Einleitung
Das Nervensystem ist ein komplexes Netzwerk, das wie die Verästelungen eines Baumes den gesamten Körper durchzieht. Es ermöglicht die Kommunikation zwischen Gehirn und Organen, Muskeln und Haut. Schädigungen dieses Systems können zu vielfältigen Beschwerden und Einschränkungen führen. Die neurologische Rehabilitation (Reha) bietet hierbei umfassende Therapieansätze, um dieFunktionsfähigkeit wiederherzustellen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Polyneuropathien: Wenn viele Nerven leiden
Was sind Polyneuropathien?
Polyneuropathien (PNP) sind Erkrankungen, die mehrere Nerven des peripheren Nervensystems betreffen, also jene Nerven, die außerhalb des Gehirns (ZNS) und des Rückenmarks liegen. Dadurch wird der Informationsfluss zwischen Gehirn und Körper gestört, was sich in unterschiedlichen Symptomen äußern kann. Schätzungsweise leidet jeder 20. Erwachsene an einer Polyneuropathie.
Ursachen und Formen
Die Ursachen für Polyneuropathien sind vielfältig:
- Diabetes mellitus: Erhöhte Blutzuckerspiegel können die Nerven langfristig schädigen (diabetische Polyneuropathie).
- Alkoholmissbrauch: Übermäßiger Alkoholkonsum kann die Nerven direkt angreifen.
- Mangelernährung: Ein Mangel an Vitaminen wie B1, B6, B12 oder Folsäure kann Polyneuropathien verursachen.
- Medikamente: Bestimmte Medikamente, vor allem Chemotherapeutika, können Nerven schädigen.
- Autoimmunerkrankungen: Bei Rheuma oder Vaskulitis greift das Immunsystem die Nerven an (chronisch-inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie (CIDP), vaskulitische Polyneuropathie).
- Infektionen: Bakterien und Viren wie HIV, Borreliose oder Gürtelrose können Nervenschäden auslösen.
- Vererbte Erkrankungen: Seltene, angeborene Nervenerkrankungen wie die Charcot-Marie-Tooth-Krankheit.
- Tumore: Krebserkrankungen und gut- oder bösartige Tumore im Nervensystem.
- Weitere Grunderkrankungen: Nierenversagen, Schilddrüsenüberfunktion oder Querschnittslähmung erhöhen das Risiko.
Je nachdem, welche Nervenfasern betroffen sind, unterscheidet man verschiedene Formen:
- Sensorische Polyneuropathie: Betrifft die sensiblen Nerven für Berührungsempfinden und Schmerzwahrnehmung.
- Motorische Polyneuropathie: Betrifft die Nerven, die Muskelbewegungen steuern, was zu Muskelschwäche führt.
- Autonome Polyneuropathie: Betrifft die Nerven für unbewusste Körperfunktionen wie Schwitzen oder Verdauung.
- Mischformen: Mehrere Nervenfasertypen sind gleichzeitig geschädigt.
Symptome
Die Symptome einer Polyneuropathie können sehr unterschiedlich sein:
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- Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Missempfindungen in Händen und Füßen
- Brennende, stechende oder elektrisierende Schmerzen
- Muskelschwäche und Muskelkrämpfe
- Koordinationsstörungen und Gangunsicherheit
- Beeinträchtigungen von Organfunktionen wie Blasenschwäche oder Verdauungsprobleme
Oft beginnen die Beschwerden in den Füßen und Unterschenkeln und breiten sich nach oben aus.
Diagnose
Die Diagnose einer Polyneuropathie erfordert eine sorgfältige Untersuchung:
- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte, um mögliche Ursachen und Risikofaktoren zu identifizieren.
- Körperliche Untersuchung: Testung von Reflexen, Berührungsempfinden und Muskelfunktionen.
- Nervenleitstudie: Messung der Leitfähigkeit der Nerven, um Schädigungen festzustellen.
- Elektromyographie (EMG): Aufzeichnung der elektrischen Aktivität der Muskeln.
- Hautbiopsie: Entnahme und Untersuchung von Nervenproben aus der Haut, insbesondere bei Verdacht auf Small-Fiber-Neuropathie.
- Bildgebende Verfahren: MRT oder CT, um Ursachen wie Tumore oder Nervenquetschungen zu erkennen.
- Blutuntersuchungen: Bestimmung von Blutzucker, Leber- und Nierenwerten, Vitaminen, Entzündungsmarkern und Antikörpern, um mögliche Ursachen zu identifizieren.
- Nervenwasseruntersuchung (Liquorpunktion): Untersuchung des Nervenwassers bei Verdacht auf entzündliche Ursachen.
Behandlung
Die Behandlung einer Polyneuropathie zielt darauf ab, die Ursache zu behandeln und die Symptome zu lindern:
- Behandlung der Grunderkrankung:
- Einstellung des Blutzuckerspiegels bei diabetischer Polyneuropathie.
- Nahrungsergänzungsmittel und angepasste Ernährung bei Mangelernährung oder Vitaminmangel.
- Behandlung von Autoimmunerkrankungen mit Kortison oder anderen Medikamenten.
- Beseitigung von Medikamenten oder Giftstoffen als Ursache.
- Symptomatische Therapie:
- Schmerzmittel, Antidepressiva und Antikonvulsiva gegen Schmerzen, Kribbeln und Missempfindungen.
- Physiotherapie mit Übungen zur Muskelkräftigung und Koordinationsschulung.
- Ergotherapie zur Anpassung des Wohnumfelds und Hilfsmittelversorgung.
- Operative Nervenentlastungen oder Stimulationsverfahren in Einzelfällen.
Small-Fiber-Neuropathie
Die Small-Fiber-Neuropathie (SFN) ist eine spezielle Form der Polyneuropathie, bei der vor allem die kleinen, unmyelinisierten Nervenfasern betroffen sind. Diese Nervenfasern sind für die Schmerzwahrnehmung, die Temperaturregulation und die Funktion des autonomen Nervensystems zuständig.
Symptome der Small-Fiber-Neuropathie:
- Brennende, stechende Schmerzen, oft in den Füßen und Händen
- Überempfindlichkeit gegenüber Berührungen
- Störungen der Temperaturregulation (z.B. Schwitzen, Kältegefühl)
- Funktionsstörungen des autonomen Nervensystems (z.B. Herzrasen, Verdauungsprobleme, Blasenstörungen)
Diagnose der Small-Fiber-Neuropathie:
- Klinische Untersuchung
- Quantitative sensorische Testung (QST)
- Hautbiopsie zur Bestimmung der Nervenfaserdichte
Behandlung der Small-Fiber-Neuropathie:
Die Behandlung der SFN richtet sich nach der Ursache und den Symptomen. Neben der Behandlung der Grunderkrankung können Schmerzmittel, Antidepressiva und andere Medikamente zur Linderung der Beschwerden eingesetzt werden.
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Fibromyalgie: Chronische Schmerzen und mehr
Was ist Fibromyalgie?
Die Fibromyalgie ist eine chronische Schmerzerkrankung, die durchWeichteilschmerzen in verschiedenen Körperregionen gekennzeichnet ist. Die Betroffenen leiden zudem oft anBegleitsymptomen wie Müdigkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden und psychischen Problemen wie Depressionen und Angstzuständen.
Symptome
Die Symptome der Fibromyalgie sind vielfältig und können von Patient zu Patient variieren:
- Chronische Schmerzen in Muskeln und Sehnenansätzen
- Allgemeine erhöhte Schmerzempfindlichkeit, vor allem an bestimmten Triggerpunkten
- Körperliche und geistige Erschöpfung
- Schlafstörungen
- Kopfschmerzen
- Magen-Darmbeschwerden
- Gefühlsstörungen an Händen und Füßen
- Herzrasen und Luftnot
- Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen
- Seelische Beschwerden (innere Unruhe, Abgeschlagenheit, Angstgefühle bis hin zur Depression)
Diagnose
Die Diagnose der Fibromyalgie basiert auf denAnamnese, der körperlichen Untersuchung und dem Vorliegen bestimmter Kriterien:
- Ausführliche Anamnese (Patientengeschichte)
- Körperliche Untersuchung
- Untersuchung auf Druckschmerzhaftigkeit an spezifischen Triggerpunkten
- Ausschluss anderer Erkrankungen (Basislaboruntersuchungen)
- Elektroneurographie und Elektromyographie zum Ausschluss neuromuskulärer Erkrankungen
Behandlung
Die Behandlung der Fibromyalgie ist multimodal und umfasst verschiedene Therapieansätze:
- Körperorientierte Therapie: Ausdauertraining, Krafttraining
- Psychotherapie: Kognitive Verhaltenstherapie, Biofeedback
- Medikamente: Antidepressiva (im sogenannten "Off-Label"-Gebrauch), Schmerzmittel
Weitere neurologische Erkrankungen und ihre Behandlung
Neben Polyneuropathien und Fibromyalgie gibt es zahlreiche weitere neurologische Erkrankungen, die eine spezielle Behandlung erfordern. Einige Beispiele sind:
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Demenz
Die Demenz ist ein neurologisches Krankheitsbild, das durch eine Verschlechterung der geistigen Fähigkeiten bis hin zum völligen Verlust gekennzeichnet ist. Symptome sind Gedächtnisverlust, Verwirrtheit, Schwierigkeiten beim Sprechen oder Schreiben,Veränderungen im Verhalten und in der Persönlichkeit sowie Schwierigkeiten bei der Durchführung alltäglicher Aufgaben. Die Diagnose erfordert eine ausführliche Anamnese, körperliche Untersuchung, Bildgebung (MRT), Elektroenzephalographie, Liquorpunktion und Laboruntersuchungen. Die Behandlung ist multiprofessionell und umfasst Antidementiva, neuropsychologisches Training, Physio-, Ergo- und Logotherapie sowie Ernährungsoptimierung. Eine enge Begleitung der Familie ist wichtig.
Karpaltunnelsyndrom
Das Karpaltunnelsyndrom ist ein Engpasssyndrom, bei dem der Mittelarmnerv (N. medianus) am Unterarm eingeengt wird. Es kommt zu Missempfindungen an den Fingern der Hand und zu Schmerzen mit Ausstrahlung in die Schulter. Bei Fortschreiten der Einengung kann es zu Feinmotorikstörungen und Lähmungen kommen. Eine frühzeitige Therapie mit einer Unterarmschiene zur Nacht kann zu einer vollständigen Heilung führen. In fortgeschrittenen Stadien kann eine operative Spaltung des Retinaculum flexorum notwendig sein.
Epilepsie
Die Epilepsie ist eine Erkrankung des Gehirns, die zum wiederholten Auftreten von epileptischen Anfällen führt. Ein epileptischer Anfall führt zu vorübergehenden Symptomen wie unklarer Bewusstlosigkeit, Sprachstörung, Abwesenheitszuständen, schlaffem Muskeltonus oder rhythmischem Zucken von Armen und Beinen. Die Diagnose erfordert eine ausführliche Anamnese, körperliche Untersuchung, Elektroenzephalographie, Bildgebung (MRT), Liquorpunktion und ggf. genetische Untersuchungen. Die medikamentöse Einstellung ist wichtig, um eine Stigmatisierung zu vermeiden. Es gibt verschiedene Medikamente, um die neuronale Erregbarkeit zu steuern. In manchen Fällen ist eine Epilepsiechirurgie möglich.
Kopfschmerzen
Kopfschmerzen sind weit verbreitet und können viele Ursachen haben. Man unterscheidet primäre Kopfschmerzen (z.B. Spannungskopfschmerzen, Migräne) und sekundäre Kopfschmerzen (Folge anderer Erkrankungen).
Migräne: Die Migräne ist eine Erkrankung, die zu mäßigen bis starken Kopfschmerzen führt, die oft einseitig pulsierend auftreten. Begleitende Licht- und Lärmempfindlichkeit führen zu sozialen Rückzugstendenzen. Das Auftreten der Migräneattacken kann mit oder ohne Aura ablaufen. Die Diagnose erfordert eine ausführliche Anamnese, körperliche Untersuchung, Basislabor und ggf. Elektroenzephalographie und Bildgebung (MRT). Die Behandlung umfasst eine Akuttherapie (z.B. Triptane) und eine Migräneprophylaxe (u.a. Betablocker, monoklonale Antikörper gegen CGRP). Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, die Therapie zu optimieren.
Multiple Sklerose
Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die zu Entzündungen im Bereich der Nervenhüllstruktur und daraus resultierender "Entmarkung" von Nerven (Demyelinisierung) im zentralen Nervensystem führt. Typische Symptome sind Verschwommensehen, Taubheitsgefühle, Lähmungen, Doppelbilder, Schwindel, Blasenstörungen und chronisches Erschöpfungssyndrom. Eine frühzeitige neurologische Vorstellung und Diagnostik ist wichtig, um die Entzündung und Zerstörung der Nervenhüllstruktur zu stoppen. Die Diagnose erfordert eine ausführliche Anamnese, körperliche Untersuchung, Basislabor, Bildgebung (MRT des Kopfes und der Halsmarks), evozierte Potentiale und Liquorpunktion. Unbehandelt kann die MS zu bleibenden neurologischen Defiziten führen.
Muskelerkrankungen
Unter dem Begriff der Muskelerkrankungen lässt sich eine große Gruppe von Erkrankungen unterschiedlicher Ursache fassen, die sich beispielhaft mit folgenden Symptomen präsentieren: Schwächegefühl in der Muskulatur, Druckschmerzhaftigkeit in der Muskulatur, verlängertes Muskelkatergefühl, Muskelkrämpfen und Muskelschwund. Zur Diagnose werden Anamnese, körperliche Untersuchung, Basislabor, Elektroneurographie, Elektromyographie, Bildgebung (MRT des Muskels) und genetische Untersuchungen eingesetzt. Es gibt zahlreiche neue Therapien für die unterschiedlichen neuromuskulären Erkrankungen.
Neurologische Schmerzsyndrome
Ein neurologisches Schmerzsyndrom liegt vor, wenn Schmerzen nicht mehr nur als Warnsignal dienen, sondern durch gestörte Reizverarbeitung in den Nerven ausgelöst werden. Diese Schmerzen äußern sich oft brennend, stechend oder einschießend, dauerhaft oder anfallsartig, begleitet von Kribbeln, Taubheit oder Gefühlsstörungen. Ursachen können Nervenschäden bei Diabetes (Polyneuropathie), Schmerzen nach Gürtelrose (Post-Zoster-Neuralgie), Bandscheibenvorfälle mit Nervenreizung, Trigeminusneuralgie (Gesichtsschmerz), komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS) nach Operationen oder Verletzungen oder Schmerzen nach Schlaganfall oder Rückenmarksschädigung sein. Die Therapie ist komplex und erfordert eine Kombination verschiedener Maßnahmen.
Neuroorthopädie
Die Neuroorthopädie befasst sich mit Erkrankungen des Bewegungsapparates, die durch neurologische Ursachen bedingt sind. Erkrankungen der Nerven- und der Muskulatur schränken die Bewegung ein und es treten z.B. Lähmungen auf. Durch mögliche Fehlhaltungen kommt es zu Verspannungen der Muskulatur und Überlastungen von Gelenken. Beispielhafte Erkrankungen sind Bandscheibenvorfälle/Radikulopathien, lumbale oder zervikale Spinalkanalstenosen, Piriformis-Syndrom und Spondylolisthesis. Die Diagnostik umfasst Anamnese, körperliche Untersuchung, Basislabor, Elektroneurographie, Elektromyographie, evozierte Potentiale und bildgebende Diagnostik (z.B. MRT der Wirbelsäule).
Chronische Rückenschmerzen
Chronische Rückenschmerzen, die länger als 12 Wochen anhalten, sind eine eigenständige Erkrankung, bei der die eigentliche Ursache nicht mehr im Vordergrund steht. Es entsteht ein Schmerzgedächtnis durch Veränderungsprozesse in den Nervenzellen von Gehirn und Rückenmark. Die Behandlung erfolgt mit einem multimodalen Behandlungsprogramm, das verschiedene schmerztherapeutische Verfahren miteinander verbindet.
Complex Regional Pain Syndrome (CRPS)
Das komplexe regionale Schmerzsyndrom (CRPS) kann in Folge eines Traumas oder einer Operation an Armen oder Beinen auftreten. Die Symptome sind eine Kombination aus anhaltenden, unangemessen starken Schmerzen, entzündlichen Symptomen, Schwellung und Schwitzen, verminderter Beweglichkeit und Kraft sowie Störungen der Empfindung und Körperwahrnehmung. Die Therapie ist multidisziplinär.
Nervenschmerzen
Nervenschmerzen entstehen als Folge einer Schädigung des die Körperwahrnehmung betreffenden Systems. Die Wahrnehmung von Sinneseindrücken aus Haut, Organen, Muskeln und Gelenken ist gestört. Nervenschmerzen können dauerhaft brennend, einschießend und krampfartig sein. Typische Erkrankungen, welche zu Nervenschmerzen führen können sind Diabetes mellitus, Small-Fiber-Neuropathien, Nervenengpasssyndrome, Durchblutungsstörungen, CRPS, Neuralgie nach Herpes Zoster oder Trigeminusneuralgie. Die Therapie ist immer individuell und multidisziplinär.
Schmerzen bei Rheuma und Arthrose
Arthrose verursacht Schmerzen in Gelenken durch Abnutzung des Gelenkknorpels. Die Therapie soll als Ziel den vorhandenen Knorpel erhalten um die Beweglichkeit der Gelenke zu verbessern. Auch Rheumaschmerzen beginnen mit Gelenkschmerzen und Schwellungen durch Gelenkentzündungen, vor allem der Hände. Eine frühzeitige, kombinierte Behandlung aus Medikamenten, Ergotherapie, Krankengymnastik, Psychotherapie und Patientenschulungen ist nötig um eine fortschreitende Gelenkentzündung zu verzögern.
Kopf- und Gesichtsschmerzen
Es gibt mehr als 300 unterschiedliche klassifizierte Kopfschmerzformen. Viele Kopfschmerzformen sind chronische Schmerzen, z.B. Migräne und Spannungskopfschmerzen, welche eine eigenen Erkrankung darstellen. Auch Gesichtsschmerzen, z.B. nach Herpes-Zoster-Infektion oder Trigeminusneuralgien, müssen einer gezielten, effektiven Behandlung zugeführt werden. Die Therapie umfasst medikamentöse, interventionelle, physiotherapeutische und psychologische Verfahren.
Schmerzen bei Durchblutungsstörungen
Oft äußern sich Durchblutungsstörungen in den Beinen durch Schmerzen beim Gehen. Sie können in der Wade, im Fuß oder im Oberschenkel auftreten. Die Schmerzen können im Verlauf auch in Ruhe und nachts auftreten. Begleitsymptome können Kribbelgefühle, Empfindungsstörungen und Taubheitsgefühle sein. Die Schmerztherapie hängt vom Ausmaß der Gefäßschädigung ab.
Phantomschmerzen
Phantomschmerzen sind Schmerzen in einem Körperteil, welches nicht mehr vorhanden ist. Sie äußern sich in schmerzhaftem Kribbeln und Zucken. Heute geht man davon aus, dass Umorganisationen im Gehirn für diesen Schmerz ursächlich sind. Stress und depressive Störungen können Phantomschmerzen negativ beeinflussen, so dass eine multimodale Therapie durch ein Behandlungsteam erforderlich ist.
Schmerzen bei Osteoporose
Osteoporose ist eine langsam fortschreitende Erkrankung. Bleibt sie unbehandelt, kommt es häufiger zu Wirbelkörpereinbrüchen mit Veränderung der Wirbelsäulenstatik. Der Rücken wird dadurch runder. Es kommt zu einer Fehlstellung mit überlasteter Muskulatur und Reizungen an Sehnen und Bändern, verbunden mit chronischen Schmerzen. Im Fall der fortgeschrittenen Osteoporose wird eine multiprofessionelle Schmerztherapie empfohlen.
Schmerzen bei Tumorerkrankungen
Chronische Schmerzen bei Krebserkrankungen können durch die wachsenden Tumore ausgelöst werden, aber auch durch die Krebstherapie. Eine Chemotherapie kann durch eine Schädigung von Nerven Dauerschmerzen hervorrufen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt eine bedarfsgerechte Schmerztherapie nach einem Stufenschema mit Nichtopioiden und Opioiden.
Schmerztherapie nach Operationen und bei akuten Schmerzen
Im Alfried Krupp Krankenhaus werden begleitend zur Vollnarkose häufig örtliche Betäubungsmittel mittels Kathetern ultraschallgesteuert in die Nähe der Nerven platziert, die das Operationsgebiet versorgen. Zusätzlich wird in vielen Fällen eine lokale Betäubung des Operationsfeldes durch den Operateur durchgeführt. Das Ziel einer Schmerztherapie nach Operationen ist die Schmerzreduktion auf ein zufriedenstellendes Maß, welches für jeden Patienten individuell ist.
Die neurologische Reha: Ein umfassender Ansatz
Die neurologische Rehabilitation ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung vieler neurologischer Erkrankungen. Sie zielt darauf ab, dieFunktionsfähigkeit des Nervensystems wiederherzustellen,Folgeschäden zu minimieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die Reha umfasst in der Regel ein interdisziplinäres Team aus Ärzten, Therapeuten (Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden), Psychologen und Pflegekräften.
Ziele der neurologischen Reha
- Wiederherstellung vonFunktionen: Verbesserung vonMotorik, Sensorik, Kognition, Sprache undAlltagsfertigkeiten.
- Schmerzlinderung: Reduktion von Schmerzen und anderen Beschwerden.
- Bewältigung vonFolgeschäden: Umgang mit Lähmungen,Spastik,Sensibilitätsstörungen, Sprachstörungen und kognitiven Einschränkungen.
- Förderung derSelbstständigkeit: Erlangung größtmöglicherUnabhängigkeit im Alltag.
- Teilhabe am gesellschaftlichen Leben: Wiedereingliederung in Beruf, Familie undFreizeitaktivitäten.
- Verbesserung derLebensqualität: Steigerung desWohlbefindens und der Zufriedenheit.
Therapieansätze in der neurologischen Reha
- Physiotherapie: Verbesserung vonKraft, Koordination, Gleichgewicht undBeweglichkeit.
- Ergotherapie: Training vonAlltagsaktivitäten, Anpassung desWohnumfelds, Hilfsmittelversorgung.
- Logopädie: Behandlung vonSprach-, Sprech- undSchluckstörungen.
- Neuropsychologie: Training von kognitiven Fähigkeiten wieGedächtnis,Konzentration und Aufmerksamkeit.
- Schmerztherapie: Medikamentöse und nicht-medikamentöse Behandlung vonSchmerzen.
- Psychologische Betreuung: Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung und der Bewältigung von psychischenBelastungen.
- Sozialberatung: Beratung zu sozialen und beruflichen Fragen.
- Ernährungsberatung: Optimierung der Ernährung zur Unterstützung des Heilungsprozesses.
Rehakliniken und ihre Schwerpunkte
Es gibt zahlreiche Rehakliniken, die sich auf die Behandlung neurologischer Erkrankungen spezialisiert haben. Bei der Auswahl einer geeigneten Klinik sollten die individuellen Bedürfnisse und die Art der Erkrankung berücksichtigt werden. Einige Kliniken haben besondere Schwerpunkte, z.B. auf die Behandlung von Schlaganfallpatienten, MS-Erkrankten oder Patienten mitPolyneuropathien.
Vorbeugung und Lebensstilanpassungen
Eine gesunde Lebensweise kann das Risiko für neurologische Erkrankungen und Komplikationen deutlich senken:
- Blutzuckerkontrolle bei Diabetes: Durch Medikation, Ernährungsumstellung und Bewegung.
- Vollständiger Alkoholverzicht: Um alkoholtoxische Neuropathien zu vermeiden.
- Ausgewogene Ernährung: Mit ausreichend Vitaminen, Ballaststoffen und gesunden Fetten.
- Regelmäßige Bewegung: Wie Gehen, Schwimmen oder Radfahren zur Durchblutungsförderung.
- Raucherentwöhnung: Da Rauchen die Nerven und Gefäße schädigt.
- Gewichtsreduktion bei Übergewicht: Zur Entlastung der Nerven in Beinen und Füßen.
- Fußpflege und bequemes, druckentlastendes Schuhwerk: Zur Vorbeugung von Verletzungen.
- Frühzeitige Behandlung von Infektionen: Die Nerven schädigen können.
Unterstützung und Hilfsangebote
Mit einer neurologischen Erkrankung sind Sie nicht allein! Es gibt viele Anlaufstellen für Betroffene:
- Selbsthilfegruppen und Patientenorganisationen bieten Austausch und praktische Hilfen.
- Online-Foren und Communities bieten Gleichgesinnte zum Erfahrungsaustausch.
- Die Sozialverbände informieren über Ansprüche auf Nachteilsausgleiche, Hilfsmittel und finanzielle Unterstützung.
- Angehörige und Pflegepersonal erhalten Schulungen, um Betroffene bestmöglich zu unterstützen.
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