Bandscheiben sind essenzielle Bestandteile unserer Wirbelsäule, die als Puffer zwischen den einzelnen Wirbeln dienen und deren Reibung verhindern. Sie bestehen aus einem weichen Gallertkern und einem festen Faserring. Ein Bandscheibenvorfall tritt auf, wenn der Faserring der Bandscheibe rissig wird und der Gallertkern in Richtung des Wirbelkanals austritt. Dieser Druck kann Schmerzen verursachen, die bis in Arme und Beine ausstrahlen können. In schwereren Fällen können Symptome wie Kribbeln, Taubheit und Lähmungen hinzukommen. Es ist wichtig, einen Bandscheibenvorfall von einer Bandscheibenvorwölbung zu unterscheiden, bei der der Faserring intakt bleibt und der Kern nicht austritt.
Ursachen und Risikofaktoren für Bandscheibenvorfälle
Ein Bandscheibenvorfall entsteht meist durch degenerative Veränderungen des Bindegewebes der Bandscheiben im Zuge des natürlichen Alterungsprozesses. Die Bandscheiben müssen im Laufe des Lebens vielen Belastungen standhalten, was zu Verschleiß führen kann. Mit der Zeit sinkt der Wassergehalt im Körper, wodurch die Elastizität der Bandscheiben abnimmt. Der äußere Faserring kann kleine Risse bekommen, sodass der Kern austreten kann.
Weitere Risikofaktoren sind:
- Übergewicht: Übergewicht belastet Rücken und Wirbelkörper zusätzlich. Das überschüssige Gewicht strapaziert Rücken und Wirbelkörper zusätzlich.
- Bewegungsmangel: Mangelnde Bewegung führt zu einer unzureichenden Versorgung der Bandscheiben mit Nährstoffen.
- Fehlbelastungen: Falsche Belastungen, wie falsches Heben und Tragen schwerer Lasten oder ruckartige Bewegungen, können ebenfalls einen Bandscheibenvorfall begünstigen.
- Geringe Grundmuskulatur: Eine schwach ausgebildete Bauch- und Rückenmuskulatur kann zu einer Instabilität des Körpers führen und Fehlbelastungen der Bandscheiben fördern. Nur eine starke Rumpfmuskulatur kann die Wirbelsäule effektiv entlasten.
- Falsche Körperhaltung: Achten Sie auf Ihre Körperhaltung und stellen Sie, wenn nötig, den Sitz im Vergleich zum Lenker oder Lenkrad etwas niedriger ein. Vermeiden Sie bei einem Diskusprolaps im Bereich der Halswirbelsäule vor allem langes Arbeiten am Laptop, Autofahren sowie Fernsehen.
- Ergonomischer Arbeitsplatz: Verbringen Sie täglich viele Stunden am Schreibtisch? Dann achten Sie auf eine ergonomische Einrichtung Ihres Arbeitsplatzes.
- Ungesunder Schlaf: Häufig unterschätzt ist ebenfalls eine gute Matratze.
- Genetische Veranlagung: Eine genetische Disposition kann ebenfalls eine Rolle spielen.
Lokalisation und Symptome von Bandscheibenvorfällen
Bandscheibenvorfälle treten am häufigsten im Bereich der Lendenwirbelsäule (lumbale Diskushernie) auf, da die unteren Wirbel das gesamte Gewicht der Wirbelsäule tragen. Seltener sind die Halswirbelsäule (HWS) und noch seltener die Brustwirbelsäule betroffen.
Die Symptome variieren je nach betroffenem Bereich der Wirbelsäule und dem Ausmaß des Drucks auf die Nerven:
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- Lendenwirbelsäule: Typische Symptome sind Rückenschmerzen, die bis ins Gesäß, Bein oder in den Fuß ausstrahlen können. Es können auch Taubheitsgefühle und Kraftausfälle auftreten. Bei Problemen der Darm- und Blasenentleerung ist umgehend ein Krankenhaus aufzusuchen.
- Halswirbelsäule: Hier äußern sich Bandscheibenvorfälle oft durch Nacken- und Rückenschmerzen, die in die Arme oder Schultern ausstrahlen. Auch hier können Taubheitsgefühle auftreten.
- Rückenmark: Wenn das Rückenmark betroffen ist, können intensive Schmerzen, Gefühlsstörungen, Taubheitsgefühle sowie eine Schwäche oder Lähmung von Armen und/oder Beinen entstehen.
- Pferdeschweif (Cauda equina): Liegt der Druck auf den Nerven am unteren Ende des Rückenmarks, kann es zu Störungen beim Wasserlassen oder der Darmentleerung kommen. Auch Taubheitsgefühle im Bereich des Afters, der Oberschenkelinnenseiten oder der Genitalien sind typische Warnzeichen.
Neuropathische Schmerzen bei Bandscheibenvorfällen
Neuropathische Schmerzen, auch Nervenschmerzen genannt, sind eine spezielle Art von Schmerz, die durch eine Schädigung oder Erkrankung von Nervenfasern entsteht. Im Gegensatz zu anderen Schmerzarten, bei denen die Schmerzimpulse von den Nervenendigungen in den Geweben des Körpers ausgehen, entstehen neuropathische Schmerzen durch eine Aktivierung der Schmerzbahn, die vom Bereich der Schädigung bis zum Gehirn reicht.
Bei einem Bandscheibenvorfall können neuropathische Schmerzen entstehen, wenn der ausgetretene Gallertkern auf eine Nervenwurzel drückt. Dies führt zu einer Schädigung der Nervenfasern und somit zu neuropathischen Schmerzen.
Symptome neuropathischer Schmerzen
Neuropathische Schmerzen äußern sich oft durch:
- Brennende, bohrende, stechende oder einschießende Schmerzen
- Berührungsempfindlichkeit (Allodynie), bei der leichte Berührungen starke Schmerzen verursachen
- Taubheitsgefühle oder Missempfindungen im betroffenen Bereich
- Schmerzen, die sich entlang des Versorgungsgebiets eines Nervs oder einer Nervenwurzel ausbreiten
Diagnose neuropathischer Schmerzen
Die Diagnose neuropathischer Schmerzen basiert auf einer sorgfältigen Anamnese und einer gründlichen körperlichen Untersuchung. Der Arzt wird den Patienten nach der Art, Stärke, Lokalisation und dem Verlauf der Schmerzen fragen. Zudem werden Sensibilitäts- und Motoriktests durchgeführt, um die Nervenfunktion zu überprüfen.
In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie CT oder MRT eingesetzt werden, um die Ursache der Nervenschädigung zu identifizieren, beispielsweise einen Bandscheibenvorfall. Ergänzend können eine Schmerzzeichnung, Schmerzfragebögen und weitere Spezialtests durchgeführt werden.
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Behandlung von Bandscheibenvorfällen mit neuropathischen Schmerzen
Die Behandlung von Bandscheibenvorfällen mit neuropathischen Schmerzen zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Nervenfunktion wiederherzustellen und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern.
Konservative Behandlung
In den meisten Fällen kann ein Bandscheibenvorfall konservativ behandelt werden. Ziel der konservativen Therapie ist es, den körpereigenen Abheilungsprozess möglichst schmerzfrei zu gestalten.
Zu den konservativen Maßnahmen gehören:
- Schmerzmittel: Klassische Schmerzmittel wie Paracetamol, Ibuprofen oder Diclofenac können zur Linderung der Schmerzen eingesetzt werden. Bei sehr starken Schmerzen können Opioide verordnet werden.
- Muskelentspannende Medikamente: Bei schmerzhaften Muskelverspannungen können verschreibungspflichtige Medikamente eingesetzt werden, die die Skelettmuskulatur entspannen.
- Physiotherapie: Regelmäßige, angepasste Bewegung ist ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung. Spezielle Übungen können die Nervenschmerzen lindern, Verspannungen lösen und Schonhaltungen korrigieren.
- Wärme- und Kälteanwendungen: Bei akuten Nervenschmerzen können Kälteanwendungen lindernd wirken. Nach der akuten Phase werden meist Wärmeanwendungen empfohlen.
- Injektionen: Gezielte Injektionen können helfen, die Symptome eines Bandscheibenvorfalls zu lindern und die Beweglichkeit zu verbessern.
Medikamentöse Therapie neuropathischer Schmerzen
Zur Behandlung neuropathischer Schmerzen können spezielle Medikamente eingesetzt werden, die auf die Nervenfasern wirken und die Schmerzübertragung beeinflussen. Dazu gehören:
- Antidepressiva: Einige Antidepressiva, wie Amitriptylin oder Duloxetin, können auch bei neuropathischen Schmerzen wirksam sein.
- Antikonvulsiva: Antikonvulsiva, wie Gabapentin oder Pregabalin, werden ursprünglich zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt, können aber auch neuropathische Schmerzen lindern.
- Opioide: In einigen Fällen können Opioide zur Behandlung sehr starker neuropathischer Schmerzen eingesetzt werden.
Die medikamentöse Therapie neuropathischer Schmerzen erfordert eine individuelle Anpassung und sorgfältige Überwachung durch den Arzt.
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Operative Behandlung
Wenn die konservative Behandlung nicht ausreichend wirksam ist oder neurologische Ausfälle wie Lähmungen auftreten, kann eine Operation erforderlich sein. Ziel der Operation ist es, das ausgetretene Bandscheibengewebe zu entfernen und den Druck auf die Nervenwurzel zu verringern.
Es gibt verschiedene operative Verfahren, die je nach Lage und Ausmaß des Bandscheibenvorfalls eingesetzt werden können:
- Mikrochirurgische Diskektomie: Bei diesem minimal-invasiven Eingriff wird das Bandscheibengewebe unter Vollnarkose entfernt, das auf das Rückenmark bzw. die Nervenstränge drückt. Dafür ist ein kleiner Schnitt von zwei bis maximal vier Zentimetern Länge notwendig.
- Offene Diskektomie: Diese Technik wird meist bei komplexen Fällen oder Fehlbildungen der Wirbelsäule eingesetzt.
- Endoskopische Diskektomie: Bei diesem schonenden Verfahren werden Endoskope und feine Mikroinstrumente über kleine Hautschnitte eingeführt.
Nach einer Operation ist meist keine stationäre Reha oder erweiterte ambulante Reha-Maßnahme nötig. Dennoch ist der persönliche Einsatz der Patienten gefragt.
Weitere Behandlungsmöglichkeiten
Ergänzend zu den genannten Behandlungen können auch physikalische Maßnahmen, Ergotherapie und Psychotherapie sinnvoll sein. Schmerzbewältigungsmechanismen können den Umgang mit den chronischen Schmerzen verändern und dazu führen, dass der Schmerz „weniger Raum“ im Leben einnimmt.
Vorbeugung von Bandscheibenvorfällen
Einem Bandscheibenvorfall kann man mit verschiedenen Maßnahmen effektiv vorbeugen:
- Übergewicht abbauen: Übergewicht ist ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor.
- Aktivitätslevel erhöhen: Ein aktiver Lebensstil ist für gesunde Bandscheiben essenziell. Durch das aktive Stimulieren der Rückenmuskulatur wird die Wirbelsäule besser mit Wasser und Nährstoffen versorgt.
- Muskulatur aufbauen: Eine gut ausgebaute Rückenmuskulatur ist erwiesenermaßen eine der besten Maßnahmen, um einer Diskushernie vorzubeugen.
- Körperhaltung verbessern: Achten Sie auf Ihre Körperhaltung.
- Ergonomischer Arbeitsplatz: Achten Sie auf eine ergonomische Einrichtung Ihres Arbeitsplatzes.
- Gesunder Schlaf: Häufig unterschätzt ist ebenfalls eine gute Matratze.
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