Dieser Artikel bietet einen detaillierten Einblick in die neurologischen Angebote des Elisabeth-Krankenhauses Essen, des St. Elisabeth Hospitals Gütersloh und der Universitätsklinik Essen, sowie weiterer relevanter Einrichtungen. Ziel ist es, Patienten, Angehörigen und interessierten Fachkreisen einen umfassenden Überblick über das Leistungsspektrum, die Schwerpunkte und die Kooperationen in der Neurologie zu geben.
Elisabeth-Krankenhaus Essen: Kinderneurologisches Zentrum
Das Elisabeth-Krankenhaus in Essen (Huttrop) beherbergt ein Kinderneurologisches Zentrum, das sich auf das gesamte Spektrum der Erkrankungen des zentralen Nervensystems bei Kindern und Jugendlichen konzentriert. Dazu gehören Erkrankungen des Gehirns, des Rückenmarks, der peripheren Nerven und der Muskulatur. In Kooperation mit dem Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) werden auch Kinder mit isolierten oder allgemeinen Entwicklungsstörungen betreut.
Besonderheiten der Kinderneurologie
Ein wesentlicher Unterschied zur Erwachsenenneurologie liegt im Reifungsprozess des zentralen Nervensystems, der erst nach der Pubertät abgeschlossen ist. Besonders die ersten drei Lebensjahre sind von entscheidender Bedeutung. Daher ist eine frühzeitige Diagnose von Entwicklungsstörungen von großer Bedeutung.
Schwerpunkte und Kooperationen
Das Kinderneurologische Zentrum am Elisabeth-Krankenhaus Essen versteht sich als Ansprechpartner für das gesamte Spektrum neuropädiatrischer Fragestellungen, mit Ausnahme von bösartigen Tumoren des zentralen Nervensystems. Zu den Schwerpunkten gehören:
- Epilepsien: Diagnostik und Behandlung aller Formen von Epilepsien im Neugeborenen-, Säuglings-, Kinder- und Jugendalter. Es stehen ein Video-EEG sowie ein Langzeit-EEG zur Verfügung. Weitere neurophysiologische Abklärungen und neuropsychologische Begutachtungen sind in Kooperation mit anderen Kliniken und dem SPZ möglich. Bildgebende Diagnostik umfasst Ultraschall, Computertomographie und Magnetresonanztomographie (cMRT).
- Kopfschmerzen: Diagnostik und Therapie von Kopfschmerzen, insbesondere im Kindes- und Jugendalter. Differenzierung zwischen primären und sekundären Kopfschmerzen, einschließlich Migräne und Spannungskopfschmerzen.
- Weitere Schwerpunkte: Entwicklungsstörungen, Bewegungsstörungen, Muskelerkrankungen, Infantile Cerebralparesen, Missbildungen des Gehirns und des Rückenmarks, Hydrocephalus, entzündliche Erkrankungen, Multiple Sklerose, degenerative Erkrankungen, Auffälligkeiten der Kopfform, Stoffwechselerkrankungen, neurokutane Erkrankungen, gefäßbedingte Erkrankungen des Gehirns (z.B. Schlaganfall) und syndromale Erkrankungen mit neurologischen Entwicklungsstörungen (z.B. Rett-Syndrom, Engelmann-Syndrom oder Fragiles-X-Syndrom).
Diagnostische und therapeutische Leistungen
Das Kinderneurologische Zentrum bietet ein breites Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Leistungen an, darunter:
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- Betreuung stationärer und ambulanter Patienten in Kooperation mit dem SPZ
- Videoüberwachtes Wach- und Schlaf-EEG
- Videoüberwachtes Schlafentzugs-EEG
- 24-Stunden-Langzeit-EEG
- Polysomnographie
- Neurophysiologische Untersuchung (evozierte Potentiale, Nervenleitgeschwindigkeit, Elektromyographie) in Kooperation mit anderen Kliniken
- Magnetresonanztomographie (MRT), zum Teil mit Anästhesie-gesteuerter Sedierung
- Ultraschalldiagnostik
- Computertomographie
Kooperationen innerhalb des Elisabeth-Krankenhauses
Am Elisabeth-Krankenhaus stehen neben dem Kinderneurologischen Zentrum auch die Klinik für Neu- und Frühgeborene, die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin sowie die Klinik für Kinderchirurgie als Ansprechpartner für kranke Kinder zur Verfügung. Diese enge Zusammenarbeit ermöglicht eine ganzheitliche Betreuung des Kindes und seiner Familie.
Regionale und überregionale Kooperationen
Das Kinderneurologische Zentrum kooperiert mit umliegenden neuropädiatrischen Zentren im Ruhrgebiet, wie der Universitätsklinik in Essen, dem Kinderneurologischen Zentrum in Düsseldorf-Gerresheim und der Abteilung für Neuropädiatrie am Klinikum Duisburg. Viermal jährlich nimmt das Zentrum am Qualitätszirkel der neuropädiatrischen Kollegen in Nordrhein-Westfalen teil. Zudem besteht eine enge Kooperation mit niedergelassenen Neuropädiatern in Essen. Kinder mit Hydrocephalus und anderen neurochirurgischen Fragestellungen werden von den neurochirurgischen Abteilungen anderer Kliniken (vor allem Universitätsklinik in Essen und Klinikum Duisburg) mitbehandelt. Bezüglich Kindern mit neurokutanen Syndromen (z.B. Tuberöse-Sklerose oder Neurofibromatose Typ 1) gibt es eine enge Kooperation mit Spezialisten.
St. Elisabeth Hospital Gütersloh: Neurologische Klinik und Stroke Unit
Das St. Elisabeth Hospital in Gütersloh, ein Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Münster, verfügt über eine Neurologische Klinik mit einer zertifizierten Stroke Unit. Die Klinik diagnostiziert und behandelt sämtliche akuten und chronischen neurologischen Erkrankungen nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Schwerpunkte der Neurologischen Klinik
Zu den Schwerpunkten der Neurologischen Klinik gehören:
- Akute Schlaganfallbehandlung: Auf der Stroke Unit werden jährlich über 1000 akute Schlaganfallpatienten behandelt. Die Stroke Unit ist als Regionale Stroke Unit durch die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe & Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) mit 10 Betten und einem Intermediate Care Bettplatz (IMC) zertifiziert.
- Neurodegenerative Erkrankungen: Behandlung von Parkinsonkrankheit, Demenzen (einschließlich Alzheimerdemenz und vaskulärer Demenz), Dystonien.
- Multiple Sklerose: Behandlung von Multipler Sklerose und anderen chronisch entzündlichen ZNS-Erkrankungen.
- Epilepsien: Behandlung von Epilepsien und epileptischen Anfällen, Status epilepticus.
- Kopfschmerzen: Behandlung von akuten Kopfschmerzsyndromen.
- Schwindelsyndrome: Diagnostik und Therapie von Schwindelsyndrome.
- Neuromuskuläre Erkrankungen: Behandlung von Amyotropher Lateralsklerose (ALS), Myasthenie und myasthenen Syndromen, Muskelerkrankungen.
- Neuropathien: Behandlung von Polyneuropathie, Guillain-Barré-Syndrom (GBS), Plexusneuritis.
- Entzündliche Erkrankungen: Behandlung von Hirnhautentzündung (Meningitis), Gehirnentzündung wie Autoimmun-Enzephalitis oder Herpes-Enzephalitis, Herpes Zoster mit Nerven-/Gehirnbeteiligung.
- Akute Schmerzsyndrome: Behandlung von Rückenschmerzen, akuten neuropathischen Schmerzsyndromen.
- Hirntumoren: Primärdiagnostik von Hirntumoren.
Akutversorgung von Schlaganfallpatienten
Für die Akutversorgung von Schlaganfallpatienten werden diese bereits durch den Rettungsdienst in der zentralen Notaufnahme angekündigt. Nach einem kurzen Patientengespräch, der körperlichen Untersuchung sowie einer Blutabnahme und der Bildgebung des Gehirns mittels Computertomographie oder MR-Tomographie werden weitere Maßnahmen geplant und ggf. eine Akuttherapie, wie die medikamentöse Thrombolysetherapie eingeleitet. Bei größeren Gefäßverschlüssen erfolgt anschließend eine intrakranielle Thrombektomie.
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Multiprofessionelle Versorgung auf der Stroke Unit
Auf der Stroke Unit werden Schlaganfallpatienten von einem multiprofessionellen Team aus Mitarbeitern der Klinik für Neurologie, der Medizinischen Klinik, der Neuroradiologie sowie Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Sozialdienst und speziell weitergebildeten Pflegefachkräften versorgt. Jeder Überwachungsplatz ist mit einem Monitor ausgestattet, der kontinuierlich das EKG, den Blutdruck, und die Sauerstoffversorgung aufzeichnet. Das Ziel der Behandlung auf der Stroke Unit ist die optimale Abklärung, Überwachung und Behandlung von Patienten mit einem akuten Schlaganfall.
Expertise in vaskulärer Neurologie
Das Ärzteteam besteht aus erfahrenen Neurologinnen und Neurologen mit Expertise in vaskulärer Neurologie. Es besteht zertifizierte Kompetenz für die spezialisierte Schluckuntersuchung mittels Kamera (FEES-Zertifikat) sowie spezielle Ausbildung für die neurovaskuläre Ultraschalluntersuchung der hirnversorgenden Gefäße (Ultraschall-Zertifikat DEGUM-Stufe I).
Neurovaskuläres Netzwerk
Im Rahmen eines „Neurovaskulären Netzwerks“ besteht eine enge Kooperation mit der Universitätsklinik für Neurologie, der Universitätsklinik für Neurochirurgie sowie dem Institut für Neuroradiologie des Evangelischen Klinikums Bethel in Bielefeld. Des Weiteren wird eng mit der Klinik für Gefäßchirurgie im Klinikum Gütersloh kooperiert.
Parkinson-Komplexbehandlung
Die Klinik bietet eine Parkinson-Komplexbehandlung für Patienten mit idiopathischem und atypischen Parkinson-Syndromen an. Diese umfasst:
- Ein erfahrenes und speziell geschultes multiprofessionelles Team bestehend aus Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, klinischen Linguisten, Pflegepersonal und Ärzten.
- Fachliche und menschliche Kompetenz mit Blick auf die Patient*Innen eingebunden in die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten eines Krankenhauses der Schwerpunktversorgung.
- Parkinson-Komplexbehandlung mit intensiver Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Medikamentenoptimierung
- Klinische Linguistik zur Diagnostik und Therapie von Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen (ggf. endoskopische Schluckdiagnostik)
- Die Therapie beginnender Parkinson-Syndrome sowie Therapieoptimierung in fortgeschrittenen Krankheitsstadien
- Einleitung und Nachsorge erweiterter Therapieverfahren wie z.B. Pumpentherapien:(Apomorphinpumpe, intestinale Levodopa/Carbidopa(/Entacapon)-Pumpentherapie, subkutane Foslevodopa/Foscarbidopa-Pumpentherapie
- Etablierte Zusammenarbeit mit einem in der tiefen Hirnstimulation erfahrenen Neurochirurgen zur Implantation
- Sozialmedizinische Beratung
Ausbildung und Weiterbildung
Als Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Münster ist die Ausbildung von Studierenden und die neurologische Weiterbildung junger Ärztinnen und Ärzte ein wichtiges Anliegen. Der Chefarzt verfügt über die volle Weiterbildungsbefugnis für das Fach Neurologie (48 Monate).
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Universitätsklinikum Essen: Neurologische Klinik
Die Neurologische Klinik des Universitätsklinikums Essen behandelt alle neurologischen Erkrankungen nach modernsten Standards. Als Universitätsklinik werden wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in die Krankenversorgung übertragen, z.B. beim Schlaganfall, der Multiplen Sklerose, bei der Parkinson Erkrankung und auch bei Hirntumoren.
Schwerpunkte und Expertise
Alle Fachdisziplinen und das Wissen international renommierter Professorinnen/ Professoren sind am Universitätsklinikum Essen an einem einzigen Ort gebündelt. Die umfangreiche Ausstattung mit modernsten Geräten und hochqualifiziertem Personal sind der Garant für eine Spitzenmedizin auf aller höchstem Niveau.
Allgemeine Informationen und Besuchsregeln
Elisabeth-Krankenhaus Essen
- Besuchszeiten: Täglich 14:00 bis 20:00 Uhr (Station Maria (Geburtshilfe): 14:00 - 18:30 Uhr, Elternteil des Neugeborenen 10:00 - 20:00 Uhr)
- Besuchsregeln Neu- und Frühgeborene: 1 Elternteil je Kind, das nach der Geburt auf der Station für Neu- und Frühgeborene versorgt werden muss.
- Allgemeine Hinweise: Besucher mit Krankheitssymptomen dürfen das Krankenhaus nicht betreten. Es wird um eine moderate Besuchsdauer sowie eine angemessene Anzahl an Besuchern je Patient gebeten. Im Bereich der Geburtshilfe sind maximal 2 erwachsene Besucher je Patientin erlaubt. Auf Hände-Hygiene ist zu achten.
St. Elisabeth Hospital Gütersloh
- Besuchszeiten auf der Stroke Unit: Täglich von 14:00 bis 19:00 Uhr und nach Vereinbarung mit maximal zwei Personen pro Patient. Zusätzliche Besuchszeiten sind in Ausnahmesituationen möglich.
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