Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen und extremer Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen. Ein regelmäßiger Tagesablauf kann eine entscheidende Rolle bei der Reduzierung der Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken spielen. Dieser Artikel beleuchtet, wie ein strukturierter Alltag helfen kann, Migräne zu kontrollieren, und gibt praktische Tipps für Betroffene.
Was ist Migräne?
Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine Erkrankung des Gehirns, bei der schmerzverarbeitende Zentren aktiviert werden und schmerzvermittelnde Botenstoffe ausgeschüttet werden. Dies führt zu einer Entzündungsreaktion an den Blutgefäßen der Hirnhäute. Migräne tritt oft attackenweise auf, meist halbseitig pulsierend oder pochend. Die heftigen Kopfschmerzen können ein bis zwei Tage andauern und werden oft von Übelkeit, Erbrechen und Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen, Gerüchen oder Berührungen begleitet. Auch Kreislaufbeschwerden wie Schwindel, „weiche Knie“, Zittern sowie Schwitzen oder Frieren sind möglich. In manchen Fällen kündigt sich die Migräne durch eine sogenannte Aura an, die Sehstörungen (Flimmern, helle Flecken, „Sternchen“, farbige Zacken, Gesichtsfeldausfälle, „Röhrensehen“) oder flüchtige Beschwerden wie bei einem Schlaganfall (Gefühlsstörungen, Armschwäche und Sprachstörung) umfassen kann.
Die Bedeutung eines regelmäßigen Tagesablaufs bei Migräne
Ein unregelmäßiger Tagesablauf kann ein häufiger Auslöser für Migräneattacken sein. Veränderungen im Schlafrhythmus, unregelmäßige Mahlzeiten und Stress können das empfindliche Gleichgewicht im Körper stören und Migräne triggern. Ein strukturierter Alltag hingegen kann helfen, diese Trigger zu minimieren und die Häufigkeit von Attacken zu reduzieren.
Experten betonen, dass die beste Vorsorge ein regelmäßiger Tagesablauf ist, der feste Schlafens- und Essenszeiten beinhaltet. Ein gleichmäßiger Tagesablauf kann helfen, Migräneanfälle zu vermeiden.
Schlaf-Wach-Rhythmus
Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus ist entscheidend für die Migräneprävention. Der Körper liebt Regelmäßigkeit, regelmäßigen und ausreichenden Schlaf. Veränderte Schlafzeiten können den Organismus aus dem Takt bringen. Es ist wichtig, immer zur gleichen Zeit schlafenzugehen und aufzustehen - auch am Wochenende.
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- Tipp: Stellen Sie den Wecker auch an freien Tagen auf die gewohnte Zeit, kurz erwachen und dann weiterschlafen. Dies kann helfen, den üblichen Rhythmus zu imitieren.
Regelmäßige Essenszeiten
Unregelmäßige Mahlzeiten und das Auslassen von Hauptmahlzeiten können ebenfalls Migräneattacken auslösen. Achten Sie auf sehr regelmäßige Essenszeiten und vergessen Sie das Frühstück nicht.
- Tipp: Planen Sie feste Zeiten für Frühstück, Mittagessen und Abendessen ein und vermeiden Sie es, Mahlzeiten auszulassen.
Stressmanagement
Stress ist ein bekannter Migräne-Trigger. Es ist wichtig, Stress im Alltag zu vermeiden und für einen ausgeglichenen Wechsel zwischen Aktivität und Ruhe zu sorgen.
- Tipp: Bauen Sie regelmäßige Pausen in Ihren Tagesablauf ein, nutzen Sie die Mittagspause für einen kleinen Spaziergang oder integrieren Sie Entspannungsübungen wie Atemübungen oder progressive Muskelentspannung nach Jacobson.
Praktische Tipps für einen regelmäßigen Tagesablauf
- Schlafhygiene: Achten Sie auf eine gute Schlafhygiene, indem Sie jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett gehen und aufstehen, auch am Wochenende. Schaffen Sie eine entspannende Schlafumgebung und vermeiden Sie Koffein und Alkohol vor dem Schlafengehen.
- Regelmäßige Mahlzeiten: Essen Sie zu festen Zeiten und lassen Sie keine Mahlzeiten aus. Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und vermeiden Sie potenzielle Trigger-Nahrungsmittel wie Käse, Alkohol, Kaffee, Cola und Schokolade.
- Stressmanagement: Integrieren Sie Entspannungstechniken wie Yoga, Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Qi Gong oder Biofeedback in Ihren Alltag. Lernen Sie, „nein“ zu sagen und sich nicht zu überfordern.
- Bewegung: Treiben Sie regelmäßig Sport, vor allem Ausdauersportarten wie Walking, Schwimmen oder Radfahren. Auch entspannende Sportarten wie Yoga oder Thai-Chi können helfen, Stress abzubauen und das Wohlbefinden zu steigern.
- Kopfschmerztagebuch: Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch, um Ihre individuellen Triggerfaktoren zu identifizieren. Notieren Sie, wann die Schmerzen auftreten, wie lange sie anhalten, wie stark sie sind und welche Symptome die Attacke begleiten.
- Medikamenteneinnahme: Beachten Sie die Einnahmeregeln für Ihre Medikamente. Vorbeugende Medikamente müssen regelmäßig über mehrere Monate eingenommen werden, sie wirken meist erst nach einigen Wochen. Nehmen Sie Medikamente zur Behandlung der akuten Attacke ein, sobald Sie eine Migräneattacke erkennen. Verwenden Sie Akutmedikation maximal an zehn Tagen pro Monat und vermeiden Sie Medikamente, die nicht zuverlässig wirken.
Familie und Migräne: Umgang im Alltag
Migräne kann den Alltag der gesamten Familie beeinträchtigen. Es ist wichtig, offen über die Erkrankung zu sprechen und einen Notfallplan zu erstellen, der festlegt, wer welche Aufgaben im Haushalt übernimmt, wenn ein Elternteil eine Migräneattacke hat.
- Tipps für Familien:
- Erstellen Sie einen Notfallplan, der festlegt, wer welche Aufgaben übernimmt, wenn ein Elternteil eine Migräneattacke hat.
- Bauen Sie ein unterstützendes Netzwerk aus Freunden und Verwandten auf, die im Notfall einspringen können.
- Akzeptieren Sie Hilfe und scheuen Sie sich nicht, um Unterstützung zu bitten.
- Reduzieren Sie Perfektionismus und konzentrieren Sie sich auf die wirklich wichtigen Dinge.
Haushaltshilfe bei Migräne
Bei einem längeren Krankheitsausfall durch Migräne kann eine Haushaltshilfe in Betracht gezogen werden. Die Krankenkasse übernimmt in der Regel die Kosten, wenn Sie wegen einer Krankenhausbehandlung oder eines Reha-Aufenthalts Ihren Haushalt nicht allein führen können und mindestens ein im Haushalt lebendes Kind noch nicht zwölf Jahre alt ist oder behindert und auf Hilfe angewiesen ist.
Was tun bei einer akuten Migräneattacke?
Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kann es zu Migräneattacken kommen. In diesem Fall ist es wichtig, schnell zu handeln und die richtigen Maßnahmen zu ergreifen.
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- Ruhe und Dunkelheit: Ziehen Sie sich in einen abgedunkelten, ruhigen Raum zurück und versuchen Sie, sich zu entspannen. Bewegung verstärkt meist den Schmerz.
- Medikamente: Nehmen Sie rechtzeitig ein passendes Arzneimittel in der richtigen Dosierung ein. Bei Migräneattacken können Triptane - die die erweiterten Gefäße im Gehirn wieder verengen - wirkungsvoll unterstützen.
- Kühlende Maßnahmen: Kühlen Sie die Stirn und/oder den Nacken mit einem „Coldpack“ aus dem Eisschrank oder durch Auftragen von Pfefferminzöl auf die Stirn und den Nacken beidseits.
- Akupressur: Führen Sie eine selbst durchgeführte Akupressur mit Druck auf die Schläfen- und Nackenmuskulatur durch.
Die Rolle der Neurologisch-Verhaltensmedizinischen Schmerzklinik Kiel
Die Neurologisch-Verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dipl. Psych. Hartmut Göbel bietet spezielle Therapien für Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen und andere Kopfschmerzarten an. Die Klinik bietet sowohl stationäre als auch ambulante Behandlungen an und verfügt über ein interdisziplinäres Team von Spezialisten.
Aufnahmeformalitäten
Für die Planung eines Aufnahmetermins sind folgende Schritte erforderlich:
- Ihr behandelnder Arzt stellt eine Verordnung von Krankenhausbehandlung aus.
- Ihr Arzt füllt die Aufnahme-Checkliste aus.
- Sie füllen den Schmerzkalender und den Schmerzfragebogen aus.
- Senden Sie alle Unterlagen und Kopien aller relevanter Arztbriefe, Röntgenbilder etc. an die auf der Aufnahme-Checkliste angegebene Anschrift.
Selbsthilfegruppen und weitere Informationen
Selbsthilfegruppen bieten eine wertvolle Unterstützung für Menschen mit Migräne. Sie ermöglichen den Austausch von Erfahrungen, Informationen und Tipps im Umgang mit der Erkrankung. Die Betroffenen können durch den Zusammenschluss mit ihren Leidensgenossen ihre persönlichen Erfahrungen mit der Erkrankung austauschen.
- Selbsthilfegruppe in Bad Neustadt: In Bad Neustadt wird eine Selbsthilfegruppe gegründet, die Betroffenen die Möglichkeit bietet, sich auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen.
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