Neurologische Forschungsgruppe Joachim Weber: Fortschritte in der Schlaganfallversorgung und darüber hinaus

Die neurologische Forschungsgruppe um Dr. Joachim Weber widmet sich der Verbesserung der Patientenversorgung, insbesondere im Bereich der Schlaganfallbehandlung, aber auch in anderen neurologischen und psychiatrischen Feldern. Ein besonderer Fokus liegt auf der prähospitalen Diagnostik und innovativen Therapieansätzen.

ProGrEss Bio: Biomarker-gestützte Schlaganfalldiagnostik im Rettungswagen

Das Projekt "ProGrEss Bio" verfolgt das Ziel, ein Biomarker-Panel zu entwickeln, das es ermöglicht, bereits im Rettungswagen Schlaganfälle zu diagnostizieren, verschiedene Subtypen zu unterscheiden und diese von anderen Erkrankungen abzugrenzen. Dies ist von entscheidender Bedeutung, da ein frühzeitiges Wissen über die Art des Schlaganfalls (ischämisch oder hämorrhagisch) die Weichen für eine adäquate Therapie stellen kann.

Studiendesign und Methodik

In die Studie werden Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf Schlaganfall eingeschlossen, die von Notärztinnen und Notärzten in einem der drei Berliner "STEMOs" (Stroke-Einsatz-Mobile) versorgt werden. Während der Notfallbehandlung wird den Patientinnen und Patienten zusätzlich Blut entnommen. Dieser frühe Zeitpunkt der Blutentnahme, noch vor der Einlieferung ins Krankenhaus, bietet die Chance, frühzeitig auftretende Veränderungen in der Konzentration möglicher Biomarker zu erfassen. Durch die Entnahme einer zweiten Blutprobe nach mindestens 30 Minuten kann zudem die Kinetik der Biomarker untersucht werden.

Bedeutung für die Schlaganfallversorgung

Bisher ist die Diagnose eines Schlaganfalls im Rettungswagen nur mit teurer Spezialausrüstung möglich. Alternative Möglichkeiten der prähospitalen Schlaganfalldiagnostik, wie sie auch im Projekt "ULTRAFAST" verfolgt werden, ermöglichen im Idealfall eine frühere Behandlung und damit ein geringeres Risiko für bleibende Beeinträchtigungen. Eine Therapie mittels Thrombolyse (medikamentöser Auflösung eines Blutgerinnsels) könnte dann - unter telemedizinischer Begleitung - wie im STEMO direkt im Rettungswagen verabreicht werden. Die B_PROUD-Studie unterstreicht ebenfalls die Bedeutung einer frühen Schlaganfallbehandlung.

Das Studienteam

Das Studienteam setzt sich aus erfahrenen Expertinnen und Experten zusammen:

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  • Dr. Joachim Weber: Studienleitung, ärztlicher Stützpunktleiter "STEMO 3600" (Feuerwache Charlottenburg-Nord)
  • Prof. Dr. Heinrich Audebert: Stellvertretende Studienleitung
  • Prof. Dr. med. Kai Kappert: Institut für Laboratoriumsmedizin, Klinische Chemie und Pathobiochemie, stellvertretende Studienleitung
  • Dr. Frederik Geisler: Studienarzt
  • Irina Lorenz-Meyer: Studienkoordinatorin
  • Dr. rer. nat. Farid Kandil: Biometriker/statistische Beratung
  • Dr. Eman Dashti, Erik Freitag, Marc Schehadat, Dr. Joachim Weber: Rekrutierende Ärztinnen und Ärzte in "STEMO 3600"
  • Dr. Eugen Schwabauer: Ärztlicher Stützpunktleiter STEMO 4390, Vivantes Klinikum Neukölln (Feuerwache Mariendorf)
  • Dr. Matthias Wendt: Ärztlicher Stützpunktleiter STEMO 6100, Unfallkrankenhaus Berlin
  • Prof. Dr. Norbert Hübner, Dr. Jennifer Kirwan, Dr. Philipp Mertins: Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin Berlin-Buch

Das Stroke-Einsatz-Mobil (STEMO)

Das STEMO ist ein speziell konzipierter Rettungswagen, der mit einem Computertomographen und einem Minilabor ausgestattet ist. Es ist mit einem Team aus Spezialistinnen und Spezialisten besetzt, bestehend aus einer Neurologin sowie einem Rettungs- und einem Radiologieassistenten. Das STEMO ermöglicht es, direkt vor Ort die Thrombolysetherapie bei Patientinnen und Patienten mit akutem ischämischen Schlaganfall oder eine Gefäßdiagnostik zur Erkennung großer Arterienverschlüsse durchzuführen.

Weitere Forschungsbereiche

Neben der Schlaganfallforschung engagiert sich die Arbeitsgruppe von Dr. Weber auch in anderen neurologischen und psychiatrischen Forschungsfeldern. Dies wird durch die Vorstellung verschiedener Referentinnen und Referenten auf Veranstaltungen der BGPN (Berliner Gesellschaft für Psychiatrie und Neurologie) verdeutlicht. Einige Beispiele für Forschungsthemen sind:

  • "Stroke care goes mobile - etablierte Konzepte und neue Perspektiven"
  • "Ist abhängiges Verhalten eine Erkrankung?"
  • "Update tiefe Hirnstimulation - neue Perspektiven in Forschung und Klinik"
  • "Einblicke in die Psychologische Migrations- und Integrationsforschung und Praxis"
  • "Autoimmunerkrankungen in der Psychiatrie und Neurologie"

Diese Themenvielfalt zeigt das breite Spektrum der Forschungsinteressen und das Engagement der Arbeitsgruppe für eine umfassende neurologische und psychiatrische Versorgung.

Mitochondriale Dysfunktion bei Parkinson-Zwillingen

Ein weiteres Forschungsgebiet der Arbeitsgruppe befasst sich mit der Rolle mitochondrialer Dysfunktion bei der Entstehung von Parkinson. Obwohl genetische Prädispositionen eine wichtige Rolle spielen, liegt die Konkordanzrate bei eineiigen Zwillingen mit Parkinson nur bei etwa 20%, trotz identischer genetischer Ausstattung.

Studiendesign und Ergebnisse

Um diese Diskrepanz zu untersuchen, rekrutierte die Arbeitsgruppe fünf Zwillingspaare, die für idiopathischen Parkinson diskordant waren. Anhand von Hautfibroblastenkulturen wurden mitochondriale Phänotypen untersucht, um mögliche Unterschiede im Hintergrund des identischen Genoms aufzudecken.

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  • Genetische Analysen: Whole-Genome-Sequenzierung, Deep Mitochondrial DNA (mtDNA)-Sequenzierung und Tests auf mitochondriale Deletionen mittels Multiplex Real-Time PCR ergaben keine genetischen Unterschiede zwischen den Zwillingen.
  • Mitochondriale Funktion: Fibroblastenkulturen der betroffenen Zwillinge zeigten eine verminderte mitochondriale Funktionalität mit reduziertem zellulärem Adenosintriphosphat (ATP)-Spiegel, veränderter mitochondrialer Morphologie, erhöhten Proteinspiegeln von Superoxiddismutase 2 (SOD2) und erhöhten Spiegeln von Peroxisome Proliferator-Activated Receptor-Gamma Coactivator-α (PPARGC1A) mRNA.
  • Somatische mtDNA-Varianten: Es gab eine Tendenz zu einer höheren Anzahl somatischer mtDNA-Varianten bei den betroffenen Zwillingen.

Interpretation

Die Ergebnisse zeigen krankheitsbedingte Unterschiede in der mitochondrialen Integrität bei genetisch identischen Zwillingen. Interessanterweise korreliert die klinische Ausprägung mit funktionellen Veränderungen der Mitochondrien. Diese Forschung wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (FOR2488) gefördert.

Datenschutz in Innovationsfondsprojekten (IF-Projekten)

Die Arbeitsgruppe befasst sich auch mit den datenschutzrechtlichen Herausforderungen in Innovationsfondsprojekten (IF-Projekten). Da für IF-Projekte keine gesonderten datenschutzrechtlichen Standards und Richtlinien existieren, können Defizite in den organisatorischen Vorbereitungen, insbesondere in Bezug auf datenschutzrechtliche Voraussetzungen, die Projektimplementierung verzögern und den gesamten Projektverlauf beeinträchtigen.

Entwicklung und Umsetzung eines Datenschutzkonzeptes

Die Entwicklung und Umsetzung eines Datenschutzkonzeptes erfordern die Einbeziehung aller beteiligten Konsortial- und Projektpartner. In überregionalen Versorgungsprojekten müssen neben den gesetzlichen Regelungen auf EU- und nationaler Ebene auch landesspezifisch geltende Datenschutzbestimmungen berücksichtigt werden.

Das ANNOTeM-Projekt als Beispiel

Im ANNOTeM-Projekt (Förderkennzeichen 01NVF16028) wurde die AG Datenschutz der Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung (TMF e.V.) als Beratungs- und Prüfgremium herangezogen.

Methodik und Ergebnisse

Das Datenschutzkonzept wurde unter Einhaltung der Richtlinien und Standards der TMF e.V. entwickelt. Dabei wurden die geltenden Datenschutzbestimmungen auf EU-, Bundes- und Landesebene einbezogen. Im Datenschutzkonzept wurden die zum Studienzweck genutzten Daten und Übertragungswege spezifiziert. Die zur Erfüllung der datenschutzrechtlichen Anforderungen erforderlichen organisatorischen wie technischen Maßnahmen wurden anhand von Datenflüssen grafisch abgebildet und ausführlich beschrieben.

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Das Datenschutzkonzept wurde von der TMF e.V. positiv votiert.

Diskussion

Die im Projekt getroffenen Maßnahmen zum Datenschutz konnten nach den Richtlinien und Standards der TMF e.V. sowie der geltenden rechtlichen Datenschutzbestimmungen konsistent dargestellt werden.

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