Morbus Scheuermann ist eine Wachstumsstörung der Wirbelsäule, die vor allem bei Jugendlichen auftritt und zu einer verstärkten Krümmung der Brustwirbelsäule (Hyperkyphose) führt. Neuralgien, insbesondere die Interkostalneuralgie und die Occipitalis-Neuralgie, sind Nervenschmerzen, die verschiedene Ursachen haben können. Dieser Artikel untersucht den Zusammenhang zwischen Morbus Scheuermann und Neuralgien, beleuchtet die Symptome beider Erkrankungen und stellt verschiedene Behandlungsansätze vor.
Einführung in Morbus Scheuermann
Morbus Scheuermann, auch Scheuermann-Krankheit genannt, ist eine Wachstumsstörung, die hauptsächlich die Brustwirbelsäule betrifft. Die Erkrankung führt zu einer zunehmenden Krümmung der Wirbelsäule nach hinten, was als Hyperkyphose oder Rundrücken bezeichnet wird. Morbus Scheuermann tritt typischerweise im Alter zwischen 12 und 17 Jahren auf und kann zu lebenslangen Fehlhaltungen und Rückenschmerzen führen.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen von Morbus Scheuermann sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Dazu gehören:
- Genetische Veranlagung: Morbus Scheuermann tritt gehäuft familiär auf, was auf eine erbliche Komponente hindeutet.
- Wachstumsstörungen: Störungen bei der Umwandlung von Knorpel in Knochen während des Wachstumsprozesses können zu einer keilförmigen Verformung der Wirbelkörper führen.
- Mechanische Faktoren: Eine schwache Bauch- und Rückenmuskulatur, Fehlhaltungen, schnelles Wachstum und rückenbelastende Sportarten können das Risiko für Morbus Scheuermann erhöhen.
Symptome
Die Symptome von Morbus Scheuermann sind individuell verschieden und hängen vom Grad der Wirbelverkrümmung und der Beschaffenheit der Rückenmuskulatur ab. Typische Symptome sind:
- Rundrücken oder Buckel
- Verminderte Körpergröße
- Eingeschränkte Rückenbeweglichkeit
- Muskelverspannungen
- Schmerzen im unteren und mittleren Rücken sowie im Nacken
- In schweren Fällen Störungen der Herz- und Lungenfunktion oder neurologische Ausfälle
Diagnose
Die Diagnose von Morbus Scheuermann umfasst in der Regel eine körperliche Untersuchung und eine Röntgenaufnahme der Wirbelsäule. Im Röntgenbild lassen sich typische Veränderungen wie Keilwirbel, ein verschmälerter Bandscheibenraum und Schmorl-Knorpelknötchen darstellen. Weitere Tests wie der Schober-Test und der Ott-Test können die Beweglichkeit der Wirbelsäule beurteilen.
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Neuralgien: Nervenschmerzen verstehen
Neuralgien sind Schmerzen, die durch eine Schädigung oder Reizung von Nerven verursacht werden. Die Schmerzen können stechend, brennend oder einschießend sein und in verschiedenen Körperregionen auftreten. Zwei häufige Formen von Neuralgien sind die Interkostalneuralgie und die Occipitalis-Neuralgie.
Interkostalneuralgie
Die Interkostalneuralgie ist eine Schmerzerkrankung, die die Interkostalnerven betrifft, die zwischen den Rippen verlaufen. Die Schmerzen treten meist gürtel- oder streifenförmig im Bereich des Rippenbogens auf und können durch Bewegung verstärkt werden.
Ursachen
Die Ursachen der Interkostalneuralgie sind vielfältig und oft nicht eindeutig zu identifizieren. Mögliche Ursachen sind:
- Wirbelblockaden: Verschobene oder blockierte Wirbel in der Brustwirbelsäule können die Interkostalnerven reizen.
- Muskelverspannungen: Verspannungen der Rücken- und Brustmuskulatur können Druck auf die Nerven ausüben.
- Verletzungen: Prellungen, Zerrungen oder Rippenbrüche können die Nerven schädigen.
- Infektionen: Gürtelrose (Herpes Zoster) kann eine Interkostalneuralgie verursachen.
- Erkrankungen der Wirbelsäule: Morbus Scheuermann, Osteochondrose oder Arthrose der Wirbelgelenke können die Nerven beeinträchtigen.
- Tumoren: In seltenen Fällen können Tumoren auf die Nerven drücken und Schmerzen verursachen.
Symptome
- Gürtel- oder streifenförmige Schmerzen im Bereich des Rippenbogens
- Stechende, brennende oder einschießende Schmerzen
- Schmerzen, die sich bei Bewegung, Husten oder Niesen verstärken
- Druckempfindlichkeit im Bereich der betroffenen Nerven
- In einigen Fällen Taubheitsgefühl oder Kribbeln
Occipitalis-Neuralgie
Die Occipitalis-Neuralgie ist eine Schmerzerkrankung, die die Hinterhauptnerven betrifft, die vom oberen Nackenbereich zum Hinterkopf verlaufen. Die Schmerzen sind typischerweise scharf, stechend und einschießend und können bis in die Augen ausstrahlen.
Ursachen
- Arthrotische Veränderungen: Arthrotische Veränderungen an der Halswirbelsäule (Spondylarthrose) können die Nervenwurzeln einengen, aus denen die Hinterhauptnerven hervorgehen.
- Verletzungen: Verletzungen der Nerven im Nackenbereich können die Occipitalis-Neuralgie auslösen.
- Tumoren: Tumoren im Bereich des Nervs können Druck auf den Nerv ausüben.
- Infektionen: Infektionen im Nackenbereich können die Nerven reizen.
- Komprimierung: Der Nerv kann in seinem Verlauf durch benachbarte Arterien komprimiert und geschädigt werden.
Symptome
- Scharfe, stechende und einschießende Schmerzen im Hinterkopf und Nacken
- Schmerzen, die bis in die Augen ausstrahlen können
- Druckempfindlichkeit im Bereich der Hinterhauptnerven
- In einigen Fällen Kribbeln oder Taubheitsgefühl
Zusammenhang zwischen Morbus Scheuermann und Neuralgien
Morbus Scheuermann kann indirekt zu Neuralgien beitragen, insbesondere zur Interkostalneuralgie. Die durch Morbus Scheuermann verursachte veränderte Wirbelsäulenstatik und die damit verbundenen Muskelverspannungen können Druck auf die Nerven ausüben und zu Schmerzen führen.
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- Veränderte Wirbelsäulenstatik: Die Hyperkyphose bei Morbus Scheuermann kann die natürliche Ausrichtung der Wirbelsäule verändern und zu einer ungleichmäßigen Belastung der Bandscheiben und Wirbelgelenke führen. Dies kann Wirbelblockaden und Nervenreizungen verursachen.
- Muskelverspannungen: Um die Fehlhaltung auszugleichen, kommt es häufig zu Muskelverspannungen im Rücken-, Schulter- und Nackenbereich. Diese Verspannungen können die Interkostalnerven oder die Hinterhauptnerven einklemmen oder reizen.
Behandlungsansätze
Die Behandlung von Morbus Scheuermann und Neuralgien zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Fehlhaltung zu korrigieren und die Lebensqualität zu verbessern.
Morbus Scheuermann
- Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Stärkung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Körperhaltung und Mobilisierung der Wirbelsäule sind ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Eine Haltungsschulung kann helfen, Fehlhaltungen im Alltag zu vermeiden.
- Korsetttherapie: Bei Jugendlichen, die sich noch im Wachstum befinden, kann das Tragen eines Korsetts helfen, die Krümmung der Wirbelsäule zu korrigieren und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.
- Schmerzmittel: Schmerzlindernde und muskelentspannende Medikamente können bei Bedarf eingesetzt werden, um die Schmerzen zu reduzieren.
- Operation: In schweren Fällen, bei denen die Krümmung der Wirbelsäule sehr stark ausgeprägt ist und konservative Maßnahmen nicht ausreichend helfen, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden.
Neuralgien
- Schmerzmittel: Schmerzlindernde Medikamente wie nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) oder Opioide können zur kurzfristigen Schmerzlinderung eingesetzt werden.
- Nervenblockaden: Lokale Injektionen von Betäubungsmitteln oder Kortikosteroiden können die Nervenreizung reduzieren und die Schmerzen lindern.
- Physiotherapie: Muskelentspannende Maßnahmen, manuelle Therapie und Übungen zur Verbesserung der Körperhaltung können helfen, die Nerven zu entlasten.
- Operation: In seltenen Fällen, wenn die Neuralgie durch eine Kompression des Nervs verursacht wird, kann eine Operation zur Entlastung des Nervs erforderlich sein.
- Wärme- und Kälteanwendungen: Bei Muskelverspannungen können Wärmeanwendungen helfen, während bei Entzündungen Kälteanwendungen empfehlenswert sind.
Weitere Behandlungsansätze
- Osteopathie: Osteopathische Behandlungen können helfen, Wirbelblockaden zu lösen, Muskelverspannungen zu reduzieren und die Körperhaltung zu verbessern.
- Rolfing: Rolfing ist eine spezielle Form der Körpertherapie, die darauf abzielt, das Bindegewebe (Faszien) zu lösen und die Körperstruktur auszurichten.
- Psychotherapie: Bei chronischen Schmerzen kann eine psychotherapeutische Behandlung helfen, die Schmerzen besser zu bewältigen und die Lebensqualität zu verbessern.
Übungen zur Linderung von Beschwerden
Es gibt verschiedene Übungen, die bei Morbus Scheuermann und Neuralgien helfen können, die Beschwerden zu lindern und die Körperhaltung zu verbessern.
Dehnübungen
- Brustdehnung: Stelle dich aufrecht hin und verschränke die Hände hinter dem Rücken. Ziehe die Schultern nach hinten und drücke die Brust nach vorne. Halte die Dehnung für 20-30 Sekunden.
- Nackendehnung: Neige den Kopf langsam zur Seite und ziehe das Ohr in Richtung Schulter. Halte die Dehnung für 20-30 Sekunden und wiederhole die Übung auf der anderen Seite.
- Dehnung der Zwischenrippenmuskulatur: Stelle dich aufrecht hin und hebe einen Arm über den Kopf. Neige den Oberkörper zur gegenüberliegenden Seite und spüre die Dehnung in der seitlichen Brustwand. Halte die Dehnung für 20-30 Sekunden und wiederhole die Übung auf der anderen Seite.
Kräftigungsübungen
- Rückenstrecker: Lege dich auf den Bauch und hebe den Oberkörper leicht an. Halte die Position für einige Sekunden und senke den Oberkörper wieder ab.
- Schulterblattdrücken: Setze dich aufrecht hin und ziehe die Schulterblätter zusammen. Halte die Position für einige Sekunden und entspanne die Schultern wieder.
- Bauchmuskelübungen: Führe Crunches oder Planks durch, um die Bauchmuskulatur zu stärken.
Atemübungen
- Zwerchfellatmung: Lege dich auf den Rücken und lege eine Hand auf den Bauch. Atme tief durch die Nase ein und spüre, wie sich der Bauch hebt. Atme langsam durch den Mund aus und spüre, wie sich der Bauch senkt.
- Brustkorbatmung: Lege die Hände auf die seitlichen Rippen. Atme tief ein und spüre, wie sich der Brustkorb weitet. Atme langsam aus und spüre, wie sich der Brustkorb zusammenzieht.
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