Die Klinik für Neurologie der Charité, unter der Leitung von Prof. Dr. med. Matthias Endres, deckt an ihren drei Standorten (CCM, CBF, CVK) ein breites Spektrum neurologischer Erkrankungen ab. Die stellvertretenden Klinikdirektoren Prof. Dr. med. Stephan Brandt (CCM), Prof. Dr. med. Heinrich Audebert (CBF) und Prof. Dr. med. Christoph Ploner (CVK) leiten die jeweiligen Standorte. Ergänzt wird das Team durch Prof. Dr. med. Harald Prüß (Direktor der Abteilung für Experimentelle Neurologie, CCM), Prof. Dr. Andrea Kühn (Direktorin der Sektion Bewegungsstörungen und Neuromodulation, CCM und CVK) und weitere renommierte Wissenschaftler.
Die Arbeitsgruppe um Prof. Endres konzentriert sich auf die Erforschung von Risikofaktoren und Pathomechanismen des ischämischen Schlaganfalls, die Entwicklung neuer telemedizinischer Plattformen und die Durchführung klinischer Studien zur Verbesserung der Patientenversorgung nach akutem ischämischem Ereignis. Die Forschungsprojekte werden von namhaften Institutionen wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), der Volkswagenstiftung, der Europäischen Union und verschiedenen Industriekooperationen gefördert.
Forschungsschwerpunkte und Projekte
Die Forschungstätigkeiten der Arbeitsgruppe umfassen verschiedene Schwerpunkte, die von Grundlagenforschung bis hin zu klinischen Anwendungen reichen.
Schlaganfallforschung
Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt auf der Erforschung des ischämischen Schlaganfalls. Hierzu gehören:
- Risikofaktoren und Schadensmechanismen: Untersuchung der Faktoren, die das Risiko für einen ischämischen Schlaganfall erhöhen, und der Mechanismen, die zu Hirnschäden führen.
- Folgeerscheinungen des Schlaganfalls: Langfristige Analyse der Konsequenzen eines Schlaganfalls, einschließlich Migräne und Endothelfunktion (NCT01388699). Ziel der Fallkontrollstudie ist es, zu bestimmen, ob neuartige Methoden der endothelialen Funktionsmessung, neuere Bildgebungsmethoden der weißen Substanz sowie neuartige Marker der endothelialen Aktivierung geeignet sind, um Risikofaktoren zu identifizieren.
- Rehabilitation nach Schlaganfall: Im Rahmen von BAPTISe werden die Effekte sportlicher Aktivität im Vergleich zu Entspannungsübungen während der Rehabilitation nach ischämischem Schlaganfall untersucht.
- Prähospitale Versorgung: Vergleich der Effekte einer prähospitalen Versorgung im Stroke Einsatz Mobil (STEMO) mit der Regelversorgung in Berlin. Das STEMO ist ein mit einem Neurologen besetzter Notarztwagen, der mit einem Computertomografen und einem Labor ausgestattet ist.
- Thrombolyse: Patienten mit unbekanntem Zeitfenster, deren Magnetresonanztomografie (MRT) auf einen Schlaganfallbeginn vor weniger als 4,5 Stunden hinweist, werden in dieser Studie entweder mit Placebo oder der Thrombolyse behandelt.
Sepsis und Kognition
Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist die Untersuchung der Auswirkungen von Sepsis auf die kognitive Leistungsfähigkeit.
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- Mikrogliale Phagozytose: Aktuell konzentriert sich die Arbeit auf die Untersuchung der Auswirkung mikroglialer Phagozytose auf die kognitive Leistungsfähigkeit nach Sepsis. Phagozytose durch Mikroglia, die Immunzellen des Zentralnervensystems, ist ein wichtiger selbstregulatorischer Vorgang.
Troponin und Kognition
Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich intensiv mit dem Zusammenhang zwischen erhöhten Troponinwerten und kognitiven Beeinträchtigungen.
- BASE-II und DEMDAS-Studie: Aufbauend auf den Ergebnissen der BASE-II und DEMDAS-Studie wird der Zusammenhang zwischen Troponin und kognitiver Verschlechterung bei Menschen mit subjektiver kognitiver Beeinträchtigung untersucht.
- DELCODE-Studie: Hierzu werden Daten aus der DELCODE-Studie sowohl im Querschnitt als auch longitudinal ausgewertet. Um zu untersuchen, ob der Zusammenhang zwischen Troponin und kognitiver Beeinträchtigung abhängig vom Stadium einer Alzheimer-Erkrankung ist, werden die Auswertungen sowohl in der gesamten Studienpopulation als auch in den einzelnen Subpopulationen der DELCODE-Studie durchgeführt.
- White Matter Hyperintensities: Um die pathophysiologischen Mechanismen, die der Assoziation zwischen Myokardschädigung und kognitiver Beeinträchtigung zugrunde liegen, besser zu verstehen, wird auch der Zusammenhang zwischen Troponin und White Matter Hyperintensities im MRT untersucht.
- PRAISE-Studie: Die PRAISE-Studie konnte zeigen, dass eine Erhöhung des hochsensitiven kardialen Troponins über das fünffache der Norm bei Schlaganfallpatienten mit einem Typ 1 Myokardinfarkt assoziiert ist. In einer randomisierten Studie soll nun geklärt werden, ob eine frühe invasive Diagnostik und Therapie inkl. Koronarangiographie bei Schlaganfallpatienten mit hoher Prätestwahrscheinlichkeit für einen Typ 1 Myokardinfarkt die Prognose verbessert.
Neurologische Therapiefolgen
Ein weiteres Forschungsfeld sind neurologische Nebenwirkungen von Tumortherapien.
- Chemotherapie-induzierte kognitive Beeinträchtigung: Untersuchung von Chemotherapie-induzierter kognitiver Beeinträchtigung und deren langfristiger Entwicklung bei Patientinnen mit Brustkrebs.
- Neurofilamentproteine als Biomarker: Identifizierung von Neurofilamentproteinen als potenziellen Biomarker bei Chemotherapie-induzierter Polyneuropathie.
Ausgewählte Publikationen
Die wissenschaftliche Arbeit der Arbeitsgruppe um Prof. Endres wird durch zahlreiche Publikationen in renommierten Fachzeitschriften dokumentiert. Hier eine Auswahl aktueller Veröffentlichungen:
- Serum anti-NMDA receptor antibodies are linked to memory impairment 12 months after stroke. Arlt FA, Sperber PS, von Rennenberg R, Gebert P, Teegen B, Georgakis MK, Fang R, Dewenter A, Görtler M, Petzold GC, Wunderlich S, Zerr I, Dichgans M, Prüss H, Endres M; DEMDAS Investigators. Mol Psychiatry. 2024
- KCNA2 IgG autoimmunity in neuropsychiatric diseases. Arlt FA, Miske R, Machule ML, Broegger Christensen P, Mindorf S, Teegen B, Borowski K, Buthut M, Rößling R, Sánchez-Sendín E, van Hoof S, Cordero-Gómez C, Bünger I, Radbruch H, Kraft A, Ayzenberg I, Klausewitz J, Hansen N, Timäus C, Körtvelyessy P, Postert T, Baur-Seack K, Rost C, Brunkhorst R, Doppler K, Haigis N, Hamann G, Kunze A, Stützer A, Maschke M, Melzer N, Rosenow F, Siebenbrodt K, Stenør C, Dichgans M, Georgakis MK, Fang R, Petzold GC, Görtler M, Zerr I, Wunderlich S, Mihaljevic I, Turko P, Schmidt Ettrup M, Buchholz E, Foverskov Rasmussen H, Nasouti M, Talucci I, Maric HM, Heinemann SH, Endres M; DEMDAS study group; Komorowski L, Prüss H. Brain Behav Immun. 2024
- High-Sensitivity Cardiac Troponin T and Cognitive Function Over 12 Months After Stroke-Results of the DEMDAS Study. von Rennenberg R, Nolte CH, Liman TG, Hellwig S, Riegler C, Scheitz JF, Georgakis MK, Fang R, Bode FJ, Petzold GC, Hermann P, Zerr I, Goertler M, Bernkopf K, Wunderlich S, Dichgans M, Endres M; DEMDAS investigators *. J Am Heart Assoc. 2024
- Type 1 Myocardial Infarction in Patients With Acute Ischemic Stroke. Nolte CH, von Rennenberg R, Litmeier S, Leistner DM, Szabo K, Baumann S, Mengel A, Michalski D, Siepmann T, Blankenberg S, Petzold GC, Dichgans M, Katus H, Pieske B, Regitz-Zagrosek V, Braemswig TB, Rangus I, Pepic A, Vettorazzi E, Zeiher AM, Scheitz JF, Wegscheider K, Landmesser U, Endres M. JAMA Neurol. 2024
- Chemotherapy-induced cognitive impairment and its long-term development in patients with breast cancer: results from the observational CICARO study. Kerkmann A, Schinke C, Dordevic A, Kern J, Bangemann N, Finck J, Blohmer JU, Ruprecht K, Göpfert JC, Otto C, Materne B, Endres M, Boehmerle W, Huehnchen P. Oncologist. 2024
- Association Between Dispatch of Mobile Stroke Units and Functional Outcomes Among Patients With Acute Ischemic Stroke in Berlin. Ebinger M, Siegerink B, Kunz A, Wendt M, Weber JE, Schwabauer E, Geisler F, Freitag E, Lange J, Behrens J, Erdur H, Ganeshan R, Liman T, Scheitz JF, Schlemm L, Harmel P, Zieschang K, Lorenz-Meyer I, Napierkowski I, Waldschmidt C, Nolte CH, Grittner U, Wiener E, Bohner G, Nabavi DG, Schmehl I, Ekkernkamp A, Jungehulsing GJ, Mackert BM, Hartmann A, Rohmann JL, Endres M, Audebert HJ; JAMA.
- Endothelial and Leukocyte-Derived Microvesicles and Cardiovascular Risk After Stroke: PROSCIS-B. Huo S, Kränkel N, Nave AH, Sperber PS, Rohmann JL, Piper SK, Heuschmann PU, Landmesser U, Endres M, Siegerink B, Liman TG. Neurology.
- Neurofilament proteins as a potential biomarker in chemotherapy-induced polyneuropathy. Huehnchen P, Schinke C, Bangemann N, Dordevic AD, Kern J, Maierhof SK, Hew L, Nolte L, Körtvelyessy P, Göpfert JC, Ruprecht K, Somps CJ, Blohmer JU, Sehouli J, Endres M, Boehmerle W. JCI Insight. 2022
Mitarbeiter
Die Arbeitsgruppe um Prof. Endres besteht aus einem interdisziplinären Team von Ärzten, Wissenschaftlern und technischen Assistenten. Zu den wichtigsten Mitarbeitern gehören:
- Böhmerle, Wolfgang, PD Dr. med.
- Ebinger, Martin, Prof. Dr. med. (Gast)
- Gertz, Karen, Prof. Dr. med.
- Göttert, Ria, Dipl.-Biol. PhD
- Hühnchen, Petra, PD Dr. med.
- Klempin, Friederike, Dr. rer. nat. (assoziiert)
- Knauss, Samuel, Dr. med.
- Kronenberg, Golo, Prof. Dr. med. (Gast)
- Liman, Thomas, PD Dr. med.
- Nave, Alexander, Dr. med.
- Prinz, Vincent, Dr. med. (assoziiert)
- Schinke, Christian, Dr. med.
Kooperationen
Die Arbeitsgruppe pflegt zahlreiche nationale und internationale Kooperationen mit anderen Forschungseinrichtungen und Kliniken. Zu den Kooperationspartnern gehören unter anderem:
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- C. Ayata, Boston, USA
- B.E. Ehrlich, New Haven, USA
- M.A. Moskowitz, Boston, USA
- J.C. Baron, Paris, France
- E. Dejana, Milan, Italy
- M. M. Götz, Neuherberg/München
- P.U. Heuschmann, Würzburg
- G. Kempermann, Dresden
- U. Laufs, Homburg Saar
- J. D. Schmitz, Charité
- H. Kettenmann, MDC
- U. Kintscher, Charité
- P. Vajkoczy, Charité
- F. Heppner, Charité
- M. Taupitz, Charité
- T. Dichgans, München
STEMO-Projekt
Das Stroke-Einsatz-Mobil (STEMO) ist ein wichtiger Bestandteil der Schlaganfallversorgung in Berlin. Dieses innovative Konzept ermöglicht eine schnelle und effiziente prähospitale Diagnostik und Therapie von Schlaganfallpatienten. Das STEMO ist mit einem Neurologen, einem Computertomografen und einem Labor ausgestattet, so dass bereits vor Ort wichtige Entscheidungen getroffen und Behandlungen eingeleitet werden können. Studien haben gezeigt, dass der Einsatz des STEMO zu einer Verbesserung der funktionellen Ergebnisse bei Schlaganfallpatienten führt.
Akademischer Werdegang von Prof. Endres
- 2008: W3 Professur, Charité - Universitätsmedizin Berlin
- 2005: W2 Lichtenberg Professur (Volkswagen Foundation), Charité
- 1995: Dr. med., University of Hamburg, Germany
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