Die Neuropathia vestibularis, eine Entzündung des Gleichgewichtsnervs, manifestiert sich durch plötzlich einsetzenden, starken Schwindel, der unbehandelt über Wochen, Monate oder sogar Jahre andauern kann. Im Gegensatz zum Morbus Menière, der in Schüben verläuft, ist der Schwindel bei der Neuropathia vestibularis anhaltend. Während konventionelle Therapiemaßnahmen oft begrenzt wirksam sind, gibt es alternative Behandlungsansätze, die Linderung verschaffen und die Rehabilitation unterstützen können. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Neuropathia vestibularis und stellt alternative Behandlungsoptionen vor.
Was ist Neuropathia vestibularis?
Die Neuropathia vestibularis ist eine Erkrankung, bei der es zu einer Entzündung des Nervus vestibularis kommt, der für die Übertragung von Gleichgewichtsinformationen vom Innenohr zum Gehirn verantwortlich ist. Das Hauptsymptom ist ein plötzlich auftretender Drehschwindel, der oft von Übelkeit und Erbrechen begleitet wird. Die Beschwerden verstärken sich in der Regel bei Kopfbewegungen, sind aber nicht lageabhängig.
Ursachen und Diagnose
Die genaue Ursache der Neuropathia vestibularis ist oft unklar. Eine virale Genese, insbesondere eine Reaktivierung von Herpes-simplex-Viren Typ 1, wird vermutet. Auch Durchblutungsstörungen im Bereich des Nervs könnten eine Rolle spielen.
Die Diagnose erfolgt in der Regel durch einen HNO-Arzt oder Neurologen. Sie basiert auf der Anamnese, der klinischen Untersuchung und gegebenenfalls apparativen Untersuchungen wie der Elektronystagmographie (ENG) mit kalorischer Prüfung oder vestibulär evozierten myogenen Potenzialen (VEMPs). Wichtig ist, andere Ursachen für den Schwindel auszuschließen, wie z.B. einen Schlaganfall, Multiple Sklerose oder ein Akustikusneurinom.
Konventionelle Behandlung
Die konventionelle Therapie der akuten Neuropathia vestibularis zielt in erster Linie auf die Linderung der Symptome ab. Antivertiginosa können in den ersten Tagen bei starker Übelkeit und Erbrechen eingesetzt werden, sollten aber nicht zu lange angewendet werden, da sie die zentrale Kompensation des Vestibularisausfalls verzögern können. In einigen Fällen werden Glukokortikosteroide (Kortison) zur Behandlung der Entzündung eingesetzt.
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Alternative Behandlungsansätze
Neben den konventionellen Behandlungsmethoden gibt es verschiedene alternative Ansätze, die bei der Behandlung der Neuropathia vestibularis in Betracht gezogen werden können.
Akupunktur
Die Akupunktur ist ein traditionelles chinesisches Therapieverfahren, bei dem feine Nadeln in bestimmte Punkte des Körpers gestochen werden, um den Energiefluss (Qi) zu regulieren. Einige Therapeuten empfehlen die Akupunktur zur Behandlung der Neuropathia vestibularis, insbesondere im akuten Stadium. Es wird berichtet, dass bereits wenige Sitzungen zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden führen können. Auch im chronischen Stadium kann die Akupunktur erfolgreich eingesetzt werden, wobei die Therapie in der Regel länger dauert.
Ein Fallbeispiel zeigt, dass ein Patient mit Neuropathia vestibularis, bei dem die medikamentöse Therapie erfolglos blieb, durch Akupunktur eine deutliche Besserung erfuhr. Nach fünf Sitzungen war der Patient wieder gehfähig. Bei einem Wiederauftreten des Schwindels konnte die Akupunktur die Beschwerden innerhalb von 40 Minuten vollständig beseitigen.
Vestibuläre Rehabilitationstherapie (VRT)
Die vestibuläre Rehabilitationstherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung der Neuropathia vestibularis. Sie umfasst spezifische Kopf-, Körper- und Augenübungen, die darauf abzielen, das Gehirn umzutrainieren, um die gestörten Gleichgewichtssignale zu kompensieren. Die Übungen helfen, die Blickstabilisation zu verbessern und den vestibulookulären Reflex (VOR) neu einzurichten.
Beispiele für VRT-Übungen sind:
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- Willkürliche Augenbewegungen und Fixation
- Aktive Kopfbewegungen
- Gleichgewichtsübungen im Stehen und Gehen
- Übungen auf instabilem Untergrund (z.B. Kissen)
Die Übungen sollten individuell auf den Patienten abgestimmt und unter Anleitung eines erfahrenen Therapeuten durchgeführt werden.
Bewegung und körperliches Training
Regelmäßige Bewegung und körperliches Training sind entscheidend für die Rehabilitation nach einer Neuropathia vestibularis. Sie fördern die Durchblutung, stärken die Muskulatur und verbessern die Koordination. Geeignete Sportarten sind beispielsweise Yoga, Joggen, Spazierengehen oder Schwimmen.
Es ist wichtig, die Belastung langsam zu steigern und Überanstrengung zu vermeiden. Eine Überanstrengungsreaktion (postexertionelle Malaise) kann die Symptome verschlimmern.
Osteopathie und Atlastherapie
Einige Patienten berichten von einer Besserung ihrer Beschwerden durch osteopathische Behandlungen oder Atlastherapie. Die Osteopathie zielt darauf ab, Blockaden und Verspannungen im Körper zu lösen und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Die Atlastherapie konzentriert sich auf die Behandlung des Atlas, des obersten Halswirbels, der eine wichtige Rolle für die Körperhaltung und die Funktion des Nervensystems spielt.
Musiktherapie und Summen
Musik und Singen können möglicherweise Schwindel lindern. Unsere eigene Stimme bringt auch das Gewebe im Kopf zum Schwingen und wirkt auf das Ohr, dem Sitz des Gleichgewichtsorgans. Manche Gesänge zielen genau auf diese heilsame Resonanz hin wie z.B. gregorianische Gesänge. Der 10. Hirnnerv ist auch beteiligt an der Versorgung des Kehlkopfes, in dem die Stimmbänder sitzen. Auch die Luftröhre und die Bronchialmuskulatur wird teilweise vom 10.
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Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel
Eine ausgewogene Ernährung und die Einnahme bestimmter Nahrungsergänzungsmittel können die Rehabilitation unterstützen. Ein Vitamin-D-Mangel wurde in einigen Studien mit Schwindel in Verbindung gebracht. Die Einnahme von Vitamin D kann die Häufigkeit von Schwindelattacken reduzieren. Auch Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E, OPC aus dem Traubenkern oder Glutathion können helfen, oxidativen Stress zu reduzieren, der bei der Entstehung von peripherem Schwindel eine Rolle spielt.
Stressmanagement und Entspannungstechniken
Stress kann Schwindelattacken auslösen oder verstärken. Daher ist es wichtig, Stress abzubauen und Entspannungstechniken zu erlernen. Geeignete Methoden sind beispielsweise Yoga, Meditation, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung.
Tanztherapie
Der drehende Tanz, den die Derwische tanzen, heißt „Sema“. Die Schwingungen der Musik, die während des Tanzes erklingen, wirken auf den ganzen Körper, wobei der Muskeltonus sinkt. Den Tanz der Derwische zu erlernen, sei nicht einfach, erklärt Dr. Murat Enoz. Er führt in der arte-Sendung „Magische Orte in aller Welt: Türkei“ vor, wie es geht. Hier eine Zusammenfassung: Die Arme werden gehoben, die rechte Hand ist oben, die linke weiter unten. Die Finger der rechten Hand zeigen nach oben, die der linken Hand nach unten. Die Rotationsachse verläuft durch das linke Bein. Der Kopf ist um 25 Grad nach rechts geneigt, das Gesicht leicht nach links gedreht, die Augen sind halb geöffnet. Das rechte Ohr wird so im Tanz gleichmäßig stimuliert. Das linke Ohr bildet das oberen Abschluss der Rotationsachse.
Was Sie vermeiden sollten
Es gibt auch einige Faktoren, die Schwindel verschlimmern können und vermieden werden sollten:
- Überanstrengung: Vermeiden Sie körperliche Überanstrengung, da dies zu einer Überanstrengungsreaktion (postexertionelle Malaise) führen kann.
- Bestimmte Medikamente: Einige Medikamente können Schwindel als Nebenwirkung haben. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihre Medikamente Schwindel verursachen.
- Alkohol und Nikotin: Alkohol und Nikotin können die Durchblutung beeinträchtigen und Schwindel verstärken.
- Stress: Vermeiden Sie Stress und suchen Sie nach Entspannungstechniken, um Stress abzubauen.
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