Was hilft wirklich gegen Migräne? Ein umfassender Leitfaden

Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Allein in Deutschland sind etwa 10 Millionen Menschen betroffen. Oft kündigt sich eine Attacke durch eine sogenannte Aura an. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Migräne, ihre Ursachen, Symptome, Diagnose und vor allem, was wirklich hilft, um Migräne zu verhindern und zu behandeln.

Was ist Migräne?

Migräne zeichnet sich durch starke, pulsierende Kopfschmerzen aus, die meist auf einer Seite des Kopfes auftreten. Diese Schmerzen verschlimmern sich bei körperlicher Bewegung. Begleitsymptome wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen sind häufig. In manchen Fällen geht der Migräne eine sogenannte Aura voraus, die Sehstörungen und andere neurologische Symptome umfassen kann.

Migräne ist eine weit verbreitete Erkrankung. Etwa zehn bis 15 von 100 Menschen sind im Laufe eines Jahres von Migräne betroffen. Die Attacken treten besonders oft zwischen dem 20. und dem 50. Lebensjahr auf, wobei Frauen in dieser Lebensphase bis zu dreimal häufiger betroffen sind als Männer. Bereits Kinder können an Migräne leiden, wobei ein erstes Auftreten typischerweise nach der Pubertät beobachtet wird.

Betroffene haben in der Regel nur an manchen Tagen Kopfschmerzattacken und sind an den meisten Tagen im Monat schmerzfrei.

Was passiert bei einer Migräne?

Die genauen Vorgänge im Gehirn, die die typischen Migränekopfschmerzen verursachen, sind noch nicht vollständig geklärt. Es werden die Rolle von Botenstoffen, ein veränderter Blutfluss im Gehirn sowie entzündungsähnliche Prozesse diskutiert. Vermutlich wirken verschiedene Faktoren zusammen, wobei auch erbliche Faktoren eine Rolle spielen.

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Ursachen und Auslöser der Migräne

Obwohl die genauen Ursachen der Migräne noch nicht vollständig geklärt sind, gibt es eine Reihe von Faktoren, die eine Attacke auslösen können. Diese sogenannten Trigger sind sehr individuell. Zu den häufigsten Triggern gehören:

  • Stress: Insbesondere unregelmäßiger Tagesablauf, emotionaler Stress oder auch die Zeit nach einer anstrengenden, stressigen Phase können Migräneanfälle auslösen.
  • Schlafmangel: Zu wenig Schlaf oder ein unregelmäßiger Schlafrhythmus erhöhen das Risiko.
  • Flüssigkeitsmangel: Häufig beginnen Migräneanfälle, wenn zu wenig getrunken wurde.
  • Hormonelle Schwankungen: Viele Frauen berichten von Migräneanfällen kurz vor und während der Menstruation.
  • Ernährung: Bestimmte Lebensmittel, wie zum Beispiel Rotwein, gelten als Auslöser. Aber auch der Verzicht auf Lebensmittel kann Anfälle triggern, beispielsweise durch Fasten.
  • Wetter und Reizüberflutung: Migräne kann außerdem durch Überflutung mit Licht- und Lärmreizen ausgelöst werden.
  • Wetterabhängige Migräne: Häufig treten Migräneanfälle auch bei bestimmten Wetterlagen auf, genauer gesagt im Rahmen bestimmter Luftdruckverhältnisse. Viele Migräniker reagieren auf sich zu schnell verändernde Wetter- und Temperaturverhältnisse, genauso wie auf starken Fön.
  • Wochenend- und Pillenmigräne: Die Wochenend-Migräne entsteht, wenn der Körper aus der Stress-Phase in die Entspannungs-Phase übergeht. Bei Frauen kann die Einnahme der Anti-Babypille Migräne begünstigen, speziell in der Pillen-Pause oder während einer Schwangerschaft, wenn der Körper stärkeren hormonellen Schwankungen ausgesetzt ist.

Wie fühlt sich eine Migräne an?

Migräne verläuft typischerweise in verschiedenen Phasen. Diese dauern unterschiedlich lange und müssen nicht zwingend alle auftreten.

Prodromalphase

In vielen Fällen kündigen Gereiztheit, Müdigkeit, Heißhunger und Lichtempfindlichkeit eine Migräne an. Diese Vorbotenphase kann mehrere Stunden bis zwei Tage vor dem Kopfschmerz auftreten.

Aura

Anschließend kann eine Migräne-Aura auftreten. Diese kann verschiedene Anzeichen haben:

  • Sehstörungen: Bei einer visuellen Aura kommt es zum Beispiel zu Flimmersehen oder zum Sehen von Zickzack-Linien, zu Gesichtsfeldausfällen (Skotome) oder die Betroffenen sehen Objekte verzerrt, unscharf, vergrößert oder verkleinert (Metamorphopsie).
  • Empfindungsstörungen: Ein häufiges Aura-Symptom ist ein Kribbeln, das sich langsam von der Hand über den Arm bis zum Kopf ausbreitet.
  • Weitere Einschränkungen: Zum Beispiel kann das Sprachvermögen gestört sein (Aphasie). Sehr selten kommt es zu Orientierungsstörungen und Lähmungserscheinungen (Paresen). Die Migräne-Aura geht manchmal auch mit Gleichgewichtsstörungen einher.

Kopfschmerzphase

Die heftigste Phase geht mit starken, einseitigen Kopfschmerzen einher, die bis zu drei Tage anhalten können. Die Schmerzen werden als pulsierend oder stechend beschrieben und treten meist im Bereich von Stirn, Schläfen und den Augen auf. Kinder und Jugendliche haben typischerweise kürzere Migräneanfälle und nehmen die Kopfschmerzen meist beiderseitig im Bereich von Stirn und Schläfen wahr.

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Rückbildungsphase

In der Rückbildungsphase, wenn der Schmerzanfall bereits überstanden ist, befindet sich der Körper noch in der Erholung. Betroffene fühlen sich müde und abgespannt, die Appetitlosigkeit und die Übelkeit können in dieser Phase noch bis zu 24 Stunden bestehen bleiben, bevor die vollständige Erholung von der Migräneattacke einsetzt.

Wie wird eine Migräne diagnostiziert?

Um eine Migräne zu diagnostizieren, erkundigt sich die Ärztin oder der Arzt zunächst nach den Beschwerden ihrer Patienten. Unter anderem wird nach der Häufigkeit und Dauer der Anfälle, Art und Stärke der Kopfschmerzen und nach Begleitsymptomen gefragt. Auch ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, diese Fragen zu beantworten. Meist kann bereits auf diese Weise Migräne diagnostiziert werden. Es ist wichtig, die Erkrankung von anderen Kopfschmerzen oder weiteren Krankheiten abzugrenzen. Ist das allein anhand der Beschwerden nicht möglich, können eine bildgebende Untersuchung oder weitere Tests nötig werden.

Kurztests zum Thema Migräne finden sich beispielsweise auch auf den Webseiten diverser Hersteller von Migränemedikamenten, etwa bei Thomapyrin oder Orthoexpert.

Wie wird eine Migräne behandelt?

Die Behandlung von Migräne umfasst sowohl vorbeugende Maßnahmen als auch die Akuttherapie von Migräneattacken.

Vorbeugung von Migräne

Bei häufiger Migräne sind möglicherweise vorbeugende Maßnahmen sinnvoll - etwa regelmäßiger Sport oder Entspannungsübungen. Die Daten zur Wirksamkeit von Akupunktur sind widersprüchlich.

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Bei häufigen oder schweren Migräneattacken können Medikamente helfen vorzubeugen (Prophylaxe). Dafür kommen beispielsweise bestimmte Betablocker oder Krampflöser wie Topiramat oder das Antidepressivum Amitriptylin infrage. Seit einigen Jahren ist in Deutschland eine besondere Antikörpertherapie zur Vorbeugung von Attacken bei chronischer Migräne zugelassen. Ähnlich verhält es sich mit der neuen Wirkstoffgruppe der Gepante. Die sogenannte Remote Electrical Neuromodulation (REN) ist eine weitere Möglichkeit, einer Migräne vorzubeugen oder sie zu behandeln. Dabei werden Nervenfasern außerhalb der Migräneschmerzregion stimuliert. In der Folge schüttet das Gehirn Botenstoffe aus - und der eigentliche Migränekopfschmerz wird unterdrückt.

Auch Migräne-Apps können dabei helfen, Trigger zu meiden und Migräneattacken vorzubeugen.

  • Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Beratung, Sport, Entspannung, Biofeedback und kognitive Verhaltenstherapie eignen sich bei einigen Betroffenen zur nicht-medikamentösen Behandlung der Migräne.
  • Seien Sie kein Perfektionist: Sich an Pläne, Prinzipien und eigene Erwartungen (an sich und andere) zu halten, ist gut - sofern man es nicht übertreibt.
  • Einen guten Überblick erhalten Sie, wenn Sie ein Migräne-Tagebuch führen: Ein Migräne-Tagebuch hilft dabei, Ihre persönlichen Triggerfaktoren besser kennenzulernen. Durch das regelmäßige Beobachten und Festhalten Ihrer Migräne-Verläufe erhalten Sie wichtige Erkenntnisse, um Migräne-Anfälle zu reduzieren.Wir raten Ihnen dazu Migräne-Trigger ausgewogen zu steuern, anstatt diese strikt zu vermeiden, denn sonst erzeugen Sie nur unnötigen Stress und damit womöglich die nächste Migräneattacke.
  • Lauftraining: Lauftraining ist geeignet, um den Symptomen von Migräne vorzubeugen. Die erhöhte Sauerstoffversorgung regt Stoffwechselvorgänge und die Durchblutung an und hilft darüber hinaus bei der allgemeinen Entspannung.
  • Entspannungsübungen: Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Autogenes Training oder auch Meditation können Ihnen dabei helfen, Migräneattacken vorzubeugen. Neben einer entspannenden Wirkung wird die Informationsverarbeitung während der Kopfschmerzphase heruntergefahren, was Schmerzen verringern kann.
  • Verhaltenstherapie: Durch die starken Schmerzen bei einer Migräneattacke leidet vor allem auch die Psyche. Allein die Angst vor der nächsten Schmerzepisode kann innerlichen Stress auslösen, der ein neuerliches Auftreten von Migräne wahrscheinlicher macht.Viele Migräne-Betroffene berichten von solchen Ängsten, depressiven Verstimmungen und einem Gefühl der Machtlosigkeit, wenn die Schmerzen erneut auftreten. Auch, wenn sie in diesem Sinne kein Hausmittel ist, können Sie mit einer kognitiven Verhaltenstherapie Techniken erlernen, die Ihnen in diesen Situationen helfen nicht in Panik zu verfallen und einen besseren Umgang mit den Schmerzen zu erlernen.
  • Ernährung: Die Ernährung bei Migräne ist ein komplexes Thema und kann Diäten, Fasten, Entgiftungen und Darmreinigungen umfassen. Generell ist es vorteilhaft, den Körper nicht allzu großen Schwankungen auszusetzen. Versuchen Sie deshalb Blutzuckerschwankungen zu minimieren, regelmäßige Tagesabläufe und Schlafzyklen einzuhalten und Suchtstoffe wie Koffein, Alkohol und Nikotin zu meiden. Ein Verzicht auf Fertigprodukte, Gluten und tierische Lebensmittel hat bei einigen Migräne-Leidenden zu Verbesserungen geführt.Die Auslöser für Migräne sind immer individuell. Ihr Körper reagiert anders auf bestimmte Nahrungsmittel oder Umweltreize als der einer anderen Person. Oft heißt es einfach auszuprobieren welche Inhaltsstoffe ihre Migräne-Beschwerden verstärken. Achten Sie auf jeden Fall auch immer darauf genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen.Einzelne Lebensmittel bei Migräne zu meiden, kann sich bei manchen Patienten jedoch positiv auswirken auf die Symptome.
  • Alternative Heilmethoden: Alternativ werden auch Akupunktur, Akupressur, Homöopathie und Schüssler-Salze gegen Migräne eingesetzt. Die Wirksamkeit einiger dieser Methoden sind wissenschaftlich allerdings nicht belegt.

Akut-Therapie von Migräne-Attacken

Zur Linderung akuter Migräneanfälle werden Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure sowie koffeinhaltige Kombinationspräparate eingesetzt. Migränespezifische Medikamente wie Triptane oder Ditane sind wirksam gegen starke Symptome und sollten frühzeitig eingenommen werden. Gegen Übelkeit helfen zum Beispiel Metoclopramid und Domperidon.

Die neue Wirkstoffgruppe der Gepante kann eingesetzt werden, wenn Schmerzmittel oder Triptane nicht wirksam sind oder nicht vertragen werden. Außerdem ist die Remote Electrical Neuromodulation eine Ergänzung oder Alternative zur Standardtherapie - etwa dann, wenn etwas gegen Medikamente spricht.

Auch Kinder können von Migräne betroffen sein. Für sie sind aber nicht alle Medikamente zugelassen. Schmerzmittel müssen in der Dosierung entsprechend angepasst werden. Auch aufgrund der möglichen Nebenwirkungen sollte eine Behandlung mit Medikamenten bei ihnen immer genau mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt abgestimmt sein. Auch in der Schwangerschaft lässt sich Migräne behandeln. In jedem Fall sollte eine Therapie dann mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesprochen werden, um Schäden am Ungeborenen durch Medikamente zu vermeiden. Glücklicherweise verlieren viele betroffene Frauen während der Schwangerschaft vorübergehend ihre Migräne.

  • Allgemeine Tipps: Meiden Sie Auslöser: Was können Sie tun, damit es gar nicht erst zu einer Migräne-Attacke kommt? Die klare Antwort lautet: Meiden Sie möglichst alle Faktoren, von denen Sie wissen, dass Sie Ihnen eine Migräne bescheren können. Diese sogenannten „Trigger“ können bestimmte Nahrungsmittel, ausgelassene Mahlzeiten, Saunabesuche und/oder Hektik und Stress im Alltag sein.Achten Sie darauf, Kopfschmerz- bzw. Migräne-Medikamente nicht zu häufig einzunehmen, weil diese selbst zum Schmerzauslöser werden können (medikamenteninduzierter Kopfschmerz).

Medikamente bei Migräne

Migräne geht mit einer Vielzahl von Symptomen einher. Diese lassen sich mit verschiedenen Migränemedikamenten behandeln. Gegen die Schmerzen selbst werden herkömmliche Schmerzmittel (Analgetika) wie Ibuprofen und Paracetamol oder - bei stärkeren Beschwerden - spezielle Migränemedikamente (Triptane) empfohlen.

Manche dieser Medikamente sind verschreibungspflichtig, andere erhält man rezeptfrei in der Apotheke. Aber auch wenn Ihnen rezeptfreie Medikamente helfen, sollten Sie sich vorher von einem Arzt bei der Auswahl und Dosierung beraten lassen.

  • Antiemetika: Geht ein Migräne-Anfall mit Übelkeit und/oder Erbrechen einher, sollten Betroffene als Erstes zu einem Antiemetikum greifen: entweder Metoclopramid oder Domperidon. Beide Wirkstoffe sind als Tabletten verfügbar. Begleitet heftiges Erbrechen die Migräne, garantieren Zäpfchen mit Metoclopramid, dass der Wirkstoff auch tatsächlich in den Körper gelangt.Antiemetika wirken nicht nur gegen Übelkeit und Erbrechen, sondern verstärken auch die Wirkung von anschließend eingenommenen Schmerzmitteln!
  • Mutterkornalkaloide (Ergotamine): Eine weitere Medikamentengruppe, die bei Migräne helfen kann, sind die sogenannten Mutterkornalkaloide (Ergotamine). Weil sie schlechter - aber länger - wirksam sind als Analgetika und Triptane und zudem vermehrt Nebenwirkungen auslösen, werden sie nur in Ausnahmefällen zur Behandlung akuter Migräneattacken empfohlen, etwa bei besonders lange anhaltenden Migränebeschwerden. Hier kann die längere Wirkdauer der Ergotamine also von Vorteil sein.
  • Kortison: Kortikosteroide (umgangssprachlich: Kortison oder Cortison) werden bei einer länger als 72 Stunden anhaltenden Migräne-Attacke verabreicht: Bei einem solchen „Status migraenosus“ erhalten Betroffene eine einmalige Dosis Prednison oder Dexamethason. Studien zufolge können Kortikosteroide die Kopfschmerzen verringern und Wiederkehrkopfschmerzen reduzieren.
  • Cannabis: Oft wird auch eine Wirksamkeit von Cannabis gegen Migräne angeführt. Der Datenauswertung zufolge kann inhaliertes Cannabis bei Migräne und Kopfschmerzen den Schweregrad der Beschwerden deutlich verringern. Allerdings steigerten die Patienten mit der Zeit die Dosierung - das könnte ein Hinweis auf eine mögliche Toleranzentwicklung sein, die dazu führt, dass für eine Schmerzlinderung eine immer höhere Dosis Cannabis nötig ist.

Medikamentöse Migräneprophylaxe

Eine medikamentöse Migräne-Prophylaxe kommt in Betracht, wenn die Betroffenen sehr unter der Migräne leiden, in ihrer Lebensqualität eingeschränkt sind und wenn die Gefahr eines übermäßigen Medikamentengebrauchs (ASS, Triptane etc.) besteht.

Arzt und Patient entscheiden in einem gemeinsamen Gespräch im Vorfeld, welches Medikament zur Migräne-Vorbeugung am sinnvollsten ist. Kriterien sind dabei unter anderem die Wirksamkeit verschiedener Arzneistoffe, die Nebenwirkungen sowie individuelle Faktoren wie Häufigkeit der Migräne-Anfälle, Begleiterkrankungen und persönliche Lebensumstände (z. B. Arbeit im Schichtdienst).

  • Medikamente zur Vorbeugung: Zur Vorbeugung stehen verschiedene Wirkstoffe zur Auswahl. Sie wurden ursprünglich für andere Anwendungsgebiete entwickelt, später zum Teil aber auch für die Migräne-Prophylaxe zugelassen. Bei den folgenden Medikamenten ist die Wirksamkeit sehr gut belegt:
    • Propranolol, Metoprolol, Bisoprolol: Sie zählen zur Gruppe der Betablocker und senken den Blutdruck.
    • Flunarizin: Dieser sogenannte Kalzium-Antagonist (Kalziumkanal-Antagonist) wird nicht nur als vorbeugendes Mittel gegen Migräne, sondern auch gegen Schwindel eingesetzt.
    • Valproinsäure, Topiramat: Beides sind Mittel gegen Krampfanfälle (Antikonvulsiva). Topiramat ist zudem für die Vorbeugung von Migräne-Anfällen zugelassen, während Valproinsäure „off-label“ (also ohne Zulassung für die Indikation der Migräne-Prophylaxe) verwendet wird. (Frauen im gebärfähigen Alter müssen bei der Anwendung sicher verhüten, weil das Mittel Fehlbildungen beim Ungeborenen verursachen kann.)
    • Amitriptylin: Dabei handelt es sich um ein trizyklisches Antidepressivum. Neben Depressionen und Nervenschmerzen zählt auch Migräne zu seinen Anwendungsgebieten.
    • Onabotulinumtoxin A: Manche Menschen leiden nahezu ständig unter Migränebeschwerden. Injektionen mit Onabotulinumtoxin A (OnaBTX-A) helfen in diesen Fällen oft. Diese Form von Botox kann bei chronischer Migräne vorbeugend wirken.
  • Monoklonale Antikörper: Wenn die normalerweise gut wirksamen Mittel zur Vorbeugung nicht helfen, nicht vertragen werden oder aus bestimmten Gründen nicht angewendet werden dürfen, kann man seit einiger Zeit auf monoklonale Antikörper zur Vorbeugung von Migräne zurückgreifen. Weil sie nur als Injektionslösung zur Verfügung stehen, spricht man auch von „Anti-Migräne-Spritzen“.
  • Ablauf und Dauer der medikamentösen Migräne-Prophylaxe: Die meisten Migräneprophylaktika wie Propranolol oder Flunarizin werden einschleichend dosiert. Das heißt: Der Patient oder die Patientin beginnt mit einer niedrigen Dosis und steigert diese dann langsam nach ärztlicher Anweisung. Ist die gewünschte Enddosis erreicht, wird die Einnahme in den Folgewochen kontinuierlich fortgesetzt. Bessert sich innerhalb von zwei Monaten die Migräne aber nicht ausreichend, können Arzt und Patient über einen Abbruch der Prophylaxe oder einen Wechsel des Medikaments entscheiden. Ist die medikamentöse Prophylaxe wirksam, sollte nach sechs bis zwölf Monaten überprüft werden, ob eine Weiterführung notwendig ist.Die vorbeugende Anwendung von Botox bei chronischer Migräne erfolgt in Form von Injektionen: Das Mittel muss für eine anhaltende und zunehmende Wirkung wiederholt in Abständen von ungefähr drei Monaten gespritzt werden. Hat sich die chronische Migräne nach dem dritten Zyklus noch nicht gebessert, wird die Therapie abgebrochen. Bei etwa der Hälfte aller Betroffenen wirkt Botox gegen Migräne aber so gut, dass auf weitere Injektionszyklen verzichtet werden kann.Die monoklonalen Antikörper zur Migräne-Prophylaxe werden in mehrwöchigen Abständen als Spritze unter die Haut oder als Infusion verabreicht. Die Anwendung sollte sich zunächst über drei Monate erstrecken. Zeigt sich keine ausreichende Wirkung, wird die Therapie abgebrochen.Die vorbeugende Einnahme von Medikamenten sollte immer mit nicht-medikamentösen Maßnahmen zur Migräne-Prophylaxe kombiniert werden.

Was hilft gegen Migräne: Hausmittel

Hausmittel gegen Migräne haben den Vorteil, dass sie den Organismus in der Regel nicht durch ausgeprägte Nebenwirkungen belasten. Andererseits ist die Wirkung der Hausmittel meist nicht wissenschaftlich bestätigt. Mediziner und Psychologen vermuten, dass in vielen Fällen auch der Placebo-Effekt - also der Glaube an die Wirksamkeit eines bestimmten Hausmittels - bei Betroffenen zu einer tatsächlichen Besserung führt.

Hausmittel haben ihre Grenzen. Wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum bestehen, nicht besser oder sogar schlimmer werden, sollten Sie immer ärztlichen Rat einholen.

  • Pfefferminzöl: Das Öl wirkt erfrischend kühl auf der Haut, was Betroffene oft als sehr angenehm empfinden. Achten Sie bei der Anwendung darauf, dass kein ätherisches Öl in die Augen gelangt. (Schleimhautreizung!)Äußerlich aufgetragenes Pfefferminzöl ist nicht nur bei Migräne, sondern auch bei Spannungskopfschmerzen wirksam.Sie können ein paar Tropfen Pfefferminzöl auf Stirn, Schläfen und Nacken auftragen und sanft einmassieren (achten Sie darauf, dass es nicht in die Augen kommt). Pfefferminze kann auch als Tee bei Migräne hilfreich sein. Die ätherischen Öle beruhigen zudem gleichzeitig den Magen.
  • Lavendel: Lavendel ist seit langem als Haushaltsmittel mit gewissen Heilkräften beliebt. Aber, dass das ätherische Öl Migräneschmerzen verringern kann, ist noch gar nicht so lange bekannt.
  • Mutterkraut: Mutterkraut sieht ein bisschen aus wie die Kamille. Es ist seit Urzeiten als Mittel gegen Kopfschmerzen und Fieber bekannt. Es gibt mehrere Studien, die ergaben, dass CO2-Extrakt aus Mutterkraut die Zahl der Migräneanfälle reduzieren kann.
  • Pestwurzextrakt: Auch für Pestwurzextrakt gibt es Studien, die die Wirksamkeit gegen Migräne belegen.
  • Weidenrinde: Seit der Antike wird Weidenrinde als Mittel gegen Schmerzen genutzt. Das liegt vor allem an der Salicylsäure, die daraus gebildet wird - in Form von Acetylsalicylsäure kennt heute jeder diesen Wirkstoff. Ein Kräutertee aus Weidenrinde kann als Hausmittel Migräne zumindest lindern.
  • Magnesium: Experten vermuten, dass das Mengenelement, das zum Beispiel bei der Kontraktion der Muskeln im Körper eine Rolle spielt, auch bei Migräne wirksam sein kann. 300 Milligramm sollten Frauen pro Tag zuführen, bei Männern sind es 350 Milligramm (Referenzwerte D-A-C-H). Bei Schwangeren und Kindern werden Magnesiumsalze als Vorbeugung gegen Migräne empfohlen. Es gibt auch Hinweise darauf, dass Magnesium die menstruationsbedingte Migräne verhindern bzw. lindern kann. Bei dieser Form treten die Anfälle meist einen oder zwei Tage vor dem Beginn der Periode auf. In der Regel wird die menstruationsbedingte Migräne mit Analgetika oder Triptanen behandelt. Es kann aber hilfreich sein, auf eine ausreichende Zufuhr von Magnesium zu achten.
  • Wärme- und Kälteanwendungen: Beginnt die Migräne mit einem Wärmegefühl im Kopf und kalten Füßen und/oder Händen, kann ein ansteigendes Arm- beziehungsweise Fußbad helfen, also ein Teilbad mit langsamer Temperaturerhöhung.Manchen Betroffenen helfen Wechselduschen bei der Linderung ihrer Beschwerden, aber auch eine heiße Dusche kann bei Migräne sinnvoll sein - oder ein Vollbad in 36 bis 38 Grad warmem Wasser. Ein Badezusatz aus Fichtennadeln und Rosmarin regt zusätzlich die Durchblutung an. Ebenfalls hilfreich sind Badezusätze aus Baldrian und Hopfen (zur Beruhigung) oder Arnika und Heublumen (zur Schmerzlinderung).Statt von Wärme profitieren andere Betroffene von Kälte: Eine kühle Kompresse auf der Stirn oder im Nacken während eines akuten Anfalls finden viele Patientinnen und Patienten sehr angenehm. Manche schwören auch auf ein kaltes Arm- oder Fußtauchbad.
  • Tee gegen Migräne: Manche Betroffenen haben auch mit Heilpflanzentees gute Erfahrungen gemacht bei Migräne:
    • Beispielsweise spricht die Volksmedizin Schlüsselblumentee (Primel) eine gute Wirkung bei Migräne zu.
    • Ingwertee kann Übelkeit und Erbrechen, die oft einen Migräne-Anfall begleiten, lindern.
    • Weidenrindentee hilft bei Kopfschmerzen und Migräne wegen der enthaltenen Salicylate.
  • Kaffee mit Zitrone: Bei Migräne erweitern sich die Blutgefäße im Gehirn. Koffein sorgt dafür, dass sie sich wieder verengen. Die Zitrone wiederum fördert die Schmerzhemmung des Körpers und liefert Vitamin C.
  • Ingwer: Die scharfe Knolle ist als wirksames Mittel gegen Übelkeit bekannt, aber sie kann auch Migräne-Schmerzen lindern oder sogar beseitigen. Hinzu kommt, dass die Schärfe des Ingwers den Magensaft-Fluss und die Darmbewegungen anregt. Sie können ihn also auch als Migräne-Übelkeit-Hausmittel ausprobieren.
  • Ruhe und Dunkelheit: Eines der besten Hausmittel gegen Migräne mit Aura (aber auch ohne) ist es, sich gleich zu Beginn der ersten Anzeichen einer Attacke in einen dunklen, ruhigen Raum zurückzuziehen. Das hilft auch gegen die Symptome der Aura. Legen Sie sich einen mit kaltem Wasser getränkten Waschlappen auf die Stirn und gönnen Sie sich Ruhe.

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