Neurologische Erkrankungen sind vielfältig und können erhebliche Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen haben. In Potsdam gibt es spezialisierte neurologische Reha-Einrichtungen, die ein breites Spektrum an Behandlungen und Therapien anbieten, um Patienten bei der Genesung und Rehabilitation zu unterstützen. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die verschiedenen Aspekte der neurologischen Rehabilitation in Potsdam, einschließlich der behandelten Erkrankungen, Diagnoseverfahren, Therapieangebote und spezifischen Einrichtungen wie dem Alexianer St. Josefs-Krankenhaus.
Vielfalt neurologischer Erkrankungen
Das Spektrum neurologischer Erkrankungen ist breit gefächert. Neben häufigen Erkrankungen wie Schlaganfall, Epilepsie, Multipler Sklerose oder Parkinson gibt es auch viele äußerst seltene Krankheitsbilder. Ein umfassendes Verständnis des gesunden Nervensystems ist entscheidend, um durch Anamnese, körperliche Untersuchung und weitere Diagnostik den Entstehungsort und die Ursachen der Krankheitszeichen zu identifizieren. Dies ermöglicht eine gezielte Behandlung, die im Notfall innerhalb von Minuten eingeleitet werden muss.
Auswirkungen und Beratung
Viele neurologische Erkrankungen können unmittelbar oder im weiteren Verlauf erhebliche körperliche, psychische, berufliche und andere soziale Konsequenzen haben. Betroffene und Angehörige stehen oft vor schwierigen Zukunftsfragen und Entscheidungen. Daher ist eine umfassende Beratung zu Diagnose, Krankheits- und Heilungsverlauf, Therapiemöglichkeiten, Rehabilitation und sozialrechtlichen Fragestellungen von großer Bedeutung.
Spezialisierte Einrichtungen und Ambulanzen
Multiple Sklerose (MS)-Ambulanz
Für gesetzlich oder privat krankenversicherte Patienten mit Multipler Sklerose und verwandten Erkrankungen (z.B. Neuromyelitis optica) steht die Ambulanz für Multiple Sklerose zur Verfügung. Bei der Erstvorstellung benötigen gesetzlich Versicherte eine Überweisung vom Hausarzt oder von einem Facharzt speziell an die MS-Ambulanz (sog. „ASV-Überweisung“). Auf dem Überweisungsschein ist „Behandlung gemäß §116 b“ und „Spezialambulanz für Multiple Sklerose, Alexianer St. Josefs-Krankenhaus Potsdam“ zu vermerken. Termine für die MS-Ambulanz können von Mo - Fr 8:00 - 15:00 Uhr vereinbart werden. Die ambulante Terminvergabe für Privatversicherte und Selbstzahler erfolgt über die Privatambulanz des Chefarztes PD Dr.
Schlaganfallzentrum
Das Schlaganfallzentrum in Potsdam ist auf die Akutversorgung von Schlaganfallpatienten spezialisiert. Wenn die Blutzufuhr des Gehirns unterbrochen wird, treten schlagartig je nach betroffenem Gebiet z.B. Lähmungen, Gefühlsstörungen, Sprachstörungen, Sehstörungen oder heftiger Schwindel auf. Nur wenn die Durchblutung rechtzeitig wiederhergestellt wird, können dauerhafte Behinderungsfolgen verhindert werden. In der Notaufnahme sind die Ärzte der Klinik für Neurologie an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr auf Schlaganfallpatienten vorbereitet. Nach der Akutversorgung werden Schlaganfallpatienten auf die Stroke Unit aufgenommen. Durch enge Überwachung am Monitor kann im Fall einer Verschlechterung sofort reagiert werden. Um weiteren Schlaganfällen gezielt vorzubeugen, wird sorgfältig nach der Ursache gesucht. Das Schlaganfallzentrum ist durch die Deutsche Schlaganfallgesellschaft und die Stiftung Schlaganfallhilfe als regionale Stroke Unit zertifiziert und Mitglied der Berliner Schlaganfall-Allianz.
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Autoimmunerkrankungen
Bei Autoimmunerkrankungen werden eigentlich gesunde Körperzellen vom Immunsystem angegriffen. Mit etwa 200.000 Betroffenen in Deutschland ist die Multiple Sklerose (MS) die häufigste Autoimmunerkrankung in der Neurologie und eine sehr wichtige Ursache von erworbener Behinderung bei jüngeren Menschen. Typische frühe Symptome sind Sensibilitätsstörungen, Sehstörungen oder Lähmungen, die zu Beginn in der Regel als Schübe auftreten und sich im Verlauf von Wochen spontan bessern können. Meist kommt es im Verlauf jedoch zu einer Erschöpfung der Reparaturmechanismen und zur Gefahr bleibender Behinderungen.
Behandlung von Multipler Sklerose
Während die Multiple Sklerose früher als schicksalhafte Erkrankung galt, die früher oder später in den Rollstuhl führte, stehen heute zahlreiche wirksame Behandlungen zur Verfügung, um frühzeitig in den Krankheitsverlauf einzugreifen. Das stationäre Leistungsangebot umfasst die Diagnose der MS bzw. ihren Ausschluss im Verdachtsfall sowie die Behandlung schwerer Schübe, einschließlich der Möglichkeit der Plasmapherese, mit der Antikörper und Entzündungsstoffe aus dem Blut entfernt werden. Außerdem betreibt das Alexianer St. Josefs-Krankenhaus gemeinsam mit weiteren Experten eine Spezialambulanz für Patienten mit MS und verwandten Erkrankungen und ist anerkanntes MS-Schwerpunktzentrum nach den Richtlinien der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG).
Weitere Autoimmunerkrankungen
Weitere Autoimmunerkrankungen, mit denen sich die neurologischen Reha-Einrichtungen in Potsdam befassen, betreffen Nerven- oder Stützzellen des Gehirns (z.B. Autoimmunenzephalitis), periphere Nerven (Guillain-Barré-Syndrom, chronisch-inflammatorisch demyelinisierende Polyneuropathie), die Muskulatur (z.B. Dermatomyositis, Polymyositis) oder die Reizübertragung vom Nerv auf den Muskel (Myasthenia gravis, Lambert-Eaton-Syndrom), aber auch Blutgefäße (Arteriitis temporalis und andere Vaskulitiden). Bei akuten Erkrankungen werden alle zur Diagnose erforderlichen apparativen und Laboruntersuchungen bis hin zu Biopsien von Nerven, Muskeln oder Blutgefäßen durchgeführt und eine immunsuppressive Therapie begonnen.
Bewegungsstörungen und Parkinson-Krankheit
Während die Parkinson-Krankheit und andere Bewegungsstörungen im Frühstadium meist vom niedergelassenen Arzt diagnostiziert und behandelt werden, ergeben sich im späteren Verlauf nicht selten akute Probleme, die ambulant nicht bewältigt werden können. Insbesondere bei betagten Patienten oder solchen mit Demenz ist es oft schwierig, bei der medikamentösen Behandlung eine Balance zwischen ausreichender Wirksamkeit, einfacher Einnahme und akzeptablen Nebenwirkungen zu erzielen. Gelegentlich ist eine klare Zuordnung von Symptomen zu einer Diagnose durch den niedergelassenen Arzt nicht möglich. In diesen Fällen können spezielle diagnostische Verfahren hilfreich sein, eine Diagnose zu stellen und in der Folge die richtige Therapie einzuleiten. Eine stationäre Behandlung kann außerdem notwendig werden, wenn akut starke Wirkungsschwankungen der Medikamente mit Über- und Unterbeweglichkeit, Verwirrtheit und Halluzinationen oder Kreislaufstörungen auftreten. Zu den Aufgaben der neurologischen Reha-Einrichtungen gehört auch, bei einer plötzlichen Verschlechterung nach auslösenden Ursachen wie z.B. Infektionen zu suchen.
Epilepsie
Epileptische Anfälle können in jedem Lebensalter auftreten. Sogenannte Gelegenheitsanfälle lassen sich auf klare und vermeidbare Auslöser zurückführen, während eine dauerhaft erhöhte Anfallsneigung als Epilepsie bezeichnet wird. Eine stationäre Aufnahme ist immer angezeigt, wenn ein Anfall oder eine unerklärte Bewusstlosigkeit erstmals aufgetreten ist, um eine akute und potentiell gefährliche Ursache auszuschließen. Bei einer bekannten Epilepsie stellen Anfallsserien oder ununterbrochene Anfälle (Status epilepticus) stationär zu behandelnde Notfallsituationen dar. Im St. Josefs-Krankenhaus werden zur Epilepsiediagnostik Hirnstrommessungen (EEG), erweiterte Bildgebung und Laboruntersuchungen durchgeführt.
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Schmerztherapie
Neurologische Erkrankungen gehören zu den Hauptursachen chronischer Schmerzen. Daher haben neurologische Reha-Einrichtungen ein stationäres Therapieangebot zur multimodalen Schmerztherapie entwickelt. Parallel zur Schmerztherapie wird die zugrunde liegende Diagnose überprüft und notwendige Untersuchungen ergänzt. Typische Krankheitsbilder, bei denen multimodale Schmerztherapie helfen kann, sind chronische Rückenschmerzen, chronische Kopf- und Gesichtsschmerzen oder Nervenschmerzen (Trigeminusneuralgie, M.
Erkrankungen der Muskulatur und peripheren Nerven
Die eher seltenen Erkrankungen der Muskulatur (Myopathien) können akut, schubförmig oder chronisch verlaufen. Bei Erkrankungen peripherer Nerven reicht das Spektrum von der lokalisierten Schädigung einzelner Nerven oder Nervenwurzeln (z.B. Das Ursachenspektrum ist vielfältig und kann mechanische bzw. orthopädische, stoffwechselbedingte, infektiöse, immunologische oder toxische Ursachen beinhalten. Gründe für eine stationäre Diagnose und Behandlung sind insbesondere akute starke Schmerzen und rasch zunehmende, behindernde Ausfallerscheinungen, z.B. Durch Anamnese und klinische Untersuchung, elektrische Messungen (Neurographie, Elektromyographie), Nervenultraschall, bildgebende Verfahren, Laboruntersuchungen und ggf.
Dementielle Erkrankungen
Dementielle Erkrankungen werden durch einen zunehmenden Verlust geistiger Fähigkeiten bemerkbar, wobei zu Beginn häufig Störungen der Gedächtnisfunktionen im Vordergrund stehen. Die Ursache liegt meist in einer Schädigung und Zerstörung von Nervenzellen im Rahmen einer Alzheimer-Erkrankung oder Erkrankungen der kleinsten Blutgefäße (Vaskuläre Demenz). Daneben finden sich weitere degenerative Ursachen wie die Lewy-Körper-Erkrankung. Bereits verlorengegangene Nervenzellen können nicht ersetzt werden, so dass die Schädigungsfolgen im Grundsatz nicht umkehrbar sind. Neben diesen in der Regel langsam verlaufenden Demenzformen finden sich allerdings auch seltene Erkrankungen, die meist durch einen raschen Verlauf gekennzeichnet sind und hinter denen sich z.T. behandelbare Ursachen wie Autoimmunerkrankungen oder Stoffwechselstörungen verbergen. Eine besondere behandelbare Ursache bildet der sog. Normaldruckhydrozephalus, bei dem es zu einer Erweiterung der Hirnkammern (Ventrikel) kommt. Ziel einer Diagnostik im stationären Rahmen ist die Identifikation bzw. der Ausschluss behandelbarer Ursachen bei rasch verlaufenden Demenzformen oder plötzlicher Verschlechterung. In den neurologischen Reha-Einrichtungen stehen alle relevanten diagnostischen Methoden der Neurologie zur Verfügung. Es werden Liquordiagnostik und alle einschlägigen Laboruntersuchungen sowie Biopsien von Nerv, Muskel und Blutgefäßen durchgeführt. In Zusammenarbeit mit dem Radiologischen Institut stehen darüber hinaus die notwendigen Bildgebungsverfahren einschließlich CT, MRT, Myelographie und Angiographie (kontrastmittelgestützte Untersuchungen des Rückenmarkskanals bzw.
Zertifizierungen und Qualitätssicherung
Die Deutsche Schlaganfallgesellschaft hat das St. Josefs-Krankenhaus Potsdam-Sanssouci erstmalig am 20.12.2010 zur Stroke Unit (Schlaganfall-Einheit) zertifiziert. Seither erfolgen regelmäßig Re-Zertifizierungen. Damit wird in der Akutphase des Schlaganfalls eine besonders intensive und interdisziplinäre Versorgung der Patienten gewährleistet. In der zertifizierten Multiple Sklerose (MS) - Ambulanz steht fachkundiges Personal mit langjähriger Erfahrung in der Versorgung von MS-Patienten zur Verfügung.
Stationäre Versorgung
Die Klinik für Neurologie befindet sich im Haus St. Alexius des St. Josefs-Krankenhauses auf der Station St. Valentin. Patientinnen und Patienten, die Wahlleistungen beanspruchen, werden auf der Komfortstation St. Lydia betreut. Akut lebensbedrohlich erkrankte Patientinnen und Patienten werden auf der interdisziplinären Intensivstation St. Patricius oder auf der Intermediate Care-Station St.
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