Computertomographie in der Neurologie: Vorteile, Nachteile und Anwendungen

Die Computertomographie (CT) ist ein bildgebendes Verfahren, das in der neurologischen Praxis eine wichtige Rolle spielt. Sie wird oft als das "Arbeitspferd der Radiologie" bezeichnet und ermöglicht die detaillierte Darstellung von Körperstrukturen, insbesondere des Gehirns, des Skeletts und bestimmter innerer Organe. Dieser Artikel beleuchtet die Vorteile und Nachteile der CT, ihre Anwendungsbereiche in der Neurologie sowie alternative Verfahren.

Einführung in die Computertomographie

Die Computertomographie ist eine spezielle Röntgenuntersuchung, bei der Schichtaufnahmen des Körpers erstellt werden. Eine rotierende Röntgenröhre sendet Röntgenstrahlen aus, die den Körper durchdringen und von Detektoren aufgefangen werden. Der Computer berechnet aus diesen Daten dreidimensionale Bilder. Die CT erlaubt auch eine selektive Darstellung unterschiedlicher Gewebe durch sogenannte "Fensterung".

Funktionsweise der Computertomographie

Bei der modernen Spiral-CT dreht sich eine Röntgenröhre kontinuierlich um den liegenden Patienten. Die Röntgenstrahlen werden von den verschiedenen Organen je nach Dichte unterschiedlich stark abgeschwächt. Gewebe hoher Dichte (wie Knochen) erscheint auf den Aufnahmen hell, Gewebe niedriger Dichte (wie Lungengewebe) dunkel. Aus den einzelnen Schnittbildern berechnet der Computer dreidimensionale Bilder.

Vorteile der Computertomographie in der Neurologie

  • Schnelle und präzise Diagnostik: Die CT ist schnell durchführbar und liefert präzise Bilder, was besonders in Notfallsituationen von Vorteil ist.
  • Detaillierte Darstellung von Knochenstrukturen: Die CT bietet eine bessere Darstellung von Knochenstrukturen als die Magnetresonanztomographie (MRT), was für die Untersuchung von Schädel, Wirbelsäule und Gelenken wichtig ist.
  • Breites Einsatzspektrum: Die CT kann bei einer Vielzahl von neurologischen Fragestellungen eingesetzt werden, z.B. bei der Suche nach Blutungen, Verletzungen oder Tumoren.
  • Gute Darstellung von Gefäßen: Mit Kontrastmittelgabe lassen sich die großen Gefäße (Aorta) sehr gut darstellen.
  • Geeignet für Traumapatienten: Als schnelle und umfangreiche Untersuchung ist die CT besonders für die Traumamedizin geeignet.
  • Weniger anfällig für Bewegungsartefakte: Geringe Bewegungen während der Untersuchung haben weniger Einfluss auf die Bildqualität als bei der MRT.
  • Hohe Verfügbarkeit: Die CT ist in fast jeder Klinik verfügbar, was sie zu einer Standardmethode in der Diagnostik macht.
  • Komfort für Patienten mit Klaustrophobie: Patient:innen, die unter Beklemmungsgefühlen leiden, fühlen sich beim CT weitaus wohler als bei der MRT. Die Untersuchung verläuft deutlich schneller und der CT-Scanner gleicht eher einem Ring als einer Röhre.

Nachteile der Computertomographie in der Neurologie

  • Strahlenbelastung: Die CT arbeitet mit Röntgenstrahlen, die in hohen Dosen schädlich sein können. Die Strahlenbelastung ist höher als bei herkömmlichen Röntgenaufnahmen.
  • Eingeschränkte Darstellung von Weichteilen: Im Vergleich zur MRT bietet die CT eine schlechtere Darstellung von Weichteilen wie Gehirn und Rückenmark.
  • Kontrastmittelrisiken: Bei der Verwendung von Kontrastmitteln können allergische Reaktionen oder Nebenwirkungen auftreten, insbesondere bei Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen oder Nierenfunktionsstörungen.
  • Nicht geeignet für Schwangere: Aufgrund der Strahlenbelastung sollte bei Schwangeren keine CT durchgeführt werden.

Anwendungsbereiche der Computertomographie in der Neurologie

  • Schädel-Hirn-Diagnostik: Die CT wird häufig bei Fragestellungen der Schädel-Hirn-Diagnostik eingesetzt, z.B. bei Verdacht auf Hirnblutungen, Tumoren oder Gefäßfehlbildungen.
  • Diagnostik von Knochenverletzungen: Die CT ist das Mittel der Wahl zur Untersuchung von Knochenbrüchen oder anderen Erkrankungen des Skelettsystems.
  • CT-Angiographie: Die CT-Angiographie dient zum Nachweis von Gefäßveränderungen, z.B. Aneurysmen oder Gefäßverschlüsse.
  • Tumorstaging: Die CT ist eine etablierte Methode, um bei tumorösen Erkrankungen eine Einstufung der Bösartigkeit des Tumors durchzuführen.
  • Interventionelle Radiologie: Die CT wird im Rahmen von interventionellen radiologischen Eingriffen eingesetzt, z.B. bei Biopsien oder Drainagen.
  • Virtuelle Bronchoskopie und Koloskopie: Die CT ermöglicht die virtuelle Darstellung der Atemwege und des Dickdarms zur Früherkennung von Tumoren.
  • Planung von Strahlentherapie: Die CT dient zur Vorbereitung einer Strahlentherapie, um den Tumor im umliegenden Gewebe zu lokalisieren.
  • Notfalldiagnostik: Insbesondere in der Notfalldiagnostik, etwa beim Schlaganfall, wird die CT aufgrund der schnellen Untersuchungszeit eingesetzt.
  • Verlaufskontrolle: Die Dyna-CT- oder Flachdetektor-CT-Untersuchung dient zur Verlaufskontrolle intrakranieller metallischer Implantate.

Alternativen zur Computertomographie

  • Magnetresonanztomographie (MRT): Die MRT ist ein strahlenfreies Verfahren, das eine bessere Darstellung von Weichteilen ermöglicht. Sie dauert jedoch länger und ist nicht in allen Krankenhäusern verfügbar.
  • Röntgen: Das konventionelle Röntgen ist eine einfache und schnelle Methode, die jedoch eine geringere Detailgenauigkeit aufweist als die CT.
  • Ultraschall: Der Ultraschall ist ein strahlenfreies Verfahren, das vor allem zur Untersuchung von Weichteilen und Organen geeignet ist.

Vorbereitung auf eine Computertomographie

  • Aufklärungsgespräch: Vor der CT findet ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt statt, in dem die Untersuchung erklärt und Fragen beantwortet werden.
  • Kontrastmittel: Wenn ein Kontrastmittel-CT geplant ist, wird der Arzt nach Vorerkrankungen und Allergien fragen.
  • Nüchternheit: In manchen Fällen muss der Patient vor der CT nüchtern sein.
  • Laborwerte: Für Untersuchungen, die eine Kontrastmittelgabe erfordern, werden Laborwerte wie TSH (Schilddrüse) und Kreatinin (Niere) benötigt.
  • Medikamente: Der Arzt muss über die Einnahme von Medikamenten informiert werden, da bestimmte Präparate in Wechselwirkung mit dem Kontrastmittel treten können.
  • Schmuck und Metallgegenstände: Schmuck und sonstige Metallgegenstände müssen vor der Untersuchung abgelegt werden.

Ablauf einer Computertomographie

  • Lagerung: Der Patient liegt auf einem Untersuchungstisch, der in die CT-Röhre geschoben wird.
  • Aufnahme: Während der Untersuchung bewegt sich der Tisch langsam durch den Computertomographen, sodass Schnittbilder der gewünschten Körperregion angefertigt werden können.
  • Anweisungen: Je nach Untersuchungsregion muss der Patient für kurze Zeit die Luft anhalten.
  • Dauer: Die Untersuchung dauert oft nur wenige Minuten, manchmal auch bis zu einer halben Stunde.

Nachbereitung einer Computertomographie

  • Trinken: Nach einer CT mit Kontrastmittel sollte der Patient ausreichend trinken, um die Ausscheidung des Kontrastmittels zu fördern.
  • Befundbesprechung: Die Bilder der CT-Untersuchung werden von einem Radiologen ausgewertet und an den überweisenden Arzt übermittelt. Der Patient kann den Befund mit seinem Arzt besprechen.

Spezielle CT-Techniken

  • Mehrzeilen-Spiral-CT: Diese Technik eignet sich zur Früherkennung von Lungentumoren oder Verkalkungen in den Herzkranzgefäßen.
  • CT-Angiographie (CTA): Die CTA dient zum Nachweis von Gefäßveränderungen.
  • Virtuelle Koloskopie: Hierbei werden ohne direkten Eingriff in den Körper Aufnahmen der inneren Darmwand erzeugt.
  • Virtuelle Bronchoskopie: Diese Untersuchung liefert genaue Befunde zur Früherkennung von Bronchialtumoren.
  • Dyna-CT (Flachdetektor-CT): Diese Untersuchung dient zur Verlaufskontrolle intrakranieller metallischer Implantate.
  • Dual-Source-Computertomograph (DSCT): Der DSCT arbeitet mit zwei Strahlungsröhren und Detektorsystemen und kann besonders schnell Aufnahmen erzeugen.

Computertomographie bei Kindern

Bei Kindern ist die Durchführung einer CT abzuwägen. Die physikalischen Parameter der Untersuchung müssen besonders auf das Alter und das Gewicht eingestellt werden. Eine CT ist bei Kindern daher keine Untersuchung der ersten Wahl.

Computertomographie und Schwangerschaft

Bei schwangeren Frauen darf keine Computertomographie durchgeführt werden, es sei denn, es liegt ein Notfall vor. Ist eine bildgebende Untersuchung bei einer Schwangeren notwendig, führen Ärzte in erster Linie einen Ultraschall oder ein MRT durch.

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