Das Neurologie Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe (ZKM) stellt eine einzigartige Schnittstelle zwischen den Neurowissenschaften, der Kunst und den neuen Medien dar. Diese Verbindung ermöglicht innovative Perspektiven auf die menschliche Wahrnehmung, Kognition und Kreativität. Das ZKM dient als Plattform für den Dialog zwischen Forschern, Künstlern und der Öffentlichkeit und fördert so ein tieferes Verständnis des Gehirns und seiner Funktionen im Kontext von Kunst und Technologie.
Künstliche Intelligenz und Kunst: Eine neurologische Perspektive
Die Frage, ob künstliche Intelligenz (KI) Kunst schaffen kann, ist ein zentrales Thema im Diskurs um die Verbindung von Neurologie, Kunst und Medien. Peter Weibel argumentiert, dass KI im eigentlichen Sinne nicht existiert, sondern vielmehr ein Ensemble von Maschinen, Medien, Programmen, Algorithmen, Hardware und Software ein außerordentlich großes Forschungsfeld geschaffen hat. Dieses Feld, das als A.I. bezeichnet wird, umfasst nicht nur Informatik, Automatisierung und Robotik, sondern auch Psychologie, Neurologie, Kommunikationswissenschaft, Linguistik, Mathematik, Logik, Kunst, Literatur, Architektur und Musik.
Die Ziele der A.I.-Forschung sind vielfältig und umfassen die Simulation intelligenten Verhaltens und Kreativität, die Optimierung von Lern- und Mustererkennungsprozessen, die Vorhersage von Ereignissen, die Verbesserung von Entscheidungsprozeduren, die eigenständige Lösung von Problemen, die Entwicklung von Gewinnkalkülen und die Programmierung treffsicherer Suchmaschinen. A.I. kann als ein computergestütztes Expertensystem betrachtet werden, das ältere Expertensysteme ablöst.
Ein Beispiel hierfür ist der Vergleich zwischen religiösen Expertensystemen und Navigationssystemen im Auto. Während man sich in einem Stau im religiösen Kontext an Gott wenden könnte, um Rat zu erhalten, bietet das Navigationssystem eine konkrete und zuverlässige Antwort.
Exo-Evolution: Die Verschränkung von Kunst, Wissenschaft und Technologie
Die Ausstellung „Exo-Evolution“ (2015-2016) im ZKM Karlsruhe demonstrierte die Verschränkung von Kunst und Wissenschaft sowie die künstlerische Anwendung neuer Technologien. Sie eröffnete mit verschiedenen Modulen Ausblicke in die Zukunft und zeigte eine neue Realität, die von 3D-Druckern, Robotern, Cyborgs, Chimären, Sensoren, Gen-Pools, tragbaren Technologien, medizinischen Innovationen, synthetischen Lebewesen, bionischen Anzügen, Silikonnetzhäuten, künstlichem Gewebe, Reparaturtechniken sowie Erkenntnissen aus der Weltraumforschung, Molekularbiologie, Neurologie, Genetik und Quanteninformatik geprägt ist.
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Die Ausstellung präsentierte Visionen und Lösungen für Probleme des 21. Jahrhunderts. Sie verdeutlichte, wie der Mensch im Laufe der Jahrtausende eine Werkzeugkultur hervorgebracht hat, die die Grenzen der Wahrnehmung, der Handlungsfähigkeit und der Welt erweiterte. Durch die Auslagerung von Körperfunktionen in Werkzeuge, Schriften und digitale Speicher hat der Mensch eine menschengemachte Exo-Evolution geschaffen, die das Zeitalter des Anthropozän einleitet.
Das Gehirn im Fokus: Neurowissenschaftliche Expertise am ZKM
Ein umfassendes Informationsportal zu einem komplexen Thema auf- und auszubauen, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Um die fachliche Richtigkeit der Inhalte zu gewährleisten, arbeitet das ZKM mit einem Fachbeirat Neurowissenschaften zusammen, der sich aus führenden Köpfen der Hirnforschung in Deutschland zusammensetzt. Die Experten des Fachbeirats stehen der Redaktion auch bei der Entwicklung neuer Themen und der Suche nach spannenden Geschichten aus der Welt der Hirnforschung beratend zur Seite.
Zu den Mitgliedern des Fachbeirats gehören renommierte Neurowissenschaftler wie:
- Prof. Dr. Christine R. Rose (HHU): Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der zellulären Neurophysiologie.
- Prof. Dr. med. Albert C. Ludolph (Universität Ulm): Sein Forschungsinteresse konzentriert sich auf Motoneuronerkrankungen und frontale Demenzen.
- Prof. Dr. Georg Meyer zum Gottesberge (Universität Frankfurt): Seine Forschungsinteressen liegen im Bereich der funktionellen und strukturellen Organisation des zentralen auditorischen Systems von Säugetieren.
- Prof. Dr. Dr. med. Mathias Bähr (Universitätsmedizin Göttingen): Seine klinischen und wissenschaftlichen Schwerpunkte sind die Erforschung der zellulären und molekularen Grundlagen von De- und Regenerationsprozessen im adulten Nervensystem.
- Prof. Dr. Dr. Peter Falkai (Universität München): Er ist Experte für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde.
- Prof. Dr. Herta Flor (Universität Heidelberg/Mannheim): Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Psychobiologie des Schmerzes.
- Prof. Dr. Gerd Kempermann (CRTD, Technische Universität Dresden): Sein Forschungsschwerpunkt ist die aktivitätsabhängige Plastizität und ihre Bedeutung für die Funktion des Gehirns in Gesundheit und Krankheit.
- Prof. Dr. Frank Kirchhoff (Universität des Saarlandes): Seine Gruppe beschäftigt sich mit der Funktion der Gliazellen im normalen und pathologischen Gehirn.
- Prof. Dr. Jochen Koester (Universität Bremen): Seine Forschungsinteressen liegen in der Neuropharmakologie kortikaler und subkortikaler Hirnstrukturen bei der Verhaltenssteuerung und bei kognitiven Leistungen von Säugetieren.
- Prof. Dr. Siegrid Löwel (Universität Göttingen): Ihre Forschungsgruppe betreibt neurowissenschaftliche Grundlagenforschung und möchte verstehen, wie sich die Flexibilität des Gehirns im Alter und nach Läsionen erhöhen lässt.
- Prof. Dr. med. Dr. med. Tobias Moser (Universitätsmedizin Göttingen): Sein wissenschaftliches Interesse gilt der Neurosensorik und der neurowissenschaftlich orientierten Hörforschung.
- Prof. Dr. Stefan Rotter (Universität Freiburg): Er leitet eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe, die die Eigenschaften dynamischer Netzwerke im Gehirn erforscht.
- Prof. Dr. Dr. Petra Wahle (Ruhr-Universität Bochum): Sie leitet die Arbeitsgruppe Entwicklungsneurobiologie.
Neue Medien und Technologie: Expertise für innovative Gestaltung
Um höchste Qualität bei Technik, Gestaltung und Betrieb zu sichern, arbeitet das ZKM mit einem Fachbeirat Neue Medien zusammen. Die Expertise und kontinuierliche Beratung dieses Beirats sorgt dafür, dass die verwendete Technologie und die künstlerisch-gestalterische Handschrift des ZKM gleichermaßen innovativ wie sachgerecht sind.
Zu den Mitgliedern des Fachbeirats gehören Experten wie:
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- Prof. Alexander Carôt: Als Künstler und Wissenschaftler arbeitet er im Bereich Echtzeit-Computergrafik mit einem besonderen Schwerpunkt auf interaktiven und generativen Systemen.
- Prof. Dirk Lüsebrink: Er ist Mitbegründer weiterer Unternehmen, spezialisiert auf 3D-Visualisierungen und IT-Entwicklung.
- Prof. Dr. Till Kreutzer: Er lehrt an der Universität Mannheim Urheberrecht und ist Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Recht und Informatik e. V. (DGRI).
- Sebastian Moleski: Seit 2001 engagiert er sich für die deutsche Wikipedia und war lange Jahre Sprecher des Projekts.
Neuropädiatrie am ZKM: Diagnostik und Therapie für Kinder und Jugendliche
Das ZKM bietet auch neuropädiatrische Leistungen an, die die Diagnostik und Therapie aller akuten neuropädiatrischen Krankheitsbilder sowie Maßnahmen umfassen, die die Möglichkeiten des ambulanten Bereichs übersteigen. Die ambulante Diagnostik und Langzeitbetreuung von Kindern und Jugendlichen mit Entwicklungsstörungen und kinderneurologischen Erkrankungen erfolgt über das Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ).
Das therapeutische Angebot umfasst u.a.:
- Medikamentöse Behandlung von Epilepsien
- Behandlung von spastischen Bewegungsstörungen
- Multimodale Behandlung von Kopfschmerzen
- Behandlung von entzündlichen Erkrankungen des Nervensystems
- Kooperation mit anderen Fachdisziplinen
Friedrich Kittler und die Medien: Ein Symposion im ZKM
Das Symposion „Götter und Schriften rund ums Mittelmeer“ im ZKM widmete sich den Schriftkulturen und der Hypothese, dass Götter das elementarste Medium im lateinischen Wortsinn von elementa (Buchstaben) sind. Friedrich Kittler hatte die Geschichte der Dichtung, der Philosophie und der Kultur von den technischen und vortechnischen Medien abhängig gemacht.
Das Symposion versammelte Fachleute aus verschiedenen Schriftkulturen, die sich mit Themen wie der Erfindung der Keilschrift, der Hieroglyphenschrift, der Schrift des Alten Testaments, dem griechischen Alphabet und der Übertragung von Tetraktys und Buchstaben der Pythagoräer in die vier Elemente befassten. Am zweiten Tag wurden die Fragen auf die gegenwärtige Zeit, Geographien und Medien übertragen.
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