Sehstörungen können vielfältige Ursachen haben, von einfachen Augenerkrankungen bis hin zu Migräne. In seltenen Fällen können sie jedoch auch auf einen Hirntumor hindeuten. Es ist wichtig, die verschiedenen Ursachen und Symptome zu kennen, um bei Bedarf rechtzeitig ärztlichen Rat einzuholen.
Einführung
Ein Hirntumor ist eine Geschwulst im Kopf, die entsteht, wenn sich Zellen im Gehirn unkontrolliert vermehren. Diese Tumore können direkt im Gehirn entstehen (primäre Hirntumoren) oder von anderen Körperstellen ins Gehirn streuen (Hirnmetastasen oder sekundäre Hirntumoren). Die Symptome eines Hirntumors können je nach Größe, Art und Lage des Tumors variieren. Sehstörungen sind ein mögliches Symptom, das auf einen Hirntumor hinweisen kann.
Hirntumoren und ihre vielfältigen Ursachen
Hirntumoren sind eine komplexe und vielfältige Gruppe von Tumoren, die im Gehirn oder im zentralen Nervensystem entstehen. Bisher sind die genauen Ursachen von Hirntumoren nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch einige Faktoren, die das Risiko erhöhen können:
Genetische Faktoren: Einige Familien weisen eine erhöhte Anfälligkeit für Hirntumore auf, was auf eine genetische Prädisposition hindeutet. Bei Patienten mit sehr seltenen Erberkrankungen (Neurofibromatose, von Hippel-Lindau, Li-Fraumeni-Syndrom) werden regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchgeführt.
Ionisierende Strahlung: Ionisierende Strahlung (radioaktive Strahlung) kann das Risiko für Hirntumoren erhöhen.
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Risiken und Lebensgewohnheiten, wie z.B. Rauchen oder übermäßiger Alkoholkonsum, spielen offensichtlich keine Rolle. Auch Umwelteinflüsse, Stress oder außergewöhnliche seelische Belastungen scheinen die Entwicklung eines Hirntumors nicht zu begünstigen. Der immer wieder vermutete Zusammenhang zwischen einer Schädel-Hirn-Verletzung und der Entstehung eines Hirntumors konnte bisher nicht überzeugend belegt werden.
Welche Sehstörungen können bei einem Hirntumor auftreten?
Nicht jeder Hirntumor verursacht Sehstörungen. Ob und welche Sehstörungen auftreten, hängt unter anderem von der Lage und der Größe des Tumors ab. Hirntumoren und Hirnmetastasen können auf verschiedenen Wegen zu Sehproblemen führen. Zum einen kann die Geschwulst durch ihre Lage und/oder ihre Größe direkt auf den Sehnerv drücken. Zum anderen kann ein Tumor den Hirndruck erhöhen, was Sehstörungen und zahlreiche andere Beschwerden auslösen kann.
Betroffene bemerken zum Beispiel:
- Doppelbilder: Die Wahrnehmung von Doppelbildern kann ein Hinweis auf eine Beeinträchtigung der Augenmuskeln oder der Nerven sein, die diese steuern.
- Gesichtsfeldausfälle: Ein Gesichtsfeldausfall bedeutet, dass ein Teil des Sichtfelds fehlt. Betroffene nehmen beispielsweise einen schwarzen Fleck wahr oder haben das Gefühl, wie durch einen Tunnel zu sehen.
- Flimmern vor den Augen: Flimmern oder Blitze vor den Augen können durch Reizungen der Netzhaut oder des Sehnervs entstehen. Blinkende Lichter im Auge gehören zu den Symptomen eines Gehirntumors, können aber auch ein Symptom vieler verschiedener Krankheiten sein.
- Nachlassen der Sehkraft: Eine allmähliche Verschlechterung der Sehschärfe kann auf eine Schädigung des Sehnervs oder des Sehzentrums im Gehirn hindeuten.
- Verschwommenes Sehen: Unscharfes Sehen kann verschiedene Ursachen haben, darunter auch erhöhter Hirndruck.
- Verlust des Sehvermögens: In schweren Fällen kann ein Hirntumor zum teilweisen oder vollständigen Verlust des Sehvermögens führen.
Ein Beispiel für einen Tumor, der direkten Druck auf den Sehnerv ausübt, ist das sogenannte Optikusgliom. Dieser vor allem bei Kindern auftretende Tumor wächst entlang des Sehnervs beziehungsweise der Sehbahn. Zu häufigen Beschwerden zählen ein eingeschränktes Sichtfeld und eine Sehschwäche. Das Auge kann deutlich hervortreten. Zudem kann der Hirndruck steigen, was zu Symptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen führen kann.
Ein Tumor der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) führt ebenfalls häufiger zu Sehstörungen, wenn er auf den Sehnerv drückt. Im schlimmsten Fall kommt es zur Erblindung. Die Hypophyse befindet sich etwa in der Kopfmitte in einer Vertiefung des Schädelknochens unterhalb des Hirns. Sie zählt zwar streng genommen nicht zum Hirn, ist jedoch mit dem Zwischenhirn verbunden. Insbesondere bei dem sogenannten Hypophysenadenom kann es zu Sehstörungen kommen: Die gutartige Geschwulst wächst in der Hirnanhangdrüse. Überschreitet sie eine gewisse Größe, kann sie auf den Sehnerv drücken und Beschwerden wie einen Gesichtsfeldausfall oder Doppelbilder auslösen. Ein Anzeichen für diese Art von Geschwulst ist, dass die Sicht wie bei Scheuklappen von außen her eingeschränkt ist.
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Auch Hirntumoren und -metastasen in anderen Hirnbereichen können Sehstörungen auslösen, etwa weil sie den Druck im Inneren des Schädels ansteigen lassen. Ein erhöhter Hirndruck kann entstehen, wenn ein Tumor durch sein Wachstum andere Gewebestrukturen verdrängt.
Die Haupthirnregion, die die Sehfähigkeit beeinflusst, sind Tumoren, die sich im Hinterhauptslappen entwickeln oder diesen betreffen. Die daraus resultierenden Symptome können von visuellen Halluzinationen bis hin zu Gesichtsfeldausfällen und kortikaler Blindheit reichen. Tumoren, die in diesen Bereichen auftreten, können auch zu Sehstörungen führen, indem sie die Sehnerven komprimieren. Die Ursache für das Blitzlichtsymptom im Auge ist der Druck, den der Tumor auf diese Sehnerven ausübt.
Weitere Symptome, die auf einen Hirntumor hinweisen können
Neben Sehstörungen können auch andere Symptome auf einen Hirntumor hindeuten. Diese Symptome können je nach Lage und Größe des Tumors variieren.
- Kopfschmerzen: Kopfschmerzen sind oft das erste Anzeichen für einen Hirntumor. Kopfschmerzen, die auf einen Hirntumor zurückzuführen sind, werden im Verlauf von wenigen Tagen bis Wochen immer heftiger und lassen sich mit herkömmlichen Schmerzmitteln nur zeitweise oder gar nicht bekämpfen. Die Kopfschmerzen treten typischerweise nachts oder in den frühen Morgenstunden auf und bessern sich im Laufe des Tages. Sie können in relativ kurzer Zeit an Stärke zunehmen und sind nicht selten mit Übelkeit und Erbrechen verbunden. Für die meisten Patienten sind diese Beschwerden neu und anders als die bisher erlebten Kopfschmerzen.
- Übelkeit und Erbrechen: Übelkeit und schwallartiges Erbrechen, die häufig zeitgleich mit den Kopfschmerzen auftreten und ebenfalls innerhalb kurzer Zeit stärker werden, können ebenfalls ein Symptom sein. Typisch ist vor allem Übelkeit auf nüchternem Magen.
- Neurologische Ausfälle: Je nachdem, in welchem Gehirnareal sich der Tumor befindet, kann es zu Muskelschwäche oder sogar Lähmungserscheinungen in den Armen, Beinen oder anderen Regionen kommen. Einige Betroffene klagen über Sensibilitätsstörungen wie Kribbeln auf der Haut oder Berührungsempfindlichkeiten. Sprach- und Schluckstörungen können ebenfalls auftreten.
- Epileptische Anfälle: Bei einigen Patienten treten als erste Symptome eines Tumors epileptische Anfälle auf. Der Anfall kann aus völligem Wohlbefinden heraus auftreten. Manchmal geht eine so genannte „Aura“ voraus, bei der der Betroffene ungewohnte, besondere Wahrnehmungen hat. Es kann auch zu Empfindungsstörungen oder Zuckungen einer Extremität oder Körperseite kommen („fokale Anfälle“). Kurze Episoden geistiger Abwesenheit können auftreten, in denen die Patienten immer wieder die gleichen Bewegungen durchführen („komplex-fokale Anfälle“).
- Psychische Veränderungen und Wesensveränderungen: Psychische Veränderungen und Wesensveränderungen können direkte Folge des Tumorleidens sein. Plötzlich leicht reizbar, schnell abgelenkt oder in sich gekehrt: Ein Hirntumor kann zu Persönlichkeitsveränderungen der betroffenen Person führen. Verhaltensänderungen ohne erkennbaren Auslöser können auf eine solche Krebserkrankung hindeuten.
- Hormonelle Störungen: Ein Hypophysenadenom kann zusätzlich mit hormonellen Störungen einhergehen. Denn diese Form des Hirntumors zeichnet sich durch eine Überproduktion von Hormonen aus. Das führt bei Männern zum Beispiel zu Funktionsstörungen der Hoden, bei Frauen kommt es zu Zyklusstörungen und einem krankhaften Milchfluss aus den Brüsten (Galaktorrhoe).
- Schwerhörigkeit: Schwerhörigkeit, oft begleitet von Ohrgeräuschen (Tinnitus), kann auf einen Hirntumor hindeuten - insbesondere, wenn sich die Hörleistung einseitig verschlechtert.
Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome auch andere Ursachen haben können. Wenn jedoch mehrere dieser Symptome gleichzeitig auftreten oder sich verschlimmern, sollte ein Arzt konsultiert werden.
Diagnose von Hirntumoren
Die Diagnose von Hirntumoren beginnt häufig mit einer eingehenden Anamnese und körperlichen Untersuchung des Patienten, um Symptome und Risikofaktoren zu ermitteln. Bildgebende Verfahren spielen eine entscheidende Rolle bei der Diagnose von Hirntumoren:
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- Magnetresonanztomographie (MRT): Die Magnetresonanztomographie (MRT Kopf) ist das am häufigsten verwendete Verfahren. Die MRT-Untersuchung ist ein nicht-invasives Verfahren, bei dem Magnetfelder und Radiowellen verwendet werden, um detaillierte Bilder des Gehirns und des umgebenden Gewebes zu erstellen. Im Gegensatz zur Computertomographie (CT) kommt die MRT ohne ionisierende Strahlung aus, was sie zu einer schonenderen Untersuchungsmethode macht. In einigen Fällen kann während der MRT-Untersuchung ein Kontrastmittel injiziert werden, um bestimmte Tumorarten besser sichtbar zu machen und die Abgrenzung von gesundem Gewebe zu erleichtern.
- Computertomographie (CT): Zur weiteren Diagnostik steht die Computertomographie (CT) zur Vefügung. Bei diesem Verfahren wird das Gehirn mit Hilfe von Röntgenstrahlen durchleuchtet und in Schnittbildern dargestellt. Damit ist es möglich, Tumoren, Verkalkungen und Blutungen zu erkennen.
- Biopsie: In vielen Fällen wird auch eine Biopsie durchgeführt, bei der eine kleine Gewebeprobe des Tumors entnommen und unter dem Mikroskop untersucht wird, um die genaue Art des Tumors und den Grad der Bösartigkeit zu bestimmen.
- Elektroencephalogramm (EEG): Mit dem EEG ist eine grobe Lokalisation eines Hirntumors möglich und kann die Anfallsgefährdung ermittelt werden.
- Liquor-Untersuchung: Die Liquor-Untersuchung dient in manchen Fällen zum Ausschluss einer entzündlichen Erkrankung des Nervensystems.
Behandlung von Hirntumoren
Die Behandlung von Hirntumoren hängt von Faktoren wie der Größe, dem Typ und der Lage des Tumors sowie vom allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab.
- Chirurgie: Die chirurgische Entfernung des Tumors ist oft der erste Schritt in der Behandlung von Hirntumoren. Bei gutartigen Tumoren kann eine vollständige Entfernung ausreichend sein, während bei bösartigen Tumoren eine zusätzliche Therapie erforderlich ist.
- Strahlentherapie: Die Strahlentherapie nutzt hochenergetische Strahlen, um Krebszellen abzutöten oder deren Wachstum zu verlangsamen. Erfolgt meist 2 bis 4 Wochen nach einer Operation, um Gewebe, das operativ nicht vollständig entfernt werden konnte, zu zerstören. Die Dosis ist abhängig von der Strahlenempfindlichkeit des Tumors.
- Chemotherapie: Die Chemotherapie ist die Verwendung von Medikamenten, die Krebszellen abtöten oder deren Wachstum hemmen. Gewinnt zunehmend an Bedeutung in der Behandlung von Gehirntumoren. Wird vor allem bei Tumoren wie Glioblastomen, anaplastischen Gliomen und ZNS-Lymphomen angewendet.
- Immuntherapie: Immuntherapie ist ein relativ neuer Ansatz in der Behandlung von Hirntumoren, bei dem das körpereigene Immunsystem dazu angeregt wird, Krebszellen zu bekämpfen.
- Zielgerichtete Therapie: Bei einigen Hirntumoren können gezielte Therapieansätze eingesetzt werden, die speziell auf genetische oder molekulare Veränderungen im Tumor abzielen.
- Medikamente: Kortison wirkt abschwellend auf das Gewebe, das den Tumor umgibt, und bessert so Symptome, die durch erhöhten Hirndruck entstehen können. Wird auch oft vor einer Operation eingesetzt. Sonstige Infusionen mit Mannitol gegen Gewebeschwellungen (Ödeme) und Gabe von Medikamenten gegen Epilepsie, wenn der Tumor Krampfanfälle auslöst, können ebenfalls eingesetzt werden.
Immuntherapie bei Hirntumoren
Die Studienlage zur Immuntherapie bei Hirntumoren ist vielversprechend, aber noch im Wandel.
- Monoklonale Antikörper: Einige Studien untersuchten den Einsatz monoklonaler Antikörper, die gegen spezifische Tumormarker gerichtet sind. Bevacizumab, ein Antikörper gegen den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor (VEGF), wurde in der Behandlung von Glioblastomen getestet.
- Impfstoffe: Verschiedene Impfstoffe wurden entwickelt und in klinischen Studien untersucht, um das Immunsystem gegen Hirntumorzellen zu aktivieren. Einige dieser Impfstoffe zielen auf tumorassoziierte Antigene ab, während andere dendritische Zellen verwenden, um T-Zellen zu stimulieren.
- CAR-T-Zell-Therapie: Bei der CAR-T-Zell-Therapie werden T-Zellen des Patienten genetisch verändert, um spezifische Tumorantigene zu erkennen und anzugreifen. Diese Methode hat bei bestimmten hämatologischen Krebserkrankungen wie akuter lymphoblastischer Leukämie (ALL) und Non-Hodgkin-Lymphomen beeindruckende Ergebnisse erzielt.
- Immun-Checkpoint-Inhibitoren: Immun-Checkpoint-Inhibitoren, wie etwa PD-1/PD-L1-Inhibitoren, haben in der Behandlung von metastasiertem Melanom und Lungenkrebs Erfolge gezeigt. Bei Hirntumoren sind die Ergebnisse bisher weniger überzeugend.
Prognose und Verlauf
Sowohl gutartige als auch bösartige Tumoren können behandelt werden, wobei die Prognose von Faktoren wie Tumorart, Größe, Lage und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten abhängt. Die Art des Tumors ist am entscheidensten für die Prognose. Das Alter, der klinische Zustand der Patient*innen und die Lokalisation des Tumors sind ebenfalls wichtig.
Die relativen 5-Jahres-Überlebensraten für Fälle, die in der Zeit von 2007-2011 diagnostiziert wurden sind:
- gutartige Tumore: Männer 93,4 % und Frauen 95,6 %
- bösartige Tumore: Männern 30,3 % und Frauen 33,1 %.
Bei bösartigen Tumoren liegt das mediane Sterbealter bei 67 Jahren (Männer).
Wann sollte man bei Sehstörungen einen Arzt aufsuchen?
Es ist wichtig, bei bestimmten Beschwerden zeitnah ärztlichen Rat zu suchen. Insbesondere wenn Sehstörungen plötzlich auftreten, sich verschlimmern oder von anderen Symptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder neurologischen Ausfällen begleitet werden, sollte ein Arzt konsultiert werden.