Lakritze, eine Süßigkeit, die traditionell aus der Süßholzwurzel gewonnen wird, ist für viele ein Genussmittel. Doch kann der Verzehr von Lakritze, insbesondere in größeren Mengen, tatsächlich Migräne auslösen? Dieser Frage soll im folgenden Artikel nachgegangen werden, wobei sowohl die Inhaltsstoffe von Lakritze als auch mögliche individuelle Auslöser für Migräne betrachtet werden.
Was ist Lakritze?
Lakritze wird hauptsächlich aus der Süßholzwurzel gewonnen. Die Süßholzwurzel enthält den Pflanzenstoff Glycyrrhizin, der eine etwa 50-fach höhere Süßkraft als Haushaltszucker aufweist. Die Süßholzpflanze gehört zu den Hülsenfrüchten und wächst unter anderem in Asien, Amerika, Australien und dem Mittelmeerraum.
Echtes Süßholz wird maschinell zerkleinert, gekocht und eingedickt. Nach dem Entfernen der Fasern wird das Rohlakritz weiterverarbeitet. Lakritz-Süßigkeiten enthalten meist nur einen geringen Anteil an Rohlakritz (etwa fünf Prozent). Weitere Zutaten sind Zucker, Zuckersirup, Mehl, Bienenwachs, Gelatine, Salmiak sowie Farb- und Aromastoffe. Es gibt auch Lakritzprodukte, die ohne Süßholzextrakt hergestellt werden, wobei künstliche Aromen für den Geschmack sorgen.
Inhaltsstoffe und ihre Wirkung auf den Körper
Der Pflanzenstoff Glycyrrhizin wird im Körper durch Darmbakterien in Zucker und freie Glycyrrhetinsäure umgewandelt. Diese Säure kann ein Enzym in der Niere behindern, was zu Natrium- und Wasseranreicherungen im Körper und verstärkten Kaliumverlusten über den Urin führen kann. Dies kann folgende Symptome auslösen:
- Erhöhter Blutdruck
- Muskelschwäche
- Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme)
Ein weiterer Inhaltsstoff ist Ammoniumchlorid (Salmiak), das in höheren Dosen zu Übelkeit, Erbrechen und neurologischen Beschwerden führen kann. In sehr hohen Dosen wurden auch Stoffwechselprobleme durch eine Übersäuerung des Blutes (metabolische Azidose) beobachtet.
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Kennzeichnung und empfohlene Höchstmengen
Für Lakritzprodukte gibt es Kennzeichnungen, die sich auf den Gehalt an Ammoniumchlorid/Salmiak und Glycyrrhizinsäure beziehen:
- Produkte mit mehr als 20 Gramm Salmiak pro Kilogramm müssen mit der Aussage „Erwachsenenlakritz - kein Kinderlakritz“ gekennzeichnet sein.
- Salmiak-Gehalte zwischen 44,9 und 79,9 Gramm pro Kilogramm werden mit „Extra stark, Erwachsenenlakritz - kein Kinderlakritz“ gelabelt.
- Produkte mit über 80 Gramm pro Kilogramm Salmiak müssen mit einem Warnhinweis beschriftet werden: „Übermäßiger Verzehr kann insbesondere bei Personen mit Nierenerkrankungen die Gesundheit beeinträchtigen“.
- Süßwaren oder Getränke mit einer Konzentration an Glycyrrhizinsäure von 10 Milligramm pro 100 Gramm oder 10 Milligramm pro Liter müssen die Kennzeichnung „enthält Süßholz“ tragen.
- Produkte mit mindestens 400 Milligramm Glycyrrhizinsäure pro 100 Gramm (Starklakritz) werden mit der Aufschrift „enthält Süßholz - bei hohem Blutdruck sollte ein übermäßiger Verzehr dieses Erzeugnisses vermieden werden“ versehen.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, die Aufnahme von Glycyrrhizin auf unter 100 Milligramm pro Tag zu beschränken. Die empfohlenen Höchstmengen für Erwachsene sind:
- Kinderlakritz: maximal 100 Gramm pro Tag
- Erwachsenenlakritz (0,2 Gramm Glycyrrhizin pro 100 Gramm): möglichst weniger als 50 Gramm pro Tag
- Starklakritz (0,4 Gramm Glycyrrhizin pro 100 Gramm): maximal 25 Gramm pro Tag
Besondere Vorsicht ist bei importiertem Lakritz geboten, da der Glycyrrhizingehalt höher sein kann.
Lakritze und Migräne: Ein möglicher Zusammenhang
Obwohl wissenschaftliche Studien kaum einen direkten Zusammenhang zwischen bestimmten Nahrungsmitteln und Migräne sehen, berichten viele Patienten von bestimmten Lebensmitteln als Auslösern ihrer Migräne. Circa 20 Prozent der Migränekranken sind sich sicher, dass gewisse Speisen zu ihren persönlichen Triggern zählen.
Mögliche Mechanismen:
- Glycyrrhizin: Der in Lakritze enthaltene Stoff Glycyrrhizin kann den Blutdruck erhöhen und den Elektrolythaushalt beeinflussen, was potenziell Migräne auslösen könnte.
- Salmiak: Hohe Dosen von Salmiak können zu neurologischen Beschwerden und Stoffwechselproblemen führen, die ebenfalls Migräne begünstigen könnten.
- Histamin: Obwohl Lakritze selbst nicht unbedingt histaminreich ist, können bestimmte Inhaltsstoffe oder Zusatzstoffe in Lakritzprodukten bei Menschen mit Histaminintoleranz indirekt zu Migräne führen. Eine Histaminintoleranz liegt vor, wenn der Körper Histamin nicht ausreichend abbauen kann, was zu verschiedenen Symptomen wie Kopfschmerzen, Juckreiz und Magen-Darm-Beschwerden führen kann. Histamin ist natürlicherweise in vielen Lebensmitteln enthalten, insbesondere in fermentierten und gereiften Produkten wie Käse, Rotwein und bestimmten Wurstsorten. Bei einer Histaminintoleranz sollte man den Konsum dieser Lebensmittel reduzieren und auf frische, unverarbeitete Produkte zurückgreifen.
Weitere mögliche Migräne-Trigger
Neben Lakritze gibt es eine Reihe weiterer Lebensmittel und Faktoren, die als Migräne-Trigger in Frage kommen:
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- Alkohol: Alkohol wird häufig als Migräne-Trigger genannt, da er in eine Vielzahl biochemischer Prozesse eingreift und harntreibend wirkt, was zu Dehydrierung führen kann.
- Koffein: Ein plötzlicher Verzicht auf Koffein kann bei regelmäßigen Kaffeetrinkern Kopfschmerzen auslösen.
- Histamin und Tyramin: Diese Neurotransmitter können bei manchen Menschen Migräne auslösen.
- Schokolade: Obwohl viele einen Zusammenhang zwischen Schokolade und Migräne beobachten, vermuten Wissenschaftler, dass nicht die Schokolade selbst, sondern andere Faktoren wie Stress oder hormonelle Veränderungen die Kopfschmerzen auslösen.
- Stress: Stress ist ein bekannter Auslöser für Migräne.
- Schlafmangel: Zu wenig Schlaf kann das Risiko für Migräne erhöhen.
Was tun bei Verdacht auf Lakritze als Migräne-Auslöser?
Wenn Sie vermuten, dass Lakritze bei Ihnen Migräne auslöst, empfiehlt es sich, ein Migränetagebuch zu führen, in dem Sie Ihre Ernährung und Migräneattacken über einige Wochen festhalten. So können Sie möglicherweise herausfinden, ob ein Zusammenhang besteht.
Weitere Tipps:
- Reduzieren Sie den Lakritzkonsum: Versuchen Sie, den Konsum von Lakritze, insbesondere Starklakritze, zu reduzieren oder ganz zu vermeiden.
- Achten Sie auf die Inhaltsstoffe: Lesen Sie die Zutatenliste von Lakritzprodukten sorgfältig durch und achten Sie auf hohe Gehalte an Glycyrrhizin und Salmiak.
- Wählen Sie hochwertige Produkte: Bevorzugen Sie Lakritzprodukte mit einem hohen Anteil an Rohlakritz und wenigen Zusatzstoffen.
- Vermeiden Sie andere Trigger: Achten Sie auf andere mögliche Migräne-Trigger wie Alkohol, Koffein und Stress.
- Suchen Sie professionelle Hilfe: Wenn Sie unter häufigen Migräneattacken leiden, sollten Sie einen Arzt oder Spezialisten aufsuchen, um die Ursachen abzuklären und eine geeignete Behandlung zu finden.
Süßholz als Heilpflanze
Die Süßholzwurzel gilt auch als Heilpflanze und wird traditionell in Hustensäften und anderen Medikamenten eingesetzt. Sie entfaltet ihre heilsame Wirkung auf mehreren Wegen und kann bei Erkrankungen der oberen Atemwege sowie zur Senkung der Leberwerte eingesetzt werden. Allerdings sollte Lakritze aufgrund der möglichen Nebenwirkungen nur in Maßen genossen werden.
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