Neue Antiepileptika: Ein Überblick über aktuelle Therapieoptionen

Die Behandlung von Epilepsie hat in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte gemacht. Mit der Entwicklung neuer Medikamente eröffnen sich verbesserte Möglichkeiten zur Anfallskontrolle und zur Minimierung von Nebenwirkungen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über einige der neueren Antiepileptika, ihre Wirkungsweisen, Anwendungsgebiete und potenziellen Vor- und Nachteile.

Trileptal® (Oxcarbazepin)

Trileptal® mit dem Wirkstoff Oxcarbazepin ist seit einiger Zeit auf dem Markt und zur Behandlung von Erwachsenen und Kindern mit fokalen Anfällen (mit und ohne sekundäre Generalisierung) zugelassen. Es kann sowohl als Monotherapie als auch in Kombination mit anderen Antiepileptika eingesetzt werden.

Für wen ist Trileptal® geeignet?

Trileptal® kann für viele Menschen mit fokalen Anfällen eine Verbesserung darstellen. Klinische Studien haben gezeigt, dass Patienten, die zuvor erfolglos mit Carbamazepin oder anderen Antiepileptika behandelt wurden, durch einen Wechsel auf Trileptal® anfallsfrei werden können. Auch wenn unter Carbamazepin-Behandlung Anfälle besser werden, aber Nebenwirkungen auftreten, kann ein Wechsel sinnvoll sein, da Trileptal® oft besser verträglich ist und eine höhere Dosierung ermöglicht.

Auch Patienten, deren Anfälle bereits gut kontrolliert sind, könnten von der guten Verträglichkeit von Trileptal® profitieren. In Studien traten unter Trileptal® halb so häufig Nebenwirkungen auf, die zum Abbruch der Behandlung führten, als unter Carbamazepin. Im Vergleich zu Phenytoin brachen sogar dreimal mehr Teilnehmer eine Studie aufgrund von Nebenwirkungen ab.

Wirksamkeit und Dosierung

Studien zeigen, dass bis zu 60 % der Menschen mit neu diagnostizierter Epilepsie unter Trileptal® anfallsfrei werden können. Bei Patienten mit schwer behandelbarer Epilepsie, die bereits mehrere Medikamente erfolglos ausprobiert haben, kann die zusätzliche Einnahme von Trileptal® die Anfallshäufigkeit bei bis zu 50 % der Patienten (bei einer Dosis von 2400 mg/Tag) halbieren.

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Die Dosierung von Trileptal® liegt üblicherweise zwischen 600 und 2400 mg/Tag, verteilt auf zwei Einnahmen. In Einzelfällen können höhere Dosierungen erforderlich sein. Die Dosis sollte schrittweise erhöht werden, beginnend mit 300-600 mg/Tag und einer wöchentlichen Steigerung von 300-600 mg/Tag. Bei älteren Menschen mit Nierenerkrankungen sollte die Dosis langsamer gesteigert werden. Bei Kindern orientiert sich die Dosis am Körpergewicht (anfänglich 8-10 mg/kg, später gesteigert auf etwa 30 mg/kg).

Sicherheit und Verträglichkeit

Trileptal® hat im Vergleich zu anderen Antiepileptika ein geringes Potential für Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Klinische Erfahrungen belegen, dass es sich um ein sicheres und langfristig gut verträgliches Medikament handelt.

Mögliche Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Benommenheit, Doppeltsehen, Erbrechen, ungewöhnlicher Gang und Müdigkeit. In seltenen Fällen kann es zu einem Natriummangel im Blutserum (Hyponatriämie) kommen. Bei Menschen mit Nierenerkrankungen oder Einnahme von Entwässerungstabletten sollte der Natriumspiegel regelmäßig kontrolliert werden.

Cenobamat (Ontozry®/Xcopri®)

Cenobamat ist ein weiteres neueres Antiepileptikum, das seit 2021 in Europa (Ontozry®) und bereits seit 2019 in den USA (Xcopri®) verfügbar ist. Es ist zugelassen als Zusatztherapie zur Behandlung von fokalen Anfällen mit oder ohne sekundäre Generalisierung bei Erwachsenen, bei denen eine Vorbehandlung mit mindestens zwei Antiepileptika keine ausreichende Anfallskontrolle erzielt hat.

Wirkmechanismus

Cenobamat zeichnet sich durch einen dualen Wirkmechanismus aus, der noch nicht vollständig geklärt ist. Es wirkt als positiver allosterischer Modulator von GABAa-Ionenkanälen und verstärkt vermutlich die dämpfenden Effekte des Neurotransmitters GABA. Zudem hemmt Cenobamat Natriumkanäle und reduziert so den Natriumstrom.

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Einnahme und Dosierung

Cenobamat wird einmal täglich eingenommen, idealerweise zur gleichen Zeit. Die Dosis wird langsam über 10 Wochen gesteigert. Die Erhaltungsdosis liegt bei 200 mg, die Maximaldosis bei 400 mg/Tag. Bei Patienten mit Nieren- oder Leberfunktionsstörungen ist Vorsicht geboten, und die Dosis muss möglicherweise reduziert werden.

Nebenwirkungen und Kontraindikationen

Häufige Nebenwirkungen von Cenobamat sind Schläfrigkeit, Schwindelgefühl, Müdigkeit und Sehstörungen. Patienten sollten über die mögliche Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit informiert werden. Da Cenobamat die Wirkung hormoneller Kontrazeptiva beeinträchtigen kann, wird eine zusätzliche oder alternative nicht-hormonelle Verhütung empfohlen.

Aufgrund des seltenen Risikos eines Hypersensibilitätsyndroms (DRESS) muss Cenobamat langsam aufdosiert werden. Die Anwendung in der Schwangerschaft sollte möglichst vermieden werden. In der Stillzeit sollte Cenobamat nicht eingenommen werden.

Eine Gegenanzeige besteht bei familiärem Short-QT-Syndrom, einer seltenen Erbkrankheit, die zu Herzrhythmusstörungen führen kann.

Wechselwirkungen und Kontrolluntersuchungen

Cenobamat kann mit anderen Antiepileptika kombiniert werden. Wechselwirkungen sind mit Carbamazepin, Lamotrigin, Phenytoin und Phenobarbital beschrieben, bei denen ggf. eine Dosisanpassung erforderlich ist. Gelegentliche Kontrollen der Leberwerte werden empfohlen. Bei Kombination mit QT-Zeit-verlängernden Medikamenten sind regelmäßige EKG-Kontrollen ratsam.

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Wirksamkeit

Studien haben gezeigt, dass Cenobamat die Anfallshäufigkeit bei Patienten mit fokalen Anfällen deutlich reduzieren kann. In einer Studie erreichten 40,2 % der Patienten unter einer Tagesdosis von 100 mg eine Verringerung der Anfallshäufigkeit um mindestens 50 %. Bei höheren Dosen (200 mg und 400 mg) stieg dieser Prozentsatz auf 56,1 % bzw. 64,2 %.

Epidyolex® (Cannabidiol)

Epidyolex® ist ein Cannabidiol-haltiges Medikament, das zur Behandlung von seltenen, schwerwiegenden Epilepsien wie dem Dravet-Syndrom, dem Lennox-Gastaut-Syndrom (LGS) und der Tuberösen Sklerose (TSC) zugelassen ist. Diese Epilepsieformen beginnen oft in der frühen Kindheit und sind schwer zu behandeln.

Bewertung des Zusatznutzens

Die Bewertung des Zusatznutzens von Epidyolex® im Rahmen des AMNOG-Verfahrens (Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz) war umstritten. Während das Medikament im Jahr 2020 noch einen "beträchtlichen Zusatznutzen" zugesprochen bekam, wurde dieser bei einer erneuten Bewertung im Jahr 2023 nicht mehr bestätigt. Der G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuss) begründete dies damit, dass die vorgelegten Daten keine Optimierung der antiepileptischen Behandlung vorsahen.

Trotz dieser Bewertung betonten Mediziner in Anhörungen die Bedeutung von Cannabidiol für die Behandlung von medikamentenrefraktären Epilepsien und die positiven Auswirkungen auf die Lebensqualität der Patienten.

Auswirkungen der AMNOG-Bewertung

Die Ablehnung des Zusatznutzens hat Auswirkungen auf die Preisverhandlungen zwischen dem Hersteller und den Krankenkassen. Ein geringerer anerkannter Zusatznutzen kann dazu führen, dass Ärzte das Medikament seltener einsetzen, die Forschungsanreize sinken und das Präparat möglicherweise sogar vom Markt genommen wird.

Weitere Therapieansätze

Neben den genannten Medikamenten gibt es weitere innovative Therapieansätze für Epilepsie:

  • Gentherapie: EpiBlok Therapeutics entwickelt eine Gentherapie, bei der ein Adeno-assoziiertes Virus (AAV) das Gen für das Neuropeptid Dynorphin gezielt in Neurone der betroffenen Hirnregion bringt, um Anfälle langfristig zu unterdrücken.
  • Neurostimulation: Im Epilepsiezentrum Hamburg wurde eine Patientin mit schwer behandelbarer Epilepsie mit einer neuartigen Elektrode (EASEE®) implantiert, die Anfälle durch individuell programmierte elektrische Impulse hoher Frequenz verhindern soll.

Bedeutung der Monotherapie und Auswahl des geeigneten Medikaments

Die initiale medikamentöse Epilepsietherapie sollte idealerweise als Monotherapie erfolgen, um Wirksamkeit und Verträglichkeit besser beurteilen zu können. Die Auswahl des geeigneten Medikaments hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Art der Epilepsie, das Alter und Geschlecht des Patienten, Begleiterkrankungen und mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Neuere Studien bestätigen, dass bei richtiger Diagnose und Indikationsstellung etwa 50 % aller Patienten die Chance auf weitgehende Anfallsfreiheit unter der ersten anfallssuppressiven Medikation haben. Bei weiteren 10-15 % gelingt dies noch mit dem zweiten Medikament.

Die SANAD-Studien ("standard and new antiepileptic drugs") haben gezeigt, dass Lamotrigin für fokale und Valproat für generalisierte und unklassifizierte Epilepsien die erfolgreichsten Medikamente in der Erstbehandlung sind. Allerdings ist Valproat aufgrund des Risikos von Fehlbildungen und kognitiven Beeinträchtigungen beim Nachwuchs bei Frauen im gebärfähigen Alter nur eingeschränkt empfehlenswert.

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