Die Demenz ist ein Syndrom, das durch den fortschreitenden Verlust kognitiver Funktionen gekennzeichnet ist und sich auf die Alltagsfähigkeiten auswirkt. Sie ist ein Sammelbegriff für Erkrankungen, die durch zunehmende Defizite in kognitiven, emotionalen und sozialen Bereichen gekennzeichnet sind. Dieser Artikel beleuchtet die Symptome, Diagnosemethoden und Behandlungsansätze bei nicht näher bezeichneter Demenz, wobei auf die verschiedenen Demenzformen und ihre spezifischen Merkmale eingegangen wird.
Was ist Demenz?
Demenz (ICD-10 F00-F03) bezeichnet ein klinisches Syndrom, das als Abbau kognitiver Funktionen und Alltagskompetenzen definiert ist. Typisch sind eine nachlassende geistige Leistungsfähigkeit mit abnehmendem Denk- und Urteilsvermögen, zunehmender Orientierungslosigkeit und/oder Sprachverarmung, eine fortschreitende Beeinträchtigung der autobiographischen Identität sowie der Verlust von persönlichkeitsdefinierenden Eigenschaften, Selbstständigkeit und Autonomie. Oft sind Veränderungen der emotionalen Kontrolle, des Sozialverhaltens und/oder der Motivation zu beobachten.
Symptome und Verlauf
Der Verlauf einer Demenzerkrankung ist typischerweise progressiv (fortschreitend). Initial Symptome können subtil sein, etwa leichte Vergesslichkeit oder Stimmungsschwankungen, die oft fälschlicherweise dem Alter zugeschrieben werden. Mit fortschreitender Erkrankung werden die Symptome ausgeprägter, einschließlich deutlicher Gedächtnisverluste, Orientierungsproblemen, Schwierigkeiten bei der Ausführung alltäglicher Aufgaben und Persönlichkeitsveränderungen.
- Kognitive Defizite: Gedächtnisverlust, Schwierigkeiten beim Denken und Urteilen, Orientierungsprobleme, Sprachverarmung.
- Verhaltensänderungen: Veränderungen der emotionalen Kontrolle, des Sozialverhaltens oder der Motivation.
- Alltagsbeeinträchtigung: Schwierigkeiten bei der Ausführung alltäglicher Aufgaben, Verlust der Selbstständigkeit und Autonomie.
Formen der Demenz
Gemäß ICD-10 werden verschiedene Demenzformen unterschieden:
- Demenz bei Alzheimer-Krankheit (F00.*): Unterteilt in die mit frühem Beginn unter 65 Jahre (F00.0) und die mit spätem Beginn ab 65 Jahre (F00.1). Die Alzheimer-Krankheit ist eine primär degenerative zerebrale Krankheit mit unbekannter Ätiologie und charakteristischen neuropathologischen und neurochemischen Merkmalen.
- Vaskuläre Demenz: Das Ergebnis einer Infarzierung des Gehirns als Folge einer vaskulären Krankheit, einschließlich der zerebrovaskulären Hypertonie. Die Infarkte sind meist klein, kumulieren aber in ihrer Wirkung.
- Nicht näher bezeichnete Demenz (F03): Formen der Demenz, bei denen eine andere Ursache als die Alzheimer-Krankheit oder eine zerebrovaskuläre Krankheit vorliegt oder vermutet wird.
- Demenz bei anderenorts klassifizierten Krankheiten (F02.*): Hierzu gehören die Pick-Krankheit (F02.0), die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (F02.1), die Chorea Huntington (F02.2), das primäre Parkinson-Syndrom (F02.3), die HIV(„human immunodeficiency virus“)-Krankheit (F02.4) sowie weitere andernorts klassifizierte Erkrankungen (F02.8).
Alzheimer-Demenz
Die Alzheimer-Demenz ist mit 60-70 Prozent die häufigste Form aller Demenzerkrankungen. Fast alle dementen Patienten über 65 Jahre weisen im Gehirn Alzheimer-charakteristische Plaques und Tau-Fibrillen auf; etliche von ihnen zeigen zusätzlich vaskuläre Hirnanomalien. Die Ursache der Eiweißablagerungen ist bislang nicht vollständig entschlüsselt. Bei der Alzheimer-Krankheit blockieren Beta-Amyloid- und Tauproteine den neuronalen Informationsaustausch und führen zum Absterben der Nervenzellen.
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Vaskuläre Demenz
Bei vaskulären Demenzen kommt es in Folge von Durchblutungsstörungen des Gehirns zu einem Absterben von Nervenzellen. Vom Ausmaß der Durchblutungsstörung ist es abhängig, wie ausgeprägt die Demenz ist. Die häufigste Variante der vaskulären Demenz wird durch eine Wandverdickung in kleinen Blutgefäßen hervorgerufen, welche die tiefen Strukturen des Gehirns mit Blut versorgen. Bluthochdruck ist der wichtigste Risikofaktor.
Lewy-Körper-Demenz
Mit rund 20 Prozent ist die Lewy-Körper-Demenz (engl. dementia with Lewy bodies, DLB) die zweithäufigste Demenzform. Betroffene weisen aus abnorm phosphorylierten Proteinen bestehende Einschlüsse im neuronalen Zytoplasma auf - die sogenannten Lewy-Körperchen. Warum diese Aggregate entstehen, ist nach wie vor unklar. Kennzeichnend für eine Lewy-Körperchen-Demenz sind starke Schwankungen der geistigen Leistungsfähigkeit und der Aufmerksamkeit, optische Halluzinationen und leichte Parkinsonsymptome.
Frontotemporale Demenz
Die Frontotemporale Demenz (FTD) ist mit etwa 3-9 Prozent aller Demenzfälle deutlich seltener als die Alzheimer- und Lewy-Körper-Demenz. Bei jüngeren Demenzpatienten liegt der Anteil höher. Charakteristisch sind intra-/extrazelluläre Proteinakkumulationen, subkortikale Gliosen und ein Neuronenverlust.
Sekundäre Ursachen
Zahlreiche Erkrankungen können zu kognitiven Störungen und demenzieller Symptomatik führen, zum Beispiel:
- Endokrinopathien (Hypothyreose, Hyperthyreose, Hypoparathyreoidismus, Hyperparathyreoidismus)
- Vitaminmangelkrankheiten (Vitamin-B12-Mangel, Folsäuremangel, Vitamin-B1-Mangel, Vitamin-B6-Mangel)
- Metabolische Enzephalopathien (chronische Lebererkrankungen, chronische Nierenerkrankungen)
- Intoxikationen (Industriegifte, Medikamente, Alkoholabhängigkeit)
- Elektrolytstörungen (Hyponatriämie, Hypernatriämie)
- Hämatologisch bedingte Störungen (Polyzythämie, Hyperlipidämie, multiples Myelom, Anämie)
- Chronische Infektionskrankheiten (bakteriell: M. Whipple, Neurosyphilis, Neuroborreliose; viral: Zytomegalie, HIV-Enzephalitis, progressive multifokale Leukoenzephalitis)
- Spätformen der Leukodystrophien (zum Beispiel Zeroidlipofuszinose)
Diagnose
Bis eine Demenz ärztlich diagnostiziert wird, dauert es im Schnitt ca. Initialsymptome können subtil sein, etwa leichte Vergesslichkeit oder Stimmungsschwankungen, die oft fälschlicherweise dem Alter zugeschrieben werden.
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Diagnostische Kriterien nach ICD-10
Demenz (F00-F03) ist ein Syndrom als Folge einer meist chronischen oder fortschreitenden Krankheit des Gehirns mit Störung vieler höherer kortikaler Funktionen, einschließlich Gedächtnis, Denken, Orientierung, Auffassung, Rechnen, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen. Das Bewusstsein ist nicht getrübt. Die kognitiven Beeinträchtigungen werden gewöhnlich von Veränderungen der emotionalen Kontrolle, des Sozialverhaltens oder der Motivation begleitet, gelegentlich treten diese auch eher auf.
Differenzialdiagnostik
Es ist wichtig, andere Ursachen für kognitive Beeinträchtigungen auszuschließen, wie z.B. Depressionen, Delir oder andere psychische Störungen.
ICD-11
In ICD-11 werden aktuelle diagnostische Klassifikationen neurodegenerativer Demenzerkrankungen aufgegriffen. In Kapitel 6 (Psychische Störungen, Verhaltensstörungen, neuromentale Entwicklungsstörungen) werden in dem Unterkapitel Neurokognitive Störungen die Demenzen aufgeführt. Aufgelistet werden hier die Demenz durch Alzheimer-Krankheit (6D80), eingeteilt in die mit frühem Beginn vor dem 65. Lebensjahr (6D80.0) und die mit spätem Beginn ab dem 65. Lebensjahr (6D80.1).
Risikofaktoren
Epidemiologische Studien haben etliche Faktoren ermittelt, die das Risiko einer Demenzerkrankung erhöhen. Wichtigster Risikofaktor ist ein hohes Lebensalter. Da Frauen statistisch älter werden als Männer, sind sie auch häufiger von Demenz betroffen.
- Alter: Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter.
- Geschlecht: Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
- Genetische Faktoren: In einigen Familien besteht eine genetische Prädisposition.
- Vaskuläre Risikofaktoren: Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Diabetes mellitus, hoher Cholesterinspiegel, Übergewicht, Bewegungsmangel und Rauchen.
Behandlung
Demenz ist nicht heilbar und auch mit Arzneimitteln nur begrenzt zu beeinflussen. Dennoch wurden in den letzten Jahren entscheidende Fortschritte im Verständnis der zugrunde liegenden Pathophysiologie, des klinischen Verlaufs, der Früh- und Differenzialdiagnostik, der Behandlung und der Prognose von Demenzerkrankungen erzielt.
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Medikamentöse Therapie
- Antidementiva: Insbesondere Acetylcholinesterase-Hemmer können bei der Lewy-Körperchen-Demenz gut wirken.
- Psychopharmaka: Bei psychischen oder Verhaltensstörungen können Psychopharmaka eingesetzt werden. Bei der Behandlung mit Neuroleptika ist bei der Lewy-Körperchen-Demenz besondere Vorsicht geboten, weil die Patientinnen und Patienten darauf überempfindlich reagieren.
Nicht-medikamentöse Therapie
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- Ergotherapie: Unterstützung bei der Ausführung alltäglicher Aufgaben.
- Logopädie: Verbesserung der Sprach- und Kommunikationsfähigkeit.
- Physiotherapie: Erhaltung der körperlichen Beweglichkeit und Kraft.
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- Kunsttherapie:
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Angehörigenunterstützung
Die Betreuung von Menschen mit Demenz stellt eine große Belastung für die Angehörigen dar. Es gibt zahlreiche Hilfsangebote, die Angehörige unterstützen können:
- Informationsangebote: Informationen über Demenz, ihre Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten.
- Selbsthilfegruppen: Austausch mit anderen Betroffenen und Angehörigen.
- Beratungsstellen: Beratung und Unterstützung bei Fragen rund um die Demenzbetreuung.
- Entlastungsangebote: Tagespflege, Kurzzeitpflege, Verhinderungspflege.
Prävention
Durch eine rechtzeitige Behandlung der Risikofaktoren ist eine prinzipielle Vorbeugung der vaskulären Demenz möglich.
- Gesunder Lebensstil: Ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum.
- Kontrolle der Risikofaktoren: Behandlung von Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Diabetes mellitus und hohem Cholesterinspiegel.
- Geistige Aktivität: Regelmäßiges Gedächtnistraining und soziale Interaktion.
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