Epileptische Anfälle bei Katzen sind ein erschreckender Anblick für jeden Katzenfreund. Die Katze fällt plötzlich zur Seite um und liegt krampfend und zuckend auf dem Boden. Epilepsie ist eine Erkrankung, die nicht nur Katzen, sondern auch Hunde oder Menschen betrifft und unterschiedliche Ursachen haben kann. Um die genaue Ursache für epileptische Anfälle zu finden, sind meist zahlreiche Untersuchungsverfahren notwendig, so dass sich die Kosten nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) schnell im drei- bis vierstelligen Euro-Bereich aufsummieren können. Oft wird man von den anfallenden Kosten überrascht und kann sich evtl. nicht leisten.
Was ist eine neurologische Untersuchung?
Eine neurologische Untersuchung ist eine spezielle Untersuchung, die an die allgemeine klinische Untersuchung angeschlossen wird, wenn sich im Vorbericht oder bei der Erstuntersuchung des Tieres Hinweise für Störungen im Nervensystem ergeben haben. Mithilfe dieser speziellen Untersuchung versucht der Tierarzt, die Lokalisation für das Problem im Gehirn, Rückenmark oder in den davon wegziehenden Nerven zu finden.
Wann ist eine neurologische Untersuchung notwendig?
Eine neurologische Untersuchung ist notwendig, wenn Ihre Katze neurologische Symptome zeigt. Nicht immer, wenn neurologische Symptome wie Lähmungen, Krämpfe oder Verhaltensstörungen auftreten, ist das Nervensystem selbst erkrankt. Je nach Erscheinungsbild können orthopädische, kardiologische und metabolische Probleme ähnlich aussehen. Die folgenden Symptome können auf eine neurologische Erkrankung hinweisen:
- Veränderungen des Bewusstseins wie Teilnahmslosigkeit, Schläfrigkeit oder Koma.
- Desorientierung.
- Gleichgewichtsprobleme.
- Schmerzäußerung.
- Stolpern oder Lahmheit.
- Im Kreis laufen.
- Herunterhängen z.B. des Ohres, der Lippe.
- Schluck- oder Sehstörungen.
- Krampfhafte Anfälle.
Nach einem schweren Unfall oder Sturz Ihres Vierbeiners sollten Sie schnellstmöglich in die Tierarztpraxis. Es kann zu einem Schädeltrauma und dadurch zu einem Anstieg des Drucks in der Schädelhöhle kommen.
Ablauf einer neurologischen Untersuchung
Die neurologische Untersuchung umfasst mehrere Schritte:
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- Anamnese: Der Tierarzt befragt den Tierhalter ausführlich nach der Krankengeschichte der Katze. Da die Ursachen neurologischer Symptome sehr verschieden sein können und nicht neurologischen Ursprungs sein müssen, ist die Anamnese besonders wichtig. Da einige Erkrankungen wie Bandscheibenvorfall beim Dackel und Epilepsie beim Golden Retriever rassetypisch sind, ist hier auch die Rasse sehr wichtig. Im besten Fall wissen Sie, ob bei den Eltern oder Wurfgeschwistern Erkrankungen bestehen, die möglicherweise vererbt wurden. Seit wann besteht die Symptomatik, wie genau sieht sie aus und wird sie mit der Zeit oder in bestimmten Situationen besser oder schlechter (z.B. nach dem Fressen).
- Allgemeine Untersuchung: Der Tierarzt untersucht die Katze allgemein, um andere Erkrankungen auszuschließen, die ähnliche Symptome verursachen können. Möglicherweise kann schon in der Allgemeinen Untersuchung festgestellt werden, ob die Erkrankung nur einen bestimmten Bereich betrifft - wie bei einem Bandscheibenvorfall - oder den ganzen Körper, beispielsweise bei einem Diabetes. Um zum Beispiel einen Nährstoffmangel oder eine Vergiftung als Ursache sowie sekundäre Folgeerkrankungen auszuschließen, wird zusätzlich zu der eigentlichen neurologischen Untersuchung möglicherweise eine Blutuntersuchung gemacht. Auch eine Ultraschalluntersuchung kann sinnvoll sein, um andere Erkrankungen auszuschließen. Oft erfolgen diese Untersuchungen nach der allgemeinen Untersuchung.
- Beurteilung des Verhaltens: Der Tierarzt achtet darauf, wie sich die Katze in gewohnter (Zuhause) und in ungewohnter (beim Tierarzt) Umgebung verhält. Hier wird darauf geachtet, wie sich die Katze in gewohnter (Zuhause) und in ungewohnter (beim Tierarzt) Umgebung verhält. Abnormales Verhalten kann sich bei Katzen z. B. in Aggressivität oder Teilnahmslosigkeit zeigen.
- Beurteilung von Kopfhaltung und Rückenlinie: Der Tierarzt achtet auf die Kopfhaltung und Rückenlinie der Katze.
- Ganganalyse: Bei der Beurteilung des Ganges wird das Tier in verschiedenen Gangarten dem Tierarzt vorgeführt.
- Untersuchung der Hirnnerven: Als Kopfnerven werden jene Nerven bezeichnet, die im Hirn entspringen. Der Seh- und der Riechnerv, sowie jener für den Geschmackssinn sind Beispiele für Hirnnerven. Insgesamt sind es zwölf an der Zahl. Durch spezielle Tests überprüft der Tierarzt die Funktion der einzelnen Nerven, denen jeweils eine besondere Funktion im Körper zugeschrieben wird.
- Überprüfung der Halte- und Stellreaktionen: Normale Halte- und Stellreaktionen ermöglichen dem Tier in korrekter Position zu verharren und die Bewegungsabläufe zu koordinieren. Mit den Halte- und Stellreaktionen wird überprüft, ob die Information über die Position der vier Gliedmaßen (Propriozeption) unbeschädigt ist. Dazu muss das Tier z. B. kurzzeitig angehoben werden, so dass die Füße den Boden nicht mehr berühren.
- Reflexprüfung: Durch den Schlag mit einem Reflexhammer auf die Sehne, die einen Muskelbauch mit dem Knochen verbindet, kommt es durch die Weiterleitung von Nervenimpulsen zu einem Anspannen des Muskels. Die spinalen Reflexe sind jene Reflexe, die im Rückenmark umgeschaltet werden. Ein Reflex ist an sich eine unbewusste Antwort des Körpers auf einen auslösenden Reiz.
- Schmerzprüfung: Schmerz hat für das Befinden der Katze eine elementare Bedeutung und eine schützende Funktion als Frühwarnsystem zur Vermeidung von Schäden. Wie schmerzhaft ein Reiz für ein Tier ist, kann nicht beurteilt werden, da dies eine subjektive Empfindung ist.
Zusätzliche Untersuchungen
Nach der neurologischen Untersuchung und Eingrenzung der verschiedenen Diagnosemöglichkeiten werden bei Bedarf weitere Untersuchungen angeschlossen. Das sind vordergründig Blut- und Hirnflüssigkeitsuntersuchungen, bildgebende Verfahren oder die Überprüfung der Leitungsfähigkeiten von nervalen Impulsen über die Elektrodiagnostik (z. B. EEG).
Bildgebende Verfahren
Früher war die genaue Untersuchung von inneren Körperstrukturen bei Katzen eine Herausforderung, jedoch stehen uns heutzutage moderne diagnostische Technologien zur Verfügung, die in der Veterinärmedizin eingesetzt werden.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist ein bildgebendes Verfahren, das besonders geeignet ist, um Weichteilstrukturen darzustellen. Diese Strukturen können oft mit anderen Verfahren nur unzureichend oder gar nicht sichtbar gemacht werden. Mit der MRT kann man Sehnen, Bänder an Gelenken, sowie Veränderungen im Gehirn oder anderen Organen untersuchen. Besonders bei der Abklärung von Gelenkveränderungen und neurologischen Prozessen im Gehirn und Rückenmark, liefert die MRT durch ihre präzisen Weichteilkontraste die besten Ergebnisse. Die Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) ist eine Methodik der medizinischen Bildgebung, die ohne die Verwendung von ionisierenden Strahlen auskommt, welche das Risiko von Schädigungen der Zellen der Katze bergen könnten. Stattdessen wird ein starkes magnetisches Feld um den Patienten erzeugt, welches die positiv geladenen Kerne der Wasserstoffatome im Körper in eine bestimmte Richtung ausrichtet. Durch die Anpassung der Dauer und Intensität des ausgesendeten Magnetfeldes kann man die Kontraste des Bildes verändern. Allerdings muss die Katze während der Untersuchung, die zwischen 30 und 60 Minuten dauert, in einer spezifischen Position vollständig still liegen. Da die technischen Geräte für die MRT sehr kostenintensiv sind, verfügen in der Regel nur spezialisierte Tierkliniken und Praxen über die notwendige Ausrüstung. Bei einer geplanten MRT-Untersuchung einer Katze muss diese zuvor einer gründlichen Allgemeinuntersuchung unterzogen werden, um ihre Narkosetauglichkeit zu bestätigen. Das Narkosemittel wird entweder als Injektion oder Inhalationsanästhesie verabreicht. Wenn die Katze in tiefem Schlaf ist, wird sie auf einem speziellen Tisch in der Untersuchungsposition fixiert und in die MRT-Röhre geschoben. Die lauten Geräusche, die während der Untersuchung innerhalb der MRT-Röhre entstehen, werden von der Katze aufgrund der Narkose nicht wahrgenommen.
- Computertomographie (CT): Um Gehirn und Rückenmark mit bildgebenden Verfahren zu untersuchen, führen wir entweder eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) durch. Die CT eignet sich besonders gut für Veränderungen an den Knochen wie zum Beispiel der Wirbelsäule, während die MRT sehr gut Weichteile wie das Gehirn oder das Rückenmark darstellt.
Liquoruntersuchung
Im Anschluss an die MRT oder CT, wird sehr häufig eine Probe der Gehirnflüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) punktiert und sofort untersucht. Dabei suchen wir vor allem nach Zeichen einer Entzündung, aber manchmal auch nach Tumorzellen.
Elektrodiagnostik
Bei Verdacht auf eine Erkrankung der peripheren Nerven empfehlen wir die Durchführung von Elektrodiagnostik um dies zu bestätigen und genauer zu charakterisieren.
Muskel- und Nervbiopsie
Eine Muskel- und Nervbiopsie, welche in einem Speziallabor untersucht wird, gibt uns oft eine genauere Aussage über die Art der Muskel- oder Nervenerkrankung.
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Kosten einer neurologischen Untersuchung
Die Kosten für eine neurologische Untersuchung bei der Katze können variieren, je nachdem, welche Untersuchungen durchgeführt werden müssen. Die neurologische Untersuchung beim Hund und bei der Katze kostet etwa 25 bis 55 Euro netto. Eine Liquor-Entnahme beläuft sich auf rund 35 bis 70 Euro und die Laboruntersuchung des Liquors kostet ungefähr 35 bis 75 Euro. Als Besitzer einer Katze müssen Sie mit Kosten in Höhe von mehreren hundert Euro für die MRT-Diagnostik Ihres Tieres rechnen. Zusätzlich zu den Kosten für die MRT-Untersuchung sind in der Regel auch die Kosten für die Allgemeinuntersuchung und Narkose, verwendete Medikamente, die resultierende Therapie (z.B. Physiotherapie) und gegebenenfalls ein Klinikaufenthalt zu berücksichtigen.
Hier eine Übersicht über die Gebühren für Grundleistungen nach der aktuellen Gebührenordnung für Tierärzte (Stand: August 2022):
- Allgemeine Untersuchung mit Beratung, Hund, Katze, Frettchen: 23,62 €
- Folgeuntersuchung im selben Behandlungsfall mit Beratung, Hund, Katze, Frettchen: 19,74 €
- Hausbesuch, außer bei landwirtschaftlichen Nutztieren: 34,50 €
Weitere Kosten können entstehen für:
- Blutuntersuchungen
- Röntgenaufnahmen
- Ultraschalluntersuchungen
- Computertomographie (CT)
- Magnetresonanztomographie (MRT)
- Liquoruntersuchung
- Elektrodiagnostik
- Muskel- und Nervbiopsie
Wer übernimmt die Kosten?
Eine Katzen-OP-Versicherung übernimmt normalerweise die Kosten für medizinisch notwendige Operationen - inklusive Diagnostik, Narkose, Nachsorge und Klinikaufenthalt. Die Katzenkrankenversicherung geht noch einen Schritt weiter: Sie deckt zusätzlich allgemeine Behandlungen, Medikamente und sogar Gesundheitspauschalen für Vorsorgeuntersuchungen bei Katzen ab, wie zum Beispiel Impfungen oder Wurmkuren. Bei HanseMerkur werden je nach Tarif die Kosten für ein Katzen-MRT (inklusive Kontrastmittel, Narkose und Diagnostik) vollständig oder anteilig übernommen. Besonders die Tarife Premium und Premium plus der HanseMerkur Katzenkrankenversicherung bieten umfassenden Schutz sowie eine direkte Abrechnung mit dem Tierarzt und Erstattungen bis zum 4-fachen GOT-Satz.
Alternativen zum MRT
In anderen Fällen kann jedoch unter Umständen eine herkömmliche Röntgenaufnahme oder eine Ultraschall-Untersuchung ausreichende Ergebnisse liefern, um eine passende Behandlung einzuleiten.
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Hier ein Überblick über die Vor- und Nachteile des MRT bei Katzen im Vergleich zu alternativen Optionen wie Röntgen, Ultraschall und CT:
| Verfahren | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| MRT bei Katzen | Beste Darstellung von Weichteilen (z. B. Gehirn, Rückenmark, Muskeln, Bänder)Keine Strahlenbelastung | Hohe KostenBenötigt NarkoseLange Untersuchungsdauer (30-60 Minuten)Nicht überall verfügbar |
| Röntgen | Günstiger als MRT und CTKeine Narkose erforderlichSchnelle Durchführung | Weniger detaillierte Darstellung von WeichteilenStrahlenbelastung |
| Ultraschall | Günstiger als MRT und CTKeine Narkose erforderlichKeine Strahlenbelastung | Begrenzte Darstellungsmöglichkeiten, insbesondere bei Knochen und Gehirn |
| CT (Computertomo) | Bessere Darstellung von Knochen als MRTSchnelle Durchführung | Weniger detaillierte Darstellung von Weichteilen als MRTBenötigt NarkoseStrahlenbelastung |
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