Neuritis nach Otitis Media: Ursachen, Symptome und Behandlung

Eine Neuritis nach Otitis Media, also eine Nervenentzündung im Anschluss an eine Mittelohrentzündung, kann verschiedene Ursachen haben und sich durch unterschiedliche Symptome äußern. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten dieser Komplikation.

Einführung

Eine Mittelohrentzündung (Otitis media) ist eine häufige Erkrankung, die besonders bei Kindern auftritt. In den meisten Fällen heilt eine akute Mittelohrentzündung folgenlos aus. Kommt es jedoch zu Komplikationen, kann sich eine Neuritis entwickeln, die das Hörvermögen und das Gleichgewicht beeinträchtigen kann.

Ursachen einer Neuritis nach Otitis Media

In der Regel geht einer Mittelohrentzündung eine Erkältung, Grippe oder Nasennebenhöhlenentzündung voraus. Bei Kleinkindern sind häufig die kindlichen Polypen (Adenoiden) Grund für wiederkehrende akute Mittelohrentzündungen. Eine anhaltende Infektion im Mittelohr kann das Hörvermögen dauerhaft schädigen und sollte dringend behandelt werden.

Die Neuritis kann entstehen, wenn die Entzündung des Mittelohrs auf den in unmittelbarer Nähe liegenden Knochenkanal des siebten Hirnnervs (Nervus facialis) übergreift. Dieser Nerv versorgt große Teile der mimischen Muskulatur im Gesicht. Greift die Entzündung den Nerv an, kann dies zu einer einseitigen Lähmung führen.

Eine weitere Ursache kann eine Labyrinthitis sein, bei der die Entzündung des Mittelohrs auf das Innenohr übergeht. Akute Mittelohrentzündungen mit eitriger Sekretbildung können auch auf die Hirnhäute übergehen und eine Meningitis auslösen. Die Übertragung erfolgt beispielsweise über das Labyrinth oder die Blutgefäße.

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Symptome einer Neuritis nach Otitis Media

Die Symptome einer Neuritis nach Otitis Media können vielfältig sein und hängen davon ab, welcher Nerv betroffen ist und wie weit sich die Entzündung ausgebreitet hat.

Gesichtsnervlähmung (Fazialisparese)

Wenn der Nervus facialis betroffen ist, kann dies zu einer einseitigen Lähmung der Gesichtsmuskulatur führen. Symptome sind:

  • Taubheit der mimischen Gesichtsmuskeln auf der betroffenen Seite
  • Verstrichene Nasolabialfalte
  • Herabhängende Augen- und Mundwinkel
  • Erweiterter Augenschlitz
  • Tränenträufeln

Labyrinthitis

Bei einer Labyrinthitis, einer Entzündung des Innenohrs, kommt es zu folgenden Symptomen:

  • Drehschwindel
  • Schallempfindungsschwerhörigkeit
  • Erbrechen
  • Spontanes Augenzucken (Nystagmus) auf der kranken Seite

Bei Fortschreiten der Erkrankung und Übergang in eine eitrige Labyrinthitis besteht das Risiko einer Hirnhautentzündung (Meningitis).

Meningitis

Eine Hirnhautentzündung äußert sich durch folgende Symptome:

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  • Spontanes Fieber
  • Kopfschmerz
  • Verwirrtheit
  • Unruhe
  • Lichtempfindlichkeit
  • Erbrechen
  • Nackensteife

Mastoiditis

Die Mastoiditis ist eine häufige Komplikation, insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern. Sie äußert sich durch:

  • Eitrige Entzündung der Zellen des knöchernen Warzenfortsatzes
  • Ödematöse, gerötete Schwellung hinter der Ohrmuschel
  • Druckschmerz in diesem Bereich
  • Sekretabfluss
  • Abstehendes Ohr

Weitere Symptome

Je nach Ursache und Ausmaß der Neuritis können weitere Symptome auftreten:

  • Schmerzen hinter dem Ohr
  • Schwerhörigkeit
  • Eitriger Ohrenausfluss
  • Tinnitus
  • Pochende Kopfschmerzen
  • Zahnschmerzen oder Kieferschmerzen

Diagnose

Die Diagnose einer Neuritis nach Otitis Media umfasst verschiedene Schritte:

  1. Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte, einschließlich früherer Ohrinfektionen, Begleiterkrankungen und aktueller Symptome.
  2. Körperliche Untersuchung: Inspektion des Ohrs, des Kiefers, des Halses, des Mundes, der Lymphknoten und der Haut um das Gesicht.
  3. Otoskopie: Untersuchung des äußeren Gehörgangs und des Trommelfells mit einem Ohrenspiegel. Dabei wird auf Rötungen, Schwellungen, Vorwölbungen oder Risse des Trommelfells geachtet.
  4. Hörtests: Überprüfung des Hörvermögens, um eine mögliche Schwerhörigkeit festzustellen.
  5. Blutuntersuchungen: Zur Feststellung von Entzündungszeichen oder Infektionen.
  6. Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen oder MRT, um die Ursache des Problems zu ermitteln und Komplikationen wie eine Mastoiditis oder Hirnhautentzündung auszuschließen.
  7. Neurologische Untersuchung: Bei Verdacht auf eine Beteiligung des Nervus facialis oder andere neurologische Komplikationen.

Behandlung

Die Behandlung einer Neuritis nach Otitis Media richtet sich nach der Ursache und dem Ausmaß der Entzündung.

Medikamentöse Behandlung

  • Antibiotika: Bei bakteriellen Infektionen werden Antibiotika eingesetzt, um die Bakterien zu bekämpfen und die Entzündung einzudämmen.
  • Schmerzmittel: Fiebersenkende Schmerzmittel können zur Linderung von Schmerzen und Fieber eingesetzt werden.
  • Kortikosteroide: Bei immunologisch bedingten Entzündungen können Kortikosteroide eingesetzt werden, um die Entzündung zu reduzieren und die Nervenfunktion zu verbessern.
  • Virustatika: Bei Herpesinfektionen werden Virustatika eingesetzt, um die Virusvermehrung zu hemmen.

Chirurgische Behandlung

  • Adenotomie: Bei wiederkehrenden akuten Mittelohrentzündungen aufgrund von vergrößerten Adenoiden kann eine Entfernung der Rachenmandeln (Adenotomie) sinnvoll sein.
  • Paukenröhrchen: Bei einer Mittelohrentzündung mit Paukenerguss können Paukenröhrchen eingesetzt werden, um das Mittelohr zu belüften und den Druck auszugleichen.
  • Mastoidektomie: Bei einer Mastoiditis kann eine Operation (Mastoidektomie) erforderlich sein, um das entzündete Gewebe zu entfernen und Komplikationen zu vermeiden.
  • Chirurgische Drainage: Bei Abszessen im Schädelinneren kann eine chirurgische Drainage erforderlich sein, um den Eiter abzulassen.

Weitere Maßnahmen

  • Ruhe und Schlaf: Ruhe und viel Schlaf helfen, den Heilungsverlauf zu beschleunigen.
  • Abschwellende Nasentropfen: Abschwellende Nasentropfen dienen der besseren Belüftung, wenn die Mittelohrentzündung Folge eines Schnupfens ist. Nasentropfen oder -sprays sollten aber ohne Absprache mit dem Arzt nicht länger als eine Woche angewandt werden, da die Nase sonst ohne diese Mittel nicht mehr abschwellen kann.
  • Zwiebelsäckchen: Das Zwiebelsäckchen ist ein bekanntes Hausmittel bei Ohrenschmerzen. Die ätherischen Öle der Zwiebel wirken antibakteriell, stoffwechselanregend und schleimlösend.
  • Vermeidung von Wasser im Ohr: Patienten sollten darauf achten, dass während einer Mittelohrentzündung kein Wasser beim Duschen oder Baden in die Ohren gelangt.
  • Physiotherapie: Bei einer Fazialisparese kann Physiotherapie helfen, die Gesichtsmuskulatur zu stärken und die Funktion wiederherzustellen.

Komplikationen

Unbehandelt kann eine Neuritis nach Otitis Media zu schwerwiegenden Komplikationen führen:

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  • Chronische Mastoiditis: Eine langanhaltende oder wiederkehrende Entzündung des Mastoids, die zu Knochenschäden oder Cholesteatomen führen kann.
  • Fazialisparese: Eine dauerhafte Lähmung der Gesichtsmuskulatur.
  • Schwerhörigkeit: Eine dauerhafte Schädigung des Hörvermögens.
  • Meningitis: Eine lebensbedrohliche Entzündung der Hirnhäute.
  • Labyrinthitis: Eine Entzündung des Innenohrs, die zu Gleichgewichtsstörungen und Schwindel führen kann.
  • Hirnabszess: Eine Eiteransammlung im Gehirn, die zu schweren neurologischen Schäden führen kann.
  • Sinusvenenthrombose: Eine Verstopfung der Blutgefäße im Gehirn.

Prävention

Um einer Neuritis nach Otitis Media vorzubeugen, ist es wichtig, Mittelohrentzündungen frühzeitig und konsequent zu behandeln. Folgende Maßnahmen können helfen:

  • Impfungen: Impfungen gegen Pneumokokken und Haemophilus influenzae können das Risiko einer Mittelohrentzündung verringern.
  • Stillen: Stillen stärkt das Immunsystem des Kindes und kann vor Infektionen schützen.
  • Vermeidung von Tabakrauch: Passivrauchen erhöht das Risiko von Atemwegsinfektionen und Mittelohrentzündungen.
  • Hygiene: Regelmäßiges Händewaschen kann die Ausbreitung von Infektionen verhindern.
  • Vermeidung von Schnullern: Schnuller können das Risiko einer Mittelohrentzündung erhöhen.
  • Frühzeitige Behandlung von Atemwegsinfektionen: Eine rechtzeitige Behandlung von Erkältungen und anderen Atemwegsinfektionen kann das Risiko einer Mittelohrentzündung verringern.

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