PJ-Ranking in der Neurologie: Erfahrungen und Perspektiven am Beispiel des Klinikums rechts der Isar und anderer Einrichtungen

Das Praktische Jahr (PJ) ist ein entscheidender Abschnitt im Medizinstudium, der Studierenden die Möglichkeit bietet, klinische Erfahrungen zu sammeln und sich auf ihre zukünftige ärztliche Tätigkeit vorzubereiten. Insbesondere das Tertial in der Neurologie kann für viele Studierende von großem Interesse sein, da es ein breites Spektrum an Krankheitsbildern und diagnostischen Verfahren umfasst. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen von PJ-Studierenden in der Neurologie, insbesondere am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM), und vergleicht diese mit anderen Einrichtungen, um ein umfassendes Bild der Ausbildungssituation zu vermitteln.

Neurologie am Klinikum rechts der Isar: Ein Erfahrungsbericht

Die Zeit als PJ-Student in der Neurologie am Klinikum rechts der Isar wird durchweg positiv bewertet. Die Assistenzärzte werden als kompetent, wertschätzend und hilfsbereit beschrieben. Ein besonderes Highlight ist die wöchentliche PJ-Visite, bei der die PJler die Patienten unter Anleitung fortgeschrittener Assistenzärzte oder Oberärzte vorstellen dürfen. Diese Sitzungen sind extrem lehrreich und bieten die Gelegenheit, das Wissen zu vertiefen und klinische Fähigkeiten in einem geschützten Rahmen weiterzuentwickeln. Die Betreuung durch Frau Prof. Schmidt-Graf wird besonders hervorgehoben, da sie sehr rücksichtsvoll und an den Bedürfnissen der PJler orientiert ist.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Möglichkeit, fast die gesamte Zeit über einen Patienten eigenständig zu betreuen. Je nach Anzahl der anwesenden PJler können mehrmals die Woche bis fast täglich Lumbalpunktionen durchgeführt werden, was eine wertvolle praktische Erfahrung darstellt. Es wird empfohlen, sich während des Tertials ein paar Tage in den verschiedenen Ambulanzen umzusehen, um das breite Spektrum neurologischer Krankheitsbilder kennenzulernen. Besonders spannend ist die Rotation auf der Stroke Unit, wo man von Anfang an voll involviert ist - von der Erstaufnahme der Patienten bis hin zu Entscheidungen über Lyse oder Intervention.

Die Notaufnahme wird zwar als etwas chaotisch beschrieben, da sie interdisziplinär ist und man als PJler auch viele internistische Patienten betreuen muss, aber auch hier können wertvolle Erfahrungen gesammelt werden. Allerdings werden PJler von den meisten internistischen Oberärzten in der ZNA oft ignoriert, was jedoch durch die sehr engagierten internistischen Oberärztinnen und den netten Neuro-ZNA-Oberarzt ausgeglichen wird, die gelegentlich Patientenfälle mit den PJlern besprechen. Die Assistenzärzte in der ZNA sind trotz des Chaos sehr nett.

Zusätzlich erhalten PJler Essensmarken für die Mensa, die zwar okay ist, aber nichts Besonderes bietet. Kleidung wird zwar gestellt, aber für Studierende, die nicht an der TUM immatrikuliert sind, ist es leider sehr umständlich, diese zu organisieren. Insgesamt wird das Tertial als eine äußerst vielseitige und lehrreiche Zeit beschrieben, die uneingeschränkt empfohlen werden kann. Man sieht viel MS, Schlaganfall, Kopfschmerzen, IFP, Myasthenie, Schwindel, PNP aber auch mal GBS, Parkinson, ALS., Enzephalitis und Kleinhirnsyndrome.

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Erfahrungen auf den Normalstationen und der Intensivstation

Die Erfahrungen auf den Normalstationen sind unterschiedlich. Während der Aufenthalt auf der größten Station (L1c) als unstrukturiert und wenig lehrreich empfunden wird, da man hauptsächlich mit Blutabnehmen, EKGs schreiben und Befunden nachtelefonieren beschäftigt ist, wird die Zeit auf einer anderen Station (L1b) als wesentlich besser bewertet. Hier gibt es weniger Patienten, kürzere Visiten, erfahrene und engagierte Assistenzärzte und die Möglichkeit, selbst Patienten zu betreuen. Dennoch hält sich das selbstständige Arbeiten in Grenzen. Die Arbeitszeiten auf den Normalstationen sind relativ lang und es werden eher Überstunden gemacht. Von den Oberärzten bekommt man auf Normalstation eher kaum Aufmerksamkeit und leider auch so gut wie gar kein Teaching.

Neben der Normalstation gibt es noch eine Rotation in die Notaufnahme, die gut gefällt. Neu ist eine zweiwöchige Rotation auf die Intensivstation. Dort untersucht man täglich alle Patient:Innen einmal und kann ganz gut Untersuchung bei nicht wachen Patienten üben. Außerdem darf man ZVKs und Arterien legen, bei schwierigen Gesprächen mit Angehörigen zuhören und dabei viel mitnehmen, Leichenschau sehen usw. Besonders eindrücklich ist der Kontrast zur neurologischen Normalstation in Bezug auf Aufmerksamkeit und Wertschätzung durch die Oberärzt:Innen. Auf der ITS wird man wesentlich mehr beachtet, hat viel auf Initative der Oberärzt:Innen gezeigt und erklärt bekommen und die gesamte Arbeitsatmosphäre ist sehr gut.

Organisation und Betreuung

Einmal pro Woche findet die PJ-Visite statt, wo gemeinsam Patient:Innen mit erfahreneren Assistent:Innen oder Oberärzt:Innen durchgesprochen werden, oder bestimmte Diagnostik genauer erklärt wird. Ein Pluspunkt ist in jedem Fall noch die gute Organisation und Betreuung durch die PJ-Koordinatorin Frau Schmidt-Graf, die sich wirklich sehr für die Belangen der Studierenden einsetzt und gemeinsam nach Lösungen von Problemen sucht. Das ist in dem Maße bestimmt nicht selbstverständlich und hat meine Anerkennung!

Nach einem Jahr PJ blickt man immer noch gerne auf die Zeit am MRI zurück, es war mit Abstand das interessanteste und lehrreichste Tertial für mich. Morgens beginnt man mit den wichtigsten Blutabnahmen, dann geht es zur Morgenbesprechung bei der auch die Bildgebung der Patienten demonstriert wird. Wenn man einen eigenen Patienten hat, darf man ihn dort vorstellen. Anschließend geht es weiter mit Blutentnahmen und Viggos, dafür wird man übrigens angestellt und wird somit eine Stunde pro Tag bezahlt, wodurch sich ein monatlicher Lohn von rund 200 Euro ergibt. Eindeutig besser als Nichts und auch für das Gefühl der Wertschätzung nicht schlecht :) Wenn der Oberarzt zur Visite kommt werden die Neuaufnahmen visitiert, die anderen Patienten als Kurvenvisite besprochen. Dabei kann man durchaus etwas Lernen, wirklich miteinbezogen oder etwas gefragt wird man eher selten. Dadurch braucht man zwar keine Angst davor haben eine Antwort nicht zu wissen, aber er verringert natürlich auch den Lerneffekt. Einmal pro Woche ist theoretisch Chefvisite, die fällt allerdings öfter Mal aus. Jeder PJler wird dazu motiviert mindestens einmal pro Tertial dem Chef einen Patienten vorzustellen, was wir auch alle getan haben. Dem Oberarzt stellt man des Öfteren Patienten vor, je nach Eigenengagement und Zeit der Stationsärzte hat man mal einen eigenen Patienten, mal nicht. Es lohnt sich auf jeden Fall nachzufragen und zu drängen, dass man einen Fall übernehmen darf, um einfach mal komplett alles von Aufnahme bis Entlassung selbstständig durchzuexerzieren. Generell sind alle Assistenten unglaublich bemüht einem etwas beizubringen, erklären gerne zwischendurch was oder legen ein schnelles Teaching ein. Ein super nettes und junges Team, bei dem man sich als PJler integriert fühlt und nicht nur als unbedeutende Randfigur daneben steht. Am Vormittag erledigt man dann oft noch einige anstehende Untersuchungen, nimmt Patienten auf oder ist zumindest dabei und macht Lumbalpunktionen. Ich hatte Glück und durfte beinah von Anfang an selbstständig und täglich punktieren und nach den 4 Monaten fühle ich mich jetzt sehr sicher dabei. Zum Mittagessen kommt man fast immer, meist mit den anderen PJlern, die Stationsärzte schaffen es höchstens einmal pro Woche in die Mensa. Am Nachmittag kommt der Oberarzt nochmals zur Visite vorbei und danach kann man meist gehen (17.00 Uhr). Es bietet sich die Gelegenheit die Funktionsabteilungen und Ambulanzen anzuschauen, sowie in die Notaufnahme zu rotieren, was ich auf jeden Fall empfehlen kann! 4 Wochen ist man außerdem auf der Stroke Unit eingeteilt. Dort arbeitet man weniger selbstständig, darf dafür aber mal ein wenig Akutneurologie kennen lernen. Grundsätzlich is das Spektrum das man zu sehen bekommt recht groß :) Jede Woche gibt es ein Teaching der Neuroradiologen, sowie eine PJ-Visite. Die PJ-Beauftragte Oberärztin ist sehr bemüht, dass diese immer statt findet. Generell fühlt man sich durch die PJ-Beauftragte wirklich betreut und nicht wie in anderen Häusern oder Abteilungen irgendwie im Stich gelassen. Zu Anfang und zum Ende des Tertials findet ein Gespräch mit ihr statt und man kann jederzeit bei ihr vorbeischauen. Zudem wurde uns allen ermöglicht kostenfrei zum Jahreskongress der DGN in Stuttgart zu fahren und an einem mehrtägigen Facharztrepetitorium teilzunehmen. Das war wirklich Gold wert! Abschließend ist zu sagen, dass es durchaus ein forderndes Tertial war, bei dem man viel lernt und die Neurologie kennenlernt, ein erstes Gespür für neurologische Untersuchung und Diagnostik erhält und jeden Tag zum Abschied ein "Danke für deine Arbeit und Hilfe heute" hört. Für jeden an der Neurologie interessierten PJler ist dieses Tertial durchweg zu empfehlen!

Tagesablauf und Aufgaben

Der Tag beginnt mit den wichtigsten Blutabnahmen, gefolgt von der neurologischen/neuroradiologischen Bilderdemo und Morgenbesprechung. Hier werden alle Bilder von den Neuaufnahmen und ingesamt so ziemlich alle Fragestellungen aller neurologischen Stationen im Krankenhaus gezeigt. Dies führt dazu, dass die Oberärzte die Mehrheit der Patienten zumindest schon über ihren radiologischen Befund her kennt und due Ärzte können ihre Expertise austauschen und Behandlungsstrategien entwerfen. Danach geht es weiter auf Station mit der Oberarztvisite, Mittwochs ist anstatt der Oberarztvisite Chefarztvisite. Anschließend werden etwaige restlichen Blutabnahmen erledigt, MOKA-Tests gemacht und EKGs geschrieben. Den Rest des Morgens kann man sich vertreiben mit Liquorpunktionen (wenn dann welche anstehen, machen auf jeden Fall meist die PJler unter Aufsicht) und leider auch danach Botengängen ins Liquorlabor. Die Pflegekräfte waren wie gewohnt recht kühl und unsympatischzu einem, aber das kennt man ja nicht anders aus deutschen Krankenhäusern. Dann kommt der Oberarzt für die Neuaufnahmen noch mal vorbei, die man dann vorstellen muss und die man dann noch einmal schnell bespricht, danach geht man ihnen nochmal mit dem Oberarzt Hallo sagen (Mini-Visite). Und danach, kann man dann auch gehen.

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Etwas anders sieht der Tagesablauf aus auf der Stroke-Unit, wo man ´leider´ auch pro Tertial ca. Der Tagesablauf besteht dort aus vielen Blutabnahmen, vielen EKGs und 4-stündlichen NIHSS-Statuserhebungen. Da die Ärzte dort relativ unter Stress stehen, bleibt weniger Zeit für Erklärungen. Dann konnte ich auch noch in die Notaufnahme runter mit einem neurologischen Assistenzarzt, was echt cool war. Dort konnte man eingenständig Patienten untersuchen, musste ihnen dann meist auch den Zugang legen und dann den Brief schreiben; der Assistenzarzt kam dann noch einmal mit zum Patienten danach. Hier hat man am meisten gelernt mMn. Man hätte auch noch in die MS-Ambulanzen oder so mitgehen können, dafür hattet ich aber leider keine Zeit mehr. Freitags war PJler Visite, wo ein Patient einer Station vorgestellt wurde, durchuntersucht wurde und dann zu seiner Krankheit ein kleines Repetitorium kam. Die allermeisten Ärzte waren sehr nett,; ich bin eigentlich ein kritischer Praktikumsbewerter, aber dieses hier kann ich nur weiterempfehlen für Leute, die an Neuro interessiert sind. Ich weiss nicht, ob man es viel besser woanders machen kann.

Als PJler bekommt man leider sehr Vieles vom Stationsalltag nicht mit. Man muss morgens sämtliche Blutabnahmen alleine machen und auch über den Tag verteilt kommen oft noch neue Blutentnahmen hinzu. Da man kein Telefon gestellt bekommt, kann man auch nicht angerufen werden, wenn etwas Spannendes passiert oder sei es nur, dass der Oberarzt jetzt da ist und die Visite beginnt. Meist wird dann auch nicht in den paar Patientenzimmern nach einem gesucht, sodass man (zwar nicht oft, aber schon manchmal) erst zufällig zur Oberarztvisite hinzustößt, wenn diese halb vorbei ist. Es ist zwar gewünscht, dass man als PJler einen eigenen Patienten betreut. Die Umsetzung funktioniert nur leider nicht. Man bekommt dann einen Patienten zugeteilt, aber man hat keine Möglichkeit, die neuen Untersuchungsergebnisse anzusehen. Sehr schade. In meinen anderen Tertialen konnte ich wesentlich mehr selber mitarbeiten und deutlich mehr praktisch lernen. Pro: In der Neuro bekommt man eine Anstellung als studentische Hilfskraft (--> 200€ im Monat), für München eine Seltenheit.

Alternative Perspektiven und Erfahrungen

Neben dem Klinikum rechts der Isar gibt es auch andere Einrichtungen, die ein PJ-Tertial in der Neurologie anbieten. Ein Beispiel ist das Neurozentrum Tutzing & Feldafing, das sich als ideales Krankenhaus für ein Wahlfach in der Neurologie präsentiert. Hier wird ein motiviertes und engagiertes Team, eine familiäre Atmosphäre und die Möglichkeit, auch die Neurorehabilitation kennenzulernen, hervorgehoben. PJler betreuen Patientinnen und Patienten von der Aufnahme bis zur Entlassung, nehmen an Röntgenbesprechungen und interdisziplinären Fallkonferenzen teil und erhalten eine Fortbildung in neurologischer Funktionsdiagnostik.

Ein weiteres Beispiel ist das Klinikum der Universität München Großhadern und Innenstadt - Standort Großhadern. Hier wird betont, dass die Assistenten durchweg alle sehr nett sind und Lust auf Lehre haben. Als PJler ist man hauptsächlich für die Patientenaufnahmen und der damit einhergehenden Aufgaben verantwortlich. Man nimmt aktiv an den Visiten teil und ist für die Dokumentation verantwortlich.

Es gibt auch kritische Stimmen, die auf Verbesserungspotenziale hinweisen. So wird beispielsweise am Benedictus Krankenhaus Straubing bemängelt, dass der Rotationsplan nur die Kardiologie berücksichtigt und die Möglichkeit zur Rotation in andere Bereiche wie Pulmologie und Nephrologie eingeschränkt ist.

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Neurologie im internationalen Vergleich: Einblicke aus Belgien

Ein PJ-Tertial im Ausland kann eine wertvolle Erfahrung sein, um das Gesundheitssystem und die medizinische Ausbildung in anderen Ländern kennenzulernen. Ein Erfahrungsbericht aus dem CHU St. Pierre in Brüssel, Belgien, zeigt, dass die belgischen Medizinstudierenden schon früh in den Klinikalltag mit eingebunden werden. Bereits im 5. Studienjahr steht ein dreimonatiges Praktikum an, bei dem sie die Stationsarbeit erlernen sollen.

Auf Station gehören Anamnese, körperliche Untersuchungen und die medizinische Dokumentation zu den typischen studentischen Aufgaben. An praktischen Tätigkeiten übernimmt man arterielle Blutentnahmen, hin und wieder darf man auch mal eine Lumbal-oder Aszitespunktion durchführen. Ultraschalluntersuchungen fallen leider in das radiologische Fachgebiet und werden somit auf Station nicht durchgeführt. Insgesamt arbeitet man eng und mit den Assistenzärzten zusammen.

Die Zusammenarbeit mit den Oberärzten ist unterschiedlich, da es kein richtiges Pendant zur deutschen Visite gibt. Vielmehr verbringen die Oberärzte viel Zeit in der Ambulanz und besprechen ihre jeweiligen Patienten mit den zuständigem Assistenzarzt. Insgesamt arbeiten die Studierenden, je nach Ausbildungsstand natürlich, sehr eigenständig, man bekommt täglich zwischen zwei und vier Patienten zugeteilt, für die man dann „verantwortlich“ ist. Das bedeutet eine tägliche kurze Anamnese/Bestandsaufnahme und körperliche Untersuchung, das Auswerten von Laborbefunden oder weiteren Untersuchungen, die Dokumentation all dessen inklusive den Überlegungen, was wir mit dem Patienten als nächstes anstellen würden. All dies geschieht jedoch in einer angenehmen, freundlichen und weitestgehend druckfreien Atmosphäre.

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