Neupro Pflaster: Dosierung und Anwendung bei Parkinson

Neupro Pflaster enthalten den Wirkstoff Rotigotin und werden zur Behandlung der Parkinson-Krankheit eingesetzt. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Dosierung, Anwendung, Wirkungsweise, Nebenwirkungen und weitere wichtige Aspekte von Neupro Pflastern bei der Behandlung von Parkinson.

Wirkungsweise von Rotigotin

Rotigotin wirkt als nicht-ergoliner Dopaminagonist. Es ahmt die Wirkung von Dopamin im Gehirn nach, indem es an Dopaminrezeptoren bindet. Bei Parkinson-Patienten liegt oft ein Dopaminmangel vor, der zu einem Ungleichgewicht im Gehirn führt. Rotigotin hilft, dieses Ungleichgewicht auszugleichen und die motorischen Funktionen zu verbessern. Rotigotin aktiviert wahrscheinlich über die D3-, D2- und D1-Rezeptoren des Striatums im Gehirn die bei Morbus Parkinson auftretenden motorischen Funktionsstörungen lindert.

Anwendungsgebiete von Neupro

Rotigotin wird in verschiedenen Dosierungen (Neupro 4mg/24h, 6mg/24h, 8mg/24h) eingesetzt:

  • Frühstadium der Parkinson-Erkrankung: Als alleinige Behandlung.
  • Späteres Stadium der Parkinson-Erkrankung: In Kombination mit Levodopa, wenn dessen Wirksamkeit nachlässt oder unbeständig ist.
  • Restless-Legs-Syndrom (RLS): In niedrigeren Dosierungen.

Dosierung und Anwendung

Die Dosierung von Neupro wird individuell vom Arzt festgelegt. Hier sind allgemeine Richtlinien:

  • Anwendung: Das Pflaster wird einmal täglich etwa zur gleichen Zeit auf eine saubere, trockene und unverletzte Hautstelle aufgeklebt. Es verbleibt 24 Stunden auf der Haut und wird dann durch ein neues Pflaster an einer anderen Stelle ersetzt.
  • Vergessene oder abgelöste Pflaster: Wenn ein Pflaster vergessen wird oder sich ablöst, sollte für den Rest des Tages ein neues Pflaster verwendet werden.
  • Parkinson im Frühstadium: Die Behandlung beginnt üblicherweise mit einem 2mg-Pflaster, die Dosis wird wöchentlich um 2 mg erhöht, bis eine wirksame Dosis (bis zu 8mg) erreicht ist.
  • Fortgeschrittene Parkinson-Erkrankung: Die Anfangsdosis beträgt meist 4mg täglich und wird bei Bedarf vom Arzt bis auf 16mg täglich gesteigert.
  • Kombination von Pflastern: Um Dosierungen über 8 mg zu erreichen, können mehrere Pflaster kombiniert werden (z.B. ein 6mg- und ein 4mg-Pflaster für eine 10mg-Dosis). Die Pflaster dürfen keinesfalls zerschnitten werden.
  • Behandlungsende: Die Tagesdosis sollte schrittweise in 2mg-Schritten (vorzugsweise jeden zweiten Tag) reduziert werden, bis das Medikament vollständig abgesetzt ist.

Hinweise zur Applikation

  • Geeignete Hautstellen: Bauchbereich, Oberschenkel, Hüfte, Flanke, Schulter oder Oberarm.
  • Wechsel der Applikationsstelle: Eine erneute Anwendung an derselben Stelle sollte innerhalb von 14 Tagen vermieden werden, um Hautreizungen vorzubeugen.
  • Nicht auf gerötete, gereizte oder verletzte Haut aufkleben.
  • Anwendungshinweise:
    • Jedes Pflaster ist einzeln verpackt und sollte unmittelbar nach dem Öffnen des Beutels aufgeklebt werden.
    • Eine Hälfte der Schutzfolie entfernen, die Klebefläche aufkleben und festdrücken.
    • Anschließend die zweite Hälfte der Schutzfolie entfernen, ohne die Klebefläche zu berühren.
    • Das Pflaster mit der Handfläche etwa 20 bis 30 Sekunden fest andrücken.
    • Falls sich ein Pflaster ablöst, sollte für den Rest des Tages ein neues aufgeklebt werden.
  • Wärmeeinfluss vermeiden: Die Pflaster sollten keiner direkten Wärme ausgesetzt werden (übermäßiges Sonnenlicht, Heizkissen, Sauna, heiße Bäder).
  • Bei Hautreizungen: Die betroffene Stelle vor direkter Sonneneinstrahlung schützen.

Mögliche Nebenwirkungen

Wie alle Arzneimittel kann Neupro Nebenwirkungen verursachen, die aber nicht bei jedem auftreten müssen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:

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  • Sehr häufig: Schläfrigkeit, Benommenheit, Übelkeit, Reaktionen an der Pflasterklebestelle (Rötung, Juckreiz, Reizung, Brennen, Hautentzündung, Papeln, Blasen, Schmerzen, Überempfindlichkeit).
  • Häufig: Wahrnehmungsstörungen der Augen und Ohren, Halluzinationen, Illusionen, Verwirrtheitszustände, ungewöhnliche Träume, Schlaflosigkeit, Bewegungsstörungen, Schwindel bei Körperlageveränderung, Kopfschmerz, Blutdruckabfall bei Körperlageveränderung, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Verdauungsstörungen, Mundtrockenheit, erhöhte Leber-Enzym-Werte, Ausschlag, Hautrötung, Juckreiz, übermäßiges Schwitzen, Wasseransammlungen in Armen und Beinen, Schwächezustände, Gewichtsverlust, Fallneigung.
  • Gelegentlich: Überempfindlichkeit, Appetitlosigkeit, verminderter Appetit, Schlafattacken, seelische Störungen (einschließlich Verfolgungswahn), Zwangsstörungen (Spielzwang, Zwangshandlungen), gesteigerte Libido (Übersexualität), Ängstlichkeit, Schlafstörungen, Alpträume, Desorientiertheit, Ohnmacht, Verstimmung, übermäßiger Schlafbedarf, Trägheit, Aufmerksamkeitsstörungen, Gedächtnisstörungen, nervliche Missempfindungen, Schmeckstörung, Gleichgewichtsstörungen, Zittern, Sehstörungen, Lichtersehen, verschwommenes Sehen, Schwindel (auch nach der Harnentleerung), Vorhofflimmern, erhöhter Herzschlag, Herzklopfen, Bluthochdruck, niedriger Blutdruck, Husten, Schluckauf, Atemstörungen, Bauchschmerzen, Oberbauchschmerzen, Magenbeschwerden, allgemeiner Juckreiz, Kontaktdermatitis, Hautreizungen, Anschwellen der Gelenke, Erektionsstörungen, Gangstörungen, Krankheitsgefühl, Gewichtszunahme.
  • Selten: Krämpfe, Bewusstlosigkeit, Herzrasen (Supraventrikuläre Tachykardie).
  • Nicht bekannt: Dopaminerges Dysregulations-Syndrom, Diarrhoe, Rhabdomyolyse.

Besondere Hinweise zu Nebenwirkungen

  • Schläfrigkeit und Schlafattacken: Patienten, die unter Schläfrigkeit oder Schlafattacken leiden, dürfen nicht Auto fahren oder gefährliche Tätigkeiten ausüben.
  • Malignes neuroleptisches Syndrom: Ein plötzlicher Abbruch der Behandlung sollte vermieden werden, da dies zu einem malignen neuroleptischen Syndrom führen kann. Die Behandlung sollte ausschleichend beendet werden.
  • Fibrotische Veränderungen: Es besteht möglicherweise ein Risiko für die Bildung von funktionslosem Bindegewebe am Bauchfell, in der Lunge oder am Herzen.
  • Halluzinationen, Bewegungsstörungen und Wasseransammlungen: Diese Nebenwirkungen treten häufiger auf, wenn Rotigotin in Kombination mit Levodopa angewendet wird.
  • Verhaltensauffälligkeiten: Patienten sollten regelmäßig auf Verhaltensauffälligkeiten wie krankhafte Spielsucht, gesteigerter Geschlechtsdrang, zwanghaftes Geldausgeben oder Einkaufen, Essattacken und Esszwang beobachtet werden.
  • Hautreaktionen: Um Hautreizungen zu vermeiden, sollte die Klebestelle täglich gewechselt und innerhalb von 14 Tagen nicht wieder verwendet werden.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Rotigotin kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben:

  • Dopamin-Gegenspieler: Neuroleptika oder Metoclopramid können die Wirksamkeit von Rotigotin abschwächen.
  • Beruhigungsmittel und dämpfende Wirkstoffe: Die gleichzeitige Anwendung mit Beruhigungsmitteln, Benzodiazepinen, Antipsychotika und Antidepressiva sollte nur mit Vorsicht erfolgen.
  • Alkohol: Alkohol sollte während der Behandlung vermieden werden.
  • Levodopa: Rotigotin kann die Nebenwirkungen von Levodopa verstärken.

Gegenanzeigen

Neupro darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff Rotigotin oder einen der sonstigen Bestandteile.
  • Geplante Kernspintomografie oder Kardioversion (in diesem Fall muss das Pflaster vorher entfernt und nachher ein neues aufgeklebt werden).

Vorsichtshinweise

  • Blutdruck: Zu Beginn der Behandlung sollte der Blutdruck sorgfältig überwacht werden, da es zu einem Blutdruckabfall bei Körperlageveränderung kommen kann.
  • Leberfunktion: Bei stark eingeschränkter Leberfunktion ist ärztliche Vorsicht geboten.
  • Schläfrigkeit: Das Medikament kann Schläfrigkeit und/oder Schlafattacken auslösen, die Autofahren oder das Bedienen von Maschinen gefährlich machen.
  • Plötzliches Absetzen: Das Medikament darf nicht plötzlich abgesetzt, sondern muss langsam mit verminderter Dosierung "ausgeschlichen" werden.
  • Verhaltensänderungen: Bei Auftreten von krankhafter Spielsucht, gesteigertem Geschlechtsdrang, zwanghaftem Geldausgeben oder Einkaufen, Essattacken und Esszwang sollte die Behandlung möglicherweise geändert werden.
  • Aluminium: Die Pflaster enthalten Aluminium und sollten keiner übermäßigen Wärme ausgesetzt werden.

Schwangerschaft und Stillzeit

Es gibt keine ausreichenden Studien zur Anwendung von Rotigotin bei Schwangeren. Tierexperimente zeigten jedoch, dass Überdosierungen auch für die ungeborenen Jungen tödlich waren. Rotigotin sollte daher während der Schwangerschaft nicht angewendet werden. Da Rotigotin die Produktion des Hormons Prolaktin senkt, ist eine Hemmung der Milchbildung zu erwarten. In Tierexperimenten ging der Wirkstoff außerdem in die Muttermilch über. Daher sollte abgestillt werden, wenn eine Behandlung mit Rotigotin unumgänglich ist.

Anwendung bei Kindern

Da keine Studien zur Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Rotigotin bei Kindern und Jugendlichen vorliegen, wird der Wirkstoff nicht zur Anwendung bei dieser Altersgruppe empfohlen.

Packungsgrößen und Darreichungsformen

Neupro ist in verschiedenen Dosierungen und Packungsgrößen erhältlich:

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  • Wirkstoffgehalt: 9 mg, 13,5 mg, 18 mg Rotigotin pro Pflaster
  • Packungsgrößen: 7 Stück, 28 Stück, 84 Stück Matrixpflaster

Vergleichbare Medikamente

Es gibt weitere Medikamente mit dem Wirkstoff Rotigotin auf dem Markt.

Zusätzliche Informationen

Es ist wichtig zu beachten, dass die Informationen in diesem Artikel allgemeiner Natur sind und nicht die individuelle Beratung durch einen Arzt oder Apotheker ersetzen können. Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können von den Herstellerangaben abweichen. Lesen Sie daher immer die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie Fragen haben.

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