Neurologische Frührehabilitation: Kliniken, Standorte und Behandlungsansätze

Die neurologische Frührehabilitation ist ein entscheidender Schritt für Patienten, die nach einer schweren neurologischen Erkrankung oder Verletzung wieder ins Leben zurückfinden möchten. Ziel ist es, so früh wie möglich mit der Rehabilitation zu beginnen, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der neurologischen Frührehabilitation, von den Zielen und Inhalten über die Phasen bis hin zu den Standorten und spezifischen Therapieangeboten.

Einführung in die Neurologische Frührehabilitation

Nach einer schweren neurologischen Erkrankung ist es der größte Wunsch der Patienten, wieder ins Leben zurückzukehren. Die neurologische Frührehabilitation kommt diesem Wunsch entgegen, indem sie so schnell wie möglich täglich mit den Betroffenen arbeitet. Denn je eher begonnen wird, desto besser sind die Chancen auf eine erfolgreiche Rehabilitation.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit im Fokus

Der Rehabilitationsprozess steht im Mittelpunkt der interdisziplinären Arbeit von Pflegetherapeuten, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Neuropsychologen sowie Sprach- und Schlucktherapeuten unter der Leitung der behandelnden Ärztin bzw. des behandelnden Arztes. In wöchentlichen Teamsitzungen werden die nächsten Ziele und therapeutischen Schwerpunkte festgelegt. Dieses interdisziplinäre Team kümmert sich ganz individuell um die Patienten.

Ziele und Inhalte der Neurologischen Rehabilitation

Das primäre Ziel der neurologischen Rehabilitation ist die bestmögliche Wiederherstellung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit der Patienten. Der Schwerpunkt liegt auf der Behandlung schwerwiegender neurologischer Erkrankungen wie Schlaganfälle, Hirnblutungen und Schädel-Hirnverletzungen, welche häufig tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben der Patienten haben, bis hin zum Verlust essenzieller Funktionen.

Frühintervention für bessere Genesungschancen

Der Fokus liegt auf der Frühintervention: Je früher die Rehabilitation beginnt, desto vielversprechender ist die Genesungsprognose. Durch die Möglichkeiten der neurologischen Frührehabilitation beginnen die rehabilitativen Maßnahmen bereits in der Beatmungsphase, also noch bevor die Entwöhnung von der Beatmung abgeschlossen ist. Dies maximiert die Chancen für Patienten, insbesondere für Schwerstbetroffene, auf eine Rückkehr in ein unabhängiges Leben nach einer solchen einschneidenden Erkrankung.

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Multidisziplinäre Betreuung und individuelle Therapie

Alle Patienten profitieren von einer intensiven Betreuung durch ein multidisziplinäres Team aus Ärzten, Neuropsychologen, spezialisiertem Pflegepersonal und Therapeuten. Die Behandlung orientiert sich am Phasenmodell der neurologischen Rehabilitation und ist stets individuell zugeschnitten.

Enge Zusammenarbeit mit Angehörigen

Ein weiteres Schlüsselelement ist die enge Kooperation mit den Angehörigen des Patienten, die eine immense Rolle in dessen Genesung spielen. MEDIAN schafft optimale Behandlungsbedingungen für die neurologische Rehabilitation durch den Einsatz modernster Technik, intensiver Therapiemaßnahmen und nachhaltig erprobter Behandlungskonzepte.

Entlassung in den Alltag als Endziel

Das endgültige Ziel der neurologischen Reha ist die Entlassung in den Alltag - ein so selbstständiges Leben, wie möglich zu führen! In einigen Fällen können Patienten nicht direkt in ihr gewohntes Umfeld zurückkehren und benötigen alternative Wohnmöglichkeiten. Für andere wiederum könnte eine Neuausrichtung ihrer beruflichen Laufbahn notwendig sein. MEDIAN bietet in solchen Situationen intensive Unterstützung, insbesondere durch das engagierte Sozialdienstteam. Dieses Team arbeitet Hand in Hand mit Ärzten, Pflegekräften und Therapeuten, um sicherzustellen, dass sowohl Patienten als auch ihre Angehörigen umfassend beraten werden. Durch diese frühzeitige und gezielte Unterstützung wird der Erfolg der Rehabilitation auch nach dem Aufenthalt in der Rehabilitationsklinik weiterhin gewährleistet.

Phasen der Neurologischen Rehabilitation

Die neurologische Rehabilitation ist in verschiedene Phasen unterteilt, um den individuellen Bedürfnissen und dem Fortschritt der Patienten gerecht zu werden:

  • Phase A: Akutphase: Sicherung lebenswichtiger Körperfunktionen (Atmung, Kreislauf, etc.)
  • Phase B: Frührehabilitation: Intensivmedizinische Betreuung (permanente Überwachung, Stabilisierung Herz, Kreislauf und Atmung)
  • Phase C: Postprimäre Rehabilitation: Wiedergewinnen von Alltagsfähigkeiten (Essen, Anziehen, etc.), Förderung der Beweglichkeit
  • Phase D: Anschlussheilbehandlung (AHB): Steigerung der Alltagsfähigkeiten: eine weitgehende Selbstständigkeit soll ermöglicht werden
  • Phase E: Soziale und berufliche Wiedereingliederung: Patient ist weitgehend selbstständig. Maßnahmen zur Wiedereingliederung
  • Phase F: Zustandserhaltende Pflege: Patient bleibt aufgrund fehlender Rückbildungstendenz dauerhaft auf Hilfe angewiesen

Indikationen für Neurologische Reha

Die neurologische Rehabilitation ist indiziert bei einer Vielzahl von Erkrankungen und Zuständen, darunter:

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  • Schlaganfall: Der Schlaganfall ist eine komplexe Erkrankung, die unterschiedliche Ursachen haben kann und individuelle Therapieansätze erfordert.
  • Parkinson: Die Parkinson-Krankheit, auch bekannt als Parkinson-Syndrom, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch einen Mangel an Dopamin verursacht wird.
  • Multiple Sklerose (MS): Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische Erkrankung, bei der die äußerste Schicht der Nervenfasern, die sogenannten Myelinscheiden, vermutlich durch eigene Immunzellen angegriffen werden.
  • Koma / Wachkoma: Kliniken bieten neurologische Reha für Koma und Wachkoma Patienten
  • Restless Legs: Das Restless-Legs-Syndrom (zu Deutsch: das Syndrom der ruhelosen Beine) ist eine Erkrankung des Nervensystems.
  • Epilepsie: In Deutschland sind rund 600.000 Menschen an Epilepsie erkrankt. Diese Erkrankung wirkt sich auf das zentrale Nervensystem aus.
  • Neurodegenerative Erkrankungen: MEDIAN bietet zahlreiche Behandlungsmethode für an Demenz, Parkinson oder Huntington erkrankte Personen
  • Polyneuropathie: Polyneuropathie betrifft das periphere Nervensystem. Diesem sind alle Nerven angehörig, welche außerhalb des Rückenmarks und Gehirns liegen.
  • Hirntumor: Hirntumore gehören zu den seltenen Tumorerkrankungen.

Therapieansätze in der Neurologischen Frührehabilitation

Am Beginn der Reha steht üblicherweise die Atem-, Schluck- und Sprachtherapie mit dem Ziel der Entwöhnung von Luftröhrenkanüle/Trachealkanüle oder Ernährungssonde.

Technologiegestützte Therapien

Experten entwickeln technologiegestützte Therapien und beteiligen sich an klinischen Forschungsprojekten. So fließt die Erfahrung zum Beispiel in Studien zur Rehabilitation der Motorik durch Geräte- und Roboter-Unterstützung ein.

Spezialisierte Querschnittstation

Auf einer spezialisierten Querschnittstation wird ein Querschnitt nicht als Nebendiagnose einer neurologischen Erkrankung oder eines Unfalls gesehen, sondern in den Fokus des interdisziplinären Teams gestellt. Ärzte, Pflegekräfte und Therapeuten sind spezialisiert auf die Behandlung und Therapie von Querschnittpatienten. Oberstes Ziel dabei: Ihre maximale Selbstständigkeit - durch Erhaltung vorhandener Ressourcen und möglicherweise Anbahnung und Trainieren von neuen Fähigkeiten. Pflegetherapeuten der Querschnittstation verfügen über spezielles Wissen zu Lagerung und Mobilisation, Kontinenz und Körperpflege. Neben dem neurologischen Ärzte-Team betreut ein Neuro-Urologe. Alle Therapien werden optimal auf die Bedürfnisse angepasst.

In psychoedukativen Gruppen können zu moderierten Themen alle Fragen rund um den "Lebenseinschnitt Querschnitt" gestellt und besprochen werden.

Exoskelett-Roboter

Als erstes Krankenhaus in Süddeutschland wurde 2013 ein „Exoskelett-Roboter“, ein externes mobiles „Skelett“, eingesetzt. Heute wird dieser in der Schön Klinik Bad Aibling Harthausen bei Patientinnen und Patienten mit bestimmten Querschnittslähmungen als "normale" Therapie genutzt. Er erlaubt schwerstgelähmten Menschen, sich auf den eigenen Beinen gehend durch den Raum zu bewegen. Die Effekte auf Psyche, Kreislauf und andere Körperfunktionen werden wissenschaftlich untersucht.

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Neuroplastizität nutzen

In der neurologischen Rehabilitation macht man sich die Neuroplastizität zunutze, also die Fähigkeit des Gehirns, ausgefallene Nervenzellenbereiche zu umgehen und deren Aufgaben anderen Bereichen zu übertragen. Das geht allerdings nur sehr langsam und mithilfe vieler Wiederholungen. Im Grunde erlernen Patientinnen und Patienten unter kundiger Anleitung von spezialisierten Therapeutinnen und Therapeuten verloren gegangene Fähigkeiten neu. Je nach Beeinträchtigung können das sprachliche Fähigkeiten, motorische Fähigkeiten, die Fähigkeit zu schlucken oder kognitive Fähigkeiten sein. Die Patientinnen und Patienten werden auch psychologisch betreut, denn oft haben sie große Mühe, den plötzlichen Verlust von als normal angesehenen Fähigkeiten zu verkraften. Sie werden angeleitet, die möglicherweise schädlichen Lebensgewohnheiten zu erkennen und zu verändern, damit die Ursachen für die Erkrankung bekämpft werden. All das ist ein mühsamer Prozess, der eine Rehabilitation über alle Reha-Phasen und viele Wochen erfordert.

Kliniken und Standorte für Neurologische Frührehabilitation

Viele Kliniken in Deutschland bieten neurologische Rehabilitation in verschiedenen Phasen an. Hier sind einige Beispiele:

  • Schön Klinik Bad Aibling Harthausen: Ein Pionier der neurologischen Frührehabilitation und weiterführenden Rehabilitation in der Nähe von Rosenheim. Verfügt über modernste medizintechnische Ausstattung und langjährige Erfahrung.
  • MEDIAN Kliniken: Bietet erstklassige Versorgung in allen neurologischen Rehabilitationsphasen, von der Frührehabilitation bis zur beruflichen Wiedereingliederung. Jedes Jahr setzen über 20.000 Patienten mit neurologischen Erkrankungen ihr Vertrauen in die Rehabilitationskliniken von MEDIAN.
  • Kliniken Schmieder Heidelberg: Eng mit der Neurologischen Universitätsklinik vernetzt. Die Abteilung für Frührehabilitation arbeitet seit vielen Jahren mit der stroke unit zusammen und verbindet so Akutmedizin mit Rehabilitationsmedizin.
  • Passauer Wolf: Bietet ein standortübergreifendes Zusammenspiel mit speziellen Kenntnissen und Fähigkeiten in jeder Rehaklinik in Bayern.
  • Rehaklinik Bad Wurzach: Fördert gezielt die Genesung nach orthopädischen und neurologischen Erkrankungen sowie im Rahmen der Altersmedizin.
  • Klinik Lindenberg-Ried: Behandelt Rehabilitanden mit orthopädischen und psychosomatischen Erkrankungen ganzheitlich.
  • Klinik Bad Wörishofen: Bietet dank einer engen Kooperation der beiden Fachrichtungen beste Versorgung für Rehabilitanden mit Herzkreislauferkrankungen und orthopädischen Beschwerden.
  • Klinik Weser: Fachklinik für Orthopädie, Physikalische Therapie und Rehabilitation.
  • Klinik Hüttenbühl in Bad Dürrheim: Liegt zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb.
  • Frankenland-Klinik: Spezialisierte Reha-Fachklinik mit den Schwerpunkten Orthopädie, Schmerztherapie, Diabetes, Adipositas, Innere Medizin und Dermatologie.
  • Klinik Herzoghöhe: Spezialisierte Reha-Klinik für Orthopädie, Onkologie und Innere Medizin in Bayreuth.
  • Höhenklinik Bischofsgrün: Spezialisierte Reha-Klinik mit den Schwerpunkten Kardiologie, Innere Medizin, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.
  • Neurologisches Rehazentrum prosper: Bietet insgesamt 92 Behandlungsplätze mit einem Team aus Ärzten, speziell geschulten Pflegekräften, Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden, Neuropsychologen, medizinischen Bademeistern, Masseuren und Sozialarbeitern.

Rahmenbedingungen und Voraussetzungen für die Neurologische Reha

Eine neurologische Rehabilitation kann grundsätzlich ohne Einschränkungen nach jedem Akutereignis angetreten werden. Maßgeblich dafür ist die Rehabilitationsfähigkeit, also eine positive Prognose für den Krankheitsverlauf. Bei chronischen Erkrankungen gilt im Grundsatz die Regel, dass frühestens vier Jahre nach einer Reha wieder eine Rehabehandlung zum gleichen Krankheitsbild erfolgen kann. Aber auch hier kann es von Fall zu Fall Abweichungen geben. Viele Kliniken bieten die Möglichkeit an, dass eine Begleitperson kostenpflichtig mit aufgenommen werden kann. Üblicherweise geht das nicht in der Phase B der neurologischen Rehabilitation (Frühreha).

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