Eine Muskelschwäche in den Beinen kann verschiedene Ursachen haben, von denen einige neurologischer Natur sind. Es ist wichtig, die Symptome ernst zu nehmen und einen Neurologen zu konsultieren, um die Ursache zu ermitteln und eine geeignete Behandlung einzuleiten.
Symptome und erste Anzeichen
Eine Muskelschwäche macht sich häufig zunächst durch Schwierigkeiten beim Greifen, Gangunsicherheit und rasche Ermüdbarkeit bei Bewegung bemerkbar. Manche Bewegungen können nicht oder nicht mit ganzer Kraft ausgeführt werden. Die Symptome können auf einen Vitamin- und Mineralstoffmangel oder eine Stoffwechselstörung zurückzuführen sein, aber auch erste Anzeichen einer neurologischen Muskelerkrankung sein. Daher sollte eine Schwäche der Muskulatur, wenn sie häufiger oder längerfristig auftritt, unbedingt durch einen Neurologen abgeklärt werden.
Diagnostische Verfahren
Um eine sichere Diagnose stellen zu können, werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, wie beispielsweise die Reflexe getestet, nach möglicherweise vorhandenen Empfindungsstörungen gesucht und die noch vorhandene Kraft in der Muskulatur überprüft. Für eine genaue Diagnose kann eine Computertomographie oder eine Magnetresonanztomographie erfolgen. Um festzustellen, ob eine Polyneuropathie vorliegt, kann der Arzt Nervenmessungen vornehmen. Mit der Elektroneurografie misst er die Nervenleitgeschwindigkeit. Zusätzlich kann er mit der Elektromyografie die Muskelaktivität messen.
Diagnosemöglichkeiten sind:
- Elektromyographie (EMG), um die elektrische Aktivität in Ihren Muskeln zu messen
- Muskel- und Hautbiopsie (Entnahme und Untersuchung von Muskelgewebe- und Hautproben)
- Blutuntersuchung zum Nachweis von Autoantikörpern im Blut (bei Polymyositis gibt es keinen typischen Autoantikörpernachweis). Bestimmte weitere Blutwerte weisen auf eine Myositis hin, darunter die Konzentration des Enzyms Kreatinkinase, das von zerstörten Muskelfasern freigesetzt wird.
Neurologische Ursachen
Verschiedene neurologische Erkrankungen können zu Muskelschwäche in den Beinen führen. Zu den häufigsten gehören:
Lesen Sie auch: Neurologie vs. Psychiatrie
Myasthenia gravis
Liegen Lähmungserscheinungen oder Schluck- und Sprechstörungen vor, kann dies auf eine Myasthenia gravis hindeuten. „Typische Symptome erste Symptome einer Myasthenia gravis sind schwere Augenlider und das Sehen von Doppelbildern. Die Erkrankung kann sehr unterschiedlich verlaufen, weshalb sie oftmals erst spät erkannt wird“, ergänzt Dr. Beil. „Bei der Myasthenia gravis handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Dabei ist das eigene Immunsystem fehlreguliert, was eine Schädigung der Nerv-Muskel-Verbindung zufolge hat und zu Störungen der Nervenerregung führt.“ Die Erkrankung Myasthenia gravis verläuft meist chronisch, eine medikamentöse Therapie zielt vor allem auf eine Hemmung des Immunsystems ab.
Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
Liegen Lähmungserscheinungen oder Schluck- und Sprechstörungen vor, kann dies auf eine Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) hindeuten. Bei der Amyotrophen Lateralsklerose treten zunehmend Muskelzuckungen, so genannte Faszikulationen, sowie schmerzhafte Krämpfe auf, bis hin zur Lähmung ganzer Muskelgruppen. Diese Erkrankung betrifft ausschließlich das motorische Nervensystem. Die Empfindung für Berührung, Schmerz und Temperatur, sowie die Sinnesfunktionen bleiben in den meisten Fällen normal. „Die ersten Symptome von ALS können an unterschiedlichen Stellen auftreten. Die Schwäche kann sich beispielsweise nur in der Hand- und Unterarmmuskulatur einer Körperseite zeigen, bevor sie sich auf die Gegenseite oder auf die Beine ausdehnt“, berichtet der Neurologe. „Bei einem Teil der Erkrankten treten erste Symptome im Bereich der Sprech-, Kau- und Schluckmuskulatur auf.“ Die Amyotrophe Lateralsklerose ist eine sehr ernste Erkrankung, die derzeit nicht heilbar ist.
Myositis
Bei einer Myositis entzünden sich Teile der Muskulatur. Das ist oft schmerzhaft, vor allem aber verlieren die Muskeln an Kraft. Der Name sagt es schon: „Myo“ heißt Muskel und „itis“ steht in der Medizin für Entzündung. Myositiden (so der Plural) führen zu Muskelschwäche und Kraftverlust. Außer den Muskeln sind bei verschiedenen Formen der Myositis auch anderere Organe von Entzündungen betroffen, wie zum Beispiel die Haut, die Speiseröhre, das Herz oder die Lunge.
Die meisten Formen der Myositis sind Autoimmunkrankheiten (autoimmune Myositis). Bei Menschen mit einer Autoimmunerkrankung ist das körpereigene Abwehrsystem fehlgesteuert und greift außer Krankheitserregern auch körpereigene Strukturen an, wodurch es zu Entzündungen in Geweben oder Organen kommt - bei Myositis in den Muskeln.
Eine Myositis kann aber auch durch äußere Erreger wie Viren, Bakterien, Parasiten und selten durch Pilze ausgelöst werden (erregerbedingte oder infektiöse Myositis). Bei infektiösen Myositiden kann der Krankheitserreger nachgewiesen werden und ihre Behandlung zielt auf die Bekämpfung dieses Erregers. Eine solche präzise Diagnose und zielgerichtete Behandlung ist bei einer autoimmunen Myositis nicht möglich.
Lesen Sie auch: Expertise in Neurologie: Universitätsklinik Heidelberg
Myositiden sind selten: Durchschnittlich erkranken ungefähr zehn Menschen pro eine Million Einwohner an einer der Formen der Myositis. Betroffen sind Menschen jeglichen Alters, vom Kindes- bis ins hohe Erwachsenenalter. Frauen erkranken häufiger als Männer, nur bei der sogenannten Einschlusskörpermyositis verhält es sich umgekehrt.
Es gibt sechs Hauptformen der Myositis:
- Dermatomyositis: Außer den Muskeln - vorwiegend im Schulter- und Beckenbereich - erkrankt hier typischerweise auch die Haut. Eine Dermatomyositis tritt in der Regel im Erwachsenalter auf und kann mit Krebserkrankungen in Verbindung stehen. Wenn Kinder erkranken, ist das eine Sonderform und wird juvenile Dermatomyositis genannt. Bei der juvenilen Dermatomyositis besteht kein Zusammenhang mit Krebserkrankungen.
- Polymyositis: Diese seltenste Form der Myositis betrifft keine weiteren Organe. Das Immunsystem greift ausschließlich die Skelettmuskulatur an. Oft kommt es zu Muskelschwund, wenn sich geschädigtes Gewebe nicht mehr regenerieren kann. Eine Polymyositis betrifft in aller Regel Erwachsene und nur sehr selten Kinder.
- Einschlusskörpermyositis: Eine Einschlusskörpermyositis tritt vor allem bei Menschen über 45 Jahren auf. Ihr Name kommt daher, dass sich unter dem Mikroskop in Gewebeproben von Erkrankten im Inneren der Muskelzellen abgelagerte Eiweiße nachweisen lassen: sogenannte Einschlusskörperchen. Diese sind ein Hinweis auf eine Degeneration des Muskelgewebes. Die Einschlusskörpermyositis kann alle Muskeln im Körper betreffen, typischerweise aber die Oberschenkelstrecker und die Fingerbeuger.
- Immunvermittelte nekrotisierende Myopathie: Vor allem die Arm- und Beinmuskulatur entzündet sich bei einer immunvermittelten nekrotisierenden Myopathie, teilweise sind auch Herz und Lunge beteiligt. Weil es zum Absterben zahlreicher Zellen kommt, sind schwere Muskelschäden typisch für diese Form der Myositis.
- Anti-Synthetase-Syndrom: Beim Anti-Synthetase-Syndrom sind die Gelenke und unterschiedliche Organe - oft die Lunge - mit betroffen. Eine Muskelentzündung kann am Anfang der Krankheit manchmal sogar ausbleiben. Häufige Begleiterscheinungen sind Lungenerkrankungen und Arthritis.
- Overlap-Myositis: Hiervon spricht man, wenn die Myositis in Verbindung mit anderen Autoimmunerkrankungen steht, zum Beispiel: systemischer Lupus Erythematodes systemischen Sklerodermie (seltene Form des entzündlichen Rheumas) primäres Sjögren-Syndrom (Autoimmunerkrankung, die vor allem Tränen- und Speicheldrüsen angreift) Mischkollagenose (Mischung einer Polymyositis mit einer oder mehreren der zuvor genannten Krankheiten) rheumatoide Arthritis
Das Hauptsymptom aller Myositiden ist Kraftlosigkeit aufgrund der Muskelschwäche. Die Kraft kann schleichend oder plötzlich nachlassen. Dann fallen alltägliche Bewegungsabläufe schwer, zum Beispiel: Aufstehen Treppensteigen Anheben von Gegenständen Außerdem kommt es bei einer Myositis oft zu Schmerzen in den Muskeln.
Nur bei der Polymyositis beschränken sich die Beschwerden meist auf die Muskeln, in erster Linie auf die Oberarme, Schultern, Hüfte und Oberschenkel. Die Beschwerden sind in der Regel beidseitig und entwickeln sich schleichend über Wochen und Monate.
Bei anderen Myositiden treten zusätzliche Symptome auf. Bei Dermatomyositis: Schwellungen um Nasenwurzel und Augenlider rosa-violette Färbung an Oberlidern, Haaransatz, Stirn und im Dekolleté rosa-violette Knötchen an den Fingern Rötungen an Knien und Gelenken Beim Anti-Synthetase-Syndrom: Fieber kalte und blasse Finger (Raynaud-Syndrom) rissige, raue Haut an den Händen Bei Einschlusskörpermyositis fallen oft das Gehen und Stehen sowie der Faustschluss schwer. Außerdem hat die Mehrzahl der Betroffenen Schluckbeschwerden (Dysphagie). Sie verläuft chronisch und führt zu oft sichtbarem Muskelschwund. Typisch für eine immunvermittelte nekrotisierende Myopathie ist eine sich schnell entwickelnde stark ausgeprägte Schwäche der Arm- und Beinmuskeln. Die genannten Symptome sind für eine jeweilige Myositis typisch, treten aber auch bei anderen Formen auf. So kommen zum Beispiel Schluckstörungen bei allen Myositiden vor - wenn die Muskulatur im Hals- und Kehlkopfbereich beeinträchtigt ist - aber besonders oft bei Einschlusskörpermyositis.
Lesen Sie auch: Aktuelle Informationen zur Neurologie in Salzgitter
Weitere Symptome hängen davon ab, ob eine Myositis auf weitere Organe oder Strukturen übergreift, zum Beispiel: Atemnot Herzbeschwerden Magen-Darm-Probleme Gelenkschmerzen
Polyneuropathie
Eine Polyneuropathie ist eine Schädigung der Nerven, die verschiedene Ursachen haben kann. Die häufigste Ursache ist Diabetes mellitus, doch kann die Polyneuropathie auch durch Alkoholmissbrauch, Chemotherapie, Einnahme von Medikamenten oder Autoimmunerkrankungen hervorgerufen werden. Bei einer Polyneuropathie sind sensible Nerven, die für die Wahrnehmung von Reizen zuständig sind, motorische Nerven, die für Bewegungen verantwortlich sind, und vegetative Nerven, die Organe steuern, gleichermaßen betroffen.
Die Schädigung der motorischen Nerven führt zu Störungen und Ausfällen der Muskeln. Das macht sich mit Muskelzuckungen, Muskelkrämpfen, Lähmungen, Muskelschwäche und Muskelschwund bemerkbar. Die Muskelschwäche kann auch sekundär durch eine Schädigung der sensiblen Nerven entstehen. Die Nervenschädigung führt zu Ausfallerscheinungen, vor allem in den Beinen, zu Gangunsicherheit und Koordinationsstörungen. In der Folge nimmt der Patient eine Fehlhaltung ein und bewegt sich nicht mehr ausreichend. Das schwächt die Muskeln.
Welche Symptome bei einer Muskelschwäche auftreten, hängt davon ab, welche Muskeln betroffen sind. Die Muskelschwäche kann sich durch Gangunsicherheit, Schwierigkeiten beim Greifen, schnelle Ermüdbarkeit bei Bewegung, Unfähigkeit, verschiedene Bewegungen auszuführen, und Ausführbarkeit von Bewegungen nicht mit ganzer Kraft bemerkbar machen. Dabei kann die Muskelschwäche nicht nur Arme und Beine betreffen, sondern sich auch in Sprech- und Schluckbeschwerden oder schweren Augenlidern äußern. Weiterhin kommt es für die Diagnose darauf an, ob die Muskelschwäche permanent oder nur zeitweilig auftritt.
Bemerken Sie solche Symptome bei einer Muskelschwäche, sollten Sie einen Neurologen konsultieren. Er wird Sie befragen, ob die Symptome nach einer Infektionskrankheit oder nach einem Unfall aufgetreten sind und ob Sie unter chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus leiden.
Wie die Behandlung einer Polyneuropathie erfolgt, hängt von der Ursache ab. Wird die Muskelschwäche behandelt, kann der Patient wieder zu mehr Mobilität und mehr Lebensqualität gelangen. Verläuft die Polyneuropathie in einer milden Form und macht sie sich mit einer Muskelschwäche bemerkbar, reicht es aus, nur die Symptome zu behandeln. Mit Physiotherapie kann die Muskelkraft wieder erhöht werden. Die Physiotherapie kann gezielt die geschwächten Muskelgruppen ansprechen. Neben der Krankengymnastik werden oft verschiedene Bäder angewendet (Balneologie). Sind die Hände von der Muskelschwäche betroffen, kann die Ergotherapie die Funktionen der Hände verbessern. Als besonders hilfreich hat sich auch die Hochtontherapie erwiesen. Zusätzlich kann der Arzt verschiedene Hilfsmittel verordnen.
Sind Sie noch mobil, wird sportliche Aktivität zur Erhaltung der Mobilität empfohlen. Ausdauersport wie Schwimmen oder Nordic Walking ist geeignet. Das Verletzungsrisiko für den Patienten sollte beim Sport so gering wie möglich sein. Daher sind auch sanfte Sportarten wie Pilates oder Yoga sinnvoll. Wassergymnastik unter Anleitung eines Therapeuten eignet sich auch für Patienten mit fortgeschrittener Muskelschwäche. Um Muskelkraft aufzubauen und die Ausdauer der Muskelgruppen zu verbessern, können Sie Ergometer- und Krafttraining unter Anleitung ausführen. Bei chronisch inflammatorischer demyelinisierender Polyradikuloneuropathie sollte das Training dreimal wöchentlich erfolgen. Diese Form der Polyneuropathie ist autoimmunologisch bedingt und betrifft das periphere Nervensystem. Die Muskelschwäche entwickelt sich innerhalb von Wochen und Monaten und betrifft Arme und Beine.
Neben dem Training kann die Muskelschwäche mit einer Elektrotherapie behandelt werden. Dabei werden die Nerven mit elektrischen Impulsen stimuliert und die Schmerzen können gelindert werden. Wechselbäder oder kalte und warme Wickel verbessern die Durchblutung in den betroffenen Bereichen. Sie stimulieren Nerven und Muskeln und lindern die Schmerzen. Verschiedene Übungen zur Verbesserung der Gangsicherheit bei Polyneuropathie können Sie selbst ausführen. Auf einem Balance-Pad können Sie das Gleichgewicht trainieren.
Muskeldystrophie und Muskelatrophie
Die Krankheit Muskelschwund ist ein Sammelbegriff für alle Erkrankungen, die eine Abnahme der Muskelzellen bewirken und damit einhergehend Muskelschwäche zur Folge haben. Sie lassen sich in zwei Kategorien, nach ihrer Entstehung einteilen: Muskelatrophie und Muskeldystrophie.
Die Muskulatur besteht zu großen Teilen aus Proteinen und Wasser. Bei einer Muskeldystrophie brechen die Zellmembranen auf, da wichtige Proteine fehlen. Infolgedessen werden die Muskelzellen am ganzen Körper nach und nach zerstört. Der Muskel allein bewegt sich nicht, sondern er benötigt einen neuronalen Anstoß dafür. Fehlt dieser, weil eine Motoneuron-Erkrankung vorliegt, kann sich der Muskel nicht mehr bewegen und verkümmert. Dies geschieht bei den Erkrankungen, die eine Muskelathrophie auslösen.
Muskeldystrophie der Typen Duchenne und Becker-Kiener treten meist bereits in der Kindheit auf - sie sind erblich bedingt. Die Ursache dieser Krankheiten liegt darin, dass zu wenig Eiweiß in die Muskulatur gelangt, weshalb diese verkümmert. Die Vererbung erfolgt X-chromosomal rezessiv. Das bedeutet, dass der Gendefekt auf dem X-Chromosom vorhanden ist und von Frauen unbemerkt an ihre Kinder vererbt werden kann. Da Männer nur ein X-Chromosom haben, zeigt sich die seltene Krankheit, sobald ein Elternteil davon betroffen ist.
Der ganze Körper kann von der Krankheit Muskelschwund betroffen sein. Deshalb zeigen sich die möglichen Symptome sehr unterschiedlich. Hinzu kommt, dass die Anzeichen des Muskelschwunds häufig nicht bemerkt werden oder als allgemeine Müdigkeit oder Erschöpfung abgetan werden.
Bei Kindern sind die häufigsten Symptome in der körperlichen und geistigen Entwicklung ersichtlich. Eltern können beispielsweise untypische Bewegungsabläufe oder eine allgemein verlangsamte Entwicklung bemerken. Die ersten Muskelschwund-Symptome bei Erwachsenen zeigen sich in einem allgemeinen Schwächegefühl und in Gangunsicherheiten oder, falls Organe betroffen sind, in Funktionsstörungen der Organe. Dazu gehören Herz-Kreislauf-Probleme oder Atemschwierigkeiten. Muskelschwund an der Hand zeigt sich durch abnehmende Griffkraft und darin, dass Gegenstände häufiger aus der Hand fallen oder nicht mehr umgriffen werden können. Symptome des Muskelschwunds an den Beinen zeigen sich darin, dass das Gehen immer schwerer fällt oder Erkrankte nicht mehr selbstständig aufstehen können.
Je nach Ursache des Muskelschwunds entwickelt sich die Erkrankung schneller oder langsamer. Meist verschlimmern sich die Muskelschwund-Symptome in Schüben, sodass die Einschränkungen immer weiter zunehmen. Beispielsweise kann sich der Muskelschwund an den Oberschenkeln innerhalb weniger Schübe auf das gesamte Bein ausbreiten. Bei der ALS und bei anderen Verlaufsformen kann nach einigen Jahren der gesamte Körper von der Muskelschwäche betroffen sein.
Bislang gibt es keine Behandlung, die die Symptome des Muskelschwunds rückgängig macht und die Erkrankung heilen kann. Die Ausnahme bildet hierbei der Rückgang der Muskulatur durch Immobilität oder durch mangelnde Ernährung. In diesem Fall kann die Muskulatur durch gezieltes Training sowie intensive Physiotherapie wiederaufgebaut werden. Zwar kann noch nach Jahren nachgewiesen werden, dass eine Muskelschwäche zurückliegt, die Bewegungsfähigkeit kehrt jedoch zurück. Liegt der Muskelschwäche eine andere Ursache zugrunde, kann diese nicht geheilt werden. Der Verlauf der Erkrankung kann lediglich verlangsamt und die Einschränkungen kompensieret werden.
Die Behandlung der Muskeldystrophie umfasst überwiegend therapeutische Angebote wie die Physio- und Ergotherapie sowie spezielle Schlucktrainings, mit deren Hilfe die Bewegungsabläufe so lange wie möglich erhalten werden sollen. Je nach Diagnose des Muskelschwundes kann die Therapie unterschiedlich ausfallen. Beispielsweise kann bei der Amyotrophen Lateralsklerose Riluzol eingesetzt werden. Auch Steroide zeigen bei bestimmten (erblich bedingten) Muskelschwund-Krankheiten eine Verlangsamung.
Myopathie
Eine Myopathie ist eine Muskelerkrankung, die sowohl erblich bedingt als auch erworben sein kann. Je nachdem welche Form Betroffene haben, können neben den typischen Symptomen einer Myopathie wie Muskelschwäche, Muskelschmerz und Muskelschwund noch weitere Beschwerden hinzukommen und daran Erkrankte im alltäglichen Leben einschränken. Eine Myopathie ist eine fortschreitende Krankheit der Muskulatur mit unterschiedlichen Formen.
Es gibt vier Gruppen von Myopathien:
- Primäre Myopathie bzw. Primäre Myopathie bzw. Die primäre Muskelmyopathie umfasst die sogenannten Muskeldystrophien, die vererbbar sind und sich durch zunehmende Muskelschwäche und -degeneration auszeichnen. Die häufigsten sind die vom Typ Duchenne und Typ Becker-Kiener. Zudem gehören mitochondriale Myopathien zur Gruppe der primären Myopathien. Bei dieser Form bestehen Funktionsstörungen der Mitochondrien, die für die Energieversorgung von Muskelzellen zuständig sind. Bei Störungen erhalten die Muskelzellen nicht genügend Energie, sodass sie nicht vernünftig arbeiten können.
- Kongenitale Myopathien sind bereits angeboren oder treten in den ersten Lebensmonaten auf.
- Autoimmunerkrankungen können ursächlich für eine Myositis sein, da sie beispielsweise bei einer Entzündung des Muskelgewebes zu einer Degeneration der Muskulatur führt. Der Körper hält die Muskelfasern für Fremdkörper und bekämpft sie mit dem Immunsystem.
- Medikamente, Drogen oder Alkohol können zu sonstigen Myopathien führen.
In der Regel sind Muskelschwäche, Muskelschmerzen und Muskelschwund gemeinsame Symptome aller Myopathien. Als Muskelschwäche wird die schwindende Muskelkraft bezeichnet, die das häufigste Symptom der Myopathien darstellt. Davon kann jeder Körperbereich durch allmähliche Entwicklung oder plötzliches Auftreten betroffen sein. Zu Muskelschmerzen zählen nicht nur Schmerzen, sondern auch Krämpfe in der Muskulatur, was ebenfalls eines der häufigen Symptome von Myopathien ist. Bei einer Muskelatrophie bzw. einem Muskelschwund bilden sich Muskeln nach und nach zurück. Je nach Form der Myopathie kann es zu einer dauerhaften oder vorübergehenden Erkrankung kommen.
Zu den Hauptbeschwerden können noch weitere Symptome je nach myopathischer Form und Ursache hinzukommen:
- Bewegungseinschränkungen: Betroffene mit Bewegungseinschränkungen haben Schwierigkeiten beim Aufstehen oder Gehen sowie beispielsweise die Arme über den Kopf zu heben.
- Atemprobleme: Beeinträchtigt die Myopathie Muskeln, die für die Atmung notwendig sind, treten entsprechende Symptome auf.
- Herzprobleme: Ist die Herzmuskulatur betroffen, handelt es sich um eine Kardiomyopathie. Infolgedessen können Herzrhythmusstörungen auftreten.
- Schluckbeschwerden: Zu Schluckbeschwerden kann es kommen, wenn die Speiseröhre betroffen ist.
- Steifheit und Lähmungen: Insbesondere bei einer Ionenkanal-Myopathie können Muskelsteifheit und Lähmungserscheinungen auftreten - bedingt durch genetisch defekte muskuläre Kanäle von Natrium, Chlorid, Kalium und Calcium.
- Weitere Beschwerden: Müdigkeit, Erschöpfung, Kopfschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten können aufgrund von Atem- und Herzproblemen auftreten. Auch Störungen des Seh- und Hörvermögens sowie der Verdauung können auf eine erblich bedingte Muskeldystrophie zurückführbar sein.
Der Verlauf einer Myopathie ist bei jeder betroffenen Person unterschiedlich. Bei den meisten Patientinnen und Patienten schreitet die myopathische Erkrankung jedoch allmählich voran. Lebenserwartung und Verlauf einer Myopathie hängen von Form der Muskelerkrankung sowie der Schwere und den jeweiligen Patientinnen und Patienten selbst ab. Ärztinnen und Ärzte können im Einzelfall sagen, welche Heilungschancen Betroffene haben und wie die Lebensqualität verbessert werden kann. Dennoch entwickeln sich manche Myopathien und ihre Symptome sehr schnell, sodass nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Lebenserwartung durch die jeweilige Myopathie beschränkt sind. Beispielsweise schreitet die Duchenne Muskeldystrophie schnell voran und führt schließlich zu einer Atemlähmung, sodass Betroffene häufig noch vor ihrem 30.
Da Myopathien und ihre Symptome jedoch so vielfältig sind, können Neurologinnen und Neurologen anhand verschiedener Verfahren eine Diagnose stellen.
Bei der Diagnostik von Myopathien können Ärztinnen und Ärzte mit verschiedenen Verfahren arbeiten:
- Bildgebende Diagnostik: Ultraschall und Magnetresonanztomografie (MRT) macht eine Analyse der Gewebestruktur möglich.
- Laboruntersuchungen: Antikörper-, Enzym-, oder andere Blutwerte können Aufschluss über eine Myopathie geben. Auch auffällige Werte im Urin können zur Diagnostik hinzugezogen werden.
- Muskelbiopsie: Durch die Entnahme einer Gewebeprobe des Muskels kann eine gezielte Untersuchung der Gewebestruktur sowie der Stoffwechselvorgänge vorgenommen werden.
- Molekulargenetische Diagnostik: Kongenitale bzw. genetisch bedingte Myopathien können anhand von Untersuchungen der Gene nachgewiesen werden.
- Elektromyografie: Bei der Elektromyografie werden Muskelströme zwischen Nerv und Muskel gemessen und bewertet, ob dabei eine Signalübertragung stattfindet.
- Elektroneurografie: Bei diesem Verfahren wird überprüft, ob die Nerven richtig funktionieren, indem ihnen elektrische Reize zugeführt werden. So können neuromuskuläre Erkrankungen erkannt oder ausgeschlossen werden.
- Muskelbelastungstest: Mittels eines Unterarmbelastungstests oder eines Fahrradbelastungstests werden Laktat- und Ammoniakwerte gemessen, um eine metabolische Myopathie feststellen zu können.
Neben einer medikamentösen Therapie der Myopathie ist auch die therapeutische Behandlung durch Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie eine Möglichkeit. Diese können sowohl einzeln in Anspruch genommen werden als auch durch eine medikamentöse Therapie begleitet werden.
Die zur Gruppe der primären Myopathien gehörenden genetisch bedingten Muskelerkrankungen sind bisher nicht heilbar. Dennoch lassen sich die Symptome der vererbbaren Myopathien lindern. Bei erworbenen Myopathien ist die jeweilige Grunderkrankung von Bedeutung. Denn nach dieser richtet sich die Behandlung. Eine endokrine Myopathie lässt sich beispielsweise medikamentös therapieren.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung von neurologisch bedingter Muskelschwäche in den Beinen hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Einige der häufig eingesetzten Behandlungsmethoden sind:
- Medikamente: Je nach Ursache können Medikamente zur Behandlung der Grunderkrankung eingesetzt werden, z.B. Immunsuppressiva bei Myasthenia gravis oder Myositis.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskelkraft zu erhalten oder zu verbessern und die Beweglichkeit zu fördern.
- Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, den Alltag trotz Muskelschwäche besser zu bewältigen.
- Logopädie: Logopädie kann bei Sprech- und Schluckbeschwerden helfen.
- Hilfsmittel: In einigen Fällen können Hilfsmittel wie Gehhilfen oder Rollstühle die Mobilität erleichtern.
- Elektrotherapie: Dabei werden die Nerven mit elektrischen Impulsen stimuliert und die Schmerzen können gelindert werden.
tags: #neurologie #kraftigung #beine