Kopfschmerzen und Gedächtnisverlust sind zwei häufige neurologische Symptome, die viele Ursachen haben können. Während einige Ursachen harmlos sind, können andere auf schwerwiegende Erkrankungen hinweisen, die sofortiger medizinischer Behandlung bedürfen. Dieser Artikel untersucht die verschiedenen Ursachen von Kopfschmerzen und Gedächtnisverlust, wobei der Schwerpunkt auf neurologischen Ursachen liegt.
Kopfschmerzen: Ein Überblick
Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden mit einer 12-Monats-Prävalenz von etwa 60 %, wobei Frauen etwas häufiger betroffen sind als Männer. Sie gehören neben Rückenschmerzen zu den häufigsten klinischen Symptomen. In Notaufnahmen stellen Kopfschmerzen einen erheblichen Anteil der Patientenvorstellungen dar.
Es ist wichtig zu unterscheiden zwischen primären und sekundären Kopfschmerzen. Primäre Kopfschmerzen, wie Migräne, Spannungskopfschmerzen und Clusterkopfschmerzen, sind eigenständige Erkrankungen. Sekundäre Kopfschmerzen hingegen sind Symptome einer anderen Grunderkrankung.
Ursachen für die Vorstellung in der Notaufnahme
Patienten suchen aus verschiedenen Gründen eine Notaufnahme wegen Kopfschmerzen auf:
- Es handelt sich um einen bisher unbekannten Kopfschmerz, möglicherweise mit neurologischen oder allgemeinmedizinischen Begleitsymptomen.
- Ein bereits bekannter Kopfschmerz ist besonders heftig und spricht nicht ausreichend auf die Standardtherapie an.
Besonders heftige und perakut auftretende Kopfschmerzen, Kopfschmerzen mit fokalen neurologischen Defiziten, Bewusstseinseinschränkungen oder Allgemeinsymptomen wie Fieber erfordern eine sofortige Abklärung. Das Akronym SNOOP (systemische Symptome, neurologische Symptome, akuter Beginn, ältere Patienten, Vorgeschichte) dient als Hilfestellung bei der Risikoabschätzung.
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Vaskulär bedingte Kopfschmerzen
Ein wichtiger Schwerpunkt liegt auf vaskulär bedingten Kopfschmerzen, da diese oft mit schwerwiegenden Erkrankungen verbunden sind.
Kopfschmerzen bei Schlaganfall
Kopfschmerzen sind bei ischämischen Schlaganfällen weniger häufig und von geringerer Intensität als bei intrazerebralen Blutungen (ICB). Die Prävalenz liegt bei 16-36 % innerhalb der ersten acht Tage. Risikofaktoren für das Auftreten von Kopfschmerzen sind eine Vorgeschichte eines primären Kopfschmerz-Syndroms und das weibliche Geschlecht.
Intrazerebrale Blutungen sind häufiger von Kopfschmerzen (57 %) begleitet, wobei Kleinhirn- bzw. lobuläre Blutungen häufiger zu Kopfschmerzen führen.
Kopfschmerzen bei Sinusvenenthrombose (SVT)
Die SVT ist für etwa 0,5 % aller Schlaganfälle verantwortlich. Vernichtungskopfschmerzen können in 2-15 % der Fälle auftreten. Bei 17 % der Patienten ist der Kopfschmerz das einzige Symptom der SVT. In den meisten Fällen entwickelt er sich graduell über Tage und ist unspezifisch und nicht lokalisiert. Weitere Symptome sind epileptische Anfälle, fokale Ausfälle und Bewusstseinsstörungen.
Kopfschmerz und Subarachnoidalblutung (SAB)
Leitsymptom der SAB ist der akute, innerhalb von Sekunden auftretende Vernichtungskopfschmerz. Im Verlauf können dann neurologische Symptome, aber auch Übelkeit und Erbrechen auftreten. Circa 8 % der Patienten mit einer SAB berichten über keine Kopfschmerzen. Bei 85 % der SABs liegt die Ruptur eines Aneurysmas vor.
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Kopfschmerzen bei Gefässdissektionen
Akut einsetzende einseitig betonte Kopf- und Nackenschmerzen sind das Leitsymptom einer Dissektion. Ein Schmerzmaximum um die Orbita spricht für eine Dissektion der A. carotis interna, ein Nacken-Hinterkopf-Schmerz eher für eine Dissektion der A. vertebralis. Weitere Symptome können neben dem Horner-Syndrom auch ipsilaterale ischämische Infarkte mit entsprechenden neurologischen Defiziten sein.
Kopfschmerzen beim reversiblen zerebralen Vasokonstriktions-Syndrom (RCVS) und posterioren reversiblen Enzephalopathie-Syndrom (PRES)
Das Auftreten eines rezidivierenden Vernichtungskopfschmerzes sollte differenzialdiagnostisch auch an ein RCVS denken lassen. Es ist das erste und bei der Mehrzahl der Patienten auch das einzige Symptom des RCVS. Die Vernichtungskopfschmerzen ähneln den Kopfschmerzen bei einer SAB und sie halten 1-3 Stunden an, um dann zu remittieren, wobei ein dumpfer Dauerkopfschmerz bestehen bleibt.
Kopfschmerzen bei spontanem Liquor-Verlust-Syndrom
Typisch für diesen Kopfschmerz, der ursächlich auf einen Liquor-Verlust zurückzuführen ist, ist die Lageabhängigkeit des Kopfschmerzes mit Beschwerdefreiheit in flacher Lagerung und rasch auftretenden holozephalen, z. T. pulsierenden Kopfschmerzen im Stehen.
Gedächtnisverlust: Ein Überblick
Eine Amnesie bezeichnet eine plötzliche Gedächtnisstörung, die entweder alte Erinnerungen, die nicht mehr abgerufen werden können, oder neue Informationen und Erlebnisse, die nicht mehr behalten werden können, betrifft.
Man unterscheidet bei der Amnesie die retrograde und anterograde Amnesie. Die retrograde Amnesie betrifft das Gedächtnis für Erinnerungen vor dem auslösenden Ereignis, während die anterograde Amnesie das Gedächtnis für neue Inhalte betrifft. Sind sowohl alte als auch neue Gedächtnisinhalte betroffen, spricht man von einer globalen Amnesie.
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Ursachen von Gedächtnisverlust
Eine Amnesie kann viele verschiedene Ursachen haben:
- Unfälle mit Kopfverletzungen: Schädel-Hirn-Trauma oder Gehirnerschütterung
- Neurologische Erkrankungen: Epilepsie, Entzündung der Hirnhäute (Meningitis) oder des Gehirns (Enzephalitis), Hirnblutung oder Schlaganfall
- Stoffwechselentgleisungen: Unterzuckerung bei einem insulinpflichtigen Diabetes
- Psychische Erkrankungen: Traumatische Erlebnisse und Stresszustände
- Vergiftungen: Medikamente, Drogen oder Alkohol (insbesondere langfristiger Alkoholmissbrauch, der zu einem Wernicke-Korsakow-Syndrom führen kann)
- Demenz: Diese nimmt jedoch meist schleichend zu und betrifft häufig auch andere Fähigkeiten, die für den Alltag von Bedeutung sind.
Transiente globale Amnesie (TGA)
Die transiente globale Amnesie ist ein Krankheitsbild, bei dem Betroffene unter einer vorübergehenden anterograden und manchmal auch retrograden Amnesie leiden. Vor allem das Kurzzeitgedächtnis ist stark beeinträchtigt. Meist tritt zusätzlich eine Orientierungsstörung oder Verwirrtheit auf, erstaunlicherweise stellen aber komplexe Handlungen, wie z. B. Autofahren, in den meisten Fällen kein Problem dar. Diese Form der Amnesie hält laut Definition höchstens 24 Stunden an, wonach die Betroffenen meist eine Erinnerungslücke für diese Episode zurückbehalten. Die genaue Ursache ist unklar. Bei 12-27 % der Betroffenen können wiederholte Episoden auftreten.
Diagnose der TGA
Die Diagnose einer TGA basiert auf den klinischen Kriterien, einer sorgfältigen Anamnese und dem Ausschluss anderer Ursachen für Gedächtnisverlust. Eindeutige Hinweise kann die Kernspin- oder Magnetresonanztomografie (MRT) liefern, denn häufig zeigen die Aufnahmen bei einer TGA helle Flecken im Gehirn. Diese sogenannten DWI-Läsionen tauchen allerdings frühestens zwölf Stunden nach Beginn der Gedächtnisstörung auf.
Therapie der TGA
Eine akute Therapie der TGA gibt es nicht. Das Wichtigste ist, die Betroffenen und die Angehörigen zu beruhigen und ihnen zu erklären, dass die Symptome vorübergehend sind und keine bleibenden Schäden hinterlassen.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Ein plötzlicher Gedächtnisverlust ist meist die Folge einer Verletzung oder schweren Erkrankung des Gehirns und erfordert sofortige ärztliche Hilfe. Wenn bei Betroffenen eine Epilepsie mit Gedächtnisstörungen bekannt ist oder die Person offensichtlich alkoholisiert ist, handelt es sich nicht um einen derart dringlichen Notfall.
Veränderungen in der Gedächtnisleistung, die länger als ein halbes Jahr anhalten und auch für Dritte bemerkbar sind, können Warnsignale sein, die man ärztlich abklären lassen sollte.
Posttraumatische Kopfschmerzen
Posttraumatische Kopfschmerzen zählen zu den häufigsten sekundären Kopfschmerzen. Nach einem leichten Schädel-Hirn-Trauma (SHT) oder einem HWS-Beschleunigungstrauma entwickeln bis zu 90 % der Patienten einen posttraumatischen Kopfschmerz. Dauert der Kopfschmerz länger als 3 Monate an, spricht man von einem anhaltenden posttraumatischen Kopfschmerz.
Die Therapie richtet sich nach dem klinischen Kopfschmerzsyndrom und der Beschwerdedauer. Wichtig ist, frühzeitig über die in aller Regel günstige Prognose aufzuklären und der Entwicklung eines Medikamentenübergebrauchs entgegenzuwirken.
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