Rudolf Virchow und die moderne Neurologie: Ein Blick auf Fortschritte und Spezialisierungen

Die Neurologie hat in den letzten zwei Jahrzehnten einen bemerkenswerten Wandel von einem primär diagnostischen zu einem zunehmend therapeutischen Fach erlebt. Dieser Fortschritt ermöglicht heute eine vielfältige Behandlung von Erkrankungen wie Schlaganfall, Multiple Sklerose, Parkinson-Krankheit, Epilepsien sowie Nerven- und Muskelerkrankungen. Im Geiste Rudolf Virchows, dessen zelluläres Denken die Medizin nachhaltig prägte, werden moderne diagnostische und therapeutische Standards auf dem gesamten Gebiet der Neurologie angewendet.

Neurologische Versorgung auf höchstem Niveau

An den Standorten CCM, CVK und CBF der Charité werden jährlich fast 11.000 Patientinnen und Patienten in zahlreichen Spezialsprechstunden sowie im Rahmen konsiliarischer Untersuchungen behandelt. Etwa 3.400 Patienten werden stationär aufgenommen, davon über 500 intensivmedizinisch betreut. Ein Großteil der stationären Aufnahmen betrifft Notfälle, die in der neurologisch-neurochirurgischen Notaufnahme erstversorgt werden. Die Klinik verfügt über 86 Planbetten, darunter acht auf der Stroke Unit und zehn auf der klinikeigenen Intensivstation.

Die neurologischen Hochschulambulanzen an den drei Standorten bieten Spezialsprechstunden zu verschiedenen neurologischen Erkrankungen an. Diese Ambulanzen sind ein wichtiger Anlaufpunkt für Patienten mit komplexen neurologischen Problemen und bieten eine umfassende Versorgung auf höchstem Niveau.

Funktionelle Bewegungsstörungen: Eine interdisziplinäre Herausforderung

Funktionelle Bewegungsstörungen stellen eine häufige Erkrankung an der Schnittstelle von Neurologie und Psychosomatik dar. Die Diagnostik umfasst eine umfassende Klärung, gefolgt von einer integrierten neuro-psychosomatischen Beurteilung. Darauf aufbauend erfolgt eine individuelle Therapieplanung und gegebenenfalls eine Verlaufsbeurteilung. Das Team der Neurologie (PD Dr. med. Dorothee Kübler-Weller, Dr. med. Melanie Astalosch) und das Team der Psychosomatik (Dr. med. Matthias Hoheisel, Dr. med.) stehen zudem zur Beratung des Behandler-Netzwerks zur Verfügung.

Gedächtnissprechstunde: Diagnostik und Therapie kognitiver Störungen

Die Diagnostik und Versorgung von Patienten mit Demenz und kognitiven Störungen bildet einen Schwerpunkt der neurologischen Praxis. In der Gedächtnissprechstunde stehen alle notwendigen neurologischen Untersuchungen zur Verfügung, um eine ambulante Abklärung von Gedächtnisstörungen (leichtes oder mildes kognitives Defizit) oder Demenz (z.B. Alzheimer-Demenz, Lewy-Body-Demenz, Frontotemporale Demenz (FTD)) zu ermöglichen.

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Neben einer medizinisch-neurologischen Abklärung wird eine ausführliche neuropsychologische Demenz-Diagnostik durchgeführt. Auch eine Lumbalpunktion zur Bestimmung von Demenzbiomarkern und weiteren Parametern im Liquor kann ambulant und zeitnah erfolgen. Für erblich bedingte Alzheimer- oder FTD-Demenzerkrankungen wird eine spezielle genetische Beratung sowie eine molekulargenetische Abklärung angeboten.

Die Klinik arbeitet in der FTD- und Alzheimer-Forschung mit nationalen (z. B. dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen) und internationalen Partnern zusammen und führt eigene klinische Forschungsprojekte zur besseren Versorgung, Therapie und Charakterisierung von Demenz-Patienten durch.

Patienten mit nicht deutscher Muttersprache können ebenfalls die Gedächtnissprechstunde in Anspruch nehmen.

In der Gedächtnisambulanz der Klinik für Neurologie am CBF (Leitung: PD Dr. med. Dr. med. Dr. med.) findet die Diagnostik und Behandlung von Patientinnen und Patienten mit kognitiven Störungen und Demenzen statt. Zur ersten Vorstellung sollte sich der Betroffene möglichst gemeinsam mit einem nahen Angehörigen vorstellen und vorhandene radiologische Untersuchungen des Kopfes (CT/MRT), eine Liste der regelmäßig eingenommenen Medikamente sowie weitere Vorbefunde und Blutuntersuchungen mitbringen.

Neuroimmunologie: Fortschritte in der Behandlung entzündlicher Erkrankungen des Nervensystems

In den letzten Jahren hat sich die Behandlung "neuroimmunologischer" Erkrankungen immer weiter differenziert. Um diesem Standard gerecht zu werden, stehen alle relevanten Untersuchungstechniken zur Verfügung (Liquor- und allgemeine Labordiagnostik, elektrophysiologische Verfahren etc.). Die Durchführung eingeleiteter Behandlungsmaßnahmen, wie z.B. Hochdosis-Kortisontherapien, Tysabri- und Mitoxantron-Infusionen, kann innerhalb der Ambulanz oder stationär erfolgen. Dies bezieht sich auch auf die Behandlung komplexer Probleme im Krankheitsverlauf, z.B. durch spasmolytische Injektionen von Botulinumtoxin (AG Bewegungsstörungen). Eine Terminvereinbarung ist werktags von 08:00 bis 12:00 Uhr möglich.

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Post-COVID- und Post-EBV-Sprechstunde: Neurologische Beschwerden nach Virusinfektionen

Auch nach anderen viralen Infektionserkrankungen, wie Influenza oder Ebstein-Barr-Virus (EBV) können residuelle Beschwerden auftreten. Vor allem neurologische Beschwerden sind häufig und gehen besonders mit einer Einschränkung der Lebensqualität einher.

Schlaganfall-Sprechstunde: Akutversorgung und Nachsorge

Die Schwerpunkte der Schlaganfall-Sprechstunde (Leitung: Herr Prof. Dr.) liegen auf der Behandlung von Schlaganfällen (Infarkte und Blutungen im Gehirn) und Erkrankungen der Halsschlagadern (Verengungen der hirnversorgenden Arterien z.B.).

Parkinson-Spezialsprechstunde: Verbesserung der Behandlung von Bewegungsstörungen

Die Schwerpunkte dieser Sprechstunde (Leitung: Prof. Dr. med.) liegen auf der Verbesserung der Behandlung von Parkinson-Patienten mit abwechselnd gehemmter und überschießender Beweglichkeit (sogenanntes On-Off-Phänomen). Dabei dokumentieren die Betroffenen ihren Zustand an 30 aufeinanderfolgenden Tagen im häuslichen Umfeld mit standardisierten Videoaufnahmen. Dieses Bildmaterial wird dann von Spezialisten der neurologischen Klinik zusammen mit dem zuweisenden Neurologen ausgewertet, um die Probleme des Patienten in seinem Alltag zu erfassen und mit gezielten Behandlungsschritten Abhilfe zu schaffen.

Für den Sprechstundentermin sind ein Überweisungsschein für die Neurologie (aktuelles Quartal), die Versichertenkarte, ein Medikamentenplan und - falls vorhanden - Unterlagen zur medizinischen Vorgeschichte (Arztbriefe) sowie radiologische Originalaufnahmen auf CD (insbesondere Untersuchungen von Gehirn, Wirbelsäule oder Muskel) mitzubringen.

Aufnahmesprechstunde: Koordination stationärer Aufenthalte

In der Aufnahmesprechstunde (Leitung: Prof. Dr. med.) werden Patientinnen und Patienten mit allen neurologischen Krankheitsbildern vor und nach ihrem stationären Aufenthalt in der Klinik betreut. Bei der ambulanten Vorstellung vor dem stationären Aufenthalt wird die Patientin / der Patient genau untersucht und die Notwendigkeit des stationären Aufenthaltes festgelegt. Es werden mit der Patientin / dem Patienten die geplanten Untersuchungen oder Behandlungen besprochen. Anschließend wird von der Patientenkoordinatorin ein Aufnahmetermin vereinbart. Nach einem stationären Aufenthalt dient die Sprechstunde der weiteren Betreuung oder der vollständigen Auswertung der durchgeführten Diagnostik.

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Ärztliche Kollegen, die eine Patientin / einen Patienten elektiv einweisen möchten, werden gebeten, sich direkt an einen der ärztlichen Mitarbeiter der Aufnahmesprechstunde zu wenden. Für Notfälle gilt dieses Vorgehen nicht; diese Patienten wenden sich bitte direkt an die Rettungsstelle. Außerdem gibt es telefonische Sprechzeiten jeweils freitags von 14:00 - 16:00 Uhr.

Spezialsprechstunde für Bewegungsstörungen: Parkinson, Dystonie, Tremor

Die Spezialsprechstunde für Bewegungsstörungen (Leitung: Prof. Dr. med.) in der Luisenstraße 64 (Charité Bettenhochhaus Mitte), 4. OG, konzentriert sich auf:

  • Idiopathisches Parkinson-Syndrom (M. Parkinson)
  • Dystonien (z.B. zervikale Dystonie, Schreibkrampf, generalisierte Dystonie)
  • Tremor-Erkrankungen (z. B. Essentieller Tremor, Parkinson-Tremor)
  • Seltene Bewegungsstörungen (z.B.

Das gesamte diagnostische und therapeutische Spektrum steht hierzu zur Verfügung. Ausgedehnte Erfahrung besteht insbesondere in der Indikationsstellung und Anwendung folgender therapeutischer Maßnahmen:

  • Medikamentöse Behandlung von M. Parkinson in allen Stadien der Erkrankung inklusive Apomorphin-und Duodopa-Pumpen-Behandlung.
  • Als Charité-Studienzentrum werden eine Reihe von Therapie-Studien bei Bewegungsstörungen durchgeführt.

Botulinumtoxin-Therapie: Behandlung verschiedener Indikationen

In dieser Sprechstunde (Leitung: Prof. Dr. med.) werden Patienten mit allen Indikationen zur Botulinumtoxin-Therapie behandelt (z.B.

Darüber hinaus wird in Kooperation mit Prof. Dr. für spezielle Fragestellungen insb.

Chorea-Sprechstunde: Diagnostik und Therapie unwillkürlicher Bewegungen

Die Chorea (griechisch für “Tanz“) ist eine Bewegungsstörung, die sich bei den Betroffenen mit schnellen, unwillkürlichen und irregulären Bewegungen zeigt. Die Ursachen der Chorea sind vielfältig (immunologisch, infektiös, Medikamenten-induziert und neurogenetisch). Die korrekte Zuordnung der ursächlichen Störung ist die wichtigste Voraussetzung für eine adäquate Therapie. Im Speziellen werden Patienten mit familiären neurodegenerativen choreatischen Erkrankungen, wie der Chorea-Huntington, behandelt. Patienten mit dieser Bewegungsstörung haben häufig mehrere motorische Schwierigkeiten, insbesondere bei der Koordination und Umsetzung von Bewegungsabläufen. Das gesamte diagnostische und therapeutische Spektrum steht hier zur Verfügung.

Tiefe Hirnstimulation (THS): Beratung bei Bewegungsstörungen

Patienten mit Bewegungsstörungen (insb. Parkinson, Dystonie und Tremor) erhalten Beratung hinsichtlich der Indikation zur Tiefen Hirnstimulation (THS, DBS, "Hirnschrittmacher").

Epilepsie-Ambulanz: Diagnostik und Therapie epileptischer Anfälle

Die Epilepsie-Ambulanz (Leitung der Charité-Epilepsieambulanzen: Prof. Dr. med. Dr. med. Dr. med.) in der Luisenstraße 64, Charité Bettenhaus Mitte (Hochhaus), 4. OG, bietet:

  • Zeitnahe, umfassende diagnostische Abklärung von ersten epileptischen Anfällen
  • Differentialdiagnostik zur Unterscheidung epileptischer Anfälle und nicht-epileptischer Ereignisse
  • Optimierung der antiepileptischen Medikation im Fall von unerwünschten Nebenwirkungen oder fehlender Anfallsfreiheit; gegebenenfalls Beratung zu Epilepsiechirurgie
  • Beratung zu Fahreignung, Empfängnisverhütung, Schwangerschaft und Stillzeit, sportlichen Aktivitäten, Reisen und Impfungen, Gebrauch von Genussmitteln und sonstigen Lebensbereichen
  • Beratung und Behandlung von dissoziativen Anfällen (Spezialsprechstunde von Frau Dr.

Für das erste Gespräch in der Ambulanz sollte möglichst eine Person mitgebracht werden, die den Anfall bzw. die Anfälle gesehen hat und beschreiben kann. Für das erste Gespräch sind 45 Minuten eingeplant.

Kopfschmerzzentrum: Behandlung von Kopf- und Gesichtsschmerzen

Das Kopfschmerzzentrum der Klinik für Neurologie am Campus Mitte (Leitung: Dr. med. Bianca Raffaelli und Prof. Dr. med.) behandelt und betreut Patient:innen mit Kopf- und Gesichtsschmerzen.

Multiple Sklerose-Sprechstunde: Betreuung von Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen des Nervensystems

In dieser Sprechstunde (Leitung: PD Dr. med. Dr. med. Dr. med.) werden Patientinnen und Patienten mit Multipler Sklerose und anderen chronisch-entzündlichen Erkrankungen des zentralen Nervensystems (z. B.

Spezialambulanz für Muskelerkrankungen: Diagnostik und Therapie von Myositiden

In der Spezialambulanz für Muskelerkrankungen werden schwerpunktmäßig Patientinnen und Patienten mit entzündlichen Erkrankungen der Muskulatur (Myositis) betreut. Es handelt sich dabei um eine vielfältige Gruppe autoimmun-entzündlicher Erkrankungen der Muskulatur. Im Rahmen einer Myositis kann es zu Beschwerden in verschiedensten Organsystemen (u. a. Muskeln, Gelenke, Haut) kommen. Myositiden zeichnen sich dadurch aus, dass die Erkrankungen selten vorkommen und dass sie in der Regel eine interdisziplinäre Diagnostik und Behandlung erfordern. Die Betreuung der Patientinnen und Patienten erfolgt deshalb in interdisziplinärer Zusammenarbeit, u. a. mit der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie (einschl.

Die typischen Beschwerden der Patientinnen und Patienten mit Myositis sind Muskelschwäche, Muskelschwund oder Muskelschmerzen. Im Labor fällt oft eine Erhöhung der muskelspezifischen Kreatinkinase auf. Häufig lassen sich auch Antikörper gegen Muskelstrukturen nachweisen. Als Patientin oder Patient kann nach Überweisung durch einen neurologischen Facharzt ein Sprechstundentermin in der Ambulanz vereinbart werden. Eine fachärztliche Überweisung ist zur Terminvergabe unbedingt erforderlich.

Neuroonkologische Sprechstunde: Betreuung von Patienten mit neurologischen Komplikationen bei Tumorerkrankungen

Die Schwerpunkte der Sprechstunde (Leitung: PD Dr. med. Wolfgang Böhmerle (Oberarzt) & PD Dr. med. Ärztlicher Mitarbeiter: Dr. med. Samuel Knauß (Assistenzarzt) & Dr. med.) liegen in enger Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen der Hämatologie / Onkologie, Gynäkologie sowie Neurochirurgie auf der Diagnose und Behandlung von:

  • Unerwünschten Nebenwirkungen der Tumortherapie (Chemotherapie, Immuntherapie, Bestrahlung)
  • Nervenschädigungen und neuropathischen Schmerzen
  • Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen bei Tumorerkrankung oder Tumortherapie
  • Befall des Nervensystems im Rahmen der Tumorerkrankung, z.B.

In enger Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen der Neurochirurgie, Radioonkologie, Neuropathologie, pädiatrischen Neuroonkologie, Hämatologie/Onkologie sowie Charité Comprehensive Cancer Center werden Patientinnen und Patienten mit unter anderem folgenden Krankheitsbildern behandelt und begleitet:

  • Tumorerkrankungen des Gehirns und Rückenmarks sowie Tumoren des peripheren Nervensystems
  • Erbliche Tumorprädispositionssyndrome, u.a.

Schlafmedizinische Sprechstunde: Diagnostik und Therapie von Schlafstörungen

In der Schlafmedizinischen Sprechstunde (Leitung: Dr. med. Ilon Liu und PD Dr. med.) werden Patienten aller Altersstufen ab dem 12. Lebensjahr behandelt. Im Besonderen ist die Sprechstunde auf folgende Fragestellungen spezialisiert:

  • Verhaltensauffälligkeiten im Schlaf wie z. B. Schlafwandeln und/oder sonstige Bewegungen im Schlaf
  • Abgrenzung von Parasomnien, schlafbezogenen epileptischen Anfällen und sonstigen Bewegungsstörungen im Schlaf
  • Narkolepsie mit und ohne Kataplexie und sonstige Störungen, die mit einer erhöhten Tagesmüdigkeit und/oder oder Einschlafattacken einhergehen
  • Syndrom der unruhigen Beine (Restless legs-Syndrom)
  • Störungen in der Abfolge des Schlaf-Wach-Rhythmus (Phasenverschiebungen des Schlaf-Wach-Rhythmus)
  • Abgrenzung zwischen primären Schlafstörungen von primär psychiatrischen Erkrankungen, die mit einer Schlafstörung einhergehen
  • Schlafstörungen des Jugendalters
  • alle sonstigen ungewöhnlichen Schlafstörungen

Ferner können sich Patienten vorstellen, bei denen im Zusammenhang mit einer bereits diagnostizierten Erkrankung des Nervensystems (z…

Rudolf Virchow und die Charité der Zukunft

Anlässlich des 200. Geburtstages von Rudolf Virchow wurde die Ausstellung „Der Zellenstaat. Rudolf Virchow und die Charité der Zukunft“ eröffnet. Die Pop-up-Schau der Charité widmet sich seinem Lebenswerk und verknüpft es mit Ideen und Konzepten für die Medizin von morgen.

Der Ausstellungsraum im Berliner Medizinhistorischen Museum ist in zellenartigen Blöcken gestaltet - ganz im Stil Virchows. Sein Zellenmodell festigte als Pathologe das naturwissenschaftliche Denken in der Medizin. „Jede Zelle - auch beim Menschen - stammt aus einer Zelle. Und: Die Zelle ist die kleinste vollständige Einheit des organischen Lebens“, sagte Virchow einst. Sie wurde zu seinem Lebensthema. Für ihn bildeten Zellen im Körper einen Zellstaat. Wenn die Zellen im Verbund agieren, könne der Körper sich gegen Krankheiten wehren und so gesund bleiben, so seine These. Heutzutage ist seine Zellenforschung immer noch aktuell.

„Für die Charité ist Rudolf Virchow eine zentrale Identifikationsfigur. Mit seinem präzisen Denken und engagierten Handeln bietet Virchow auch für die heutige Medizin eine wichtige Orientierung“, betont der Dekan der Charité Prof. Dr. med. Axel Radlach Pries bei der Eröffnungsveranstaltung.

Der erste Teil der Ausstellung befasst sich mit dem Leben des Mediziners, Wissenschaftlers und Politikers. Virchow war schon früh der Stadt Berlin und der Charité verbunden. Nach seinem Studium an der Pépinière, der königlichen Ausbildungsstätte für Militärärzte, erhielt Virchow seine praktische Ausbildung an der Charité als Pathologe. Das Berliner Klinikum wurde für ihn zur Basisstation, von der aus er seine weit über die Grenzen der Medizin hinausgreifenden Interessen entwickelte und Ziele verfolgte. 46 Jahre lang war er an der Charité Direktor des Instituts für Pathologie.

Schon als junger Arzt erkannte er, dass es die Lebensverhältnisse sind, die Menschen krankmachen können. Er setzte sich daher als demokratischer Gesundheitspolitiker für bessere Lebensbedingungen aller Menschen ein. „Bildung, Wohlstand und Freiheit sind die einzigen Garanten für die dauerhafte Gesundheit eines Volkes“, schrieb er 1852. Zu seinen Verdiensten in Berlin gehören unter anderem eine effektive Kanalisation, saubere Schlachthöfe sowie mehrere städtische Krankenhäuser und moderne Schulen. „Virchow hat damit den Grundstein für die medizinische Metropole gelegt“, erzählt Prof. Dr. med. Thomas Schnalke, Direktor des Berliners Medizinhistorischen Museums der Charité. Zudem interessierte er sich für Anthropologie und Ethnologie sowie Kultur-, Ur- und Frühgeschichte. Als interessierter Sammler initiierte er darüber hinaus bedeutende Berliner Museumsgründungen, wie beispielsweise das Museum für Völkerkunde sowie das Pathologische Museum - das heutige Berliner Medizinhistorische Museum der Charité.

„Die Ansätze und Ideen, die Virchow formulierte sind immer noch up to date“, so Dekan Pries. Die Charité griff daher für ihre „Strategie 2030 - Gesundheit neu denken“ einige Ansatzpunkte und Visionen des Arztes auf. Dem widmet sich der zweite Teil der Ausstellung. Die zweihundert Jahre alte Frage „was hält den Menschen gesund?“ bleibt damit zentral. Um den Berlinerinnen und Berlinern in Zukunft ein gesundes langes Leben zu ermöglichen, erforscht und entwickelt die Charité Ansätze, die Umweltursachen miteinbeziehen und setzt dabei auf individualisierte Behandlungsmethoden, die auf den Patienten sowie die Patientin einzeln zugeschnitten sind. Städtebauliche Planungen sowie fortschreitende Digitalisierung stehen dabei im Mittelpunkt der Strategie. „Der Strategiewechsel in der Charité ist auf viel Begeisterung gestoßen. Bei einem Betrieb mit 18 000 Mitarbeitenden ist das nicht selbstverständlich“, erzählt die Projektleiterin des Strategieprozesses und Mitkuratorin Dr. rer. medic. Sinje Gehr.

Neurologische Versorgung in der Region

Die neurologische Praxis in Borna, in baulicher Anbindung an das Sana Klinikum, bietet eine umfassende ambulante neurologische Versorgung. Die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems zählen zu den Aufgaben des Teams um den Neurologen Dr. Alexander Niklas. Insbesondere ist die Praxis auf die Behandlung der Multiplen Sklerose (MS) spezialisiert. Durch die enge Kooperation mit den Ärztinnen und Ärzten der Sana Kliniken Leipziger Land ist eine schnelle, sektorenübergreifende Betreuung gewährleistet.

Neue Doppelspitze in der Neurologie des Asklepios Fachklinikums Brandenburg

Seit dem 1. November stehen Dr. med. Andrea von Helden und Dr. med. Wolf Schmidt kollegial an der Spitze der Neurologie des Asklepios Fachklinikums in Brandenburg an der Havel. Mit der neuen Doppelspitze kann die Klinik gleich zwei wichtige medizinische Fachbereiche mit großer Expertise abdecken: Dr. med. Andrea von Helden ist Chefärztin der Neurologischen Frührehabilitation (Phase B) und Dr. med. Wolf Schmidt ist Chefarzt der Akut-Neurologie.

Dr. von Helden war in ihrer vorherigen Position lange Jahre Chefärztin des Zentrums für Schwerst-Schädel-Hirnverletzte am Vivantes Klinikum Spandau, Dr. Schmidt war zuletzt Oberarzt am Charité Campus Virchow Klinikum.

„Wir sind hier sehr gut aufgenommen worden“, berichtet Dr. von Helden. „Die Klinik hat ein tolles Therapeuten- und Pflegeteam in der Neurologischen Frührehabilitation und mein Ziel ist es, dass wir unsere Zusammenarbeit untereinander, aber auch mit Selbsthilfegruppen und Angehörigen weiter stärken, um unsere Patientinnen und Patienten nach Schlaganfällen, Schädel-Hirn-Trauma und anderen schweren Hirnschädigungen bestmöglich fördern zu können. Mich fasziniert immer wieder, welche Fortschritte wir auch bei schwersten Fällen in der Neurologischen Frührehabilitation erreichen können.“

„Ich bin hier als Mensch und als Arzt angekommen”, ergänzt Dr. Schmidt. „Das Asklepios Fachklinikum Brandenburg ist für die Akut-Neurologie technisch sehr gut ausgestattet. Die Intensivstation, die Neuroradiologie und natürlich die Fachärzte sind erste Klasse. Mein Ziel ist es, dass wir hier am Standort eine exzellente Fort- und Weiterbildung unter anderem für junge Kolleginnen und Kollegen in der Facharztausbildung aufbauen.“

Dr. med. Andrea von Helden bringt bereits einen guten Ruf als Expertin für Neurologische Frührehabilitation und beste Kontakte zu der neurologischen/neurochirurgischen Intensivmedizin in den Berliner Krankenhäusern mit. Sie arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin fünf Jahre auf der Intensivstation und operativ in der Klinik für Neurochirurgie im Universitätsklinikum Rudolf Virchow und promovierte im Bereich der neurochirurgischen Intensivmedizin. Während ihrer Facharztausbildung in der Neurologie an der damaligen Nervenklinik in Spandau bekam sie die Gelegenheit, eine der ersten Abteilungen für Neurologische Frührehabilitation in Deutschland mit aufzubauen. Seit 2000 ist sie als Chefärztin der Neurologischen Frührehabilitation der Phase B tätig.

Dr. med. Wolf Schmidt machte sein Abitur im brandenburgischen Strausberg und fühlt sich bis heute der Region eng verbunden. Er studierte Medizin an der Berliner Charité, schloss sein Studium 2008 erfolgreich ab und erhielt seine Approbation als Arzt. In den beiden Folgejahren war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Centrum für Schlaganfallforschung der Charité und promovierte dort 2010. Parallel machte er berufsbegleitend seinen Abschluss als Master of Science (M.Sc.) im Masterprogramm der Charité. 2017 konnte Dr. Schmidt dann seine Ausbildung zum Facharzt für Neurologie mit Erfolg abschließen und trat eine Stelle als verantwortlicher Facharzt der Neurologie in den Notaufnahmen des Charité Campus Virchow Klinikums an. Seit 2018 war er an dieser Klinik in seiner bisher letzten Position als Oberarzt tätig.

Zentrale Aufnahme Neurologie: Koordination und Notfallversorgung

In der Zentralen Aufnahme Neurologie werden alle Notfälle und prästationären Patienten der Klinik professionell koordiniert. Ob Vorstellung durch den einweisenden Arzt, Selbstvorstellung oder auch bei Vorstellung durch den Notarzt oder durch die Rettungssanitäter - alle Patienten werden hier in einem Computersystem registriert, erste Untersuchungen und Behandlungen gestartet und alles weiter Notwendige veranlasst.

Forschung in der Neurologie

Die Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie an der Charité - Universitätsmedizin Berlin ist an den Standorten Berlin-Mitte, Berlin-Steglitz und Berlin-Wedding vertreten. Jährlich werden hier auf insgesamt 170 Betten über 8.000 neurologische Fälle stationär behandelt. Außerdem ist die Klinik für Neurologie sehr aktiv auf dem Feld der Erforschung des Nervensystems. Die Forscherinnen und Forscher der Neurologie untersuchen neurologische Erkrankungen auch in Verbundprojekten, z.B.

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