Nervus Vagus Anatomie Atlas: Funktionen, Störungen und Therapieansätze

Der Nervus Vagus, auch bekannt als der zehnte Hirnnerv, ist einer der längsten und komplexesten Nerven im Körper. Er spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung verschiedener Körperfunktionen, von der Herzfrequenz bis zur Verdauung. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Anatomie, Funktionen und möglichen Störungen des Nervus Vagus, sowie über Therapieansätze, die seine Aktivität beeinflussen können.

Einführung in das vegetative Nervensystem

Das vegetative Nervensystem (VNS) ist ein phylogenetisch älteres System als das zentrale Nervensystem (ZNS) und wird auch als autonomes Nervensystem bezeichnet. Es steuert lebenswichtige Funktionen ohne willentliche Beeinflussung. Die Entwicklung des VNS lässt sich von einfachen Nervennetzen bei niederen Tieren bis hin zu komplexen Systemen bei Säugetieren verfolgen.

Die Rolle des Hypothalamus

Der Hypothalamus im Zwischenhirn spielt eine zentrale Rolle bei der Steuerung des VNS. Er reguliert spezifisch sympathische (ergotrope) und parasympathische (trophotrope) Reaktionen. Verschaltungen mit vegetativen Kernen im Rückenmark und Mittelhirn ermöglichen die Koordination von Nahrungsaufnahme, Verdauung, Atmung, Herz-Kreislauf-Funktionen sowie Kommunikation und Mimik.

Neurotransmitter im VNS

Histochemisch dominieren im zentralen Nervensystem Acetylcholin (cholinerges System) sowie Noradrenalin (adrenerg), Dopamin (dopaminerg) und Serotonin (serotonerg) im monoaminergen System. Peripher spielen das cholinerge und adrenerge System mit ihren jeweiligen Subtypen eine wichtige Rolle.

Anatomie des Nervus Vagus

Der Nervus Vagus entspringt dem Medulla oblongata (verlängertes Rückenmark) im Gehirn und ist ein gemischter Nerv, der sowohl sensorische als auch motorische Fasern enthält. Er verlässt den Schädel durch das Foramen jugulare und verläuft durch den Hals, den Brustkorb und den Bauchraum, wobei er sich in viele Äste verzweigt, die zu verschiedenen Organen führen.

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Ursprung und Verlauf

Die zentralen Ursprungskerne der präganglionären Neurone des Nervus Vagus (Ncl. dorsalis n. vagi, ambiguus et tractus solitarius) befinden sich im Mittel- bzw. Rautenhirn. Der Nervus Vagus verläuft dann zusammen mit anderen Hirnnerven (III, VII, IX) und entlang von Gefäßen bis zu den Erfolgsorganen.

Die Vagusgruppe

Eine enge anatomische und phylogenetische Beziehung besteht zur sogenannten Vagusgruppe, zu der auch der Nervus Accessorius (XI) gehört, der die Muskeln Sternocleidomastoideus und Trapezius versorgt.

Funktionen des Nervus Vagus

Der Nervus Vagus ist für die Versorgung vieler Organe im Brustkorb und Bauchraum verantwortlich, einschließlich Herz, Lunge, Speiseröhre, Magen, Dünndarm und Dickdarm. Er spielt eine wichtige Rolle bei:

  • Kontrolle des Herzrhythmus und Blutdrucks: Der Nervus Vagus gibt Informationen an das Herz und den Kreislauf ab und beeinflusst so den Herzrhythmus und den Blutdruck.
  • Regulierung der Atmung: Er hilft bei der Steuerung der Atemfrequenz und -tiefe.
  • Verdauung: Er stimuliert die Freisetzung von Magensäure und Verdauungsenzymen und reguliert die Darmmotilität.
  • Entzündungsreaktionen: Der Nervus Vagus ist wichtig für die Kontrolle von Entzündungsreaktionen im Körper und spielt eine Rolle bei der Schmerzregulation.
  • Sprache und Stimme: Er innerviert die Muskeln im Kehlkopf und ist somit an der Kontrolle von Sprache und Stimme beteiligt.
  • Kommunikation und soziale Fähigkeiten: Im Rahmen der Polyvagal-Theorie nach Porges wird angenommen, dass der Nervus Vagus, insbesondere der myeliniserte Teil, der Impulse aus dem Ncl. ambiguus erhält, kommunikative und soziale Fähigkeiten wie die Modulation der Muskeln von Biss, Auge, Gesicht, Ohr, Rachen und Kehlkopf vermittelt.

Der "smartere" Nervus Vagus

Nach der Polyvagal-Theorie wird über den "smarteren" Nervus Vagus, welcher sich erst im Laufe der letzten Schwangerschafts- und ersten Lebensmonate entwickelt, myelinisiert ist und vorwiegend aus dem Ncl. ambiguus Impulse erhält, v.a. kommunikative und soziale Fähigkeiten vermittelt. Dieser phylogenetisch jüngste Teil des VNS moduliert v.a. linksseitig die subdiaphragmalen Organe und rechtsseitig die supradiaphragmalen "Organe" einschließlich Sinusknoten und damit die Herzvariabilität. Ein weiterer vagaler Einfluss v.a. auf die Respiration beim Sprechen wird durch den Ncl. tractus solitarii ausgeübt.

Störungen des Nervus Vagus

Schädigungen des Nervus Vagus können zu einer Vielzahl von Symptomen führen, einschließlich:

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  • Atembeschwerden
  • Schluckbeschwerden
  • Herzrhythmusstörungen
  • Verdauungsprobleme
  • Sprachschwierigkeiten
  • Schmerzen im Halsbereich
  • Heiserkeit
  • Geschmacksverlust
  • Blutdruckprobleme

Mögliche Ursachen für Vagus-Störungen

  • Tumoren: Tumoren im Halsbereich oder im Hirnstamm können den Nervus Vagus schädigen.
  • Entzündungen: Entzündungen im Bereich des Nervs können seine Funktion beeinträchtigen.
  • Operationen: Operationen im Halsbereich können den Nervus Vagus verletzen.
  • Trauma: Verletzungen im Halsbereich können den Nervus Vagus schädigen.
  • Atlasstörung: Eine Fehlrotation des Atlaswirbels kann den Nervus Vagus reizen und seine Funktion beeinträchtigen.

Die Verbindung zwischen Atlas und Vagus

Eine Atlasstörung, also eine Fehlrotation des ersten Halswirbels, kann den Nervus Vagus beeinträchtigen, da die beiden Strukturen nahe beieinander liegen. Eine länger anhaltende Fehlrotation des Atlas kann zu einer Verdichtung des Gewebes und einer Verschlechterung der Durchblutung führen, wodurch der Nervus Vagus gereizt und entzündet wird. Dies kann das Immunsystem beeinträchtigen und die Darm-Hirn-Achse stören.

Therapieansätze zur Beeinflussung des Nervus Vagus

Verschiedene Therapieansätze können die Aktivität des Nervus Vagus beeinflussen und somit positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben.

Vagusnervstimulation (VNS)

Die Vagusnervstimulation (VNS) ist eine etablierte Therapieform, bei der der Nervus Vagus elektrisch stimuliert wird. Sie wird unter anderem bei Epilepsie und Depressionen eingesetzt.

Die Atlas Curatio Therapie nach Dr. Ghiassi

Die Atlas Curatio Therapie nach Dr. Ardeshir Ghiassi ist ein manueller Therapieansatz, der darauf abzielt, die Fehlrotation des Atlaswirbels zu korrigieren und somit den Nervus Vagus zu entlasten. Die Therapie umfasst mehrere Schritte:

  1. Behandlung von Kiefergelenk-Satellitentrigger: An der Wade werden spezielle Triggerpunkte behandelt, die mit dem Kiefergelenk in Verbindung stehen.
  2. Resonanztherapie im Übergang von Brust- zur Halswirbelsäule: Mit einem speziellen Gerät wird eine Schwingung erzeugt, die individuell an den Patienten angepasst wird.
  3. Behandlung von Nervenverbindungen im Hirnstamm: Durch die Behandlung sollen gestörte Nervenverbindungen im Hirnstamm zurückgestellt werden.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Atlaskorrektur wissenschaftlich nicht belegt und von der Schulmedizin nicht anerkannt ist. Die beschriebenen Folgen beruhen ausschließlich auf Erfahrungswerten von Ärzten und Therapeuten, die sich damit beschäftigen.

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Weitere Möglichkeiten zur Aktivierung des Nervus Vagus

Neben den genannten Therapieansätzen gibt es weitere Möglichkeiten, den Nervus Vagus zu aktivieren:

  • Atemübungen: Langsame, tiefe Atemzüge können den Nervus Vagus stimulieren und das vegetative Nervensystem beruhigen.
  • Meditation: Regelmäßige Meditation kann die Aktivität des Nervus Vagus erhöhen und Stress reduzieren.
  • Kälteexposition: Kurze Kälteexposition, z.B. durch kaltes Duschen, kann den Nervus Vagus stimulieren.
  • Singen und Summen: Das Singen und Summen aktiviert die Muskeln im Rachen und Kehlkopf, die vom Nervus Vagus innerviert werden.
  • Soziale Interaktion: Positive soziale Interaktionen können den Nervus Vagus stimulieren und das Gefühl von Verbundenheit stärken.

Die Rolle des Nervus Glossopharyngeus und Nervus Accessorius

Neben dem Nervus Vagus spielen auch der Nervus Glossopharyngeus (IX) und der Nervus Accessorius (XI) eine wichtige Rolle im Bereich des Halses und des Rachens.

  • Nervus Glossopharyngeus: Dieser Nerv ist für die Versorgung des Rachens, des weichen Gaumens, der Zunge, der Mandeln und des Mittelohrs zuständig. Er ist auch an der Kontrolle des Blutdrucks und des Herzens beteiligt, reguliert den Speichelfluss und die Geschmackswahrnehmung und ist an einigen reflexartigen Reaktionen im Halsbereich beteiligt.
  • Nervus Accessorius: Dieser Nerv innerviert hauptsächlich die Muskeln des Halses und des Schultergürtels, einschließlich des M. sternocleidomastoideus und des M. trapezius.

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