Kopfschmerzen, insbesondere Migräne, sind eine häufige Begleiterscheinung der Schwangerschaft. Da viele herkömmliche Schmerzmittel während der Schwangerschaft vermieden werden sollten, suchen viele Betroffene nach alternativen Behandlungsmethoden. Eine solche Alternative ist die Homöopathie, die sich bei manchen Schwangeren als hilfreich erweist.
Kopfschmerzen und Migräne in der Schwangerschaft
Kopfschmerzen zählen nicht zu den typischen Schwangerschaftsbeschwerden, können aber dennoch auftreten. Ob, wie oft und wie stark diese auftreten, ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Manche Frauen, die vor der Schwangerschaft zu regelmäßigem Kopfschmerz neigten, können bis zur Geburt sogar nahezu beschwerdefrei sein. Relativ häufig treten gemeinsam mit den ersten Schwangerschaftssymptomen Kopfschmerzen auf. Denn die hormonellen Veränderungen bedeuten Stress für den Körper, der oft zu Kopfschmerzen führt. Auch der plötzliche Koffeinentzug, erhöhter Flüssigkeitsbedarf und Verspannungen können die Kopfschmerzen auslösen. Treten sie einseitig in der Schläfengegend auf oder fühlen sich pulsierend, pochend bzw. stechend an, handelt es sich um Migräne.
Migräne tritt während der Schwangerschaft vor allem im ersten Trimester auf, da sich der gesamte Organismus zu Beginn der Schwangerschaft umstellt, was zu Schwankungen im Hormonhaushalt führt. Dadurch können Beschwerden wie Kreislaufprobleme, Übelkeit, Kopfschmerzen oder eben Migräne ausgelöst werden. Untersuchungen zufolge bessern sich bei 50-80 % der betroffenen Frauen die Beschwerden in der Schwangerschaft. Diese Verbesserung der Migräne setzt typischerweise nach dem ersten Trimester der Schwangerschaft ein. Bei bis zu 70 Prozent der Migränikerinnen bessert sich die Migräne in der Schwangerschaft. Der Grund dafür ist ein erhöhter Östrogenspiegel, der sich prophylaktisch auf die Migräne auswirkt. Bei manchen Frauen verschwindet die Migräne während der Schwangerschaft sogar vollständig. Bei anderen Schwangeren reduziert sich zumindest die Häufigkeit und Intensität der Migräneattacken. In seltenen Fällen verschlimmert sich die Migräne in der Schwangerschaft aber auch. Bei etwa fünf Prozent der Migränikerinnen verschlechtert sich die Erkrankung in der Schwangerschaft. Auch die mangelnde medikamentöse Behandlung sorgt für intensivere und längere Migräneattacken. Das Absetzen der Migräneprophylaxe kann hingegen zu häufigeren Anfällen führen. Meist treten die verstärkten Beschwerden allerdings im ersten Schwangerschaftsdrittel auf.
Homöopathie: Ein Überblick
Die Homöopathie gehört zu den beliebtesten alternativen Heilverfahren. Eine homöopathische Behandlung richtet sich immer nach dem Leitsatz: Ähnliches soll mit ähnlichem behandelt werden. Dies bedeutet, dass der Patient ein homöopathisches Mittel bekommt, welches in seiner Reinform, etwa als Pflanzenextrakt, bei gesunden Menschen genau diese Beschwerden auslösen würde.
Bei Globuli handelt es sich um kleine weiße Kügelchen, die aus Zucker bestehen. Der Wirkstoff haftet auf deren Oberfläche. Die Wirkstoffe werden in der Homöopathie stark verdünnt. Der Verdünnungsfaktor wird als Potenz auf der Verpackung der Globuli angegeben, meist liegt er zwischen D6 und D12. Dabei bedeutet D6 beispielsweise, dass der Wirkstoff sechsmal eins zu zehn verdünnt wurde.
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Grundsätzlich gilt die Homöopathie als sanftes Mittel, um Migräne und Kopfschmerzen begleitend zu therapieren. Auch Kinder und Jugendliche können in der Regel von ihr profitieren. Bei manchen Personen tritt nach der Einnahme eines homöopathischen Mittels die sogenannte Erstverschlimmerung ein - die Symptome werden zunächst stärker. Dies bedeutet nach der homöopathischen Lehre jedoch nicht, dass die Arznei falsch gewählt wurde. Stattdessen ist sie sehr passend, aber in einer unzureichenden Potenz verabreicht, also zu niedrig verdünnt. Setze das Mittel in dem Fall ab und greife - sobald die unerwünschten Reaktionen nachgelassen haben - zu der nächsthöheren Potenz des empfohlenen Mittels. Noch ein Tipp: Wenn du die Homöopathie gegen deine Migräne ausprobierst, kann es sinnvoll sein, parallel dazu auf verschiedene Genuss- und Lebensmittel zu verzichten, die die Behandlung stören könnten.
Homöopathische Mittel bei Migräne in der Schwangerschaft
Viele Frauen mit Migräne nutzen in der Schwangerschaft Homöopathie, um die Beschwerden aushalten zu können. Welche Globuli gegen Kopfschmerzen und Migräne zum Einsatz kommen, lässt sich nicht einfach festlegen und kann von Patient zu Patient ganz unterschiedlich ausfallen. Welche Kopfschmerzart steckt hinter den Beschwerden? Wo ist der Schmerz lokalisiert? Welche Begleitbeschwerden kommen dazu? Diese exemplarischen Fragen verdeutlichen, dass die Auswahl des richtigen Homöopathikums (des homöopathischen Mittels) nicht einfach ist, denn für den Arzt oder Heilpraktiker zählt letztendlich nicht die reine „Migräne-Diagnose“.
Einige häufig verwendete homöopathische Mittel bei Migräne sind:
- Belladonna: Die Globuli mit dem Wirkstoff aus der Tollkirsche kommen bei pochenden und bohrenden Kopfschmerzen zum Einsatz, die plötzlich auftreten und über den Augen lokalisiert sind.
- Cimicifuga racemosa: Das Mittel aus der Traubensilberkerze kommt vor allem bei Migräne in den Wechseljahren zum Einsatz, die von Schwindel und stechenden Augenschmerzen begleitet wird.
- Cyclamen europaeum: Die unterirdisch wachsenden Teile des Alpenveilchens können Migräneattacken mit Sehstörungen wie Doppeltsehen nach dem homöopathischen Arzneimittelbild lindern.
- Iris versicolor: Iris versicolor ist die schillernde Schwertlilie und wird gern bei der sogenannten „Wochenendmigräne“ eingesetzt - also dann, wenn die Migräne während Entspannungsphasen und durch Ruhe schlimmer wird.
- Sanguinaria canadensis: Das homöopathische Präparat aus dem kanadischen Blutwurz ist überaus vielseitig und wird zur Linderung von Migräne-Schmerzen verwendet, die vor allem rechtsseitig auftreten.
Nach den Angaben der klassischen Homöopathie ist für die Wahl der richtigen Arznei entscheidend, welche der folgenden Ausprägungen die Beschwerden des Betroffenen am besten beschreiben.
- Eine häufige Begleiterscheinung ist eine Empfindlichkeit gegen Licht und Erschütterung. Der Schmerz zieht von der Stirn zum Nacken, sitzt an den Schläfen und hinter den Augen. Die betroffene Person ist sehr reizbar und jähzornig, möchte in Ruhe gelassen werden und zu Hause sein.
- Der Schmerz steigt vom Nacken zu den Augen auf und wird begleitet durch Sehstörungen. Es tritt ein Gefühl auf, als sei der Kopf in einen Schraubstock eingespannt. Die betroffene Person ist müde, schlapp und zittrig.
- Der Schmerz beginnt schleppend und endet abrupt. Begleiterscheinungen können Sehstörungen oder ein taubes Gesicht sein, die oft als Vorboten mit anschließender Übelkeit und Erbrechen auftreten. Die Schmerzen steigern sich bis zum Vormittag und verbessern sich danach wieder. Die betroffenen Personen sind oft sensibel, introvertiert und mitfühlend.
- Begleiterscheinungen können ein steifer Nacken nach Luftzug und Schmerzen im Hinterkopf oder über den Augen sein. Die wandernden Schmerzen werden oft begleitet von Schwindel, Übelkeit und Erbrechen. Die betroffenen Personen sind meist sanft, nachgiebig und unentschlossen.
Schüssler Salze
Schüssler Salze sind nach ihrem Erfinder Dr. Wilhelm Schüßler benannt. Er postulierte, dass schon geringe Mineralverluste in den Körperzellen negative Auswirkungen haben. Dafür hat er zwölf verschiedene Basissalze entwickelt, die auf unterschiedliche Körperbereiche einen besonderen Einfluss haben. Beispielsweise ist Nummer 7, Magnesium phosphoricum, das Salz der Muskeln und Nerven.
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Schüssler Salz Nummer 7, Magnesium phosphoricum: kann bei Migräne und Kopfschmerzen entspannend und schmerzlindernd wirkend. Zudem ist es üblich, verschiedene Schüssler Salze zu kombinieren - bei Migräne zum Beispiel die Salze Nummer 7, 8 und 11.
Wichtige Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Eine Migräne homöopathisch behandeln sollte deswegen nur ein erfahrener Mediziner. Eine Therapie in Eigenregie ist nicht empfehlenswert. Komplexmittel werden in der Regel nicht empfohlen, da die homöopathische Behandlung sehr individuell ist und das jeweils passende Mittel sorgsam ausgewählt werden sollte. Ist die dafür erforderliche, sehr zeitraubende Anamnese jedoch nicht gewünscht oder möglich (z. B. bei akuten Beschwerden), ist die Anwendung von Komplexmitteln eine gängige Alternative.
Treten Kopfschmerzen während der Schwangerschaft erstmalig auf oder sind sie ungewohnt stark, dann sollte eine zeitnahe Abklärung erfolgen. Sie können erstes Symptom einer für Mutter und Kind bedrohlichen Erkrankung namens Präeklampsie (Schwangerschaftshochdruck) sein. Auch eine Sinusvenenthombose (ein Blutgerinnsel verstopft einen venösen Abflussweg im Gehirn) tritt gehäuft während einer Schwangerschaft und nach der Geburt auf. Die Kopfschmerzen sind hier dumpf und drückend, treten diffus auf und nehmen langsam über Stunden oder Tage zu. Langfristig stellen sich weitere Symptome wie Krampfanfälle oder neurologische Ausfälle (Lähmungen oder Sehstörungen) ein.
Aufgrund der Fehlbildungsrisiken sollten Schwangere auf starke Schmerzmittel verzichten und ihre Migränebehandlung immer mit einem Arzt abstimmen. Das gilt auch für pflanzliche und frei verkäufliche Medikamente gegen Migräne. Aber auch Homöopathie sollte in der Schwangerschaft nicht im Alleingang verwendet werden.
Weitere Maßnahmen zur Linderung von Migräne in der Schwangerschaft
Zusätzlich zur Homöopathie gibt es verschiedene andere Maßnahmen, die Schwangeren mit Migräne helfen können:
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- Ruhe und Entspannung: Bei einer akuten Migräneattacke hilft in erster Linie absolute Ruhe. Familie, Beruf und Alltag zu organisieren, ist keine leichte Aufgabe. Stress gilt als häufiger Auslöser von Migräne. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Sie im Alltag immer wieder für Ausgleich und Entspannung sorgen, vor allem in der Schwangerschaft.
- Kühlen: Kühlen des Kopfes mit einem Eisbeutel, einem Kühlpack oder speziellen Kühlkompressen bzw. -mützen. Bewährt hat sich eine Kühlung der Stirn und/oder des Nackens z. B. mit einem „Coldpack“ aus dem Eisschrank oder durch Auftragen von Pfefferminzöl auf die Stirn und den Nacken beidseits, das durch Verdunstung ebenfalls kühlt.
- Pfefferminzöl: Vermischen Sie einige Tropfen Pfefferminzöl mit einem neutralen Trägeröl (z.B. etwas Olivenöl) und tragen Sie die Mischung vorsichtig auf Schläfen, Stirn und Nacken auf.
- Magnesium: Mittel mit Magnesium hingegen, die zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt werden, gelten als unbedenklich. Sie sind oft in Kombination mit Vitamin B2, Coenzym Q10 oder auch weiteren Vitalstoffen wie Omega-3 Fettsäuren erhältlich.
- Bewegung: Spaziergänge an der frischen Luft. Auch Ausdauersport.
- Akupunktur und Akupressur: Vor allem Akupunktur und Akupressur werden gerne bei Kopfschmerzen und Migräne eingesetzt. Hilfreich kann eine selbst durchgeführte Akupressur mit Druck auf die Schläfen- und Nackenmuskulatur sein.
Medikamentöse Behandlung
Migräne in der Schwangerschaft ist vor allem deshalb so unangenehm, weil Schwangere nicht einfach irgendein Schmerzmittel einnehmen können, sondern eine Medikamenteneinnahme stets sorgfältig abwägen sollten.
In Absprache mit einem Arzt kann dann gegebenenfalls Paracetamol eingenommen werden. Paracetamol gilt als das Mittel der Wahl bei Migräne in der Schwangerschaft. In begrenzten Dosierungen gilt der Wirkstoff als unbedenklich. Allerdings sollten sich die Anwenderinnen streng an die vom Arzt verordnete Dosierung halten. In Ausnahmefällen verordnet der Arzt bei Migräne in den ersten beiden Schwangerschaftsdritteln auch Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure. Im letzten Trimester dürfen die Wirkstoffe allerdings nicht weiter eingenommen werden. Wenn diese Schmerzmittel keinerlei Wirkung zeigen, können Ärzte auch Triptane verordnen.
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