Ein Schlaganfall ist ein einschneidendes Ereignis, das das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen dramatisch verändern kann. Plötzlich auftretende neurologische Ausfälle wie Lähmungen, Sprachstörungen oder Schluckbeschwerden stellen Patienten und ihr Umfeld vor große Herausforderungen. Dieser Artikel bietet umfassende Informationen und praktische Tipps für Angehörige von Schlaganfallpatienten, junge Neurologen in der Weiterbildung und beleuchtet die zunehmende Bedeutung der Prävention neurologischer Erkrankungen.
Informationen und Tipps für Angehörige von Schlaganfallpatienten
Ein Schlaganfall kommt meist plötzlich und unvorhergesehen. Er verändert das Leben der Betroffenen und der Angehörigen. Meist sind die Patienten von Hilfe und Unterstützung abhängig. Zunächst sind in der Akutphase geschulte Pflegekräfte da, um zu helfen und zu unterstützen. Aber auch die Hilfe von Angehörigen ist oftmals gewünscht. Vom Schlaganfall Betroffene leiden zum Beispiel unter Lähmungen und Sensibilitätsverlust von Extremitäten, einer Sprachstörung, einer Schluckstörung oder einem Neglect. Was das bedeutet und wie Sie als Angehörige damit umgehen, möchten wir Ihnen gerne erläutern.
Umgang mit Sprachstörungen (Aphasie)
Wenn die Sprache eines Schlaganfall-Patienten nach dem Ereignis betroffen ist, können sich die Störungen unterschiedlich zeigen. Es kann sein, dass der Patient langsamer oder Sätze verkürzt spricht. Es kann auch sein, dass der Betroffene Sätze nicht versteht, er Worte verwechselt oder nicht findet. Sich nicht über das Sprechen mitteilen zu können, ist ungewohnt, man fühlt sich unverstanden und das kann frustrierend für den Betroffenen und den Angehörigen sein. Wichtig ist, geduldig zu sein und dem Patienten Zeit zu geben, sich auszudrücken. Vermeiden Sie es, Sätze zu vervollständigen oder zu korrigieren. Sprechen Sie langsam und deutlich in kurzen Sätzen und verwenden Sie Gesten und Mimik zur Unterstützung.
Unterstützung bei Schluckstörungen (Dysphagie)
Viele Schlaganfall-Patienten, nach Schätzungen etwa die Hälfte, leiden unter einer Schluckstörung, einer Dysphagie, in unterschiedlicher Ausprägung. Deshalb wird in der Akutphase auch ermittelt, ob eine Schluckstörung vorliegt. Ist dies der Fall, erhält der Patient zum Schutz keine orale Ernährung. Bitte bieten Sie Ihrem Angehörigen auch nichts zu essen oder zu trinken an. Logopäden trainieren das Schlucken. Bessert es sich, können pürierte Kost und angedickte Flüssigkeiten gereicht werden. Die bei einer Schluckbeeinträchtigung wichtige Mundpflege führen ebenfalls die Pflegekräfte in der Akutphase durch. Die Mundpflege erfolgt immer in aufrechter Sitzposition oder Seitenlage und niemals in Rückenlage.
Umgang mit Neglect
Ein Neglect wird auch als halbseitige Aufmerksamkeitsstörung bezeichnet. Betroffene nehmen eine Seite, etwa ihres Körpers oder des Raums, nicht wahr. Wenn der Neglect zum Beispiel die rechte Seite betrifft, hört der Patient Sie nicht, wenn Sie ihn von dieser Seite aus ansprechen. Oder er stößt gegen Dinge, die sich im Raum rechts von ihm befinden. Von Beginn an wird versucht, das Blickfeld des Betroffenen wieder auf die Mitte zu lenken. Natürlich sollte in der Frühphase der Nachttischschrank auf der Seite stehen, die der Betroffene wahrnimmt. Sprechen Sie langsam und deutlich, da sich die gestörte Aufmerksam auch auf das Verstehen auswirkt.
Lesen Sie auch: Neurologie vs. Psychiatrie
Bedeutung der Physiotherapie nach Schlaganfall
Die Physiotherapeutin Berta Bobath beobachtete in den 1940er Jahren systematisch Patienten, die an Spastiken litten, also an Erkrankungen des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark). Sie entwickelte daraufhin ein Konzept, mit dem Patienten mit einer Hirnschädigung die Funktionen, die verloren gingen, wiedererlangen können. Dazu dienen die Wahrnehmungsförderung, die Normalisierung der Muskelspannung und die Förderung der normalen Bewegung bei gelähmten Menschen. Wenn der Patient zum Beispiel seinen Arm nach dem Schlaganfall nicht anheben kann, unterstützen die Pflegekräfte den Betroffenen, indem sie die Bewegung ständig wiederholen. Dies fördert die Gehirnleistung und damit den Patienten. Die Physiotherapie im Rahmen der Stroke Unit beginnt in der Regel in den ersten 24 Stunden. Nach einem allgemeinen Befund mit neurologischen Testungen folgt eine zielgerichtete Behandlung. Es werden die Körperwahrnehmung geschult, normale Bewegungsabläufe gebahnt sowie pathologische Bewegungsmuster gehemmt.
Unterstützung durch den Sozialdienst
Der Aufenthalt im Krankenhaus stellt für betroffene Patientinnen und Patienten sowie für deren Angehörigen oft eine große Belastung dar. So können bei schweren Erkrankungen seelische und soziale Notlagen entstehen. Krankheit bringt oft einschneidende Veränderungen und große Nöte im Leben der Betroffenen mit sich, bedeutet häufig eine Veränderung des Körpers und unter Umständen die Veränderung der kompletten Lebenssituation und wird oft zur Ausnahmesituation, die als Krise erlebt wird. Für den Sozialdienst bedeutet dies, Hilfen und Informationen bei der Krankheits- und Lebensbewältigung zukommen zu lassen. Die Unterstützung durch den Sozialdienst ist eine wichtige Ergänzung zur medizinischen und pflegerischen Versorgung im Krankenhaus. Abseits der Krankengeschichte orientiert er sich an der individuellen Lebenssituation, dem sozialen Umfeld und den vorhandenen Ressourcen der Patienten. Hierbei steht die leistungerschließende Beratung und Begleitung im Vordergrund. Der Sozialdienst unterstützt Sie in allen Belangen, die sich im Zusammenhang mit dem Krankenhausaufenthalt ergeben, so z. Beratung und Vermittlung zu weiterführenden Angeboten (z. B.
Checkliste für den neurologischen Dienst: Tipps für junge Neurologen
Vor dem ersten Nachtdienst ist jeder junge Arzt nervös. Wie junge Neurologen diese erste Nacht trotzdem gut überstehen - dazu hatte der Notfall-Experte Prof. Dr. med. Wie sind die Abläufe auf einer Stroke Unit? Wer sind meine Ansprechpartner? Wo finde ich Lysekoffer und Antidote? Habe ich alle wichtigen Geräteeinweisungen bekommen? Wie organisiere ich ein Bett? Die „Checkliste für den neurologischen Dienst“ von den Jungen Neurologen hilft angehenden Neurologinnen und Neurologen, den Überblick zu behalten und die ersten Monate der Weiterbildung gut zu überstehen. Wichtige Infos kann man direkt notieren. Und durch das praktische Kitteltaschenformat ist die Checkliste immer dabei! Sie ist eine unverzichtbare Begleitung für die neurologische Weiterbildung. Junge Neurologen können hier Notizen über relevante Vorgehensweisen und Ansprechpersonen machen, die man im Dienst wissen muss. Das hilft Anforderungen klar zu definieren und die Einarbeitung zu strukturieren. So können sich angehende Neurologinnen und Neurologen mithilfe dieses Leitfadens optimal auf den ersten Dienst vorbereiten! Die Checkliste ist in drei Module unterteilt: Der erste Abschnitt widmet sich organisatorischen und kommunikativen Fertigkeiten. Im zweiten Teil werden klinische Fähigkeiten aufgelistet.
Struktur der neurologischen Ausbildung
Künftige Neurologinnen und Neurologen starten mit dem Medizinstudium. Es gliedert sich in Vorklinik, Klinik und praktisches Jahr. In den ersten beiden Jahren, der Vorklinik, stehen theoretische Grundlagen in Fächern wie Biologie, Chemie und Anatomie auf dem Programm, außerdem ein Pflegepraktikum und eine Ausbildung in erster Hilfe. Vier vierwöchige Praktika, sogenannte Famulaturen, müssen angehende Mediziner in der vorlesungsfreien Zeit absolvieren. Wer sich für Neurologie interessiert, kann jetzt erstmals in den Alltag einer neurologischen Klinik oder einer neurologischen Arztpraxis schnuppern. Manche Famulaturen werden sogar vergütet - nachfragen lohnt sich! Während der dreijährigen Klinik vervollkommnen Studierende aber auch ihre theoretischen Kenntnisse: etwa in Allgemeinmedizin, Anästhesiologie und Chirurgie, und natürlich auch in Neurologie. Auf das zweite Staatsexamen folgt das praktische Jahr, das „PJ“. Angehende Ärztinnen und Ärzte sammeln jetzt Erfahrungen im Umgang mit Patienten, mit der Arbeit in der Klinik oder der Arztpraxis. Kurz: Sie wenden ihr Wissen praktisch an. Zwei Tertiale des PJ müssen im Fachbereich Innere Medizin und in der Chirurgie absolviert werden. Haben Sie und ihre Kommilitonen das dritte Staatsexamen bestanden, trennen sich Ihre Karrierewege in insgesamt 34 Fachbereiche. Einer davon ist die Neurologie.
Inhalte der Facharztausbildung Neurologie
Üblicherweise absolvieren Sie die Facharztausbildung in einer neurologischen Klinik mit Weiterbildungsermächtigung. Dort erfahren Sie unter anderem, welche Fortbildungsmöglichkeiten es an Ihrer Wunschklinik gibt und wie gut Sie auf die ersten Dienste vorbereitet werden. Meist haben die Kliniken ihr individuelles Rotationsprogramm, das Sie schon während des Vorstellungsgesprächs erfragen können. 231) festgelegt sind. Während der fünfjährigen Weiterbildung lernen Sie zum Beispiel, wie man eine Anamnese erhebt, Patienten untersucht, diagnostiziert und behandelt, wie neurologische Notfälle und palliativmedizinische Patienten versorgt werden und wie man wissenschaftlich begründete Gutachten sowie Rehabilitationspläne erstellt. Dazu müssen Sie sechs Monate in der intensivmedizinischen Versorgung neurologischer Patienten ableisten, zwölf Monate in Psychiatrie und Psychotherapie und 24 Monate in der stationären neurologischen Patientenversorgung.
Lesen Sie auch: Expertise in Neurologie: Universitätsklinik Heidelberg
Karrierewege in der Neurologie
Ist die Facharztprüfung geschafft, stehen junge Neurologinnen und Neurologen vor der wichtigen Entscheidung: Wo und in welchem Bereich möchte ich als Fachärztin oder -arzt zukünftig arbeiten? Soll es die eigene Praxis sein oder lieber ein Angestelltenverhältnis? Zieht es mich ins Ausland?
Prävention neurologischer Erkrankungen: Herausforderungen und Chancen
Wachsende Belastung durch neurologische Krankheiten. Neurologische Erkrankungen stellen weltweit eine zunehmende Herausforderung dar. Laut der „Global Burden of Diseases“-Studie haben sie Herz-Kreislauf-Erkrankungen als größtes Gesundheitsproblem abgelöst. In Deutschland sind insbesondere Schlaganfälle und Demenz stark vertreten. Mit einer prognostizierten Zunahme der Demenzfälle von 1,8 Millionen im Jahr 2024 auf bis zu 2,7 Millionen bis 2050 ist der Handlungsbedarf klar. Die Prävention bietet eine enorme Chance, diesen Trend zu bremsen. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass gezielte Lebensstilmaßnahmen bis zu 45 % der Demenzfälle und 90 % der Schlaganfälle verhindern können. Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) Prof. Dr. Peter Berlit erklärt: „Es gibt zahlreiche Handlungsempfehlungen, allein für die Demenz wurden 14 vermeidbare Risikofaktoren identifiziert. Aber im Prinzip kann man bereits eine sehr hohe Risikoreduktion erreichen, wenn man nur sechs Punkte konsequent beherzigt.“
Die sechs Schlüssel zur neurologischen Gesundheit
- Regelmäßige Bewegung: Bereits moderate körperliche Aktivität reduziert Entzündungen und oxidativen Stress und fördert die Regeneration von Nervenzellen. Studien belegen, dass intensive Bewegung die kognitive Leistungsfähigkeit steigert und Erkrankungen wie Parkinson entgegenwirkt.
- Mediterrane Ernährung: Eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Gemüse, wenig Fett und Salz hat protektive Effekte auf das Nervensystem und verringert das Risiko neurodegenerativer Erkrankungen.
- Genügend Schlaf: Schlaf ist essenziell für die Gehirnregeneration. Erwachsene im Alter zwischen 50 und 60 Jahren mit weniger als sechs Stunden Schlaf pro Nacht weisen ein erhöhtes Demenzrisiko auf. Dies belegen unter anderem Studiendaten von fast 8.000 Teilnehmern der Whitehall II-Studie.
- Soziale Kontakte: Soziale Isolation ist ein Risikofaktor für Demenz und Schlaganfall. Studien zeigen, dass 5 % der Demenzfälle auf Einsamkeit zurückzuführen sind. Konkret bedeutet das: In Deutschland gehen insgesamt etwa 20.000 von 400.000 neuen Demenz-Fällen jährliche auf Vereinsamung zurück. Das Schlaganfallrisiko scheint sich durch soziale Isolation ebenfalls zu erhöhen.
- Vermeidung schädigender Substanzen: Alkohol, Tabak und Umweltgifte sind nachweislich neurotoxisch und begünstigen die Entstehung neurologischer Krankheiten. So zeigte eine in „JAMA Neurology“ publizierte Studie mit US-Veteranen ein erhöhtes Parkinsonrisiko durch den Kontakt mit dem Lösungsmittel Trichloretyhlen.
- Kontrolle von Risikofaktoren wie Hypertension und Diabetes: Bluthochdruck, Diabetes und eine Hyperlipidämie erhöhen das Risiko für Schlaganfälle und Demenzen signifikant. Eine Prävention dieser Erkrankungen und eine konsequente medikamentöse Behandlung im Erkrankungsfall bieten effektiven Schutz.
Praktische Tipps zur Umsetzung von Lebensstiländerungen
Die Umsetzung von Präventionsmaßnahmen erfordert Disziplin und Routine. Experten empfehlen, mit ein bis zwei Veränderungen zu beginnen und diese konsequent in den Alltag zu integrieren. Prof. Dr. Frank Erbguth, Präsident der Deutschen Hirnstiftung, rät: „Je mehr man sich vornimmt, desto weniger realisiert man am Ende. Daher ist es oft klüger, erst einmal nur eine oder zwei Sachen in Angriff zu nehmen.“ Hilfreich ist darüber hinaus technische Unterstützung, etwa ein Schrittzähler, und das Schaffen von Anreizen durch eine Belohnung, nachdem man ein gestecktes Ziel erreicht hat.
Perspektiven für Forschung und Praxis
Die vorgestellten Präventionsstrategien bieten einen praktikablen Ansatz, um die neurologische Gesundheit zu fördern. Dennoch bleibt weiterer Forschungsbedarf, insbesondere zur Optimierung der Umsetzbarkeit und zur Entwicklung spezifischer Interventionen für Risikogruppen.
Abrechnung neurologischer Leistungen
Neurologische Praxen arbeiten mit einem breiten diagnostischen Spektrum und zeitintensiven Gesprächen. Gleichzeitig erfordern viele Untersuchungen - ob EEG, EMG oder spezielle Tests - eine klare und präzise Abrechnung, die im Alltag häufig zur Zusatzbelastung wird. Herausforderungen, die neurologische Praxen besonders betreffen:
Lesen Sie auch: Aktuelle Informationen zur Neurologie in Salzgitter
- anspruchsvolle Diagnostik mit hohem Dokumentationsbedarf
- intensiver Beratungsaufwand bei chronischen und komplexen Erkrankungen
- detaillierte GOÄ-Abrechnung, die häufigen Rückfragen unterliegt
Es ist wichtig, sich über die korrekte Abrechnung neurologischer Leistungen zu informieren und gegebenenfalls Unterstützung in Anspruch zu nehmen, um eine vollständige und strukturierte Abrechnung zu gewährleisten.
tags: #neurologie #dienst #tipps