Neurologie Ulm: Ärztlicher Direktor und Schwerpunkte

Die Neurologie in Ulm hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem bedeutenden Zentrum für die Behandlung und Erforschung neurologischer Erkrankungen entwickelt. Insbesondere die Universitätsklinik für Neurologie an den RKU - Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm (RKU) hat unter der Leitung verschiedener Ärztlicher Direktoren bedeutende Fortschritte erzielt.

Historische Entwicklung und Führungswechsel

Bis Dezember 2024 prägte Prof. Dr. Albert C. Ludolph über 28 Jahre lang als Ärztlicher Direktor die Universitätsklinik für Neurologie in Ulm. In dieser Zeit wurden insbesondere in der Erforschung und Behandlung von Erkrankungen wie Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), Epilepsie, Parkinson oder Multipler Sklerose bedeutende Fortschritte erzielt.

Seit Dezember 2024 wird die Klinik von einem Führungsduo geleitet: Prof. Dr. Jochen Weishaupt und Prof. Dr. Karl Georg Häusler. Diese Doppelspitze bringt Expertise in den Schwerpunkten neurodegenerative und neurovaskuläre Erkrankungen ein.

Schwerpunkte und Expertise

Prof. Dr. Jochen Weishaupt

Prof. Dr. Jochen Weishaupt ist ein national und international anerkannter Experte im Bereich neurodegenerativer Erkrankungen, insbesondere der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS). Seine Expertise umfasst auch die Genetik neurologischer Erkrankungen sowie die Parkinson-Erkrankung. Er war zuvor an verschiedenen Standorten wie Heidelberg, Tübingen, Göttingen und Ulm tätig und leitete zuletzt an der Universitätsklinik Mannheim der Universität Heidelberg die Sektion für neurodegenerative Erkrankungen sowie den dortigen ALS-Schwerpunkt. Zudem war Prof. Weishaupt bereits als Inhaber der Charcot-Stiftungsprofessur an der Universität Ulm tätig.

Prof. Dr. Karl Georg Häusler

Prof. Dr. Karl Georg Häusler ist ein ausgewiesener Spezialist auf dem Gebiet der vaskulären Neurologie und der Schlaganfallforschung. Nach Stationen an der Charité - Universitätsmedizin Berlin und am Universitätsklinikum Würzburg bringt Prof. Häusler seine Erfahrung in der Behandlung und Prävention von neurovaskulären Erkrankungen in Ulm ein. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen die Akutversorgung des Schlaganfalls, die klinische Schlaganfallforschung und die Neurokardiologie.

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Forschung und Innovation

Die Neurologische Universitätsklinik Ulm hat in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte gemacht, insbesondere bei der Erforschung und Behandlung neurologischer Erkrankungen. Neue Technologien und Therapien ermöglichen präzisere Diagnosen und wirksamere Behandlungsansätze. Besonders in der Schlaganfallversorgung wurden entscheidende Fortschritte erzielt, moderne Bildgebungsverfahren und innovative Therapien wie die katheterbasierte Thrombektomie ermöglichen heute eine effektivere Behandlung.

Aktuelle Forschungsprojekte (Auswahl basierend auf Nutzerinformationen)

  • ALS und perivaskuläre Fibroblasten: Eine Studie von Månberg et al. (2021) untersuchte die veränderte Aktivität von perivaskulären Fibroblasten im Zusammenhang mit dem Krankheitsbeginn von ALS.
  • Fabry-Krankheit und Lewy-Körperchen-Erkrankung: Del Tredici et al. (2020) beschrieben einen Fall von Fabry-Krankheit mit gleichzeitiger Lewy-Körperchen-Erkrankung.
  • Hochkalorische Ernährung bei ALS: Dorst et al. (2020) untersuchten den Einfluss hochkalorischer Ernährung auf den Neurofilament-Light-Chain-Spiegel im Serum bei ALS-Patienten. Ludolph et al. (2020) analysierten zudem den Effekt hochkalorischer Ernährung auf das Überleben bei ALS.
  • Nusinersen bei spinaler Muskelatrophie: Hagenacker et al. (2020) führten eine nicht-interventionelle, multizentrische Beobachtungsstudie zu Nusinersen bei Erwachsenen mit 5q-spinaler Muskelatrophie durch.
  • Paresenmuster bei ALS: Ludolph et al. (2020) untersuchten das Paresenmuster bei ALS im Zusammenhang mit der Physiologie der kortikomotoneuronalen Projektionen.
  • Verbale Flüssigkeitsdefizite bei C9orf72-Mutationsträgern: Lulé et al. (2020) identifizierten Defizite in der verbalen Flüssigkeit bei präsymptomatischen Trägern des C9orf72-Mutationsgens.
  • Tofersen bei SOD1 ALS: Miller et al. (2020) führten eine Phase-1-2-Studie mit dem Antisense-Oligonukleotid Tofersen für SOD1 ALS durch.
  • Proteomik bei ALS: Oeckl et al. (2020) untersuchten mittels Proteomik in Liquor und Rückenmark Biomarker und die Bedeutung von Transkriptionswegen bei ALS.
  • Rasagilin als Zusatztherapie bei ALS: Ludolph et al. (2018) untersuchten die Sicherheit und Wirksamkeit von Rasagilin als Zusatztherapie zu Riluzol bei ALS-Patienten.

Ambulante Versorgung und Spezialsprechstunden

Die Neurologische Hochschulambulanz im RKU bietet ein breites Spektrum an Spezialsprechstunden an, um eine umfassende Versorgung von Patienten mit neurologischen Erkrankungen zu gewährleisten.

Neurologische Hochschulambulanz (Oberer Eselsberg 45, 89081 Ulm)

  • Allgemeine Neurologische Ambulanz:
    • Leitung: PD Dr. med. Makbule Senel, Prof. Dr. med. Hayrettin Tumani
    • Ärzte: Fr. Dr. med. T. Fangerau, Fr. Dr. med. D. Taranu, Hr. I. Vardakas
  • Neuromuskuläre Ambulanz:
    • Leitung: PD Dr. A. Rosenbohm
    • OA-Vertreter: Prof. Dr. J. Kassubek
    • Ärzte: Dr. A. Wassner, Dr. T. Fangerau
  • Ambulanz für Botulinumtoxin-Therapie:
    • Leitung: Dr. med. Panteha Fathinia-​Grafl, PD Dr. med. Mona Laible
    • Ärzte: Dr. med. Anette Wassner, Dr. A. med. Christina Lang
    • Behandlungsspektrum: Dystonien, Spastische Lähmungen, Vermehrter Speichelfluss (Sialorrhoe), Vermehrtes Schwitzen (Hyperhidrosis)
  • Neurologische Schmerzsprechstunde:
    • Leitung: Prof. Dr. med. Rebecca Kassubek
  • Schlaganfall und Dopplerambulanz:
    • Leitung: Frau Dr. S. Müller
    • Spezialsprechstunde für zerebrale Mikroangiopathie (Leitung: Frau PD. Dr. M. Laible, donnerstags)
    • Spezialsprechstunde für genetische neurovaskuläre Erkrankungen (z.B. Cadasil, Fabry etc., Leitung: Frau Dr. S. Müller, erster Montag im Monat)
  • Neuropsychologische Sprechstunde:
    • Leitung: Prof. Dr. med. Rebecca Kassubek
    • Schwerpunkte: Neuropsychologische Differentialdiagnostik, Verlaufskontrolle, Beratung und Therapieempfehlung
  • Urologische Sprechstunde für Blasenfunktionsstörungen:
    • In Kooperation mit der Universitätsklinik für Urologie und Kinderurologie
    • Leitung: Prof. Dr. med. H. Tumani
    • Schwerpunkte: Harninkontinenz, Überaktive Blase, Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie bei Multipler Sklerose, Neurogene Harnblase bei Querschnittlähmung, Parkinson-Syndrom, Schlaganfall, u.a., Funktionelle Störungen der Blasen- und Darmfunktion

Weitere Ambulanzen und Kooperationen

  • MVZ Christophsbad (Göppingen): Seit Juli 2024 mit Prof. Dr. Albert C. Ludolph als ärztlichem Leiter. Schwerpunkte: ALS und weitere neurologische Spezialgebiete. Etablierung einer Traumaambulanz im Rahmen des Opferentschädigungsgesetzes (OEG) unter der Leitung von Dr. Julia Kröner und einer spezialisierten Autismus-Ambulanz für Erwachsene.
  • Bundeswehrkrankenhaus Ulm: Die neurologische Klinik nimmt an der Versorgung von Soldaten und zivilen Patienten teil und bietet umfangreiche Aus-, Fort- und Weiterbildung.

Diagnostische Möglichkeiten

Die Neurologische Klinik in Ulm ist mit modernsten neurologischen Untersuchungsgeräten ausgestattet, darunter:

  • EMG (Elektromyographie)
  • NLG (Nervenleitgeschwindigkeit)
  • AEP (Akustisch evozierte Potentiale)
  • VEP (Visuell evozierte Potentiale)
  • SEP (Somatosensorisch evozierte Potentiale)
  • MEP (Motorisch evozierte Potentiale)
  • Nystagmo- und Posturographie
  • Video-EEG (Elektroenzephalographie)
  • Ultraschalluntersuchungen der hirnversorgenden Arterien (extra-/ transkranielle Doppler-/Duplexsonographie, Hirnparenchym- und Nervensonographie)
  • Kernspintomographie (MRT)
  • Computertomographie (CT)
  • CT/MR-Angiographie
  • Nuklearmedizinische Spezialverfahren, wie Positronen-Emissions-Tomographie (PET)

Akademische Ausbildung und Weiterbildung

Das Klinikum Ulm engagiert sich stark in der akademischen Ausbildung und Weiterbildung.

  • Pflegeschule: Die Pflegeschule ist die größte Schule mit 270 Plätzen und bildet in der allgemeinen Pflegeausbildung (Pflegefachfrau & Pflegefachmann) und in der Gesundheits- & Kinderkrankenpflege aus.
  • MTRA-Schule: Die MTRA-Schule hat 75 Plätze. MTRA sind in der Röntgendiagnostik, Tomographie, Strahlentherapie, Nuklearmedizin und Dosimetrie tätig.
  • OTA-Schule: Die OTA-Schule verfügt über 60 Plätze. OTA betreuen Patienten vor und nach Operationen und bereiten Operationseinheiten vor.
  • Schule für Logopädie: Die Schule für Logopädie hat 60 Schulplätze.
  • MTLA-Schule: Die MTLA-Schule hat 96 Plätze. MTLA sind in der Klinischen Chemie, Histo- und Hämatologie & Mikrobiologie tätig.
  • MTAF-Schule: Die MTAF-Schule hat 75 Plätze und ist die einzige in Süddeutschland. MTAF sind in der neurophysiologischen, kardiovaskulären, audiologischen und pneumologischen Funktionsdiagnostik tätig.
  • Schule für Diätassistenz: Die Schule für Diätassistenz verfügt über 60 Schulplätze.
  • Hebammenausbildung: Seit 2017 erfolgt die Hebammenausbildung in Kombination mit externen Kooperationspartnern. Seit 2021 wird die Ausbildung von Hebammen in einem primärqualifizierenden Bachelorstudiengang in Kooperation mit der DHBW angeboten.
  • Doktorandenausbildung: Die Doktorandenausbildung/-betreuung erfolgt durch die International Graduate School in Molecular Medicine Ulm mit strukturierten Programmen für Naturwissenschaftler und Mediziner.
  • Famulatur: Innerhalb der Famulaturzeit ist verpflichtend ein Teil in stationären Reha-Einrichtungen abzuleisten.
  • Facharztweiterbildung: Eine umfassende Facharztweiterbildung wird angeboten.

Klinische Studien und Publikationen

Das Klinikum Ulm initiiert und leitet multizentrische und klinisch-wissenschaftliche Studien und nimmt an einer Vielzahl multizentrischer Phase-I/II- und Phase-III/IV-Studien teil. Die Ergebnisse dieser Studien werden in renommierten wissenschaftlichen Journalen veröffentlicht.

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