Die Neurologische Klinik der Ludwig-Maximilian-Universität München (LMU) ist ein Zentrum für Forschung und Patientenversorgung im Bereich neurologischer Erkrankungen. Unter der Leitung von Prof. Dr. med. Günter Höglinger, dessen klinischer und wissenschaftlicher Schwerpunkt auf neurologischen Bewegungsstörungen liegt, werden vielfältige Forschungsansätze verfolgt, um Ursachen, Diagnostik und Therapie neurologischer Leiden zu verbessern. Die Klinik legt großen Wert auf die enge Verknüpfung von patientenbezogener Forschung mit der Grundlagenforschung, um neue diagnostische und therapeutische Konzepte zu entwickeln.
Forschungsschwerpunkte im Überblick
Die Forschung an der Neurologischen Klinik der LMU deckt ein breites Spektrum neurologischer Erkrankungen ab. Zu den Hauptforschungsbereichen gehören:
- Neurodegenerative Erkrankungen: Im Fokus stehen Erkrankungen wie die Parkinson-Krankheit, Lewy-Body-Demenz, Multisystematrophie, frontotemporale Demenz, progressive supranukleäre Lähmung und kortikobasale Degeneration. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Rolle von Alpha-Synuclein und Tau-Protein als infektiöse Proteinpartikel (Prionen).
- Schlaganfall und Demenz: Das Centrum für Schlaganfall- und Demenzforschung (CSD) ist ein wichtiger Bestandteil der Forschung an der LMU. Hier werden Ursachen und Risikofaktoren von neurodegenerativen und zerebrovaskulären Erkrankungen untersucht sowie neue Therapieansätze entwickelt.
- Multiple Sklerose: Die Forschung konzentriert sich auf die Infiltration von Immunzellen in Gehirn und Rückenmark und die daraus resultierenden Schädigungen von Neuronen und Gliazellen.
- Hirntumore: Die Arbeitsgruppe Neuroonkologie beschäftigt sich mit der Entstehung, Diagnostik und Therapie primärer und sekundärer Hirntumore sowie mit T-Zell aktivierenden Immuntherapien.
- Kopfschmerzerkrankungen: Am Oberbayerischen Kopfschmerzzentrum werden verschiedene Kopfschmerzerkrankungen wie Migräne, Clusterkopfschmerz, Trigeminusneuralgie und neu aufgetretener täglicher Kopfschmerz untersucht.
Aktuelle Forschungsprojekte im Detail
Die Neurologische Klinik der LMU bietet Studierenden die Möglichkeit, an vielfältigen Forschungsprojekten teilzunehmen. Im Folgenden werden einige ausgewählte Projekte näher vorgestellt:
Zellbiologie und Physiologie von Kalzium-bindenden Proteinen
Dieses Projekt zielt darauf ab, die Zellbiologie und Physiologie von Kalzium-bindenden Proteinen besser zu verstehen. Kalzium ist ein wichtiges Signalmolekül, und Kalzium-bindende Proteine helfen, die intrazellulären Kalziumspiegel zu regulieren. Die Forschung konzentriert sich auf EF-Hand-Proteine und untersucht deren intrazelluläre Lokalisation, Interaktion mit anderen Proteinen, physiologische Bedeutung, zytoprotektive Wirkung, potenziellen Nutzen als Biomarker und mögliche therapeutische Anwendungen.
Regeneration nach Rückenmarksverletzungen
Dieses Projekt untersucht die Mechanismen der Regeneration nach traumatischen, ischämischen und entzündlichen Läsionen des Rückenmarks. Ziel ist es, die Faktoren zu identifizieren, die eine Erholung der Funktion nach unvollständigen Läsionen ermöglichen.
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Lymphozyten-Interaktionen in vivo
Dieses Projekt konzentriert sich auf die Interaktionen von Lymphozyten in vivo, insbesondere auf die Rolle von dendritischen Zellen (DCs) bei der Induktion von Immunität und Toleranz.
Nervenzellunterstützende Funktionen von Müllerzellen in der Netzhaut
Dieses Projekt widmet sich dem besseren Verständnis der komplexen nervenzellunterstützenden Funktionen von Müllerzellen in der Netzhaut. Der Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung der Interaktion zwischen Müllerzellen, Mikroglia und retinalen Neuronen in gesunden und erkrankten Netzhäuten. Es werden gentherapeutische Methoden und modernste mikroskopische Techniken eingesetzt.
Rolle von CD4+ T-Helferzellen bei Multipler Sklerose
Dieses Projekt untersucht die Rolle von autoantigenspezifischen CD4+ T-Helferzellen bei der Auslösung der ZNS-Entzündung bei Multipler Sklerose.
RNA-bindende Proteine und synaptische Plastizität
Dieses Projekt untersucht, wie RNA-bindende Proteine (RBPs) die Lokalisation von mRNAs in Dendriten von Neuronen beeinflussen und wie dies zur synaptischen Plastizität und damit zu Lernen und Gedächtnis beiträgt.
Entwicklung und Spezialisierung von dendritischen Zellen
Dieses Projekt erforscht die Entwicklung, Plastizität und funktionelle Spezialisierung von dendritischen Zellsubpopulationen in der antiviralen Immunabwehr und Impfantwort.
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Syk-vermittelte Signalwege in Neutrophilen
Dieses Projekt konzentriert sich auf die Syk-vermittelten Signalwege, die für die Aktivierung von Neutrophilen bei Entzündungen erforderlich sind.
Mechanismen der Neurogenese im entwickelnden und adulten Gehirn
Dieses Projekt zielt darauf ab, die Schlüsselmechanismen der Neurogenese im entwickelnden und adulten Gehirn aufzuklären, um diese Mechanismen nach Hirnverletzungen reaktivieren zu können.
Strategien zur Reparatur und Regeneration des Gehirns durch Modulation von Gliazellen
Dieses Projekt konzentriert sich auf die Entwicklung neuer Strategien zur Reparatur und Regeneration des Gehirns durch Modulation der Funktion von Gliazellen.
Molekulare Grundlagen der Hirnalterung und der Alzheimer-Krankheit
Dieses Projekt erforscht die molekularen Grundlagen der Hirnalterung und der Alzheimer-Krankheit, wobei der Fokus auf vaskulären Amyloiden und der angeborenen Immunität liegt.
Kontrolle der zellulären Heterogenität
Dieses Projekt zielt darauf ab, die Mechanismen aufzuklären, die die zelluläre Heterogenität in einer Population über verschiedene Skalen hinweg steuern.
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Einfluss der Tumormikroumgebung auf das Tumorwachstum und die Metastasierung
Dieses Projekt untersucht die Auswirkungen der Tumormikroumgebung, einschließlich Entzündungszellen und Blutplättchen, auf das primäre Tumorwachstum und die molekularen Mechanismen der Tumorinvasion und Metastasierung.
Mechanotransduktion in Blutplättchen
Dieses Projekt untersucht die Mechanismen der Mechanotransduktion in Blutplättchen, insbesondere die Rolle von Scherkräften und Kalziumkanälen.
Pharmakologische Ziele in pathophysiologischen Mechanismen
Dieses Projekt konzentriert sich auf die Identifizierung pharmakologischer Ziele in pathophysiologischen Mechanismen.
Funktion von Lysosomen und TRPML-Kationenkanälen
Dieses Projekt untersucht die Rolle von Lysosomen und TRPML-Kationenkanälen bei der Regulierung der intrazellulären Kationenkonzentration und der Kommunikation zwischen Vesikeln im endolysosomalen System.
Funktion von TRP-Kanälen bei der Homöostase von zweiwertigen Kationen
Dieses Projekt untersucht die Rolle der TRP-Kanäle bei der Regulierung des zytoplasmatischen Gehalts an zweiwertigen Kationen und deren Verteilung auf intrazelluläre Organellen.
Schlaganfallrisiko bei Vorhofflimmern
Wissenschaftler des LMU Klinikums München haben eine Risikobewertung getestet, um Patienten zu identifizieren, die ein besonders hohes Risiko für Vorhofflimmern und damit für einen weiteren Schlaganfall tragen. Der Risiko-Score wird per EKG ermittelt.
Neurotoxizität von Benzodiazepinen
Forscher der LMU konnten im Tiermodell nachweisen, dass die langfristige Einnahme von Benzodiazepinen zum Verlust von Nervenverbindungen im Gehirn führt, wobei Immunzellen des Gehirns, sogenannte Mikroglia, eine zentrale Rolle spielen.
Kopfschmerzstudien
Am Oberbayerischen Kopfschmerzzentrum werden verschiedene Kopfschmerzstudien durchgeführt, darunter Studien zum Höhenkopfschmerz, Visual Snow Syndrom, Trigeminusneuralgie und neu aufgetretenem täglichem Kopfschmerz.
Das Centrum für Schlaganfall- und Demenzforschung (CSD)
Das in München neu eröffnete Centrum für Schlaganfall- und Demenzforschung (CSD) ist ein beispielhaftes Modell für die Zusammenarbeit unterschiedlicher Forschungsorganisationen, mit dem Ziel, Ursachen und Risikofaktoren von neurodegenerativen und zerebrovaskulären Erkrankungen besser zu verstehen und neue Therapieansätze zu entwickeln. Für Patienten wurde im CSD eine Ambulanz mit Tagesklinik eingerichtet. Dort ist neben einer umfassenden Diagnostik und Medizinischen Versorgung durch Ärzte und andere Spezialisten auch ein direkter Austausch mit klinischen Forschern möglich.
Prof. Dr. med. Günter Höglinger
Prof. Dr. med. Günter Höglinger ist Neurologe und Direktor der Neurologischen Klinik der Ludwig-Maximilian-Universität München. Klinischer und wissenschaftlicher Schwerpunkt von Prof. Höglinger sind neurologische Bewegungsstörungen. Insbesondere leitet Prof. Höglinger verschiedene nationale und internationale Verbünde zur Erforschung von Ursachen und neuen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten bei Parkinson Syndromen. Prof. Höglinger hat in seiner Funktion als erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) die Gründung der Parkinson Stiftung vollzogen. Der Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit liegt in der engen Verknüpfung von patientenbezogener Forschung mit der Grundlagenforschung mit dem Ziel, neue diagnostische und therapeutische Konzepte zu entwickeln.
Bedeutung für Studierende
Die Neurologische Klinik der LMU bietet Studierenden wertvolle Möglichkeiten, praktische Erfahrungen in der Forschung zu sammeln. Die Studierenden werden gebeten, sich gründlich über alle verfügbaren Projekte zu informieren, um eine fundierte Wahl für den Matching-Prozess zu treffen. Die Betreuung junger Studierender ohne Laborerfahrung bedeutet für die Arbeitsgruppen einen erheblichen Aufwand, daher können viele AGs nur wenige Plätze anbieten.
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