Die Neurologie ist ein medizinisches Fachgebiet, das sich mit der Diagnose und Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems befasst. Bei Tieren ist dies nicht anders. Die Tierneurologie ist ein komplexes und vielschichtiges Gebiet, das ein interdisziplinäres Arbeiten erfordert. Das Nervensystem erstreckt sich bei unseren Haustieren wie beim Menschen über den gesamten Körper. Es umfasst das Gehirn, das Rückenmark und die Nerven.
Das Nervensystem des Tieres
Man unterscheidet das Zentralnervensystem (ZNS) vom peripheren Nervensystem (PNS). Ersteres besteht aus dem Gehirn und dem Rückenmark. Zum peripheren Nervensystem gehören die Nervenwurzeln, die peripheren Nerven, die sogenannten neuromuskulären Endplatten (hier wird der Reiz vom Nerv auf den Muskel übertragen) und schlussendlich die Muskeln.
Das Nervensystem unserer Haustiere ist ein komplexes Geflecht aus verschiedenen Nervenbahnen und deren Verbindungen. Bei Störungen durch Verletzungen, Tumore oder andere Prozesse, können neurologische Symptome auftreten.
Wann ist eine neurologische Untersuchung sinnvoll?
Eine neurologische Untersuchung bei Tieren ist sinnvoll, um herauszufinden, ob es sich bei bestimmten Beschwerden um eine Störung des Nervensystems handelt und welche Bereiche betroffen sind. Ob ein neurologisches Problem vorliegt, welchen Schweregrad dieses hat, und welcher Bereich des Nervensystems betroffen ist können wir über eine Neurologische Untersuchung ihres Haustieres herausfinden.
Oft sind es sehr unspezifische und wenig offensichtliche Symptome. Doch auch eine Vielzahl sehr massiver Anzeichen kann auf eine neurologische Erkrankung hinweisen: so z. B. Krampfanfälle, Lähmungen, unerklärliche Schwächen oder Verlust des Seh- oder Hörvermögens.
Lesen Sie auch: Neurologie vs. Psychiatrie
Symptome neurologischer Erkrankungen
Die Neurologie umfasst eine große Bandbreite an klinischen Symptomen, die auf eine Erkrankung des Nervensystems hindeuten können. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Gangbildveränderungen, Lahmheiten und Lähmungserscheinungen
- Krampfanfälle
- Gleichgewichtsstörungen
- Wesensveränderungen
- Schwäche
- Blindheit
- Muskelschwund
- Kopfnervenausfälle
- Veränderte Verhaltensweisen
Ursachen neurologischer Erkrankungen
Die Ursache für neurologische Probleme liegt entweder im zentralen Nervensystem (Gehirn, Rückenmark) oder im peripheren Nervensystem (Nervenwurzeln, periphere Nerven, neuromuskuläre Endplatte) oder auch der Muskulatur. Es gibt sehr viele verschiedene neurologische Erkrankungen. Am häufigsten kommen bei Hund und Katze Epilepsie und epileptiforme Anfälle vor.
Neurologische Erkrankungen können genetisch bedingt sein (z. B. die Epilepsie des jungen Hundes oder der Katze), durch ein Trauma oder eine Infektion ausgelöst oder die Folge degenerativer Prozesse im Alter sein. Viele Erkrankungen sind sehr speziell und selten, da sie nur bei bestimmten Hunde- oder Katzenrassen vorkommen. Für immer mehr dieser Erkrankungen stehen genetische Untersuchungen zur Verfügung.
Einige spezifische Ursachen für neurologische Erkrankungen bei Tieren sind:
- Tumore des Gehirngewebes oder der Gehirnhäute
- Infektiöse Entzündungen
- Vergiftungen
- Bandscheibenvorfälle
- Epilepsie
- Vestibularsyndrom
Die neurologische Untersuchung
Eine neurologische Untersuchung bei Tieren ist normalerweise harmlos. Die Tierärztin bzw. der Tierarzt dringt bei der Untersuchung nicht in den Körper des Tieres ein (nicht-invasives Verfahren). Zunächst stellt die Tierärztin bzw. der Tierarzt dem Tierhalter einige Fragen (Vorgeschichte, Anamnese). Informationen über die Entwicklung der Erkrankung, das Alter, die Rasse und den Impfstatus geben viele Hinweise, was dem Tier fehlen könnte. Sehr hilfreich ist es bei Erkrankungen, deren Symptome nur periodisch, zeitweise auftreten, mit dem Smartphone oder der Videokamera zu Hause in der gewohnten Umgebung aufzunehmen. Für eine gute Beurteilung des Gangbildes von Hunden empfehlen wir Videoaufnahmen von vorne, der Seite und von hinten, idealerweise im Schritt und Trab, während der Hund von einer anderen Person geführt wird. Bei Katzen darf das Video gerne „so gut es geht“ angefertigt werden. Auch Anfallsgeschehen sollten, sofern möglich, gefilmt werden und sowohl Dauer, Stärke und Häufigkeit, als auch die Art des Anfalls notiert werden (Ganzer Körper? Ist das Tier ansprechbar/bei Bewusstsein? Nur Zuckungen im Gesicht? Speicheln? Urin- und/oder Kotabsatz?)
Lesen Sie auch: Expertise in Neurologie: Universitätsklinik Heidelberg
Der Tierarzt führt vor der eigentlichen neurologischen Untersuchung eine klinische Allgemeinuntersuchung durch. Andere Grunderkrankungen können neurologische Probleme, wie epileptische Anfälle, zur Folge haben.
Die neurologische Untersuchung umfasst unter anderem eine Ganganalyse, die Untersuchung der Kopfnerven und die Untersuchung verschiedener Reflexe. Bei der neurologischen Untersuchung beurteilt der Tierarzt zunächst das Bewusstsein und Verhalten des Tieres. Er beobachtet die Reaktion des Tieres auf seine Umwelt. Nimmt das Tier keinen Anteil an der Umwelt und ist sein Bewusstsein eingeschränkt, ist dies ein Hinweis auf eine neurologische Störung. Bei der Überprüfung der Haltung achtet der Tierarzt darauf, ob das Tier alle vier Beine normal belastet. Er schaut, ob sich das Tier normal und koordiniert bewegt.
Bei einer neurologischen Untersuchung beurteilen Tierärztinnen und Tierärzte außerdem die Kopfnerven (auch Hirnnerven) des Tieres. Die zwölf Kopfnerven ermöglichen dem Tier beispielsweise, den Kopf zu bewegen, die Augen zu schließen, zu schlucken und Berührungen zu spüren. Durch unterschiedliche Tests prüft der Tierarzt alle Kopfnerven. Durch den Test der Haltungs- und Stellreaktionen prüft der Tierarzt, ob das Tier sich selbst im Raum richtig wahrnimmt und mit entsprechenden Bewegungen reagiert. Beispielsweise lässt er das Tier auf einem Bein hüpfen oder dreht er die Pfote auf die Vorderfläche und wartet, ob das Tier diese Fehlstellung korrigiert. Des Weiteren testet er die Reflexe an den Hinter- und Vorderbeinen.
Tierärztinnen und Tierärzte stellen durch die neurologische Untersuchung fest, welche Strukturen beim Tier gut funktionieren und welche eingeschränkt sind. Dadurch lässt sich näher eingrenzen, welche Bereiche von der Erkrankung betroffen sind und welche weiteren Diagnose-Methoden (z.B.
Diagnose neurologischer Erkrankungen
An erster Stelle steht die neurologische Untersuchung, welche zusammen mit dem Vorbericht die Frage beantworten soll, ob ein neurologisches Problem vorliegt, und falls dies der Fall ist, welche Teile des Nervensystems betroffen sind. Diese umfasst unter anderem eine Ganganalyse, die Untersuchung der Kopfnerven und die Untersuchung verschiedener Reflexe. Je nach Ergebnis dieser Untersuchung beraten wir Sie hinsichtlich Ursache und möglicher Therapien.
Lesen Sie auch: Aktuelle Informationen zur Neurologie in Salzgitter
Wenn die sogenannte neuroanatomische Lokalisation einmal gefunden ist, kann eine Liste der möglichen und wahrscheinlichen Ursachen aufgestellt werden. Diese werden dann mittels weiterer Abklärungen wie Laboruntersuchungen (z. B. Blut-, Urin-, Hirnflüssigkeitsuntersuchung, zytologische oder histologische Untersuchung) oder bildgebender Diagnostik (Ultraschall, Röntgen, Computertomographie oder Kernspintomographie) ein- oder ausgeschlossen.
Durch die vielen Überschneidungen mit anderen Fachgebieten (z. B. Innere Medizin, Orthopädie, Augenheilkunde), gehören Blutuntersuchungen und Röntgenbilder sowie eine Ultraschalluntersuchung häufig zu den ersten diagnostischen Schritten. Welche der aufgeführten Diagnostik für Ihr Tier sinnvoll ist, wird nach der Untersuchung ausführlich mit Ihnen besprochen.
Nach der Analyse der Reaktionen können wir dann weitere gezielte Diagnosemaßnahmen starten. Von großer Bedeutung ist hier die innovative Magnetresonanztomographie (MRT), die uns detaillierte Informationen in dreidimensionaler Darstellung bietet, die andere Verfahren oftmals nicht liefern können - und dies ohne Belastung durch Röntgenstrahlen. Je nach Krankheitsbild können zudem Blutuntersuchungen, CT UND RÖNTGEN sowie die Entnahme von Rückenmarksflüssigkeit zum diagnostischen Einsatz kommen.
Für andere sind spezielle Diagnosemaßnahmen wie z. B. ein MRT nötig. Im Rahmen der Orthopädie kann es zu neurologischen Einschränkungen kommen, die wir insbesondere beim alten Hund finden.
Therapie neurologischer Erkrankungen
Wenn die Diagnose gestellt ist, wird ein individueller Therapieplan aufgestellt. Bei neurologischen Problemen steht oft eine längerfristige Therapie an. Während der Erkrankung wird der Patient in regelmäßigen Abständen zur Verlaufskontrolle und ggf.
Je nach zugrundeliegender Ursache können Prognose und Verlauf der Krankheiten ganz unterschiedlich sein. Ihr Tierarzt wird Ihnen ein individuelles therapeutisches Vorgehen zum Wohle Ihres Tieres vorschlagen. Genau wie in der Humanmedizin gibt es auch in der Tiermedizin immer mehr spezielle Fachgebiete. Nach der Diagnostik und Diagnosestellung folgt die Therapie.
Im Fall von gelähmten Patienten bieten wir im Rahmen unserer Physiotherapie eine Tages-Reha mit gezielten physiotherapeutischen Maßnahmen. Wenn zur Therapie der neurologischen Erkrankung ein OPERATIVER EINGRIFF notwendig ist, so profitieren unsere Patienten von der langjährigen neurologischen und chirurgischen Erfahrung Dr. Lautersacks.
Epilepsiebehandlung
Als sehr häufige neurologische Erkrankung ist Epilepsie in unserer tierärztlichen Klinik ein Schwerpunkt. Aufgrund der sehr komplexen Therapie ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Haustierarzt von großer Wichtigkeit. Hierfür bieten wir eine spezielle Epilepsiesprechstunde an. Gerade auf dem Gebiet der Epilepsie gibt es eine Vielzahl von altbewährten, aber auch von neu entwickelten Medikamenten aus der Humanmedizin, um zum einen die Anfallsfrequenz zu reduzieren und zum anderen die Lebensqualität Ihres Tieres aufrecht zu erhalten.
Physiotherapie
Die Physiotherapie unterstützt den Heilungsprozess und hilft dem Tier, schneller wieder „auf die Füße“ zu kommen. Die Beweglichkeit der Gelenke wird erhalten, Muskulatur gelockert und gestärkt, Schmerzen gelindert.
Vestibularsyndrom
Was ist ein Vestibularsyndrom? Bei einem Vestibularsyndrom handelt es sich um eine Erkrankung des Gleichgewichtsapparates. Zu den Symptomen gehören Umfallen/Drall zu einer Seite, Kopfschiefhaltung, Augenbewegungen (Nystagmus), Erbrechen. Diese können in unterschiedlicher Ausprägung auftreten. Sie sollten ihr Tier mit diesen Symptomen umgehend einem Tierarzt vorstellen. Je nach Alter, Art und Rasse können unterschiedliche Ursachen zugrundeliegen. Bei älteren Patienten tritt diese Erkrankung häufig ohne erkennbare Ursache auf, eine spezifische Therapie gibt es in diesem Fall nicht. Infusionen sind häufig als unterstützende Maßnahme sinnvoll und hilfreich, oft verschwinden die Symptome von alleine wieder, können jedoch auch einige Tage anhalten oder wiederkehren.
Orthopädie und Neurologie
Orthopädie und Neurologie spielen in der täglichen Praxis eine große Rolle. Sie umfasst die Erkrankungen des Bewegungsapparates bei allen Tierarten. Das kann natürlich nur traumatisch bedingt sein. Junge Hunde sind voller Tatendrang und schießen gern mal übers Ziel hinaus. Unfälle bleiben da nicht aus. Meist bekommt man als Hundehalter den Anlass mit. Oft stellt sich bei der gründlichen Analyse des Gangbildes und der anschließenden Untersuchung der Muskeln und Gelenke heraus, dass eine Prellung oder Zerrung vorliegt. Bleibt die Lahmheit bestehen oder kehrt sie nach Ende der Medikation wieder, muss man an andere Ursachen denken.
Im Rahmen der Orthopädie kann es zu neurologischen Einschränkungen kommen, die wir insbesondere beim alten Hund finden. Meist fällt eine langsam abnehmende Muskulatur in der Hinterhand und ein schlurfendes Gangbild auf. Schreitet das Krankheitsbild fort, kommt es zu einer Ataxie der Hinterhand, d. h. die Bewegung der Hinterbeine läuft nicht mehr synchron mit denen der Vordergliedmaßen. Die Ursachen können in einer Kompression der ableitenden Nervenbahnen liegen oder durch eine degenerative Neuropathie verursacht sein. Eine Gangbildanalyse und der neurologische Untersuchungsgang liefern uns Hinweise auf den Grad der Schädigung. Die degenerativen Prozesse sind nicht heilbar, aber durch muskelaufbauende bzw. -erhaltende Präparate und die Gabe von Vitamin B12 zu verlangsamen.
tags: #neurologie #tiere #definition