Das Neupro Pflaster ist ein transdermales Pflaster, das den Wirkstoff Rotigotin enthält. Es wird zur Behandlung der Parkinson-Krankheit eingesetzt, sowohl im Frühstadium als auch in Kombination mit Levodopa in späteren Stadien. In niedrigeren Dosierungen findet Rotigotin auch Anwendung bei dem Restless-Legs-Syndrom.
Wirkungsweise von Rotigotin
Neupro enthält den Wirkstoff Rotigotin, welcher zu der Gruppe der Dopaminagonisten gehört. Diese ahmen die Wirkung von Dopamin im Gehirn nach, indem sie an Dopaminrezeptoren binden. Bei Parkinson-Patienten liegt oft ein Dopaminmangel vor, was zu einem Ungleichgewicht im Gehirn führt. Rotigotin hilft, dieses Defizit auszugleichen.
Rotigotin wirkt agonistisch an D3-, D1-, D5-, D2L- und D4-Rezeptoren. Die Substanz weist zudem agonistische Aktivität am 5HT1A-Rezeptor auf, wirkt antagonistisch am α2B-Rezeptor und ist inaktiv am 5-HT7- und 5-HT2B-Rezeptor.
Anwendungsgebiete
Rotigotin wird eingesetzt:
- Zur alleinigen Behandlung einer Parkinson-Erkrankung im Frühstadium.
- In Kombination mit Levodopa bei späteren Stadien der Parkinson-Erkrankung, wenn die Wirksamkeit von Levodopa nachlässt oder unbeständig ist und die Wirkung schwankt.
- Zur Behandlung des Restless-Legs-Syndroms in niedrigeren Dosierungen.
Dosierung und Anwendung
Die Dosierung von Neupro ist abhängig von der Art der Erkrankung und dem Stadium. Normalerweise beginnt die Behandlung mit einer niedrigen Dosis, die bei Bedarf schrittweise erhöht wird.
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- Parkinson-Erkrankung im Frühstadium (keine Levodopa-Einnahme):
- Beginn mit einem 2mg-Pflaster täglich.
- Wöchentliche Steigerung um 2 mg bis zur wirksamen Dosis (in der Regel zwischen 6 mg und 8 mg täglich).
- Die Höchstdosis beträgt 8 mg pro Tag.
- Parkinson-Erkrankung im fortgeschrittenen Stadium (Levodopa-Einnahme):
- Beginn mit einem 4mg-Pflaster täglich.
- Wöchentliche Steigerung um 2 mg bis zur wirksamen Dosis (in der Regel zwischen 8 mg und 16 mg täglich).
- Die Höchstdosis beträgt 16 mg pro Tag.
- Restless-Legs-Syndrom:
- Beginn mit einem 1mg-Pflaster täglich.
- Je nach individuellem Erfolg kann die Dosis schrittweise wöchentlich um ein Milligramm Rotigotin/Tag auf maximal drei Milligramm erhöht werden.
Das Pflaster wird einmal täglich angewendet und sollte immer etwa zur gleichen Zeit aufgeklebt werden. Es verbleibt über 24 Stunden auf der Haut und wird anschließend gegen ein neues Pflaster an einer anderen Hautstelle ausgetauscht. Wird ein Pflaster vergessen oder löst es sich ab, sollte für den Rest des Tages ein neues Pflaster verwendet werden.
Um bei Dosierungen über 8 Milligramm in 24 Stunden die endgültige Dosis zu erzielen, können mehrere Pflaster angewendet werden. So kann beispielsweise eine 10-Milligramm-Dosis durch die Kombination eines 8mg- und eines 2mg-Pflasters erreicht werden. Keinesfalls dürfen die Pflaster zerschnitten werden!
Wichtige Hinweise zur Anwendung:
- Das Pflaster ist auf saubere, trockene, unverletzte gesunde Haut im Bauchbereich, am Oberschenkel, an der Hüfte, der Flanke, der Schulter oder am Oberarm aufzukleben.
- Eine erneute Anwendung an derselben Stelle innerhalb von 14 Tagen sollte vermieden werden.
- Keinesfalls darf ein Pflaster auf gerötete, gereizte oder verletzte Hautbereiche aufgebracht werden.
- Jedes Pflaster ist einzeln in einem Beutel verpackt und sollte unmittelbar nach dem Öffnen des Beutels aufgeklebt werden.
- Die Klebefläche des Pflasters sollte dabei nicht berührt werden.
- Drücken Sie das Pflaster mit der Handfläche etwa 20 bis 30 Sekunden fest auf, sodass es gut haftet.
- Falls sich ein Pflaster ablöst, sollte für den Rest der 24 Stunden ein neues Pflaster aufgeklebt werden.
- Vermeiden Sie im Bereich des Pflasters die äußere Anwendung von Wärme (z. B. übermäßiges Sonnenlicht, Saunabesuche, heiße Bäder, Wärmepflaster oder Wärmflaschen).
Bestandteile von Neupro
Wirkstoff: Rotigotin
Sonstige Bestandteile:
- Palmitoylascorbinsäure
- Siliconisierter, aluminisierter Polyesterfilm
- Titandioxid (E 171)
- DL-alpha-Tocopherol
- Farbpigmente
- Natriummetabisulfit
- Poly(dimethylsiloxan, trimethylsilylsilikat)-Copolymer
- Povidon K90
Gegenanzeigen
Neupro darf nicht angewendet werden, wenn:
- Sie allergisch gegen Rotigotin oder einen der sonstigen Bestandteile dieses Arzneimittels sind.
- Bei Ihnen eine Kernspintomografie (MRT) oder eine Kardioversion (Behandlung von Herzrhythmusstörungen) durchgeführt werden muss. Vor solchen Verfahren müssen Sie das Pflaster entfernen.
Nebenwirkungen
Wie alle Arzneimittel kann auch Neupro Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen.
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Sehr häufige Nebenwirkungen:
- Schläfrigkeit
- Benommenheit
- Übelkeit
- Reaktionen an der Pflasterklebestelle (Rötung, Juckreiz, Reizung, Brennen, Hautentzündung, Papeln, Blasen, Schmerzen, Überempfindlichkeit)
Häufige Nebenwirkungen:
- Wahrnehmungsstörungen der Augen und Ohren
- Halluzinationen
- Illusionen
- Verwirrtheitszustände
- Ungewöhnliche Träume
- Schlaflosigkeit
- Bewegungsstörungen
- Schwindel bei Körperlageveränderung
- Kopfschmerz
- Blutdruckabfall bei Körperlageveränderung
- Erbrechen
- Durchfall
- Verstopfung
- Verdauungsstörungen
- Mundtrockenheit
- Erhöhte Leber-Enzym-Werte
- Ausschlag
- Hautrötung
- Juckreiz
- Übermäßiges Schwitzen
- Wasseransammlungen in Armen und Beinen
- Schwächezustände
- Gewichtsverlust
- Fallneigung
- Unfähigkeit, dem Drang zur Durchführung einer schädlichen Handlung zu widerstehen, einschließlich Spielzwang, sinnloser Wiederholungshandlungen und zwanghaftem Kaufverhalten
- Erhöhte Kreatinphosphokinase-Werte (CPK) im Blut japanischer Patienten
Gelegentliche Nebenwirkungen:
- Überempfindlichkeit
- Appetitlosigkeit
- Verminderter Appetit
- Schlafattacken
- Seelische Störungen (einschließlich Verfolgungswahn)
- Zwangsstörungen (Spielzwang, Zwangshandlungen)
- Gesteigerte Libido (Übersexualität)
- Ängstlichkeit
- Schlafstörungen
- Alpträume
- Desorientiertheit
- Ohnmacht
- Verstimmung
- Übermäßiger Schlafbedarf
- Trägheit
- Aufmerksamkeitsstörungen
- Gedächtnisstörungen
- Nervliche Missempfindungen
- Schmeckstörung
- Gleichgewichtsstörungen
- Zittern
- Sehstörungen
- Lichtersehen
- Verschwommenes Sehen
- Schwindel (auch nach der Harnentleerung)
- Vorhofflimmern
- Erhöhter Herzschlag
- Herzklopfen
- Bluthochdruck
- Niedriger Blutdruck
- Husten
- Schluckauf
- Atemstörungen
- Bauchschmerzen
- Oberbauchschmerzen
- Magenbeschwerden
- Allgemeiner Juckreiz
- Kontaktdermatitis
- Hautreizungen
- Anschwellen der Gelenke
- Erektionsstörungen
- Gangstörungen
- Krankheitsgefühl
- Gewichtszunahme
- Beschleunigter Herzschlag
Seltene Nebenwirkungen:
- Krämpfe
- Bewusstlosigkeit
- Herzrasen (Supraventrikuläre Tachykardie)
- Psychotische Störungen
- Aggressives Verhalten/Aggression
- Essattacken und zwanghaftes Essen
- Unwillkürliche Muskelkrämpfe (Krampfanfälle)
- Hautausschlag am gesamten Körper
- Reizbarkeit
- Wahnvorstellungen
- Verwirrtheit, Realitätsverlust, verminderte Aufmerksamkeit (Delirium)
Nebenwirkungen mit unbekannter Häufigkeit:
- Dopaminerges Dysregulations-Syndrom
- Dropped Head Syndrom
- Diarrhoe
- Rhabdomyolyse
- Übermäßige Verwendung von Neupro (starkes Verlangen nach dopaminergen Arzneimitteln in hohen Dosen, die über den zur Kontrolle der motorischen Symptome erforderlichen liegen, auch als dopaminerges Dysregulations-Syndrom bezeichnet)
Besondere Vorsichtshinweise:
- Mit Rotigotin behandelte Patienten, die an Schläfrigkeit und/oder Schlafattacken leiden, dürfen nicht Autofahren oder Tätigkeiten ausüben, bei denen sie durch eingeschränkte Aufmerksamkeit sich selbst oder andere gefährden oder in Lebensgefahr bringen können.
- Bei dem plötzlichen Abbruch von Behandlungen mit Levodopa kann es zu einem sogenannten malignen neuroleptischen Syndrom kommen. Möglicherweise ist dies auch bei Rotigotin so, das wie Dopamin wirkt. Es wird daher empfohlen, die Behandlung nicht plötzlich zu beenden, sondern "auszuschleichen".
- Bei einigen Patienten, die Mutterkornalkaloide gegen ihre Parkinson-Krankheit erhalten, bildet sich funktionsloses Bindegewebe am Bauchfell, in der Lunge oder am Herzen. Bei Rotigotin besteht möglicherweise auch diese Gefahr.
- Halluzinationen, Bewegungsstörungen und Wasseransammlungen in Armen und Beinen kommen häufiger vor, wenn Rotigotin in Kombination mit Levodopa angewendet wird.
- In regelmäßigen Abständen oder bei Auftreten von Sehstörungen sollte während der Behandlung ein Augenarzt aufgesucht werden.
- Die Patienten sollten vom Arzt und ihren Angehörigen regelmäßig hinsichtlich Verhaltensauffälligkeiten wie krankhafte Spielsucht, krankhaft gesteigerter Geschlechtsdrang, zwanghaftes Geldausgeben oder Einkaufen, Essattacken und Esszwang beobachtet werden. Wenn solche Symptome auftreten, sollte die Behandlung möglicherweise geändert werden.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Da Rotigotin Dopamin ersetzt, können Dopamin-Gegenspieler wie Neuroleptika oder das Magenmittel Metoclopramid die Wirksamkeit von Rotigotin abschwächen. Eine gleichzeitige Anwendung sollte daher vermieden werden. Aufgrund möglicher sich ergänzender Effekte darf der Arzt Beruhigungsmittel und alle die Gehirntätigkeit dämpfenden Wirkstoffe (beispielsweise Benzodiazepine, Antipsychotika und Antidepressiva) nur mit Vorsicht an einen Patienten geben, der Rotigotin anwendet. Aus dem gleichen Grund ist das Alkoholtrinken während der Behandlung verboten.
Rotigotin kann die Nebenwirkungen von Levodopa verstärken und - wie bei anderen Dopaminrezeptor-Agonisten beschrieben - Bewegungsstörungen und unwillkürliche Bewegungen verursachen und/oder solche vorbestehenden Beschwerden verschlimmern.
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
- Das Medikament kann Schläfrigkeit und/oder Schlafattacken auslösen, die Autofahren oder das Bedienen von Maschinen gefährlich machen.
- Das Medikament darf nicht plötzlich abgesetzt, sondern muss lansam mit verminderter Dosierung "ausgeschlichen" werden.
- Während der Behandlung mit dem Medikament darf kein Alkohol getrunken werden.
- Bei Auftreten von krankhafter Spielsucht, gesteigertem Geschlechtsdrang, zwanghaftes Geldausgeben oder Einkaufen, Essattacken und Esszwang sollte die Behandlung möglicherweise geändert werden.
- Die Pflaster enthalten Aluminium. Wärme (übermäßiges Sonnenlicht, Heizkissen, Sauna, heiße Bäder) ausgesetzt werden.
- Um Hautreizungen zu vermeiden, sollte die Klebestelle täglich gewechselt und innerhalb von 14 Tagen nicht wieder verwendet werden.
- Arzneimittel können allergische Reaktionen auslösen. Verengung der Atemwege (Asthma). kommen.
- Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend einen Arzt.
Schwangerschaft und Stillzeit
Es gibt keine ausreichenden Studien, um das Risiko von Rotigotin für die Anwendung bei Schwangeren zu beurteilen. Tierexperimente zeigten jedoch, dass Überdosierungen auch für die ungeborenen Jungen tödlich waren. Rotigotin sollte daher während der Schwangerschaft nicht angewendet werden.
Da Rotigotin beim Menschen die Produktion des Hormons Prolaktin senkt, ist eine Hemmung der Milchbildung zu erwarten. In Tierexperimenten ging der Wirkstoff außerdem in die Muttermilch über. Daher sollte abgestillt werden, wenn eine Behandlung mit Rotigotin unumgänglich ist.
Anwendung bei Kindern
Weil es keine Studien zur Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Rotigotin bei Kindern und Jugendlichen gibt, wird der Wirkstoff nicht zur Anwendung bei dieser Altersgruppe empfohlen.
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Packungsgrößen
Neupro ist in verschiedenen Dosierungen erhältlich:
- 4,5 Milligramm Rotigotin
Jede Packung enthält 7, 28 oder 84 Matrixpflaster.