Die Neurochirurgische Klinik am Bezirkskrankenhaus (BKH) Günzburg hat sich seit über 40 Jahren einen Namen in der Behandlung von Verletzungen peripherer Nerven gemacht. Eine Schlüsselfigur in dieser Entwicklung ist Prof. Dr. Gregor Antoniadis, dessen Engagement und Expertise die Klinik zu einem national und international anerkannten Zentrum für periphere Nervenchirurgie gemacht haben.
Die Sektion "Periphere Nervenchirurgie" am BKH Günzburg
Am 01.07.2016 wurde die Sektion "Periphere Nervenchirurgie" innerhalb der Neurochirurgischen Klinik der Universität Ulm am Bezirkskrankenhaus Günzburg gegründet. Diese Sektion war die erste ihrer Art unter allen universitären und kommunalen Häusern in Deutschland. Die länderübergreifende Einrichtung ist Teil der Neurochirurgie in Günzburg und gehört zur Uniklinik Ulm. Sie gilt bundesweit als führend, was die Behandlung von Verletzungen von Nerven außerhalb des Schädels angeht. 2017 wurde dann das europäische Pendant gegründet. Die Sektion in Günzburg ist Referenzklinik innerhalb der deutschen Nervenchirurgie und weltweit vernetzt.
Behandlungsspektrum der Sektion
Das Spektrum der Sektion ist breit gefächert und umfasst die Behandlung verschiedenster Erkrankungen und Verletzungen der peripheren Nerven:
- Nervenverletzungen: Die Klinik ist seit 40 Jahren zuständig für alle Patienten mit Nervenverletzungen an Armen, Beinen oder am Körper. Dies umfasst auch Motorradfahrer, die sich bei Unfällen Verletzungen am Armnervengeflecht zuziehen oder Betroffene, deren Nerven gar durchtrennt sind.
- Nervenengpasssyndrome: Die Klinik bietet offene und endoskopische Operationen bei Karpal- und Kubitaltunnelsyndromen sowie bei sonstigen häufigen und seltenen Nervenengpasssyndromen an. Dabei werden eingeklemmte Nerven am ganzen Körper behandelt, die Schmerzen, Lähmungen oder Taubheitsgefühle verursachen.
- Nerventumore: Auch Patienten mit einem Tumor am Nervenstrang werden in der Sektion behandelt.
- Rekonstruktive Nervenchirurgie: Die Klinik ist spezialisiert auf die rekonstruktive Nervenchirurgie, bei der Nerven beispielsweise nach Verletzungen rekonstruiert werden müssen.
Operationstechniken und -häufigkeit
Die Eingriffe an den peripheren Nerven sind hochkomplex und können in manchen Fällen mehr als acht Stunden dauern. Pro Jahr werden in Günzburg etwa 500 solcher Operationen durchgeführt. Häufig sei ein Nerv gerissen oder habe eine innere Schädigung erlitten, erklärt Antoniadis. In diesen Fällen entfernen die Ärzte den geschädigten Nerventeil. Um den Nerv zu rekonstruieren, werden aus dem eigenen Körper - meist aus den Unterschenkeln - Hautnerven entnommen. Diese Hautnerven werden an die geschädigte Stelle gesetzt und dienen als Schiene, damit der Nerv von oben nach unten weiterwachsen kann. Ein Nerv wachse pro Tag einen Millimeter. Bis er den Muskel erreicht und dieser aufgebaut werden kann, dauere es also, berichtet Antoniadis. Das Endergebnis einer Operation kann deshalb bis zu zweieinhalb Jahr dauern.
Das Team der Sektion
„Alle drei Monate wird mir aus der Neurochirurgie im Wechsel ein Rotationsassistent zur Seite gestellt. Außerdem unterstützen mich zwei bis drei Oberärzte und ein größeres OP-Team“, so der Mediziner, der mit Unterbrechungen seit 1978 am BKH Günzburg tätig ist. Nach Beendigung seiner neurochirurgischen Tätigkeit im Jahre 2016 baute er mit Unterstützung von Thomas Düll (ehemaliger Vorstandsvorsitzender) und Prof.
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Prof. Dr. Gregor Antoniadis: Ein Leben für die Periphere Nervenchirurgie
Prof. Dr. Gregor Antoniadis hat die Periphere Nervenchirurgie in Deutschland maßgeblich geprägt. Er leitet die Sektion „Periphere Nervenchirurgie" innerhalb der Neurochirurgischen Klinik der Universität Ulm am Bezirkskrankenhaus (BKH) Günzburg, ist Mitglied der Deutschen Sektion „Periphere Nerven“ als auch der europäischen und der weltweiten Föderation.
Werdegang und Karriere
Der gebürtige Grieche studierte in München und kam dann am 1. Mai 1978 als Assistenzarzt in die Neurochirurgie des BKH Günzburg. Nach zwei Unterbrechungen (Wehrdienst in Griechenland und vorübergehender Wechsel nach Fulda) kehrte er am 1. Oktober 1990 zum dritten Mal nach Günzburg zurück. Im Februar 2005 ernannte die Uni Ulm Gregor Antoniadis zum außerplanmäßigen Professor. Von 1990 bis 2016 war er ständiger Vertreter des Ärztlichen Direktors der neurochirurgischen Klinik und seit 1.
Prof. Antoniadis erinnert sich noch genau an seine Anfangszeit 1978. „Damals waren wir vier Assistenten und fünf Oberärzte bei 2000 Operationen im Jahr und bis zu 100 Patienten pro Ambulanztag. Das war eine harte Schule, die mich geprägt hat. Aber ich habe enorm davon profitiert“, sagte der 72-Jährige.
Auszeichnungen und Ehrungen
Die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) hat Professor Dr. Gregor Antoniadis für seine herausragenden Verdienste um die Weiterbildung, Diagnostik und Therapie der Neurochirurgie peripherer Nerven eine ihrer drei höchsten Auszeichnungen verliehen. Präsident Prof. Hans Clusmann überreichte ihm die Otfrid-Förster-Medaille beim 76. Kongress der DGNC in Hannover. Damit wurde Prof. Antoniadis für sein Lebenswerk geehrt und zum Ehrenmitglied der DGNC ernannt. Die Laudatio hielten PD Dr. Nora Dengler aus Bad Saarow und Dr. Walter Demmel aus München.
Engagement in Fachgesellschaften und Gremien
Prof. Antoniadis ist nicht nur ein herausragender Chirurg, sondern auch ein engagierter Verfechter seines Fachgebiets. Er ist geschäftsführender Sekretär und Gründungsmitglied des NervClubs e.V., einer interdisziplinären Studiengruppe für die peripheren Nerven, und war an allen interdisziplinären Therapie-Leitlinien zum Spezialfach maßgeblich beteiligt. Von 2001 bis 2011 war er Vorsitzender der Sektion „Periphere Nerven“ der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie und bis 2021 Vize-Präsidenten der entsprechenden Europäischen Sektion. Er ist außerdem Mitglied in der deutschen und der europäischen "Sektion Periphere Nerven". Bis 2021 war er Vizepräsident der "Sektion Periphere Nervenchirurgie" der European Association of Neurosurgical Societies (EANS).
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Initiativen zur Weiterbildung und Forschung
Prof. Antoniadis hat sich auch intensiv für die Weiterbildung von Neurochirurgen eingesetzt. Er ist Initiator der interdisziplinären „Plexus brachialis Symposien“, die erstmalig 2006 in Fulda stattfanden und in diesem Jahr das 10-jährige Jubiläum in Bad Saarow bei Berlin feierten. Er hat die sehr erfolgreichen interkontinentalen Treffen "German-South American Meetings - GERSAM" auf dem Gebiet der peripheren Nerven ins Leben gerufen, die erstmalig 2015 in Günzburg organisiert wurden und im Anschluss alle zwei Jahre abwechselnd in Deutschland und Südamerika stattfinden. Außerdem gründete er 2000, gemeinsam mit Prof. Dr. Hans-Peter Richter, den sehr renommierten "Nervkurs" für periphere Nerven in seiner Klinik. Von 2003 bis 2023 organisierte der Mediziner die Diagnostischen Seminare mit Neurophysiologie und Neurosonografie für Neurochirurgen in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für klinische Neurophysiologie auf Schloss Reisensburg.
Publikationen und Standardwerke
Prof. Antoniadis ist Herausgeber von vier Standardwerken zur Peripheren Nervenchirurgie. Diese wurden auch international verfasst. Des Weiteren hat er den Günzburger Nervkurs ins Leben gerufen. Er ist Herausgeber von vier deutschen und internationalen Standardwerken auf dem Gebiet der peripheren Nervenchirurgie und hat allein auf diesem Gebiet weit über 150 Publikationen und Buchbeiträge veröffentlicht.
Der NervClub e.V.
Ein weiterer wichtiger Aspekt in der Arbeit von Prof. Antoniadis ist der NervClub e.V., eine interdisziplinäre Studiengruppe für die peripheren Nerven.
Entstehung und Ziele
Vor dem Hintergrund einer relativen Bedeutungslosigkeit der peripheren Nerven für die Fächer Neurologie und Neurochirurgie wurde über die Sinnhaftigkeit eines interdisziplinären Gedankenaustauschs mit Nervenexperten aus verschiedenen Fachrichtungen einschließlich der Grundlagenfächer diskutiert. Am 23. Anwesend waren: Prof. Dr. med. Gregor Antoniadis (Günzburg), Prof. Dr. med. Joachim Weis (Aachen), Dr. med. Hans Assmus (Heidelberg-Dossenheim), Prof. Dr. med. Götz Penkert (Hannover), Prof. Dr. med. Robert Behr (Fulda), Prof. Dr. med. Hermann Krimmer (Ravensburg), Prof. Dr. med. Hans-Eberhard Schaller (Tübingen), PD Dr. med. Michael Becker (Aachen), Prof. Dr. med.
Entwicklung und Mitglieder
Geplant wurden jährliche Tagungen und Mitgliederversammlungen. Innerhalb weniger Jahre wuchs die Anzahl der Mitglieder, sodass anlässlich der Mitgliederversammlung in Aachen am 20. Februar 2014 die Umwandlung der Vereinigung in einen eingetragenen Verein mit großer Mehrheit beschlossen wurde. Im Jahr 2022 betrug die Zahl der Vollmitglieder 52, der Juniormitglieder 8 und der korrespondierenden internationalen Mitglieder 7. Bei der Mitgliederversammlung in München am 14. Aus dem NervClub gingen u.a.
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