Diabetische Nephropathie: Nierenschäden durch Diabetes und Nervenschäden

Die diabetische Nephropathie, auch bekannt als diabetische Nierenerkrankung, ist eine schwerwiegende Komplikation von Diabetes, die durch chronisch erhöhte Blutzuckerwerte und Bluthochdruck verursacht wird. Diese Erkrankung kann die Nierenfunktion allmählich beeinträchtigen und im schlimmsten Fall zu Nierenversagen führen. Die diabetische Nephropathie ist heute in Deutschland die häufigste Ursache für chronisches Nierenversagen. Sie ist eine der häufigsten Diabetes-Komplikationen, die etwa 40 % bis 50 % aller Patienten mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes im Verlauf ihrer Erkrankung entwickeln. Im fortgeschrittenen Stadium kann sie ohne Nierenersatztherapie zum Tod führen.

Was ist diabetische Nephropathie?

Die diabetische Nephropathie (Nierenerkrankung) ist eine Nierenschädigung, die durch einen chronischen, unkontrollierten hohen Blutzuckerspiegel und erhöhten Blutdruck bei Menschen mit Diabetes entsteht. Die Hauptaufgabe der Nieren besteht darin, Abfallprodukte und überschüssige Substanzen aus dem Blut zu filtern, die dann mit dem Urin ausgeschieden werden. Anhaltend hohe Blutzuckerwerte können die feinen Blutgefäße in den Nierenkörperchen schädigen, was dazu führt, dass sich Löcher bilden und die Gefäßwände durchlässiger werden. Dadurch gelangen vermehrt Eiweiße in den Urin. Diese durch Diabetes verursachten Veränderungen beeinträchtigen sowohl die Durchblutung als auch die Funktionsfähigkeit der Nieren.

Wie die Nieren arbeiten

Aufgabe der Nieren ist es, unser Blut zu filtern. Dabei werden sehr kleine Stoffe wie Salze, Harnstoff oder Schadstoffrückstände über den Urin ausgeschieden, größere Stoffe wie Eiweiße bleiben jedoch im Körper. Bei einer diabetesbedingten Nierenerkrankung kommt es durch den hohen Zuckergehalt im Blut zu einer Schädigung der kleinsten Blutgefäße in den Nieren. Die Gefäßwände werden durchlässig, wodurch auch Eiweiß über den Urin ausgeschieden wird. Die diabetesbedingten Veränderungen führen dazu, dass sich die Durchblutung sowie auch die Funktion der Niere verschlechtern (eine sogenannte „Niereninsuffizienz“).

Die Niere setzt sich aus mehreren Untereinheiten zusammen. Eine wichtige Rolle bei der Entgiftung des Körpers sowie der Regulierung des Wasser- und Salzhaushaltes spielen die kleinen Filtereinheiten in den Nieren. Die sogenannten Nierenkörperchen bestehen aus einem Knäuel ganz feiner Blutgefäße, durch die das gesamte Blut geleitet wird. Sehr kleine Stoffe wie Salze, Harnstoff oder Schadstoffrückstände werden durch die feinen Gefäßwände in den Nierenkörperchen aus dem Blut herausgefiltert und über den Urin ausgeschieden. Größere Stoffe, wie zum Beispiel Eiweiße und Blutkörperchen, gelangen aufgrund ihrer Größe in der Regel nicht durch die Wände der feinen Blutgefäße und verbleiben im Körper.

Langfristig erhöhte Blutzuckerwerte können die Wände der feinen Blutgefäße in den Nierenkörperchen schädigen. Es bilden sich Löcher und die Gefäßwände werden durchlässiger, wodurch vermehrt auch Eiweiße über den Urin ausgeschieden werden. Die diabetesbedingten Veränderungen führen dazu, dass sich die Durchblutung sowie auch die Funktion der Niere verschlechtern. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von einer Niereninsuffizienz.

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Ursachen einer diabetischen Nephropathie

Wenn der Blutzuckerspiegel auf Dauer zu hoch ist, bilden sich Ablagerungen in den Blutgefäßen. Diese sogenannte Arteriosklerose verengt und beschädigt die Gefäße. Die stark durchbluteten Nieren sind davon besonders betroffen. Liegt eine diabetische Nephropathie vor, werden die kleinen Blutgefäße in den Nieren beschädigt. Darunter leidet die Filterfunktion der Niere und Stoffwechsel-Abbaustoffe können nicht mehr richtig ausgeschieden werden. Zusätzlich zu einem hohen Blutzuckerwert erhöhen weitere Faktoren das Risiko für eine diabetische Nephropathie:

  • Veranlagung
  • Bluthochdruck
  • eiweißreiche Ernährung
  • zu hohe Blutfettwerte
  • Rauchen

Eine Hyperglykämie kann über verschiedene Wege eine renale Schädigung bedingen. Eine zentrale Stellung nehmen reaktive Sauerstoffspezies ein, die DNA-Schäden induzieren. Gleichzeitig werden bei Hyperglykämie mehr Glykolysezwischenprodukte gebildet, die - über verschiedene Wege verstoffwechselt - direkt und indirekt zur Entstehung der diabetischen Nierenerkrankung beitragen.

Metabolische, hämodynamische (arterielle Hypertonie) und polygen vermittelte Prädispositionen sind neben der Hyperglykämie weitere Mediatoren, die eine diabetische Nierenerkrankung befördern und beschleunigen.

Risikofaktoren

Die Risikofaktoren für das Auftreten einer Nierenerkrankung können in beeinflussbare und nicht beeinflussbare Faktoren unterschieden werden.

Beeinflussbare Risikofaktoren:

  • Erhöhte Blutzuckerwerte
  • Bluthochdruck
  • Gesteigerte Eiweißaufnahme
  • Rauchen
  • Erhöhte Blutfette (Cholesterin und Triglyzeride)
  • Übergewicht

Nicht beeinflussbare Risikofaktoren:

  • Höheres Alter
  • Dauer der Diabetes-Erkrankung
  • Beginn des Diabetes in einem Alter von unter 20 Jahren
  • Gleichzeitiges Vorliegen einer Netzhautschädigung (Retinopathie)
  • Genetische Veranlagung (Bluthochdruck und Nierenkrankheiten in der Familie)

Einen bedeutenden Einflussfaktor für die Nierenschädigung bei Diabetes stellt der Blutzucker dar. In mehreren Langzeitstudien konnte gezeigt werden, dass eine frühzeitige intensivierte Diabetes-Therapie bei Menschen mit Typ-1-Diabetes und einem Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c-Wert) von 6,5 bis 7,5 Prozent (47,5 bis 58,5 mmol/mol) das Risiko für eine eingeschränkte Nierenfunktion deutlich reduziert. Aber auch bei einer fortgeschrittenen Schädigung der Nieren bei Menschen mit Diabetes wirkt sich ein gut eingestellter Blutzucker positiv auf den Krankheitsverlauf aus.

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Neben einer guten Blutzuckereinstellung, kann auch eine effektive Senkung des Blutdrucks das Fortschreiten der diabetesbedingten Nierenerkrankungen deutlich verlangsamen. Bluthochdruck kann sowohl Auslöser als auch Folge einer Nierenschädigung sein.

Symptome einer diabetischen Nephropathie

Im Anfangsstadium verursacht die diabetische Nierenerkrankung möglicherweise gar keine spürbaren Symptome. Eine diabetesbedingte Nierenschädigung verläuft in der Regel schleichend und ohne Schmerzen oder spezifische Symptome. Sie wird meist zufällig beziehungsweise im Rahmen der empfohlenen Kontrolluntersuchungen der Nierenfunktion und der Urin-Albuminausscheidung entdeckt.

Erst nach einigen Jahren können sich bei einer fortgeschrittenen Niereninsuffizienz Symptome äußern. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Juckreiz
  • Erschöpfung, Müdigkeit und/oder Schlafstörungen
  • Verminderte Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit
  • Muskelkrämpfe
  • Vermehrte Wassereinlagerung in den Beinen, Füßen und um die Augen (Ödeme)
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Kopfschmerzen
  • schäumender Urin
  • 'milchkaffeeartig' verfärbte Haut
  • Blutarmut

Diagnose

Viele Menschen mit Diabetes nehmen die regelmäßigen, jährlichen Vorsorgeuntersuchungen (Typ 1: ab fünf Jahre nach Beginn der Erkrankung, Typ 2: ab Diagnose) nicht in Anspruch. Diese sind jedoch sehr wichtig, da Nierenerkrankungen zunächst meist unbemerkt verlaufen. Um eine sich entwickelnde Nephropathie frühzeitig zu erkennen, werden zum einen die Albumin-Konzentration im Urin gemessen und zum anderen die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (estimated Glomerular Filtration Rate, eGFRc). Diese Tests können zunehmend auch von Hausarztpraxen durchgeführt werden. Diese Werte dienen nicht nur zur leitliniengerechten Diagnose eines diabetesbedingten Nierenschadens, sondern auch einer Risikoabschätzung für weitere Begleiterkrankungen des Diabetes (v.a. Erkrankungen von Herz und Augen).

Wenn der Verdacht besteht, dass die Nierenschädigung auf einer anderen Ursache als der Diabetes-Erkrankung begründet ist, führt die behandelnde Ärztin beziehungsweise der behandelnde Arzt weitere Labor- und körperliche Untersuchungen zur Diagnosestellung durch. Gegebenenfalls wird auch eine Nephrologin oder ein Nephrologe zur genauen Abklärung hinzugezogen.

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Bestimmung der Albuminausscheidung

Ein erstes Anzeichen, das auf eine Nierenerkrankung hindeuten kann, ist eine erhöhte Ausscheidung des Körpereiweißes Albumin im Urin (Albuminurie). Ist die Funktion der Nieren nicht beeinträchtigt, verbleibt das Albumin größtenteils im Blut und es wird nur eine sehr geringe Menge (weniger als 20 Milligramm pro Liter Urin) durch den Urin ausgeschieden. Ab einer Albuminausscheidung von 20 bis 200 Milligramm pro Liter Urin beziehungsweise 30 bis 300 Milligramm pro Tag spricht man von einer Mikroalbuminurie. Albuminwerte über 200 Milligramm pro Liter Urin oder entsprechend über 300 Milligramm pro Tag werden als Makroalbuminurie bezeichnet.

Eine Mikroalbuminurie kann sowohl ein Hinweis auf eine beginnende diabetische Nierenerkrankung als auch auf eine diabetesunabhängige Erkrankung der Nieren sein. Des Weiteren kann eine erhöhte Ausscheidung von Albumin aber auch auf andere Krankheiten, wie zum Beispiel des Herz-Kreislauf-Systems, hindeuten. Liegt eine Makroalbuminurie vor, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es sich um eine Nierenerkrankung handelt.

Die Albuminausscheidung wird anhand einer Urinprobe - vorzugsweise 1. Morgenurin - bestimmt. Da mehrere Faktoren, wie zum Beispiel Harnwegsinfekte, Fieber oder körperliche Anstrengungen, die Albuminkonzentration im Urin beeinflussen können, findet in der Regel eine Mehrfachmessung statt. Dabei gilt die „2-aus-3-Regel“:

  • Erhöhte Albuminwerte in 2 aufeinanderfolgenden Urinproben gelten als Beweis für das Vorliegen einer Albuminurie.
  • Kann in 2 Urinproben hintereinander keine erhöhte Albuminausscheidung gemessen werden, wird eine Albuminurie ausgeschlossen.
  • Weisen die beiden Urinproben abweichende Ergebnisse in Bezug auf die Albuminkonzentration auf, sollte eine 3. Urinprobe analysiert werden.

In der Regel wird zur Erfassung der Albuminausscheidung auch der sogenannte Albumin-Kreatinin-Quotient im Morgenurin bestimmt. Fachleute sprechen häufig auch von der Albumin-Kreatinin-Ratio (AKR). Der Nachweis eines Albumin-Kreatinin-Quotienten von 30 Milligramm Albumin pro Gramm Kreatinin in 2 aufeinanderfolgenden Messungen innerhalb von 3 Monaten, deutet mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auf eine diabetische Nephropathie hin.

Bestimmung der Nierenfiltrationsrate

Ein weiterer Parameter für eine Schädigung der Nieren ist der Nachweis einer verringerten Nierenfiltrationsrate. Die Nierenfiltrationsrate, auch glomeruläre Filtrationsrate, kurz GFR, genannt, ist ein Maß für die Filterleistung der Niere. Je niedriger die Filtrationsrate ist, desto geringer ist die Menge an Blut, die pro Minute durch die Nieren gefiltert wird.

Mit fortschreitender Nierenschädigung nimmt die Filtrationsrate der Nieren immer weiter ab, wobei es häufig gerade zu Beginn der entstehenden diabetischen Nephropathie vorab kurzfristig zu einer initialen Hyperfiltration, also einer gesteigerten Filtrationsrate, kommt.

Die Nierenfiltrationsrate kann durch die Kreatinin-Clearance oder eine mathematische Schätzung bestimmt werden. Kreatinin ist ein Stoffwechselprodukt des Muskels und wird ausschließlich über die Nieren ausgeschieden. Die Kreatinin-Clearance beschreibt die Messung der Kreatinin-Menge, die in einer bestimmten Zeit von den Nieren aus dem Blut gefiltert und mit dem Urin ausgeschieden wird.

Die Abschätzung der Nierenfiltrationsrate mithilfe mathematischer Formeln stellt eine schnelle und zuverlässige Alternative zur Bestimmung der Kreatinin-Clearance dar. Zur Berechnung der sogenannten geschätzten glomerulären Filtrationsrate, kurz eGFR, werden die folgenden Parameter benötigt: Kreatininspiegel im Blut, Geschlecht, Alter und Körpergewicht der Patientin beziehungsweise des Patienten.

Stadien der diabetischen Nephropathie

Anhand der Filtrationsrate der Nieren werden 5 verschiedene Stadien der Nierenschädigung bei Diabetes unterschieden.

StadienGeschätzte Nierenfiltrationsrate (eGFR) [Milliliter/Minute/1,73 Quadratmeter Körperoberfläche]
Stadium 1
Veränderungen an den Nieren ohne Nierenfunktionsverlust aber mit vermehrter Albuminausscheidung (Mikro- oder Makroalbuminurie)
90 oder höher
Stadium 2
Nierenerkrankung mit einer leichten Funktionseinschränkung und erhöhter Albuminausscheidung (Makroalbuminurie)
60 bis 89
Stadium 3
Nierenerkrankung mit einer moderaten Funktionseinschränkung
30 bis 59
Stadium 4
Nierenerkrankung mit einer schweren Funktionseinschränkung
15 bis 29
Stadium 5
Chronisches Nierenversagen oder dauerhafter Nierenfunktionsverlust (terminale Niereninsuffizienz)
unter 15

Eine erhöhte Albuminausscheidung sowie ein Nierenfunktionsverlust sind zudem unabhängige Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Sterblichkeit.

Behandlung der diabetischen Nephropathie

Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um das Fortschreiten der Nierenschädigung zu verlangsamen. Durch eine konsequente Kontrolle von Blutzucker und Blutdruck kann das Fortschreiten der Erkrankung verzögert werden. In einem frühen Stadium können erste Veränderungen sogar zum Teil langfristig wieder rückgängig gemacht werden. Bei Fortschreiten der Krankheit kann es zu einem Nierenversagen kommen, das eine Dialyse (also eine „Blutwäsche“) oder eine Nierentransplantation notwendig macht.

Zur Behandlung der diabetischen Nephropathie gibt es neue Leitlinien, bei denen vor allem Empfehlungen zur Lebensführung im Fokus stehen: So sollten Betroffene unbedingt das Rauchen aufgeben, sich ausreichend bewegen sowie die Ernährung umstellen, wobei besonders eine Reduzierung der Eiweißzufuhr und Salzaufnahme empfohlen wird. Da das nicht einfach umzusetzen ist, sollte hier eine gute und fachlich fundierte Ernährungsberatung erfolgen. Zudem wurden auch die Vorteile einer strukturierten Schulung sowie, sofern möglich, einer interdisziplinären Behandlung herausgestellt. Außerdem gibt es nun auch erweiterte Möglichkeiten zur medikamentösen Behandlung, so dass bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und eingeschränkter Nierenfunktion bis zu einem bestimmten Grenzwert auch SGLT-2-Hemmer oder GLP-1-Agonisten eingesetzt werden können. Neuere Studiendaten belegen, dass SGLT-2-Hemmer das Fortschreiten einer Nierenfunktionsstörung verzögern können.

Ein gutes Blutzuckermanagement und strikte Kontrolle des Blutdrucks stellen die wichtigsten Faktoren dar, um die Entwicklung und das Voranschreiten einer diabetischen Nierenerkrankung zu verhindern beziehungsweise zu verzögern. Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Deutsche Diabetes Gesellschaft als Therapieziel einen Blutzucker-Langzeitwert von unter 7,0 Prozent (unter 53 mmol/mol). Ausgenommen sind Patientinnen und Patienten, die unter einer Wahrnehmungsstörung von Unterzuckerungen (Hypoglykämien) leiden oder bei denen bereits eine Schädigung der mittleren und großen Blutgefäße vorliegt. Bei ihnen sollte der Zielbereich für den HbA1c-Wert unter Berücksichtigung der individuellen Gegebenheiten durch die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt festgelegt werden.

Aufgrund ihrer unterschiedlichen Wirkmechanismen auf den Zuckerstoffwechsel und möglichen Nebenwirkungen eignen sich nicht alle blutzuckersenkenden Medikamente gleich gut zur Diabetes-Therapie, wenn eine Nierenerkrankung vorliegt. In mehreren groß angelegten Studien konnten für die Wirkstoffgruppe der Gliflozine (SGLT-2-Hemmstoffe) und der GLP-1-Agonisten schützende Effekte auf die Nieren und das Herz-Kreislauf-System nachgewiesen werden. Somit stellen sie Therapieoptionen dar, wenn keine Unverträglichkeiten oder andere Faktoren, die gegen die Einnahme dieser Medikamente sprechen, vorliegen.

Wenn eine optimale Blutzuckereinstellung bei Menschen mit Typ-2-Diabetes durch die Einnahme von blutzuckersenkenden Tabletten, sogenannten oralen Antidiabetika, nicht mehr gewährleistet werden kann, kann ein Wechsel hin zu einer Insulintherapie hilfreich sein. Dies gilt ebenfalls, wenn die Patientin oder der Patient häufig in den Unterzucker gerät, oder sich das allgemeine Wohlbefinden verschlechtert. Auch sollten blutzuckersenkende Tabletten ab einer Filtrationsrate der Nieren von unter 60 Milliliter pro Minute (Stadium 3) nur noch eingeschränkt und unter einer engmaschigen Kontrolle der Nierenfunktion zur Diabetes-Therapie eingesetzt werden. Liegt eine schwere Nierenfunktionsstörung mit einer Filtrationsrate unter 30 Milliliter pro Minute vor, sind orale Antidiabetika nicht mehr anwendbar.

Ab Stadium 3 der Nierenschädigung (moderate Funktionseinschränkung), bei einem schnellen Fortschreiten der Erkrankung oder bei Nierenschäden, die auf eine andere Ursache als die Diabetes-Erkrankung hindeuten, sollte eine nephrologische Mitbetreuung erfolgen.

Sind die Nieren so stark geschädigt, dass es zu einem chronischen Nierenversagen kommt, ist eine Nierenersatztherapie lebensnotwendig. Eine Nierenersatztherapie umfasst medizinische Verfahren, die angewendet werden, um die Funktion der Nieren zu ersetzen. Am häufigsten wird die Dialyse, ein Verfahren zur Reinigung des Blutes, eingesetzt. Auch kann eine Organtransplantation durchgeführt werden. Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes werden, wenn möglich, Niere und die insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse zusammen transplantiert, bei Menschen mit Typ-2-Diabetes dagegen in der Regel nur die Niere.

Neben der Blutzuckereinstellung spielt auch die Blutdruckeinstellung eine wichtige Rolle bei der Therapie der diabetischen Nierenerkrankung. Bluthochdruck erhöht das Risiko für eine weitere Schädigung der Nieren und die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Daher sollten erhöhte Blutdruckwerte medikamentös behandelt werden. Besonders geeignet sind hierbei ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten (AT1-Blocker).

Medikamente

  • ACE-Hemmer oder Angiotensin-II-Rezeptorblocker (ARB): Sie werden häufig verschrieben, um die Nieren zu schützen. Ein Angiotensin-Converting-Enzym-(ACE-)Hemmer oder ein Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker (ARB) sollte bei Diabetikern mit Hypertonie und Albuminurie gegeben werden und auch bei Normotonie und Albuminurie in Betracht gezogen werden. Eine Serum-Kreatinin- und Kaliumkontrolle ist innerhalb von 2-4 Wochen anzuraten. Ein Abfall der eGFR um bis zu 30 % kann toleriert werden. Eine Kombination aus ACE-Hemmer und ARB sollte aus Gründen der Nebenwirkungen nicht gegeben werden.
  • SGLT2-Inhibitoren: Bei Typ-2-Diabetikern mit Nierenerkrankung und einer eGFR ≥ 30 ml/min/1,73 m2 sollte die Diabetestherapie einen SGLT2-Inhibitor (SGLT2i) beinhalten (keine Zulassung in Deutschland). Besteht ein Risiko für das Auftreten von Hypovolämien, sollte vor Therapiebeginn mit einem SGLT2i eine Dosisreduktion der Thiazid- oder Schleifendiuretika bedacht werden sowie die Patienten zur Gewichtsmessung instruiert werden. Ein reversibler Abfall der glomerulären Filtrationsrate kann bei Therapiebeginn auftreten und sollte nicht Motivation zur Therapieunterbrechung sein. Nach Therapiebeginn ist es empfehlenswert, diese weiterzuführen - auch wenn die eGFR unter 30 ml/min/1,73 m2 absinkt und solange urämische Symptome nicht auftreten (keine Zulassung in Deutschland).
  • GLP-1 RA: Ein langwirksamer, kardiovaskulär protektiver GLP-1 RA wird nach Therapie mit Metformin und SGLT2i empfohlen, wenn dieser für die Blutzuckereinstellung benötigt wird. Die nephroprotektiven Effekte sind gering ausgeprägt. Ein Hypoglykämierisiko ist gering, wenn GLP-1 RA allein eingesetzt werden, ist aber erhöht bei Sulfonylharnstoffen oder Insulin in der Begleittherapie.
  • Metformin: Metformin wird nicht zu den nierenspezifischen und organprotektiven Therapien gezählt, wird aber gegenwärtig noch in der Erstlinientherapie zur Kontrolle der Hyperglykämie empfohlen. Metformin sollte aber mit einem SGLT2i kombiniert werden, wenn Organprotektion (diabetische Nephropathie) im Vordergrund steht. Die Dosis sollte bei einer eGFR < 60 ml/min/1,73 m2 halbiert und unter 30 ml/min/1,73 m2 abgesetzt werden.
  • DPP-4-Inhibitoren: Sie sind gute Antidiabetika und können dosisreduziert auch bei einer eGFR unter 30 ml/min/1,73 m2 eingesetzt werden. Sie haben keine nierenprotektiven Effekte. Die Albuminurie wird moderat gesenkt.

Dialyse und Nierentransplantation

Die schwerwiegendste Folge der diabetischen Nierenerkrankung ist Nierenversagen. Chronisches Nierenversagen kann durch die Dialyse oder eine Nierentransplantation behandelt werden. Es gibt zwei Arten der Dialyse:

  • Hämodialyse: Hier wird das Blut durch ein externes Gerät gereinigt.
  • Peritonealdialyse: Hier werden Abfallstoffe aus der Bauchhöhle entfernt.

Eine Nierentransplantation ist eine komplexe Operation, bei der eine gesunde Niere eines Spenders eingesetzt wird.

Vorbeugung

Viele Menschen mit Diabetes nehmen die regelmäßigen, jährlichen Vorsorgeuntersuchungen (Typ 1: ab fünf Jahre nach Beginn der Erkrankung, Typ 2: ab Diagnose) nicht in Anspruch. Diese sind jedoch sehr wichtig, da Nierenerkrankungen zunächst meist unbemerkt verlaufen.

Einen entscheidenden Faktor, um eine diabetische Nierenerkrankung zu vermeiden oder zu verzögern, stellt das Blutzuckermanagement dar. Laut den aktuellen Empfehlungen der nationalen Versorgungsleitlinie zu Nierenerkrankungen bei Diabetes im Erwachsenenalter sollte der Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c-Wert) zwischen 6,5 und 7,5 Prozent (48 bis 58 mmol/mol) liegen, um einer Nephropathie vorzubeugen. Dies gilt sowohl für Menschen mit Typ-1-Diabetes als auch für Menschen mit Typ-2-Diabetes. Bei Patientinnen und Patienten, die bereits Schäden an den mittleren und großen Blutgefäßen aufweisen, oder Anzeichen einer Unterzuckerung nur schlecht wahrnehmen, sollte der HbA1c-Wert eher zwischen 7,0 und 7,5 Prozent (53 bis 58 mmol/mol) liegen.

Neben der Diabetes-Erkrankung stellt ein erhöhter Blutdruck einen bedeutenden Risikofaktor für die Entwicklung von Nierenschäden dar. Daher ist eine medikamentöse Behandlung des Bluthochdrucks erforderlich. Für Menschen mit Diabetes wird ein diastolischer (unterer) Blutdruckwert von 80 mmHg empfohlen. Der systolische Blutdruck (oberer Wert) sollte konsequent auf Werte unter 140 mmHg gesenkt werden. Ähnlich wie bei der Diabetes-Therapie sind jedoch auch bei der Blutdruckeinstellung individuelle Gegebenheiten bei der Festlegung von Zielwerten zu beachten.

Zusätzlich trägt ein gesunder Lebensstil maßgeblich dazu bei, diabetesbedingten Nierenschäden vorzubeugen:

  • Versuchen Sie, Ihren Alltag aktiv zu gestalten und sich regelmäßig zu bewegen.
  • Achten Sie auf eine ausgewogene und ballaststoffreiche Ernährung. Versuchen Sie dabei, den Salzgehalt Ihrer Nahrung gering zu halten und energiereiche Lebensmittel mit vielen ungesunden Fetten und freien Zuckern (zum Beispiel Softdrinks, süße Snacks und fette Wurstwaren) zu vermeiden. Zusätzlich sollten Sie auf alkoholische Getränke möglichst verzichten.
  • Vermeiden Sie Übergewicht.
  • Rauchen Sie nicht.

Des Weiteren sollte jedes Jahr mindestens 1 Kontrolluntersuchung der Nierenfunktion und der Urin-Albuminausscheidung stattfinden. Bei Patientinnen und Patienten mit Typ-1-Diabetes gilt diese Empfehlung ab einer Diabetes-Dauer von 5 Jahren. Menschen mit Typ-2-Diabetes ohne Anzeichen einer Nephropathie sollten ab der Diagnosestellung jährlich untersucht werden.

Wie man eine Nephropathie erkennt

Um eine sich entwickelnde Nephropathie frühzeitig zu erkennen, werden zum einen die Albumin-Konzentration im Urin gemessen und zum anderen die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (estimated Glomerular Filtration Rate, eGFRc). Diese Tests können zunehmend auch von Hausarztpraxen durchgeführt werden. Diese Werte dienen nicht nur zur leitliniengerechten Diagnose eines diabetesbedingten Nierenschadens, sondern auch einer Risikoabschätzung für weitere Begleiterkrankungen des Diabetes (v.a. Erkrankungen von Herz und Augen).

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