Das Nervenwasser, auch Liquor cerebrospinalis genannt, ist eine klare, farblose Flüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark umgibt und schützt. Es spielt eine entscheidende Rolle für die Gesundheit und Funktion des zentralen Nervensystems (ZNS). Dieser Artikel beleuchtet die Anatomie, die Funktionen und die klinische Bedeutung des Nervenwassers.
Einführung in das Nervenwasser
Das Nervenwasser ist eine körpereigene Flüssigkeit, die hauptsächlich in den Kammern (Ventrikeln) des Gehirns von spezialisierten Gefäßgeflechten, den sogenannten Plexus choroidei, gebildet wird. Diese Plexus choroidei filtern das Blut, um den Liquor zu bilden. Der Mensch besitzt etwa 100-150 ml Liquorflüssigkeit. Da die spezialisierten Zellen der Plexus choroidei am Tag aber etwa 500 ml Liquor produzieren, muss das gesamte Flüssigkeitsvolumen zwischen 3 und 4 Mal täglich ausgetauscht werden. Dies geschieht durch Rückaufnahme (Resorption) des Liquors in das venöse Gefäßsystem über Ausstülpungen der Spinnengewebshaut (Arachnoidea). Diese Ausstülpungen sind unter dem Namen Pacchioni-Granulationen oder Arachnoidalzotten bekannt.
Gäbe es diese Wiederaufnahme nicht, würde der Hirndruck stetig ansteigen und zu einem Wasserkopf (Hydrocephalus) führen. Da der Liquor in Verbindung zur Gewebsflüssigkeit des Gehirns steht, ähnelt er dieser auch in seiner Zusammensetzung.
Anatomie des Liquorräume
Der Liquor befindet sich in zwei anatomisch voneinander abgrenzbaren Räumen, die jedoch miteinander in Verbindung stehen: der äußere und der innere Liquorraum.
Äußerer Liquorraum: Dieser Raum befindet sich zwischen den beiden Anteilen der weichen Hirnhaut, zwischen Pia mater und Spinnengewebshaut (Arachnoidea). Dieser Spalt, in dem der Liquor fließt, wird auch als Subarachnoidalraum bezeichnet und findet sich sowohl um das Gehirn als auch um das Rückenmark. Bei einer Subarachnoidalblutung (SAB) dringt Blut in diesen Liquorraum ein.
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Innerer Liquorraum: Dieser besteht aus einem Hohlraumsystem im Gehirn, dem sogenannten Ventrikelsystem. In diesen Ventrikeln befinden sich auch die Gefäßgeflechte, in denen der Liquor produziert wird. Sie haben damit Transport- und Produktionsfunktion. Das System besteht aus 4 hintereinander geschalteten Ventrikeln:
- 2 zueinander symmetrische Seitenventrikel im Großhirn (Telencephalon)
- einem 3. Ventrikel im Zwischenhirn (Diencephalon)
- einem 4. Ventrikel im Rautenhirn (Rhombencephalon)
Die Ventrikel haben Verbindung zueinander. Zwischen den beiden Seitenventrikeln und dem 3. Ventrikel gibt es eine Verbindung in Form von je einem Foramen interventricularis. Das Aquädukt führt von 3. in den 4. Ventrikel.
Zusammensetzung und Produktion des Nervenwassers
Die Rückenmarksflüssigkeit besteht hauptsächlich aus Wasser, enthält aber auch verschiedene gelöste Stoffe wie Glukose, Elektrolyte (wie Natrium, Kalium, Calcium und Chlorid), Proteine, Enzyme und eine geringe Anzahl von weißen Blutkörperchen.
Der Liquor cerebrospinalis wird zum Großteil in den Kammern (Ventrikeln) des Gehirns von spezialisierten Gefäßgeflechten, den sogenannten Plexus choroidei, gebildet. Diese Geflechtstrukturen befinden sich in insgesamt vier Ventrikeln des Gehirns und filtern das Blut, um den Liquor zu bilden.
Funktionen des Nervenwassers
Indem er das Gehirn und das Rückenmark umspült, schützt der Liquor das Zentralnervensystem vor äußeren Einflüssen wie beispielsweise Erschütterung. Außerdem wird ihm eine Ernährungsfunktion für Nervenzellen zugeschrieben. Eine der wichtigsten Funktionen des Liquors ist der Schutz des Gehirns und des Rückenmarks. Dadurch wird das zentrale Nervensystem bei plötzlichen Bewegungen oder Stößen abgefedert.
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Klinische Bedeutung: Die Lumbalpunktion
Wenn eine Erkrankung oder der Verdacht auf eine Erkrankung des Rückenmarks oder des Gehirns besteht, zum Beispiel eine Entzündung der Hirnhäute (Meningitis), bietet sich zur Diagnostik die Untersuchung des Nervenwassers (Liquors) an. Um den Liquor labortechnisch untersuchen zu können, muss er aus dem Rückenmarkskanal gewonnen werden. Dazu wird mit einer langen Nadel in den Rückenmarkskanal eingestochen und die Flüssigkeit kann so austreten (Lumbalpunktion).
Bei einer Lumbalpunktion wird mit einer speziellen Nadel im Bereich der Lendenwirbel eine kleine Menge Hirn- oder Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) aus dem Wirbelkanal (Spinalkanal) entnommen.
Die Punktion erfolgt auf Höhe des Raumes zwischen drittem und viertem bzw. viertem und fünftem Lendenwirbel, um Verletzungen des Rückenmarks zu vermeiden. Da das Rückenmark bereits etwa auf Höhe des ersten Lendenwirbels endet, besteht kaum die Gefahr einer Läsion. Sollte eine Liquorentnahme im Lendenwirbelbereich nicht möglich sein, wie es selten bei Tumorbefall der Wirbelsäule vorkommen kann, so ist prinzipiell auch eine Entnahme aus der sogenannten Cisterna cerebello-medullaris möglich, einem Raum zwischen Hinterhaupt und erstem Halswirbel.
Vorbereitung und Durchführung
Vor einer Lumbalpunktion prüft die Ärztin oder der Arzt, ob die Blutgerinnung normal ist. Dies ist wichtig, um Blutungen vorzubeugen, die die Nerven im Bereich der Einstichstelle schädigen könnten. Die Untersuchung findet meist in einer Klinik statt, mittlerweile wird sie aber auch in einigen neurologischen Praxen ambulant durchgeführt.
Die Ärztin oder der Arzt führt eine feine Hohlnadel im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule ein, meist zwischen dem 3. und 4. oder 4. und 5. Lendenwirbel. Die Dornfortsätze der Wirbel können in der unteren Wirbelsäule gut ertastet werden. Damit die Nadel genug Platz findet, müssen die Wirbel möglichst weit auseinandergezogen, der Rücken also stark gebeugt werden. Das geht am besten mit einer Art Katzenbuckel im Sitzen oder seitlich im Liegen.
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Die Haut wird an der Einstichstelle betäubt und desinfiziert. Nach dem Einstich schiebt die Ärztin oder der Arzt die Nadel etwa 3 bis 4 Zentimeter tief zwischen zwei Wirbel bis nahe ans Rückenmark vor. Das Nervenwasser tropft von selbst durch die Hohlnadel in ein Röhrchen. Meistens werden 10 bis 15 Milliliter Nervenwasser entnommen. Zum Schluss wird die Nadel vorsichtig herausgezogen und die Einstichstelle mit etwas Druck verbunden, damit sich die Wunde schnell wieder schließt. Insgesamt dauert eine Punktion etwa eine Viertelstunde.
Nachsorge
Wichtig ist, danach für mindestens eine Stunde zu liegen, sich ungefähr 24 Stunden zu schonen und viel zu trinken. Weil ein Bluterguss im Wirbelkanal auf Nerven drücken kann, kontrolliert die Ärztin oder der Arzt einige Stunden später die Einstichstelle und ob man die Beine bewegen kann. Normalerweise bleibt man bei einer Lumbalpunktion mindestens 1 Stunde, meist aber bis zu 4 Stunden in der Klinik oder Praxis.
Analyse des Nervenwassers
Das Nervenwasser wird auf seine Farbe und einzelne Bestandteile untersucht. In der Regel ist es klar wie Wasser; ist es blutig oder trüb, kann das ein Zeichen für eine Blutung oder eine Entzündung im Gehirn sein. Im Labor wird analysiert, ob die Zahl der Zellen im Nervenwasser oder die Zusammensetzung seiner Bestandteile wie Eiweiße, Glukose und Laktat, verändert ist.
Bei der Untersuchung des bei der Punktion gewonnenen Nervenwassers können Rückschlüsse auf den Erreger der Erkrankung gezogen werden. Die Erreger der Erkrankungen können bakterieller oder viraler Herkunft sein. Manchmal sind die Erreger auch Pilze, es können außerdem bei einem Hirntumor Tumorzellen im Nervenwasser nachgewiesen werden. Am Beispiel einer Hirnhautentzündung (Meningitits) lässt sich dieses System gut veranschaulichen. So ist bei einer bakteriell bedingten Hirnhautentzündung das Eiweiß stark erhöht ist, während der Zucker sehr niedrig ist und das Laktat ebenfalls stark erhöht ist. Bei einer viralen Hirnhautentzündung hingegen sind die Eiweiße nur leicht erhöht, wohingegen Zucker und Laktat unauffällig bleiben. Einen Sonderfall besteht bei einer Hirnhautentzündung, die durch den Erreger der Tuberkulose ausgelöst wird.
Natürlich werden nicht nur diese Parameter im Nervenwasser untersucht. Der sogenannte Liquor wird meist noch von Mikrobiologen untersucht. Bei der Untersuchung werden die Erreger aus dem Nervenwasser bebrütet, sodass nach einigen Tagen klar ist, um welchen spezifischen Erreger es sich handelt. Dabei kann es sich um Bakterien wie zum Beispiel Meningokokken oder Pneumokokken handeln. Diese können dann mit Antibiotika behandelt werden. Wichtig ist hierbei die Wahl des richtigen Antibiotikums, dieses wird über ein sogenanntes Antibiogramm bestimmt. Wenn das Bakterium trotz Antibiotikum wachsen kann, spricht man von einer Resistenz. Wenn das Bakterium an Stellen, an denen auch ein Antibiotikum ist, nicht wachsen kann, ist dieses Antibiotikum zur Behandlung dieses Bakteriums einsetzbar. Bei der Diagnostik der viralen Erreger spielen zunächst die Antikörper IgM und IgG eine wichtige Rolle. Diese Antikörper werden vom Körper produziert und lassen Rückschlüsse darüber zu, ob es sich um eine alte oder um eine neue virale Infektion handelt. Die viralen Proteine, welche sozusagen die Visitenkarte der Viren sind, können im Western Blot oder durch einen Immunfluoreszenstest untersucht werden.
Indikationen für eine Lumbalpunktion
Die Punktion des Wirbelkanals kann auch zur Behandlung genutzt werden: Durch die gesetzte Nadel können etwa Mittel zur örtlichen Betäubung, Antibiotika oder Krebsmedikamente gespritzt werden. Die Wirkstoffe gelangen dann ohne Umweg über die Blutbahn direkt ins Nervensystem.
Die Lumbalpunktion wird zur Diagnose verschiedener Erkrankungen eingesetzt, darunter:
- Hirnhautentzündung (Meningitis)
- Hirnentzündung (Enzephalitis)
- Hirnblutungen
- Demenzerkrankungen
- Rückenmarkentzündung (Myelitis)
- Blutkrebs (Leukämie)
- Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose
Risiken und Komplikationen
Normalerweise birgt die Lumbalpunktion keine größeren Risiken. Im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule enthält der Wirbelkanal nur noch Flüssigkeit, da das Rückenmark bereits weiter oben endet. Es kann deshalb nicht verletzt werden.
Für kurze Zeit können Schmerzen auftreten: beim Einstich und falls die Nadel tiefer im Gewebe eine Nervenwurzel berührt. Dann strahlt der Schmerz in ein Bein aus, klingt aber sofort wieder ab.
Einige Stunden oder auch Tage nach der Punktion kann es zu Kopfschmerzen, Übelkeit, einem hohen Puls oder niedrigem Blutdruck kommen. Medizinisch wird dies als „postpunktuelles Syndrom“ zusammengefasst. Diese Nachwirkungen klingen aber in der Regel nach etwa fünf Tagen ab.
Eine absolute Kontraindikation für eine Lumbalpunktion stellt ein erhöhter Hirndruck dar, da es durch Liquorentnahme zum Absacken des Gehirnes und damit zu dessen Einklemmung kommen kann. Das Atemzentrum wird komprimiert und es besteht die Gefahr eines Atemstillstandes mit unmittelbarer Lebensbedrohung.
Erkrankungen, die durch Liquoruntersuchung erkannt werden können
Da Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS) mit einer Veränderung des Liquors/ Nervenwasser bzw. dessen Zusammensetzung einhergehen, lassen sich durch die Liquordiagnostik oftmals Verdachtsdiagnosen bestätigen.
Entzündliche Erkrankungen des ZNS: Entzündliche Erkrankungen des ZNS wie beispielsweise Gehirnentzündungen (Enzephalitis), Hirnhautentzündungen (Meningitis), Rückenmarksentzündungen (Myelitis) oder entzündliche Autoimmunerkrankungen wie die Multiple Sklerose lassen sich beurteilen. Handelt es sich um bakterielle Infektionen, lassen sich vor allem neutrophile Granulozyten, eine Unterform der weißen Blutkörperchen, nachweisen. Bei viralen Infektionen hingegen finden sich vermehrt Lymphozyten.
Tumoren: Tumorzellen im Nervenwasser lenken den Verdacht auf einen Tumorbefall der Hirnhäute (Meningeosis neoplastica), der bei Lymphomen, Leukämien oder Karzinomerkrankungen auftreten kann. Hierbei werden Tumore gemeint, die im Rückenmark oder in den umliegenden Strukturen entstehen. Die Symptome von Rückenmarkskrebs können je nach Lage und Art des Tumors variieren und umfassen: Rückenschmerzen, neurologische Defizite (wie Schwäche, Taubheitsgefühl oder Kribbeln in den Extremitäten), Blasen- und Darmprobleme, Lähmungen.
Blutungen: Blutungen des Subarachnoidalraumes, die von hirnversorgenden Schlagadern ausgehen, werden durch das Auftreten von Erythrozyten (rote Blutkörperchen) im Nervenwasser bestätigt. Allerdings ist hierbei auf Artefakte zu achten, da geringe Blutmengen ebenfalls durch den Einstich bei der Punktion hervorgerufen werden können.
Subarachnoidalblutung (SAB) und Schulterschmerzen
Bei einer Subarachnoidalblutung (SAB) dringt Blut in den Subarachnoidalraum ein, der Gehirn und Rückenmark umgibt. Als Folge erhöht sich der Druck im Gehirn. Wird jetzt nicht sofort gehandelt, besteht Lebensgefahr.
Typisches Symptom für eine Subarachnoidalblutung ist ein plötzlicher Kopfschmerz in bisher nie gekannter Stärke (sog. Vernichtungskopfschmerz). Weitere Symptome können sein:
- steifer Nacken
- Schulterschmerzen und / oder Nackenschmerzen
- Bewusstseinsstörungen (z.B. Benommenheit, erhöhte Schläfrigkeit)
- Ohnmacht
- Sehstörungen (z.B.
Eine Subarachnoidalblutung ist ein lebensbedrohlicher Notfall und bedarf sofort ärztlicher Hilfe!
Die Hirnnerven
Die Hirnnerven - zwölf an der Zahl - haben verschiedene Qualitäten. Sie sind für sensorische Wahrnehmungen, motorische Funktionen und parasympathische Regulationen zuständig.
| Hirnnerv | Bezeichnung | Qualität |
|---|---|---|
| 1. Hirnnerv | Nervus olfactorius (Riechnerv) | sensorisch |
| 2. Hirnnerv | Nervus opticus (Sehnerv) | sensorisch |
| 3. Hirnnerv | Nervus oculomotorius (Augenmuskelnerv) | parasympathisch-motorisch |
| 4. Hirnnerv | Nervus trochlearis (Augenmuskelnerv) | motorisch |
| 5. Hirnnerv | Nervus trigeminus (Drillingsnerv, Trigeminus) | sensibel-motorisch |
| 6. Hirnnerv | Nervus abducens (Augenmuskelnerv) | motorisch |
| 7. Hirnnerv | Nervus facialis (Gesichtsnerv, Fazialis) | sensorisch-parasympathisch-motorisch |
| 8. Hirnnerv | Nervus vestibulocochlearis (Hör- und Gleichgewichtsnerv) | sensorisch |
| 9. Hirnnerv | Nervus glossopharyngeus (Zungen-Rachen-Nerv) | sensorisch-parasympathisch-motorisch |
| 10. Hirnnerv | Nervus vagus („umherschweifender“ Nerv, Vagus) | sensorisch-parasympathisch-motorisch |
| 11. Hirnnerv | Nervus accessorius (Hals- oder Beinerv) | motorisch |
| 12. Hirnnerv | Nervus hypoglossus (Zungennerv) | motorisch |
Funktion der Hirnnerven
- Die Hirnnerven 1, 2 und 8 sind rein sensorische Nerven, leiten also Reize von Sinnesorganen.
- Die Hirnnerven 3, 4 und 6 werden als Augenmuskelnerven bezeichnet.
- Der Nervus trigeminus (5. Hirnnerv) versorgt mit seinen drei Ästen das Gesicht, die Schleimhaut von Mund und Nase, die Zähne und die Dura mater.
- Der Nervus facialis (7. Hirnnerv) besteht aus sensorischen, parasympathischen und willkürlichen motorischen Fasern.
- Der Nervus vagus (10. Hirnnerv) versorgt mit seinen motorischen Anteilen das Gaumensegel, die Atemwege sowie die oberen Speisewege.
Lage der Hirnnerven
Die Durchnummerierung der 12 Hirnnerven-Paare entspricht ihrer Anordnung am Gehirn von kranial (schädelwärts) zu kaudal (schwanzwärts, also zu den Füßen hin).
Probleme mit den Hirnnerven
Verletzungen oder Erkrankungen der verschiedenen Hirnnerven und ihrer Äste können unterschiedlichste Folgen haben - je nachdem, welche Aufgabe die betreffenden Nervenfasern erfüllen.
Bandscheibenvorfall
Die häufigste Lokalisation eines Bandscheibenvorfalls ist die Höhe zwischen dem 5. Lendenwirbelkörper (LWK 5 oder kurz L 5) und dem Kreuzbein (SWK 1 oder kurz S 1). Dabei kommt es zu einem Einriss des Faserrings (um die Bandscheibe herum =Anulus fibrosus) der Bandscheibe L5/S1. Dieses Ereignis kann deutliche Rückenschmerzen hervorrufen und wird dann als der klassische „Hexenschuß“ bezeichnet. Kommt es dann im Weiteren zu einem Austritt von Bandscheibengewebe durch den entstandenen Riss im Anulus fibrosus, wird dies dann als Bandscheibenvorfall bezeichnet.
Das Gewebe (Bandscheibenvorfall; Bandscheibenprolaps) drückt nun auf die dem Segment L5/S1 entspringende Nervenwurzel S1. Der Rückenschmerz wird dann meist deutlich besser und tritt in den Hintergrund. Der Schmerz verlagert sich ins Bein und strahlt entlang der gedrückten Nervenwurzel S1 aus. Die S1 Nervenwurzel bildet den Nervus ischiadicus, der bis in den Fußaußenkante zieht.
Letztendlich sind die unteren Segmente L4/L5 und L5/S1 der Lendenwirbelsäule am häufigsten betroffen, da hier die größte Belastung auf den Bandscheiben und Faserringen (Anulus fibrosus) ruht. Falls es also zu einem Bandscheibenvorfall gekommen ist, können nun typische Symptome und Schmerzen auftreten. Es gibt aber auch Studien, die zeigen, das viele Menschen mit einem eindeutigen Bandscheibenvorfall herumlaufen, aber überhaupt keine Symptome zeigen.
Im Vordergrund der geklagten Beschwerden steht immer der ausstrahlende Schmerz ins Bein, entweder rechtsseitig oder linksseitig, je nachdem auf welcher Seite der Bandscheibenvorfall in den Spinalkanal gerutscht ist und auf die Nervenwurzel drückt. Dieser ausstrahlende Schmerz wird als radikulärer Schmerz bezeichnet, weil er dem Verlauf und dem Versorgungsgebiet der gedrückten Nervenwurzel entspricht. Auch Rückenschmerzen (Lumbago) können bestehen, meist aber deutlich weniger als der ausstrahlende Schmerz.
Entstehung eines Bandscheibenvorfall L5/S1
Es kommt zu einem Einriss des Anulus fibrosus und dann einem immer weiter austretenden Stück der Bandscheibe bis hin zu einem freien Stück Bandscheibe im Spinalkanal; dies ist dann der typische Sequester.
Diagnostik
Die Standard Bildgebung sollte heutzutage die Magnetresonanztomographie (MRT) sein. Auf den MRT Bildern werden die anatomischen Gegebenheiten sehr exakt und sehr detailliert abgebildet. Auch wird hier keine Röntgenstrahlung eingesetzt wie in der Computertomographie.
Therapie
Falls neurologische Ausfallserscheinungen auftreten, damit sind in erster Linie motorische Derfizite (Schwäche) gemeint, sollte eine Operation angeboten werden. Das Problem ist, daß die bestehende motorische Störung unbehandelt, d.h. der Druck wird nicht vom Nerv genommen, zu einer persistierenden, sich nicht spontan bessernden bleibenden Ausfallssymptomatik führen kann. Ganz entscheidend hierbeio ist der zeitliche Faktor. Je länger eine neurologische Störung besteht, desto schelchter werden die Chancen, dass diese sich von alleine bessert bzw. dass die Operation zu einer kompletten Rückbildung führen kann. Dies muss immer ausführlich mit den Patienten erörtert werde; warum eine Operation angeboten wird.
Bandscheibenvorfälle können sich von alleine zurückbilden (dies kommt sogar bei bis zu 80% der Verläufe vor), anders verhält es sich wenn neurologische Störungen auftreten, da sich diese meist nicht komplett von alleine zurückbilden. Natürlich ist auch der schwere Schmerz im Bein die Indikation den Patienten eine Operation anzubieten, auch bei fehlenden neurologischen Störungen. Dies obliegt einzig und allein dem Patienten und seiner Entscheidung sich operieren zu lassen. Meist ist der Leidensdruck der Patienten das entscheidende Kriterium.
Es muss nicht immer eine Vollnarkose sein. Viele Operationen werden heutzutage in regionaler Anästhesie bzw. Teilnarkose durchgeführt. Dabei injiziert der Anästhesist spezielle Medikamente in die Nähe relevanter Nerven, ähnlich der Betäubung beim Zahnarzt, so dass die Schmerzweiterleitung vom Operationsgebiet zum zentralen Nervensystem blockiert wird. Im Gegensatz zur Vollnarkose muss der Patient bei einer Teilnarkose nicht in einen Tiefschlaf versetzt und künstlich beatmet werden. Dadurch entfallen die Nebenwirkungen und Risiken einer Vollnarkose.
Regionalanästhesie
Alle Regionalanästhesieverfahren lassen sich grundsätzlich mit einer Sedierung, also einem leichten Schlaf kombinieren. Sicherheit hat in der Regionalanästhesie wie in allen anderen Bereichen der Anästhesie höchste Priorität. Aus diesem Grund verlassen auch wir uns nicht mehr nur alleine auf unsere Anatomiekenntnisse, sondern haben das Sonographieverfahren (Ultraschall) als Goldstandard etabliert. Hierdurch ist es möglich Nervenstrukturen zweifelsfrei zu identifizieren und zielgesteuert mit einem speziellen Lokalanästhetikum zu betäuben.
Beispiele für Regionalanästhesieverfahren sind:
- Interskalenäre Plexusblockade (seitliche Halsregion, obere Extremität)
- Axilläre/infraclaviculäre/supraclaviculäre Plexusblockade (obere Extremität, Oberarm-, Ellenbogen-, Unterarm- und Handeingriffe)
- Femoralnerv-/ Saphenusblockade (Kniegelenk)
- Proximale/distale Ischiadicusblock (untere Extremität)
- Spinalanästhesie (Unterleib, Beine)
- Periduralanästhesie (stärkere Schmerzen nach einem chirurgischen Eingriff)
Spinalkanalstenose
Eine Spinalkanalstenose kann zu fast unerträglichen Schmerzen im unteren Rücken führen. Oft strahlen diese auch aus und es entwickeln sich starke Beinschmerzen, die das Gehen erschweren. Bei einer Spinalkanalstenose handelt es sich um eine Verengung (Stenose) des knöchernen Wirbelkanals, in dem das Rückenmark verläuft. Ursache dafür sind vor allem degenerative Prozesse. Dabei ragen Knochenanbauten oder verdickte Bänder in den Spinalkanal hinein und drücken auf Rückenmark und Nervenwurzeln.
Symptome
Das genaue Beschwerdebild hängt davon ab, welche Körperteile von dem eingeengten Segment des Rückenmarks oder den komprimierten Nerven versorgt werden. Mögliche Symptome sind Störungen von Kraft und Bewegung sowie Schmerzen und Taubheitsgefühle.
Im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) verursacht ein eingeengtes Rückenmark vor allem Symptome im Bereich des Gesichts, der Schulter, der Arme und der Hände. Die Patienten berichten über starke Nackenschmerzen oder Schulterschmerzen. Die Sensibilität und Geschicklichkeit der Hände können deutlich nachlassen.
Besonders häufig tritt die spinale Stenose im Bereich der Lendenwirbel L 4/5 auf (lumbale Stenose). Der stetige Druck des verengten Wirbelkanals auf Rückenmark, Spinalwurzeln bzw. Spinalnerven löst nicht nur lokale LWS-Schmerzen aus. Er schadet auch den Nerven, die das Bein versorgen.
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