Neurologische Rehabilitation in Bad Kötzting: Spezialisierungen und umfassende Versorgung

Bad Kötzting hat sich als ein bedeutendes Zentrum für neurologische Rehabilitation in Bayern etabliert. Das Mittelbayerische Rehabilitationszentrum, bestehend aus dem Klinikum Luitpold und dem Klinikum Maximilian, bietet ein breites Spektrum an Rehabilitationsmaßnahmen an, die auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten sind. Dieser Artikel beleuchtet die Spezialisierungen und umfassenden Versorgungsansätze, die in der neurologischen Rehabilitation in Bad Kötzting angeboten werden.

Das Mittelbayerische Rehabilitationszentrum Bad Kötzting

Das Mittelbayerische Rehabilitationszentrum liegt im Kurgebiet von Bad Kötzting. Die Nähe zum Kurpark mit seinen vielfältigen Angeboten wie Spiel- und Motorikpark, Tischtennis- und Minigolfanlage sowie Kneippbecken ermöglicht den Patienten und ihren Angehörigen eine abwechslungsreiche Freizeitgestaltung. Auch das historische Zentrum von Bad Kötzting mit seinen Einkaufsmöglichkeiten, Sehenswürdigkeiten und kulturellen Angeboten ist fußläufig erreichbar.

Organisationsstruktur und interdisziplinäre Zusammenarbeit

Eine Besonderheit des Rehazentrums ist die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit. Alle Patienten werden nicht nur von Ärzten und Pflegepersonal betreut, sondern auch von den Leitern der therapeutischen Abteilungen am Aufnahmetag gesehen. Dieser Ansatz gewährleistet eine umfassende und individuelle Therapieplanung von Anfang an. Wir arbeiten ICF orientiert. Dies bedeutet, dass wir die Rehabilitation an den persönlichen Fähigkeiten, Stärken und Interessen unserer Patienten sowie an deren persönlichem Umfeld ausrichten.

Spezialgebiete der neurologischen Rehabilitation

Die neurologische Rehabilitation bildet einen der Therapieschwerpunkte im Mittelbayerischen Rehazentrum. Es werden präventive, teilstationäre und stationäre Rehabilitationsmaßnahmen sowie Anschlussheilbehandlungen im Auftrag verschiedener Kostenträger durchgeführt. Hierfür stehen 70 Betten in Einzelzimmern zur Verfügung.

Neben den allgemeinen Behandlungsschwerpunkten wie Rehabilitation nach Schlaganfall, Hirnblutung, Subarachnoidalblutung und Schädel-Hirn-Trauma wurden im Laufe der Jahre spezielle Programme für bestimmte Diagnosen entwickelt. Dazu gehören:

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  • Multiple Sklerose
  • Parkinson
  • Syringomyelie
  • Epilepsie
  • Kopfschmerzen

In wöchentlich stattfindenden Gesundheitsgesprächen erklären Fachärzte in verständlicher Form bestimmte Krankheitsbilder und deren Behandlungsformen.

Therapeutisches Reiten

Das Therapeutische Reiten wirkt sich positiv auf körperliche, psychische, geistige oder psychosoziale Störungen, Behinderungen und Erkrankungen des Menschen aus. Durch die Therapie können wir Krankheitsbilder, wie z. B. Schlaganfall, Querschnittslähmung, Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Syringomyelie etc. günstig beeinflussen.

Therapeutisches Bogenschießen

Das Therapeutische Bogenschießen wird seit vielen Jahren wegen seiner positiven Wirkung auf Körper und Geist als körperorientiertes Verfahren in der neurologischen Rehabilitation eingesetzt. Für diese interessante Therapieform gibt es im Außenbereich eine Schießanlage.

Was ist neurologische Rehabilitation?

Die neurologische Rehabilitation ist eine Spezialform der medizinischen Rehabilitation, die sich mit Patienten befasst, die an Störungen oder Erkrankungen des peripheren oder zentralen Nervensystems leiden. Im Zuge neurologischer Akutereignisse, wie Schlaganfällen oder Hirnblutungen, chronischer neurologischer Erkrankungen wie Polyneuropathie oder Morbus Parkinson, oder durch einen Hirntumor können die Betroffenen akut oder schleichend Kompetenzen zu Fähigkeiten wie Bewegung, Kommunikation oder auch Körperpflege und Kognition, verlieren. Ziel der neurologischen Rehabilitation ist es, diese Fähigkeiten zu verbessern und wenn möglich zurück zu erlangen, um die Lebensqualität und die selbstständige Teilhabe am Leben zu erhalten.

Therapieansätze und -ziele

Jede Therapie im Rahmen einer neurologischen Rehabilitation wird direkt auf die Bedürfnisse der Patienten und ihre Einschränkungen angepasst. Der direkte Patientenkontakt mit exakter Kommunikation der Wünsche und Sorgen von Seiten der Patienten und der realisierbaren Möglichkeiten und Ziele von Seiten der Therapeuten hat höchste Priorität, um frühzeitig ein gemeinsames Therapieziel festzulegen. Meist werden auch die Angehörigen der Patienten in die Therapieplanung mit eingebunden, um auch das soziale Gefüge um die Betroffenen herum bestmöglich zu erfassen und zu unterstützen.

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Vor Beginn der Therapien erfolgt eine gezielte neurologische Diagnostik, um die Defizite der Patienten möglichst exakt zu erfassen. Der Therapieplan setzt sich in der Regel aus verschiedenen Elementen der Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie, sowie weiteren individuellen Anwendungen wie Tanztherapie, Musiktherapie, Kunsttherapie und der Förderung des individuellen Gesundheits- und Körperbewusstseins zusammen. Es gibt verschiedene und vielseitige Therapiekonzepte, die aktuell in der neurologischen Rehabilitation angewandt werden, z.B. das Bobath-Konzept, Proproceptive Neuromuskuläre Facilitation (PNF), Laufbandtraining, neuromuskuläre Elektrostimulation (NMES) oder auch geräteunterstütze motorische Rehabilitation.

Da neurologische Erkrankungen häufig schwerwiegende Einschränkungen für die Betroffenen bedeuten, ist auch die psychotherapeutische Betreuung ein zentraler Baustein bei der Rehabilitation der Patienten. Die Therapien erfolgen je nach Bedarf für die Patienten einzeln oder als Gruppenangebot.

Zentrale Ziele der neurologischen Rehabilitationsmaßnahmen sind unter anderem die passive und aktive Mobilisierung, das Fördern von Sensorik und Motorik, das Fördern der Sinneswahrnehmungen und Fördern der Schluck-, Sprech- und Schreibfähigkeiten.

Voraussetzungen und Kosten

Eine neurologische Rehabilitation muss im Voraus bei dem zuständigen Kostenträger beantragt werden. Dafür muss zunächst der behandelnde Arzt die Notwendigkeit einer Rehabilitationsbehandlung feststellen und diese in einem Bericht begründen. Dieser Bericht wird dem Reha-Antrag beigelegt, über dessen Genehmigung der Kostenträger entscheidet. Beratung und Unterstützung bei der Antragsstellung bieten Sozialdienste von Kliniken und Ansprechstellen für Rehabilitation.

Die Kosten einer neurologischen Reha sind im Einzelfall unter anderem von Erkrankung, Pflegebedürftigkeit und den angewandten Therapien abhängig und betragen pro Tag etwa 100 bis 500€. Sie werden meist von den Krankenkassen getragen, wobei der Versicherte normalerweise im ersten Monat täglich 10€ zuzahlen muss. In einigen Fällen sind allerdings andere Kostenträger zuständig:

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  • Rentenversicherungsträger bzw. Agentur für Arbeit, wenn die Erwerbsfähigkeit gefährdet oder gemindert ist und durch die Reha verbessert werden kann
  • Unfallversicherungsträger bei Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten
  • Versorgungsämter bei Anspruch auf soziale Entschädigung
  • Eingliederungshilfe-Träger bzw. Jugendämter, wenn kein anderer Träger vorrangig zuständig ist und die Vorraussetzungen für Eingliederungshilfe erfüllt sind

Phasen der Rehabilitation

Die Neurorehabilitation lässt sich grundsätzlich in 6 Phasen von A bis F einteilen. Diese unterscheiden sich in Ausgangszustand und Ziel, sowie in den durchgeführten Maßnahmen. Nicht alle Betroffenen durchlaufen jede der Rehabilitationsphasen. Nach Abschluss jeder Phase folgt eine Evaluation, aufgrund deren Ergebnis entschieden wird, in welche Phase der Patient als nächstes verlegt wird. So können auch Phasen übersprungen werden.

Je nach Spezialisierung betreuen die Rehabilitationskliniken verschiedene Rehabilitationsphasen. Die Dauer der einzelnen Phasen ist klinik- und patientenabhängig unterschiedlich und nimmt in der Regel wenige Wochen bis einige Monate in Anspruch.

  • Phase A: Akutbehandlung: Die Akutversorgung, Diagnostik und Therapie erfolgt in einer Klinik, oft auf der Intensivstation. Gleichzeitig können dort schon Rehabilitationsmaßnahmen begonnen werden.
  • Phase B: Frührehabilitation: Diese Phase dient der Rehabilitation von noch bewusstlosen oder bewusstseinsgestörten Patienten, die weiterhin einer intensivmedizinischen Behandlung bedürfen. Das Hauptziel ist die Besserung des Bewusstseinszustandes.
  • Phase C: Weiterführende Rehabilitation: Hier besteht noch ein hoher Pflegebedarf, der Patient ist aber in der Lage, aktiv an Therapien teilzunehmen. Ziel ist die Frühmobilisierung bis in den Stand und die Verbesserung von Fähigkeiten die für eine selbstständige Lebensführung notwendig sind.
  • Phase D: Medizinische Rehabilitation: Ist die Frühmobilisierung erfolgreich abgeschlossen, folgt die medizinische Rehabilitation. Sie soll den Patienten wieder in die Lage versetzen, sich im Alltag vollständig selbst zu versorgen. Erfolgt keine berufliche Wiedereingliederung, kann die Rehabilitation mit Phase D abgeschlossen sein.
  • Phase E: Nachsorge und berufliche Rehabilitation: Durch Lehrgänge, Arbeitstherapie und Anpassungsmaßnahmen, sowie gegebenenfalls eine Umschulung, soll der Patient wieder beruflich bzw. schulisch integriert und erwerbsfähig werden.
  • Phase F: aktivierende Langzeitpflege: Bleiben trotz intensiver Rehabilitation Störungen des Bewusstseins oder schwere geistige oder körperlicher Beeinträchtigungen zurück, die ein selbstständiges Leben unmöglich machen, kann der Patient in einer Langzeitpflegeeinrichtung untergebracht werden, wo er die nötige Versorgung erhält.

Ziele der Neurorehabilitation

Die Neurorehabilitation unterstützt die spezielle Fähigkeit des menschlichen Nervensystems, sich nach irreversiblen Schädigungen zu reorganisieren und seine Funktionen entsprechend anzupassen. Die therapeutischen Anwendungen aktivieren und optimieren die Plastizität des Nervensystems und die Kompensationsfähigkeit des Gehirns.

Ziel der Neurorehabilitation ist allen voran die Lebensqualität und die Selbstständigkeit der Betroffenen zu steigern. Je nach Erkrankung können die Patienten ihre vorherigen Fähigkeiten, wie hilfsmittelfreies Gehen oder fehlerfreies Sprechen, trotz intensiver Rehabilitation nicht mehr wiedererlangen. Jedoch ist es in der Regel immer möglich, diese Fähigkeiten zu verbessern, um den Betroffenen eine bessere Teilhabe am sozialen Leben und Berufsleben zu ermöglichen.

Im Rahmen neurologischer Rehabilitation muss stets multidisziplinär gearbeitet werden, da sich die Erfolge der Therapien auch im konkreten Arbeits- und Alltagsumfeld bewähren müssen. Vor allem die Planung einer möglichst individuellen Versorgungskette und deren Überleitung, eine echte Orientierung an Selbstbestimmung der Betroffenen und eine Beachtung des Rechts auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sind in der Rehabilitation neurologischen Patienten essentiell. Dank sich ständig weiterentwickelnder Behandlungsverfahren und therapeutischer Netzwerke ist den modernen neurologischen Rehabilitationskliniken das immer besser möglich.

Verhaltensmedizinisch orientierte Rehabilitation (VOR)

Die Orthopädische Abteilung im Klinikum Luitpold wurde Anfang 2012 um die Abteilung Verhaltensmedizinisch orientierte Rehabilitation (VOR) erweitert. Hier werden Patienten behandelt, bei denen neben Beschwerden des Bewegungsapparates zusätzlich psychische oder soziale Belastungen bestehen. Eine Besonderheit des VOR-Konzeptes ist, dass die Patienten am gleichen Tag anreisen und über vier Wochen als Gruppe zusammenbleiben. Das Therapieangebot umfasst die Schwerpunkte Bewegungs-/Sporttherapie und Psychologie/Psychotherapie. Dabei profitieren die Patienten unter anderem vom Austausch ähnlicher Problemlagen untereinander. Derzeit wird das Konzept von der Deutschen Rentenversicherung getragen. Für den Zugang zur VOR im Klinikum Luitpold ist ein orthopädischer Reha-Antrag unter Hinweis auf zusätzliche psychosoziale Belastungen erforderlich.

Sondereinrichtungen und Serviceleistungen

Das Mittelbayerische Rehazentrum Bad Kötzting bietet eine Reihe von Sondereinrichtungen und Serviceleistungen, um den Aufenthalt der Patienten und ihrer Angehörigen so angenehm wie möglich zu gestalten.

Begleitpersonen/Besucher

Für Begleitpersonen/Besucher unserer Patienten bietet das Mittelbayerische Rehazentrum Bad Kötzting eine besondere Leistung an: Es besteht die Möglichkeit, den Patienten während seiner Maßnahme zu begleiten. Selbstverständlich können in diesem Zeitraum die Begleitpersonen auch Anwendungen (Rezeptannahme möglich) und Angebote des Rehazentrums nutzen. Die Teilnahme an den medizinischen und gesellschaftlichen Vorträgen sowie an den Ausflugsfahrten ist kostenfrei.

Gästepass

Als Rehabilitationszentrum müssen wir an die Stadt, neben dem Fremdenverkehrsbeitrag, auch täglich eine Kurtaxe bezahlen. Damit werden die Kosten für die Herstellung und Unterhaltung der zu Kur- und Erholungszwecken bereitgestellten Einrichtungen und durchgeführten Veranstaltungen gedeckt. Die Stadt stellt uns im Gegenzug Gästepässe zur Verfügung.

Passauer Wolf: Eine starke Gemeinschaft für die Rehabilitation

Der Passauer Wolf ist ein Verbund von vier Rehakliniken in Bayern, der sich durch ein standortübergreifendes Zusammenspiel und spezielle Kenntnisse und Fähigkeiten jeder Klinik auszeichnet. Obwohl der Fokus dieses Artikels auf dem Mittelbayerischen Rehazentrum in Bad Kötzting liegt, ist es erwähnenswert, dass der Passauer Wolf ein breites Leistungsspektrum von der Akut- und Reha-Medizin bis hin zur Lebensstil-Medizin bietet. Der Passauer Wolf ist ein Symbol für die Kraft, die in der Gemeinschaft liegt: Wer zu uns kommt ist Teil des Teams. Voller Energie gehen wir die Herausforderung der Genesung an unseren vier Standorten in Bayern gemeinsam mit Ihnen an.

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