Neuralgie der Speiseröhre und des Kehlkopfes: Ursachen und Behandlungsansätze

Neuralgien der Speiseröhre und des Kehlkopfes sind seltene, aber äußerst schmerzhafte Erkrankungen, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten dieser komplexen Beschwerdebilder.

Symptome und ihre vielfältigen Ursachen

Das Globusgefühl (Kloßgefühl)

Ein häufiges Symptom im Halsbereich ist das sogenannte Globusgefühl, auch Kloßgefühl genannt. Betroffene beschreiben ein lästiges oder störendes Fremdkörpergefühl im Hals, das sich durch ständiges Räuspern nicht beseitigen lässt. Schluckbeschwerden und das Gefühl einer Schleimansammlung im Rachen können hinzukommen. Einige Patienten berichten sogar von dem Eindruck, der Hals ziehe sich zusammen und sie bekämen keine Luft mehr.

Die Ursachen für das Kloßgefühl sind vielfältig. Orthopädische Probleme, wie eine zu große Anspannung der kleinen Kehlkopfmuskeln oder Verspannungen im Nackenbereich aufgrund von Problemen mit der Halswirbelsäule, können eine Rolle spielen. Auch psychische Ursachen können bei empfänglichen Menschen zur Ausbildung des Kloßgefühls führen, wie der volkstümliche Ausdruck „einen Kloß im Hals haben“ für eine schockierende oder traurige Situation verdeutlicht. Eine umfassende Anamnese und Diagnostik durch einen Facharzt ist notwendig, um die Ursache zu ermitteln und die geeignete Therapie einzuleiten.

Speiseröhren-Beweglichkeitsstörungen (Ösophagus-Motilitätsstörungen)

Speiseröhren-Beweglichkeitsstörungen sind ein Sammelbegriff für seltene Erkrankungen von Muskeln und Nerven der Speiseröhrenwand, die zu Störungen des Nahrungstransports führen. Typische Beschwerden sind krampfartige Brustschmerzen und Schluckbeschwerden. Zu den wichtigsten Formen gehören:

  • Achalasie: Hierbei ist die Beweglichkeit der Speiseröhre vermindert und der untere Ringmuskel (Ösophagussphinkter) kann sich bei der Nahrungspassage nicht ausreichend entspannen. Dies führt dazu, dass der Speisebrei nicht oder nur unvollständig in den Magen gelangt. Die Betroffenen empfinden krampfartige Brustschmerzen und haben Schluckbeschwerden. Nachts kann unverdaute Nahrung in die Mundhöhle zurückfließen. Ursache ist eine Schädigung des Nervengeflechts (Plexus myentericus) in der unteren Speiseröhre. Der Begriff Achalasie stammt aus dem Griechischen und bedeutet „fehlende Erschlaffung“.
  • Diffuser Ösophagusspasmus: Starke krampfartige Kontraktionen im mittleren und unteren Bereich der Speiseröhre, die keine vorantreibende Wirkung auf die Nahrung haben, sind typisch für diese Erkrankung.
  • Nussknacker-Speiseröhre (hyperkontraktiler Ösophagus): Hier zieht sich der untere Bereich der Speiseröhre extrem lange und stark zusammen. Durch das Zusammenziehen der Speiseröhrenmuskulatur bleiben leicht Nahrungsbrocken stecken, was zu einem unangenehmen Bolusgefühl führt. Der untere Ringmuskel funktioniert jedoch normal.

Die Diagnose von Speiseröhren-Kontraktionsstörungen erfolgt in der Regel durch eine Röntgenkontrastmittel-Untersuchung (Ösophagus-Breischluck) und eine Speiseröhrendruckmessung, die die Beweglichkeit der Speiseröhre beurteilt.

Lesen Sie auch: Wie man Nacken-Hinterkopf-Neuralgie behandelt

Sekundäre Speiseröhren-Beweglichkeitsstörungen

Diese treten im Gefolge anderer Erkrankungen auf, wie z. B. Speiseröhrenkrebs, Magenkrebs, Herzerkrankungen (Angina pectoris), gastroösophageale Refluxerkrankung (GERD), Speiseröhrendivertikel, Zwerchfellbruch oder narbig veränderte Speiseröhre nach Speiseröhrenentzündung. Auch ein in der Speiseröhre hängengebliebener Fremdkörper kann Beschwerden verursachen.

Glossopharyngeusneuralgie

Die Glossopharyngeusneuralgie ist eine seltene Erkrankung, die sich durch einseitige, periodisch auftretende Schmerzen im Bereich des Zungenschlundnerven (9. Hirnnerv) äußert. Die Schmerzen können in Rachen, Zunge, Ohr, Kehlkopf oder Kieferwinkel auftreten und in Nase, Auge, Kinn oder Schulter ausstrahlen. Sie werden als einschießend, brennend, elektrisierend oder scharf beschrieben und können durch Schlucken, Sprechen, Kauen, Husten oder Gähnen ausgelöst werden. Auch Berührungen der Rachenschleimhaut oder des äußeren Gehörgangs können Schmerzen auslösen.

Während eines Schmerzanfalls kann es zu niedrigem Blutdruck, niedriger Herzfrequenz, Ohnmacht oder einem epileptischen Anfall kommen. Da das Schlucken und Kauen häufig Schmerzen verursacht, verlieren viele Patienten an Gewicht. Die Erkrankung kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen und zu Depressionen führen.

Man geht davon aus, dass die Erkrankung meist auf eine Nervenkompression durch Gefäße zurückzuführen ist, die in unmittelbarer Nähe verlaufen. Die Diagnose wird üblicherweise aufgrund von Schilderungen der Beschwerden gestellt. Um andere Ursachen auszuschließen, wird üblicherweise eine MRT des Gehirns durchgeführt.

Schluckbeschwerden (Dysphagie) und ihre vielfältigen Ursachen

Schluckbeschwerden, auch Dysphagie genannt, können vielfältige Ursachen haben. Neben den bereits erwähnten Speiseröhren-Beweglichkeitsstörungen und der Glossopharyngeusneuralgie können auch folgende Faktoren eine Rolle spielen:

Lesen Sie auch: Morton Neuralgie: Ein umfassender Überblick

  • Infektionen: Eine akute Mandelentzündung mit Schluckbeschwerden wird durch Bakterien verursacht. Auch harmlose Infektionen mit Viren oder Bakterien können Schluckbeschwerden verursachen.
  • Allergien: Insektenstiche können zu allergischen Schluckbeschwerden führen. Bei einer Insektengiftallergie kann ein Stich in Mund und Rachen besonders gefährlich sein.
  • Refluxkrankheit (GERD): Sodbrennen, verursacht durch den Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre, kann zu Entzündungen und Schluckbeschwerden führen.
  • Eosinophile Ösophagitis (EoE): Diese chronische Speiseröhrenentzündung ist eine seltene Krankheit, bei der sich Entzündungszellen in der Speiseröhre ansammeln.
  • Speiseröhrenkrebs: In frühen Stadien kann Speiseröhrenkrebs Schluckbeschwerden, Sodbrennen, Völlegefühl oder Appetitverlust verursachen.
  • Erkrankungen der Halswirbelsäule: Erkrankungen der Halswirbelsäule, wie z. B. ein Bandscheibenprolaps, das Eagle-Syndrom oder das Crowned-Dens-Syndrom, können ebenfalls Schluckbeschwerden verursachen.
  • Akute prävertebrale kalzifizierende Tendinitis: Diese seltene Erkrankung, bei der es zu einer Entzündung und Verkalkung der Sehnen des M. longus colli kommt, kann zu Nackenschmerzen, Nackensteife und Schluckbeschwerden führen.
  • Osteophytäre Anbauten im ventralen Wirbelsäulenbereich: Diese knöchernen Auswüchse können mechanischen Druck auf die Speiseröhre ausüben und so Schluckbeschwerden verursachen. Eine besonders ausgeprägte Form der exzessiven Verknöcherung der anterioren Wirbelsäulenligamente stellt DISH (=diffuse idiopathic skeletal hyperostosis) dar.

Weitere mögliche Ursachen für Beschwerden im Halsbereich

Neben den bereits genannten Ursachen können auch folgende Faktoren Beschwerden im Halsbereich verursachen:

  • Akustikusneurinom: Eine gutartige Geschwulst des Hör- und Gleichgewichtsnervs (achter Hirnnerv).
  • Kehlkopfentzündung (Laryngitis): Eine akute oder chronische Entzündung der Kehlkopfschleimhaut.
  • Entzündung der Nasennebenhöhlen (Sinusitis): Entsteht oft nach einem Schnupfen, wenn der Sekretabfluss behindert ist.
  • Gutartige Schleimhautgeschwulste: Zum Beispiel der Nasenschleimhaut.
  • Schlafapnoe: Kurze Atemstillstände während des Schlafes, die unterschiedliche Ursachen haben können.
  • Tinnitus: Ohrgeräusche (Klingeln, Pfeifen etc.) die keine objektive Ursache haben.
  • Schmerzende oder brennende Zungenschleimhäute: Haben ganz überwiegend mechanische Ursachen.

Diagnose

Die Diagnose von Neuralgien der Speiseröhre und des Kehlkopfes erfordert eine sorgfältige Anamnese, eine körperliche Untersuchung und gegebenenfalls weitere diagnostische Maßnahmen. Dazu gehören:

  • HNO-ärztliche Untersuchung: Beurteilung von Rachen, Kehlkopf und Nase.
  • Endoskopie: Spiegelung der Speiseröhre (Ösophagoskopie), des Kehlkopfes (Laryngoskopie) oder der Nase (Rhinoskopie).
  • Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel (Ösophagus-Breischluck): Zur Beurteilung der Speiseröhrenfunktion.
  • Manometrie (Speiseröhrendruckmessung): Zur Messung der Muskelaktivität in der Speiseröhre.
  • MRT (Magnetresonanztomographie): Zur Beurteilung von Nerven und Weichteilen im Halsbereich.
  • CT (Computertomographie): Zur Beurteilung von Knochenstrukturen im Halsbereich.

Behandlung

Die Behandlung von Neuralgien der Speiseröhre und des Kehlkopfes richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

Behandlung von Speiseröhren-Beweglichkeitsstörungen

  • Medikamentöse Behandlung: Kalziumantagonisten (z. B. Nifedipin) oder Nitropräparate (z. B. Corangin® Nitrospray oder Nitrolingual® Kapseln) können helfen, die Krämpfe zu lösen. Bei Achalasie können Kalziumantagonisten die Muskulatur erschlaffen lassen.
  • Endoskopische Behandlung: Bei Achalasie kann der untere Ringmuskel mit einem Ballonkatheter gedehnt werden (Ballondilatation). Eine weitere Möglichkeit ist die endoskopische Injektion von Botulinumtoxin in den unteren Ringmuskel der Speiseröhre. Eine neuere Methode ist die Spaltung der verdickten Muskulatur über das Endoskop, die sogenannte perorale endoskopische Myotomie (POEM).
  • Operative Behandlung: Bleiben andere Behandlungsmethoden erfolglos, kann eine operative Kardiamyotomie durchgeführt werden.

Behandlung der Glossopharyngeusneuralgie

  • Medikamentöse Behandlung: Das Antiepileptikum Carbamazepin ist die erste Wahl. Andere Medikamente gegen Epilepsie (wie Pregabalin) oder Medikamente, die bei Depressionen verordnet werden, können in Betracht gezogen werden.
  • Lokale Betäubungsspritze: In den vom Nerv gereizten Bereich.
  • Operation: Der Druck des Gefäßes auf den Nerv kann reduziert werden, indem in einer mikrochirurgischen Operation Nerv und Gefäß voneinander getrennt werden. Eine andere Behandlungsmethode ist die Verödung des Nervs mit einem Gamma-Knife.

Behandlung von Refluxkrankheit (GERD)

  • Medikamentöse Behandlung: Protonenpumpeninhibitoren (PPI) sind Mittel der Wahl. Antazida (Hydrotalcit, Alginate, Sucralfat) binden die Magensäure. Auch Prokinetika wie Metoclopramid oder Domperidon werden verordnet.
  • Lebensstiländerungen: Vermeidung von Speisen und Getränken, die Sodbrennen auslösen, Gewichtsreduktion bei Übergewicht, Erhöhung des Kopfendes des Bettes.

Behandlung von Schluckbeschwerden bei Erkrankungen der Halswirbelsäule

  • Konservative Behandlung: Medikamentöse Therapie mit anti-inflammatorischen Substanzen, Steroiden oder Muskelrelaxantien. Ruhigstellung der Halswirbelsäule mittels weicher Zervikalstütze.
  • Chirurgische Behandlung: In schweren Fällen kann die operative Entfernung der Osteophyten über einen transzervikalen anterioren Wirbelsäulenzugang indiziert sein.

Allgemeine Maßnahmen

  • Essen Sie langsam und kauen Sie gut.
  • Meiden Sie Speisen und Getränke, die Sie schlecht vertragen.
  • Wählen Sie bei Schluckstörungen flüssige oder pürierte Speisen.
  • Trinken Sie viel Wasser zu den Mahlzeiten, da auf diese Weise die Speisen besser rutschen.
  • Halten Sie Ihren Oberkörper beim Essen aufrecht.
  • Wenn Ihnen das Schlucken während einer Mahlzeit besonders große Probleme bereitet, stehen Sie während der Mahlzeit auf und gehen ein paar Schritte umher.

Die Kompression des Vagusnervs durch den Atlas

Die Kompression des Vagusnervs durch eine Atlasfehlstellung kann eine Vielzahl von Beschwerden verursachen, da der Vagusnerv an der Regulation der Funktionen nahezu aller inneren Organe beteiligt ist. Eine Kompression des Vagusnervs hat eine vergleichbare Wirkung wie ein Wackelkontakt in einem elektrischen Stromkreis. Mit der AtlantoMed-Methode kann die Kompression des Vagusnervs in bestimmten Fällen jedoch wirksam behoben werden.

Lesen Sie auch: Aktuelle Leitlinie: Post-Zoster-Neuralgie

tags: #neuralgie #speiserohre #kehlkopf