Neuromuskuläre Skoliose: ICD-10-Code, Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Die Skoliose ist eine bekannte Deformität der Wirbelsäule. Normale Wirbelsäulen haben leichte Krümmungen im Hals- und Lendenbereich nach vorne und im Brustbereich leicht nach hinten. Eine Skoliose liegt vor, wenn sich die Wirbelsäule deutlich zur Seite krümmt und die Wirbelkörper zusätzlich verdreht sind. Der ICD-10-Code für Skoliose ist M41.

Ursachen der Skoliose

In etwa 90 Prozent der Fälle kann die Ursache einer Skoliose nicht eindeutig festgestellt werden. Diese idiopathische Skoliose tritt meist im Kindes- oder Jugendalter auf und begleitet die Betroffenen ein Leben lang. Viele Mediziner vermuten, dass Probleme während des Wachstums entstehen, weil der Körper Hormone, Muskeln und Nerven falsch steuert, was zu unterschiedlichem Wachstum verschiedener Teile der Wirbelsäule führt. Enge Verwandte von Menschen mit Skoliose haben häufig ebenfalls eine Wirbelsäulenkrümmung.

Wenn eine erkennbare Ursache für die Skoliose vorliegt, spricht man von einer symptomatischen oder sekundären Skoliose. Mögliche Auslöser sind:

  • Angeborene Fehlbildungen
  • Systemerkrankungen
  • Neuropathische Skoliosen: Störungen im Nervensystem des Rückens
  • Myopathische Skoliosen: Folge von Muskelerkrankungen, z.B. Muskelschwund
  • Posttraumatische Skoliosen: Schäden an der Wirbelsäule durch Unfälle oder Operationen
  • Statische Skoliosen: Unterschiedliche Beinlängen

Symptome der Skoliose

Eine schwach ausgeprägte Skoliose verursacht oft keine Beschwerden oder offensichtlichen Veränderungen am Rücken. In der Regel ist die Skoliose jedoch erkennbar, auch wenn sie über lange Zeit keine Schmerzen verursacht.

Typische Symptome einer Skoliose sind:

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  • Hauptkrümmung der Wirbelsäule: Meist nach rechts oder links, wobei sich der überwiegende Teil nach rechts dreht.
  • Fehlstellungen: Ab dem Alter von zehn bis zwölf Jahren können sich weitere Fehlstellungen entwickeln.
  • Unterschiedliche Schulterhöhe: Eine Schulter liegt einige Zentimeter höher als die andere.
  • Rippenbuckel: Eine Seite des Rückens steht in einer Art Buckel hervor, besonders sichtbar beim Vorbeugen.
  • Beckenschieflage: Das Becken hat eine sichtliche Schieflage, der Beckenkamm ist auf einer Seite höher.
  • Schiefe Kopfhaltung: Der Kopf steht, im Vergleich zum Oberkörper, etwas zu weit rechts oder links.
  • Verspannungen und Schmerzen: Mit zunehmendem Alter treten meistens Verspannungen und Schmerzen am Rücken auf, die sich auf Schultern, Nacken und Kopf ausweiten können.

Im Kindes- und Jugendalter muss eine Skoliose nicht immer mit Schmerzen einhergehen. Die falsche Haltung führt jedoch zu einer stärkeren Abnutzung der Wirbelsäule, wodurch sich die Beschwerden mit der Zeit verschlimmern, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. In seltenen Fällen verformt sich der Oberkörper so weit, dass die Skoliose auch innere Organe beeinträchtigt.

Diagnose der Skoliose

Erste Anzeichen für eine Skoliose entdecken Betroffene und deren Eltern meist selbst. Der Adams-Test kann durchgeführt werden, um den Verdacht zu bestätigen:

  1. Im Stehen den Oberkörper vornüber beugen.
  2. Die Arme herunterhängen lassen.
  3. Eine andere Person betrachtet den Rücken von hinten.

Bei einer Skoliose fällt meistens auf, dass auf einer Seite des Rückens ein Rippenbuckel hervorsteht. Außerdem treten auf derselben Seite die Lendenmuskeln sichtbar zu einem Lendenwulst heraus.

Bei Verdacht auf Skoliose sollte ein Arzt aufgesucht werden, in der Regel zunächst der Hausarzt, der dann an einen Orthopäden, idealerweise an einen Wirbelsäulenexperten oder eine Fachklinik, überweist.

Der Facharzt führt eine körperliche Untersuchung durch und beurteilt den Verlauf der Wirbelsäule. Anschließend werden meist Röntgenbilder angefertigt. Anhand der Röntgenbilder wird der Winkel der Wirbelsäulenkrümmung nach Cobb gemessen, um den Schweregrad der Skoliose zu bestimmen:

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  • Leichte Skoliose: Winkel zwischen zehn und 35 Grad
  • Mittelschwere Skoliose: Winkel zwischen 35 und 50 Grad
  • Schwere Skoliose: Winkel über 50 Grad

Vor allem bei Kindern im Wachstum sollten Röntgenuntersuchungen in regelmäßigen Abständen wiederholt werden.

Behandlung der Skoliose

Skoliosen sollten möglichst frühzeitig erkannt und medizinisch betreut werden. Eine frühzeitige Therapie hilft, Folgen und Auswirkungen der Skoliose einzuschränken. Die Entscheidung über eine konservative oder operative Therapie trifft der Arzt in Absprache mit dem Patienten.

Ziel der Therapie ist es, die Krümmung so gut wie möglich auszugleichen und zu verhindern, dass sich die Wirbelsäule noch stärker beugt.

Konservative Therapie

  • Krankengymnastik: Grundlage der Therapie, um die Muskeln im Oberkörper zu trainieren, vor allem an Bauch und Rücken. Das gibt der Wirbelsäule Halt und wirkt Verspannungen entgegen.
  • Korsett: Stabilisiert den Oberkörper und verhindert, dass sich die Wirbelsäule weiter krümmt. Im Idealfall korrigieren Korsette auch die Ausprägungen einer Skoliose. Patienten sollen das Korsett in der Regel für mindestens 23 Stunden am Tag tragen.

Operative Therapie

  • Operation: Bei sehr ausgeprägter Skoliose kann eine Operation sinnvoll sein. Dabei begradigen Ärzte die Wirbelsäule soweit wie möglich und versteifen einen Teil von ihr (Spondylodese). Chirurgen setzen Implantate aus Metall, z.B. kleine Schrauben, in bestimmte Wirbel ein, um zu verhindern, dass sich die Wirbelsäule erneut krümmt. Der Eingriff ist relativ aufwendig und geht mit gewissen Risiken einher.

Weitere ICD-10-Codes im Zusammenhang mit neuromuskulären Erkrankungen und Instabilitäten:

Neben dem ICD-10-Code M41 für Skoliose gibt es weitere Codes, die im Zusammenhang mit neuromuskulären Erkrankungen und Instabilitäten relevant sein können:

  • M23.-: Binnenschädigung des Kniegelenkes
  • M23.5-: Chronische Instabilität des Kniegelenkes
  • M25.-: Sonstige Gelenkkrankheiten, anderenorts nicht klassifiziert
  • M25.3-: Sonstige Instabilität eines Gelenkes
  • M53.-: Sonstige Krankheiten der Wirbelsäule und des Rückens, anderenorts nicht klassifiziert
  • M53.2-: Instabilität der Wirbelsäule
  • N31.-: Neuromuskuläre Dysfunktion der Harnblase, anderenorts nicht klassifiziert
  • F34.-: Anhaltende affektive Störungen (emotionale Instabilität)
  • F60.-: Spezifische Persönlichkeitsstörungen (emotionale Instabilität)
  • M24.-: Sonstige näher bezeichnete Gelenkschädigungen (Instabilität nach Bandverletzung)
  • E14.-: Nicht näher bezeichneter Diabetes mellitus mit neurologischen Komplikationen
  • E75.-: Störungen des Sphingolipidstoffwechsels (Neurolipidose)
  • E85.-: Amyloidose (Neuropathische heredofamiliäre Amyloidose)
  • G13.-*: Systematrophien, vorwiegend das Zentralnervensystem betreffend, bei anderenorts klassifizierten Krankheiten (Neuromyopathie und Neuropathie)
  • G21.-: Sekundäres Parkinson-Syndrom (Malignes neuroleptisches Syndrom)
  • G36.-: Sonstige akute disseminierte Demyelinisation (Neuromyelitis optica)
  • G90.-: Krankheiten des autonomen Nervensystems (periphere autonome Neuropathie)
  • G50 -: Krankheiten des N. trigeminus [V.
  • G51 -: Krankheiten des N. facialis [VII.
  • H47 -: Sonstige Affektionen des N. opticus [II.
  • H48 -: Affektionen des N. opticus [II.
  • N83 -: Nichtentzündliche Krankheiten des Ovars, der Tuba uterina und des Lig.
  • Q50 -: Angeborene Fehlbildungen der Ovarien, der Tubae uterinae und der Ligg.

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