimmte Medikamente, die wir bei Nervenschmerzen einsetzen müssen, damit es zur Linderung Ihrer Symptomatik kommt. Und das muss man Ihnen auch erklären.
Nicht-medikamentöse Verfahren
- Physiotherapie und Ergotherapie: Kräftigungs- und Bewegungsübungen: Physiotherapie kann helfen, die Muskulatur zu stärken, Beweglichkeit zu fördern und Schmerz zu reduzieren. Sensorisches Training: Übungen zur Desensibilisierung, wie das Berühren von unterschiedlichen Oberflächen, können helfen, die Schmerzempfindlichkeit zu verringern. Bei einer Nervenkompression können Physiotherapie oder entzündungshemmende Medikamente Linderung verschaffen. Zuletzt kann man noch auf alternativmedizinische Verfahren wie Osteopathie, Akupunktur, traditionell chinesische Medizin und Heilpraktiverfahren verweisen.
- Psychologische Therapie: Kognitive Verhaltenstherapie (CBT): Chronische Schmerzen können die Lebensqualität stark beeinträchtigen, und psychologische Unterstützung kann helfen, mit den Schmerzen besser umzugehen und das Schmerzempfinden zu reduzieren. Schmerzbewältigungstraining: Techniken zur Stressbewältigung und Entspannung, wie Meditation oder Atemübungen, sind hilfreich, um den Umgang mit Schmerzen zu verbessern. Darüber hinaus kann eine Psychotherapie Bestandteil eines multimodalen Behandlungsansatzes sein.
- Neuromodulation: Spinal Cord Stimulation (SCS): Bei dieser Methode wird ein Implantat in der Nähe des Rückenmarks platziert, das elektrische Impulse abgibt, die die Schmerzsignale blockieren. Periphere Nervenstimulation: Hierbei werden elektrische Impulse auf die betroffenen Nerven im peripheren Nervensystem angewandt, um die Schmerzsignale zu reduzieren. Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Diese nicht-invasive Methode verwendet niederfrequente elektrische Impulse, um die Schmerzen zu lindern.
- Alternative Therapien: Akupunktur: Akupunktur kann bei einigen Patienten Linderung der neuropathischen Schmerzen bewirken. Entspannungstechniken: Progressive Muskelentspannung und Yoga können helfen, die Schmerzen zu lindern und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern.
- Nervenblockaden und Infiltrationen: Zusätzlich können Lokalanästhetika den Teufelskreis vorübergehend unterbrechen.
- Psychotherapie: In der Schmerztherapie werden häufig Medikamente mit Physiotherapie oder Psychotherapie kombiniert.
Weitere Maßnahmen
- Übungen: Nervenschmerzen, die sich wie Stromschläge anfühlen, können oft durch gezielte Übungen gelindert werden. Welche Übungen die jeweils zugrundeliegende Krankheit die richtigen sind, muss durch den behandelnden Arzt festgelegt werden. In der Regel entwickeln Physiotherapeuten diese Übungen, nachdem sie die spezifischen Bedürfnisse und Einschränkungen des Patienten ermittelt haben. Man unterscheidet generell zwischen Kräftigungs- und Dehnungsübungen. Kräftigungsübungen sind insbesondere für die Stützmuskeln von Vorteil, sofern diese zu schwach sind und die Reizung des Nervs begünstigen. Für Menschen mit stromschlagartigen Schmerzen des Ischiasnerv kann beispielsweise die Stärkung der Rumpfmuskulatur entscheidend sein. Dehnungsübungen sind genauso wichtig. Ein Dehnen der hinteren Oberschenkelmuskuatur kann den unteren Rücken und den Ischiasnerv entlasten, während Dehnungsübungen für den Nacken bei Nervenschmerzen im Oberkörper helfen können. Zusätzlich fördern sowohl Dehnungs- als auch Kräftigungsübungen die Durchblutung.
- Faszientraining: Über die Faszienrolle vom Kniegelenk hoch bis zum Hüftgelenk rollen.
- Hausmittel: Hausmittel können Nervenschmerzen nicht beseitigen, aber tun bisweilen gut. Dazu zählen kühle Kompressen, warme Auflagen oder Bäder.
- Gesunder Lebensstil: Eine ausgewogene Ernährung, wenig Stress und Entspannungstechniken für die Psyche (autogenes Training oder progressive Muskelentspannung) sind sinnvolle Ergänzungen, um Nervenschmerzen zu lindern.
- Regelmäßige Bewegung: Hier eignen sich Yoga, Tai Chi oder Qigong für einen sanften Einstieg. Wenn Sie im Fitnessstudio trainieren, informieren Sie Ihren Trainer über Ihre chronischen Schmerzen. Beginnen sie immer langsam mit Ihren Übungen und überfordern Sie sich nicht. Gut sind Übungen, die die Dehnung und Kräftigung der Muskeln kombinieren. Für zusätzliche Motivation sorgt ein Bewegungstagebuch.
Was Sie selbst tun können
Da kann der einzelne Patient natürlich sehr viel tun. Ganz wesentlich ist, dass der sogenannte Langzeitwert, der HB1-C-Wert im Normbereich liegt bzw.
- Vitamin- und Nährstoffversorgung sichern: Was können Sie jetzt tun, dass es hier zu keinen Mangelerscheinungen, verbunden mit möglichen Nervenschmerzen, kommt? Wo findet sich beispielsweise Vitamin E? Vitamin D wird, wie Sie sicherlich wissen, von unserem Körper selbst produziert. Dazu ist es aber notwendig, dass er eine gewisse Sonneneinstrahlung bekommt. D.h.: Problematisch sind die Wintermonate, wo es definitiv zu einem Vitamin-D-Mangel kommen kann. Und bei einem ausgeprägten Vitamin-D-Mangel ist es leider dann erforderlich, dass Sie medikamentös das Vitamin D ersetzt bekommen. Vitamin D in der Nahrung selbst findet sich nicht so zahlreich. Das sind fettreiche, tierische Produkte. Anders schaut es aus bei Vitamin B. Vitamin B ist ein gesamter Komplex. Die B-Vitamine finden sich vorwiegend in tierischen Produkten. Hier ist vor allem das Vitamin B12 zu nennen. Was bedeutet das für Sie? Wenn Sie sich entschlossen haben, sich vegan oder vegetarisch zu ernähren, kommt es natürlich durch das Fehlen dieser tierischen Produkte zum Auftreten von Vitamin-B-Mangel und vor allem hier von Vitamin B12. Das bedeutet für Sie, dass Sie regelmäßig Ihren Vitamin-B-Spiegel, vor allem den Vitamin-B12-Spiegel, kontrollieren lassen müssen und erfahrungsgemäß auch ersetzen müssen. Wie gesagt: Tierische Produkte, Eier, Innereien enthalten vorwiegend die Vitamin-B-Komplexe, aber auch zahlreiche Früchte.
- Nahrungsergänzungsmittel: Meine persönliche Meinung ist, dass Nahrungsergänzungsmittel nur dann eingenommen werden sollten, wenn definitiv ein Mangel an bestimmten Substanzen, Spurenelementen, Vitaminen nachgewiesen ist.
- Alkoholkonsum einschränken: Im Rahmen von Alkoholismus kommt es in sehr, sehr vielen Fällen zum Auftreten von Nervenschmerzen.
- Nicht Rauchen: Rauchen, Nikotin selbst führt zu keinen Nervenschmerzen. Das Rauchen führt aber dazu, dass es zu Erkrankungen des Gefäßsystems kommt, das heißt, es kommt zu Durchblutungsstörungen. Diese Durchblutungsstörungen führen dann zu Nervenschädigungen, weil der Nerv auch nicht mehr ausreichend durchblutet ist. Das sind natürlich Vorgänge, die nicht mehr reparabel sind.
- Sofortigen Arztbesuch: Wenn Sie den Eindruck haben, dass Sie einen Nervenschmerz haben, sollten Sie sofort Ihren Arzt aufsuchen. Ihr primärer Ansprechpartner ist natürlich Ihr Hausarzt, Ihre Hausärztin, die Sie sehr gut kennen.
- Schmerzen protokollieren: Wenn es erforderlich ist, dass Sie Schmerzen protokollieren, dann bieten sich sogenannte Schmerztagebücher an. Was kann man in diesen Schmerztagebüchern eintragen?
Engpasssyndrome
Der Name Engpasssyndrom sagt schon, wodurch dieser Nervenschmerz ausgelöst werden kann, nämlich durch die Engstellung im Bereich von anatomischen Strukturen, wo Nervenfasern durchziehen. Das kann durch eine verstärkte Flüssigkeitseinlagerung bedingt sein, wie es typischerweise bei schwangeren Frauen auftritt. Es sind aber auch Personen besonders gefährdet, ein Engpasssyndrom zu entwickeln, die berufsbedingt Handgelenke besonders stark strecken oder beugen müssen, Vibrationsreizen ausgesetzt sind. Das heißt: Das sind beispielsweise Handwerker, Maurer, aber auch Musiker, Masseure.
Chronisch-postoperative Schmerzen
Chronisch-postoperative Schmerzen sind per Definition Schmerzen, die länger als drei Monate nach einer Operation anhalten. Was sind die Risikofaktoren für das Auftreten von chronischen Schmerzen nach Operationen? Da wissen wir, dass die Schmerzintensität, die nach einer Operation vor allem am ersten Tag nach der Operation vorhanden ist, offenbar eine ausschlaggebende Rolle spielt.
Phantomschmerzen
Phantomschmerzen sind Schmerzen, die nach einer Amputation in dem nicht mehr vorhandenen Körperteil empfunden werden. Das heißt: Wenn Ihnen ein Bein ab dem Knie amputiert wird, dann verspüren Sie diese Schmerzen im Bereich des Unterschenkels oder im Bereich der Füße, im Bereich der Zehen. Ein Amputationsschmerz kann aber auch beispielsweise auftreten bei Frauen, die aufgrund von Krebserkrankungen eine Brust verlieren.
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Verlauf und Prognose
Die Nervenschmerzen können sich jetzt ohne Therapie natürlich auch verändern, indem sie stärker, in positiven Fällen auch schwächer werden können. Ansonsten kommt es natürlich, und das wollen wir auch, zu Veränderungen im Rahmen der medikamentösen Therapie und auch der nicht-medikamentösen Therapie. Wenn Veränderungen des Nervenschmerzes auftreten, muss der behandelnde Arzt sofort aufgesucht werden. Wenn der Patient das Gefühl hat, dass der Nervenschmerz besser wird, besteht durchaus die Möglichkeit, dass man die Medikamente, die erforderlich sind, um eine Linderung herbeizuführen, wieder reduzieren kann, im besten Fall absetzen kann, was natürlich unheimlich wichtig ist, weil diese Medikamente Nebenwirkungen haben.
Die Heilungsaussichten sind davon abhängig, wie weit die Erkrankung bereits fortgeschritten ist. Wird die Krankheit rechtzeitig erkannt, gilt also die Ursache schnellstmöglich zu bekämpfen. Bei Diabetes als Ursache müssen die Blutzuckerwerte des Patienten richtig eingestellt werden, damit die Nervenschädigung gestoppt werden kann. Die Blutzuckerwerte sollten jedoch nicht zu schnell gesenkt werden, da dann die Nerven weiter geschädigt werden könnten. Über einen Zeitraum von drei Monaten sollte der HbA1c-Wert um weniger als zwei Prozentpunkte gesenkt werden. Ist Alkohol die Ursache, muss der Patient auf Alkohol verzichten. Die Regeneration der Nerven kann mit Vitamin B1 gefördert werden.
Vorbeugung
Erste Anzeichen wie Kribbeln oder Missempfindungen sollten ernst genommen werden, um eine frühzeitige Behandlung einzuleiten. Der Verlauf ist umso besser, je früher die Nervenschädigung erkannt und deren Ursache behandelt wird. Durch eine gesunde Lebensweise erhöhen Sie die Chancen, eine Polyneuropathie effektiv vorzubeugen und Nervenschädigungen im Vorfeld zu verhindern. Bei Diabetes ist die Wahrscheinlichkeit, an einer Polyneuropathie zu erkranken, besonders hoch, wenn die Blutzuckerwerte nicht richtig eingestellt sind. Vorbeugen können Sie dies, indem Sie die Blutzuckerwerte regelmäßig kontrollieren und entsprechend reagieren. Die zweithäufigste Ursache der Polyneuropathie, übermäßiger Alkoholkonsum, ist ebenfalls, wenn auch nicht immer einfach, selbst regulierbar. Das beste Heilmittel bei einer Polyneuropathie ist die Vorbeugung.
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