Morbus Parkinson, auch als Parkinson-Krankheit bekannt, ist eine neurodegenerative Erkrankung, die durch das Absterben von Nervenzellen im Mittelhirn gekennzeichnet ist. Diese Nervenzellen produzieren den Botenstoff Dopamin, der für die Steuerung von Bewegungen unerlässlich ist. Ein Mangel an Dopamin beeinträchtigt die Funktion der Großhirnrinde und führt zu den charakteristischen Symptomen von Parkinson, wie Muskelstarre (Rigor), verlangsamten Bewegungen (Bradykinese), Bewegungslosigkeit (Akinese), Muskelzittern (Tremor) und Haltungsinstabilität.
In der Klinik im Johannesstift finden Patienten kompetente Ansprechpartner für die Diagnose und Behandlung des idiopathischen Morbus Parkinson (ohne bekannte Ursache) sowie für seltenere Parkinson-Syndrome. Zu diesen selteneren Formen gehören die Multisystematrophie (MSA), die progressive supranukleäre Paralyse (PSP) und das Shy-Drager-Syndrom.
Leistungen der Neurologie Bethel im Bereich Parkinson-Syndrome
Die Neurologie Bethel bietet ein umfassendes Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Leistungen für Patienten mit Parkinson-Syndromen an. Dazu gehören:
- Frühdiagnostik mit nuklearmedizinischen Verfahren: Hierzu zählen der DAT-Scan (DaTscan) und die IBZM-SPECT (Iodbenzamid-Single-Photonen-Emissionscomputertomographie). Diese Verfahren ermöglichen eine frühzeitige Diagnose und Differenzierung verschiedener Parkinson-Syndrome. Der DAT-Scan dient der Visualisierung der Dopamintransporter im Gehirn und kann helfen, einen Dopaminmangel nachzuweisen, der typisch für Morbus Parkinson ist. Die IBZM-SPECT kann zusätzliche Informationen über die Funktion der Dopaminrezeptoren liefern.
- Therapie beginnender Parkinson-Syndrome sowie Therapieoptimierung in allen Krankheitsstadien: Die Neurologie Bethel bietet eine individuelle Therapieplanung, die auf die spezifischen Bedürfnisse und Symptome jedes Patienten zugeschnitten ist. Dies umfasst sowohl medikamentöse Therapien zur Linderung der Symptome als auch nicht-medikamentöse Behandlungen wie Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie. Ziel ist es, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern und den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Die Therapieoptimierung wird kontinuierlich an den Fortschritt des Patienten angepasst.
- Komplexbehandlung: Die Komplexbehandlung umfasst eine umfassende Betreuung durch ein multiprofessionelles Team, das verschiedene Fachbereiche abdeckt. Dies ermöglicht eine ganzheitliche Behandlung, die sowohl die körperlichen als auch die psychischen und sozialen Aspekte der Erkrankung berücksichtigt.
Das multiprofessionelle Team
Ein multiprofessionelles Team unter fachärztlicher Leitung von Chefarzt Prof. Dr. med. Wolf-Rüdiger Schäbitz, Dr. Andreas Rogalewski und Dr. komplettiert das Angebot. Dieses Team besteht aus Ärzten, Pflegekräften, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden, Psychologen und Sozialarbeitern, die eng zusammenarbeiten, um den Patienten eine optimale Versorgung zu gewährleisten. Die enge Zusammenarbeit ermöglicht eine individuelle Betreuung und eine kontinuierliche Anpassung der Therapie an die Bedürfnisse des Patienten.
Detaillierte Betrachtung der Parkinson-Syndrome
Um das Krankheitsbild von Morbus Parkinson und den anderen Parkinson-Syndromen besser zu verstehen, ist es wichtig, die zugrunde liegenden Mechanismen und die spezifischen Merkmale der einzelnen Erkrankungen genauer zu betrachten.
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Morbus Parkinson: Die Ursachen und Symptome
Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die hauptsächlich ältere Menschen betrifft. Die genaue Ursache ist noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren eine Rolle spielt.
Das Hauptmerkmal von Morbus Parkinson ist der Verlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen in der Substantia nigra, einem Bereich im Mittelhirn. Dopamin ist ein wichtiger Neurotransmitter, der für die Steuerung von Bewegungen, die Motivation und das Belohnungssystem verantwortlich ist. Ein Mangel an Dopamin führt zu den typischen motorischen Symptomen von Parkinson.
Die Hauptsymptome von Morbus Parkinson sind:
- Tremor: Zittern, meist in Ruhe, das vor allem die Hände betrifft.
- Rigor: Muskelsteifheit, die zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen kann.
- Bradykinese: Verlangsamung der Bewegungen, die sich in Schwierigkeiten beim Gehen, Schreiben oder Anziehen äußern kann.
- Posturale Instabilität: Verlust des Gleichgewichts, der zu Stürzen führen kann.
Neben den motorischen Symptomen können bei Morbus Parkinson auch nicht-motorische Symptome auftreten, wie z.B.:
- Depressionen
- Angstzustände
- Schlafstörungen
- Verstopfung
- Geruchsstörungen
- Kognitive Beeinträchtigungen
Seltenere Parkinson-Syndrome
Neben Morbus Parkinson gibt es eine Reihe von selteneren Parkinson-Syndromen, die ähnliche Symptome verursachen können, aber unterschiedliche Ursachen und Verläufe haben. Diese Syndrome werden oft als "Parkinson-Plus-Syndrome" bezeichnet, da sie neben den typischen Parkinson-Symptomen auch zusätzliche Symptome aufweisen.
Multisystematrophie (MSA)
Die Multisystematrophie (MSA) ist eine seltene neurodegenerative Erkrankung, die mehrere Bereiche des Gehirns betrifft, darunter das Kleinhirn, die Basalganglien und das autonome Nervensystem. Die Symptome von MSA können je nach betroffenem Bereich variieren, umfassen aber häufig:
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- Parkinsonismus: Muskelsteifheit, verlangsamte Bewegungen und Zittern
- Kleinhirnsymptome: Koordinationsstörungen, Gleichgewichtsprobleme und undeutliche Sprache
- Autonome Dysfunktion: Probleme mit dem Blutdruck, der Blasen- und Darmfunktion sowie der sexuellen Funktion
MSA schreitet in der Regel schneller fort als Morbus Parkinson und hat eine schlechtere Prognose.
Progressive Supranukleäre Paralyse (PSP)
Die progressive supranukleäre Paralyse (PSP) ist eine seltene neurodegenerative Erkrankung, die durch Schädigung von Nervenzellen in bestimmten Bereichen des Gehirns, insbesondere im Mittelhirn, gekennzeichnet ist. Die Hauptsymptome von PSP sind:
- Gangstörungen: Schwierigkeiten beim Gehen, die oft zu Stürzen führen
- Blicklähmung: Schwierigkeiten, die Augen nach oben oder unten zu bewegen
- Pseudobulbärparalyse: Schwierigkeiten beim Sprechen und Schlucken
- Kognitive Beeinträchtigungen: Probleme mit dem Gedächtnis, der Aufmerksamkeit und der Entscheidungsfindung
PSP schreitet in der Regel schneller fort als Morbus Parkinson und hat eine schlechtere Prognose.
Shy-Drager-Syndrom
Das Shy-Drager-Syndrom, heute meist als eine Form der Multisystematrophie (MSA) klassifiziert (MSA-A), ist eine seltene neurodegenerative Erkrankung, die hauptsächlich das autonome Nervensystem betrifft. Die Hauptsymptome sind:
- Orthostatische Hypotonie: Ein starker Blutdruckabfall beim Aufstehen, der zu Schwindel und Ohnmacht führen kann
- Blasen- und Darmfunktionsstörungen: Inkontinenz oder Schwierigkeiten beim Entleeren der Blase und des Darms
- Sexuelle Dysfunktion: Erektionsstörungen bei Männern und verminderte Libido bei Frauen
- Parkinsonismus: Muskelsteifheit, verlangsamte Bewegungen und Zittern
Das Shy-Drager-Syndrom schreitet in der Regel schnell fort und hat eine schlechte Prognose.
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Diagnostische Verfahren in der Neurologie Bethel
Die Neurologie Bethel setzt verschiedene diagnostische Verfahren ein, um Parkinson-Syndrome frühzeitig und präzise zu erkennen. Neben der klinischen Untersuchung und der neurologischen Anamnese spielen bildgebende Verfahren eine wichtige Rolle.
Nuklearmedizinische Verfahren: DAT-Scan und IBZM-SPECT
Der DAT-Scan und die IBZM-SPECT sind nuklearmedizinische Verfahren, die es ermöglichen, die Funktion der Dopamin-produzierenden Nervenzellen im Gehirn zu beurteilen.
- DAT-Scan (DaTscan): Bei diesem Verfahren wird ein radioaktiver Tracer injiziert, der an den Dopamintransporter (DAT) bindet, ein Protein, das für die Wiederaufnahme von Dopamin in die Nervenzellen verantwortlich ist. Die Verteilung des Tracers im Gehirn wird dann mit einer speziellen Kamera (SPECT) gemessen. Ein verminderte Traceraufnahme deutet auf einen Verlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen hin, wie er bei Morbus Parkinson und anderen Parkinson-Syndromen vorkommt. Der DAT-Scan kann helfen, zwischen essentiellem Tremor und Parkinson-Syndromen zu unterscheiden.
- IBZM-SPECT (Iodbenzamid-SPECT): Dieses Verfahren verwendet einen anderen radioaktiven Tracer, der an die Dopaminrezeptoren im Gehirn bindet. Die IBZM-SPECT kann zusätzliche Informationen über die Funktion der Dopaminrezeptoren liefern und helfen, verschiedene Parkinson-Syndrome voneinander zu differenzieren.
Therapieansätze in der Neurologie Bethel
Die Therapie von Parkinson-Syndromen in der Neurologie Bethel umfasst sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Ansätze. Ziel ist es, die Symptome zu lindern, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Therapie zielt darauf ab, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen oder die Wirkung von Dopamin zu verstärken. Es gibt verschiedene Medikamentengruppen, die bei Parkinson-Syndromen eingesetzt werden können:
- Levodopa: Levodopa ist eine Vorstufe von Dopamin, die im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird. Es ist das wirksamste Medikament zur Behandlung der motorischen Symptome von Morbus Parkinson.
- Dopaminagonisten: Dopaminagonisten ahmen die Wirkung von Dopamin im Gehirn nach und stimulieren die Dopaminrezeptoren. Sie können als Alternative oder Ergänzung zu Levodopa eingesetzt werden.
- MAO-B-Hemmer: MAO-B-Hemmer verhindern den Abbau von Dopamin im Gehirn und erhöhen so die Dopaminkonzentration.
- COMT-Hemmer: COMT-Hemmer verhindern den Abbau von Levodopa im Blut und verlängern so die Wirksamkeit von Levodopa im Gehirn.
- Amantadin: Amantadin kann die motorischen Symptome von Parkinson verbessern und Dyskinesien (unwillkürliche Bewegungen) reduzieren, die als Nebenwirkung von Levodopa auftreten können.
Die medikamentöse Therapie muss individuell an die Bedürfnisse und Symptome jedes Patienten angepasst werden.
Nicht-medikamentöse Therapie
Neben der medikamentösen Therapie spielen nicht-medikamentöse Behandlungen eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Parkinson-Syndromen. Dazu gehören:
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskelkraft, die Beweglichkeit und das Gleichgewicht zu verbessern.
- Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, die Alltagsfähigkeiten zu erhalten und zu verbessern, z.B. beim Anziehen, Essen und Schreiben.
- Logopädie: Logopädie kann helfen, Sprach- und Schluckstörungen zu behandeln.
- Psychotherapie: Psychotherapie kann helfen, Depressionen, Angstzustände und andere psychische Probleme zu bewältigen, die mit Parkinson-Syndromen einhergehen können.
- Ernährungsberatung: Eine ausgewogene Ernährung kann helfen, die Gesundheit und das Wohlbefinden zu verbessern.
Tiefe Hirnstimulation (THS)
In bestimmten Fällen kann die tiefe Hirnstimulation (THS) eine Option sein. Die THS ist ein neurochirurgisches Verfahren, bei dem Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns implantiert werden, um die Hirnaktivität zu modulieren. Die THS kann die motorischen Symptome von Parkinson verbessern und die Lebensqualität der Patienten steigern.
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