Niedriger Blutdruck: Auswirkungen auf das Gehirn, Ursachen und Behandlung

Ein niedriger Blutdruck, auch Hypotonie genannt, betrifft in Deutschland bis zu drei Millionen Menschen. Oftmals werden die Symptome, wie Schwindel, Benommenheit, Müdigkeit und Konzentrationsschwäche, als Befindlichkeitsstörungen abgetan. Doch während ein zu hoher Blutdruck als gefährlich für Herz und Gefäße gilt, wird ein niedriger Blutdruck oft als harmlos betrachtet. Dieser Artikel beleuchtet die Auswirkungen von niedrigem Blutdruck auf das Gehirn, die verschiedenen Ursachen und Formen der Hypotonie sowie Behandlungsansätze.

Was ist Blutdruck und wann spricht man von niedrigem Blutdruck?

Der Blutdruck ist der Druck, der auf die Wände der Blutgefäße wirkt, wenn das Blut durch die Arterien strömt. Gemessen werden zwei Werte:

  • Systolischer Wert (oberer Wert): Der Druck in den Arterien, wenn sich der Herzmuskel zusammenzieht und Blut in die Gefäße pumpt.
  • Diastolischer Wert (unterer Wert): Der Druck in den Arterien, wenn sich der Herzmuskel entspannt und das Herz sich mit Blut füllt.

Die Maßeinheit ist Millimeter Quecksilbersäule (mmHg). Normale Blutdruckwerte liegen unter 130/85 mmHg. Von niedrigem Blutdruck (Hypotonie) spricht man, wenn der systolische Wert unter 100 mmHg und der diastolische Wert unter 60 mmHg liegt.

Symptome von niedrigem Blutdruck

Nicht jeder Mensch mit niedrigem Blutdruck hat Beschwerden. Treten jedoch Symptome auf, können diese vielfältig sein:

  • Schwindel und Benommenheit
  • Flimmern vor den Augen
  • Müdigkeit und Antriebsmangel
  • Konzentrations- und Leistungsschwäche
  • Kalte Hände und Füße
  • Gefühl des Luftmangels
  • Herzklopfen und innere Unruhe
  • Morgendliche Antriebsschwäche
  • Kopfschmerzen
  • Sehstörungen
  • Ohnmacht

Formen der Hypotonie und ihre Ursachen

Es gibt verschiedene Formen der Hypotonie, die unterschiedliche Ursachen haben können:

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Primäre (idiopathische) Hypotonie

Bei dieser Form ist die Ursache unklar. Vermutet wird eine erblich bedingte Störung des körpereigenen Regulationssystems. Der Körper verfügt über Barorezeptoren in den Gefäßwänden, die den Dehnungszustand der Gefäße messen und bei Bedarf den Blutdruck regulieren. Auch die Nieren spielen eine Rolle, indem sie das Hormon Renin ausschütten, das die Gefäße verengt und die Ausscheidung von Salz und Harn reduziert. Funktionieren diese Mechanismen nicht richtig, kann es zu niedrigem Blutdruck kommen. Betroffen sind häufig junge, schlanke Frauen.

Sekundäre (symptomatische) Hypotonie

Diese Form wird durch eine Grunderkrankung oder Medikamente verursacht. Mögliche Ursachen sind:

  • Unterfunktion der Nebenniere (Morbus Addison), der Schilddrüse oder der Hirnanhangdrüse
  • Blutarmut (Anämie)
  • Erkrankung des vegetativen Nervensystems
  • Herzklappenfehler oder schwere Herzschwäche
  • Neurologische Störungen (autonome Neuropathien)
  • Flüssigkeitsmangel (z.B. durch Erbrechen, Durchfall, Blutverlust)
  • Bestimmte Medikamente (z.B. Diuretika, Blutdrucksenker, Psychopharmaka, Schlafmittel, Parkinson-Medikamente)

Orthostatische Hypotonie

Hierbei sinkt der Blutdruck beim Wechsel vom Liegen oder Sitzen zum Stehen oder bei längerem Stehen stark ab. Dies führt zu Schwindel, Benommenheit und Gangunsicherheit. Ursache ist eine Störung der Orthostase-Regulation, bei der sich Blutdruck und Herzfrequenz beim Aufstehen nicht ausreichend anpassen. Diese Form tritt häufig bei älteren Menschen auf.

Postprandiale Hypotonie

Eine Sonderform der orthostatischen Hypotonie, die vor allem bei älteren Menschen vorkommt. Hier sinkt der Blutdruck nach dem Essen stark ab.

Auswirkungen von niedrigem Blutdruck auf das Gehirn

Ein niedriger Blutdruck kann die Durchblutung des Gehirns beeinträchtigen, was zu verschiedenen Symptomen führen kann:

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  • Schwindel und Benommenheit: Durch die unzureichende Sauerstoffversorgung des Gehirns kommt es zu Schwindelgefühlen und Benommenheit, insbesondere beim Aufstehen.
  • Konzentrationsschwierigkeiten: Das Gehirn benötigt ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe, um optimal zu funktionieren. Ein niedriger Blutdruck kann die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen.
  • Müdigkeit und Antriebslosigkeit: Eine schlechte Durchblutung des Gehirns kann zu Müdigkeit und Antriebslosigkeit führen.
  • Ohnmacht: In schweren Fällen kann ein sehr niedriger Blutdruck zu Ohnmacht führen, da das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird.

Eine Studie der Universität München hat gezeigt, dass Menschen mit niedrigem Blutdruck bei Konzentrationsaufgaben schlechter abschneiden als Menschen mit normalem Blutdruck. Die Forscher fanden heraus, dass bei Hypotonikern das Blut langsamer durch die Gehirnarterien fließt, was zu einer geringeren Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Gehirns führt.

Es gibt Hinweise darauf, dass ein niedriger Blutdruck im Alter mit einem erhöhten Risiko für Demenz verbunden sein könnte. Eine Studie zeigte, dass Menschen, die im mittleren Lebensalter einen normalen Blutdruck hatten, im Alter aber einen zu niedrigen Blutdruck entwickelten, häufiger an Demenz erkrankten. Es ist jedoch noch unklar, ob der niedrige Blutdruck die Ursache oder die Folge der beginnenden Hirnleistungsstörung ist.

Diagnose von niedrigem Blutdruck

Die Diagnose erfolgt in der Regel durch Messung des Blutdrucks. Wichtig ist, den Blutdruck mehrmals im Liegen, Sitzen und Stehen zu messen, um eine orthostatische Hypotonie festzustellen. In bestimmten Fällen kann eine 24-Stunden-Blutdruckmessung oder eine Kipptisch-Untersuchung sinnvoll sein. Um andere Ursachen auszuschließen, können Blutuntersuchungen, Ultraschalluntersuchungen oder andere Tests durchgeführt werden.

Behandlung von niedrigem Blutdruck

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Hypotonie. Bei einer sekundären Hypotonie steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund. Bei einer primären Hypotonie sind oft einfache Maßnahmen ausreichend, um die Beschwerden zu lindern:

  • Ausreichend trinken: Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr erhöht das Blutvolumen und stabilisiert den Blutdruck. Empfohlen werden 2-3 Liter Wasser oder ungesüßter Tee pro Tag. Ein großes Glas Wasser vor dem Aufstehen kann den Kreislauf in Schwung bringen.
  • Erhöhte Kochsalzzufuhr: Salz bindet Wasser im Körper und erhöht das Blutvolumen. Hypotoniker können ihre Salzzufuhr im Gegensatz zu Hypertonikern ruhig erhöhen.
  • Regelmäßige Bewegung: Ausdauersportarten wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren stärken das Herz-Kreislauf-System und verbessern die Blutdruckregulation. Auch Krafttraining kann helfen, die Pumpfunktion der Venen zu verbessern.
  • Wechselduschen: Wechselduschen trainieren die Gefäßwände und regen den Kreislauf an.
  • Stützstrümpfe: Bei Venenleiden oder Neigung zu niedrigem Blutdruck können Stützstrümpfe die Blutzirkulation in den Beinen verbessern.
  • Langsame Lagewechsel: Um eine orthostatische Hypotonie zu vermeiden, sollte man langsam aufstehen und abrupte Wechsel vom Liegen oder Sitzen in die stehende Position vermeiden.
  • Koffeinhaltige Getränke: Kaffee oder Tee können den Blutdruck kurzfristig erhöhen.
  • Kopfende des Bettes hochstellen: Das nächtliche Hochstellen des Kopfendes des Bettes um etwa 15 cm kann den Körper an die aufrechte Körperhaltung gewöhnen.
  • Vermeidung von Alkohol: Alkohol kann den Blutdruck senken und sollte daher vermieden werden.
  • Pflanzliche Mittel: Rosmarin, Lavendel, Ginseng und Weißdorn können den Kreislauf anregen und als Tee oder in Form von pflanzlichen Präparaten eingenommen werden.

In einigen Fällen kann eine medikamentöse Behandlung erforderlich sein. Diese sollte jedoch nur in Absprache mit einem Arzt erfolgen.

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