Neurologe und Blutentnahme: Ein umfassender Überblick

Die Neurologie ist ein medizinisches Fachgebiet, das sich mit der Diagnose und Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems befasst. Dieses komplexe System umfasst das Gehirn, das Rückenmark, die peripheren Nerven und die Muskeln. Um neurologische Erkrankungen zu diagnostizieren und zu überwachen, setzen Neurologen eine Vielzahl von diagnostischen Verfahren ein. Einige dieser Verfahren erfordern die Entnahme von Blutproben.

Warum nimmt ein Neurologe Blut ab?

Die Blutentnahme ist ein wichtiger Bestandteil der neurologischen Diagnostik, da sie wertvolle Informationen über den Zustand des Nervensystems liefern kann. Laboruntersuchungen in Blut und Liquor liefern wertvolle Hinweise bei Autoimmunneuropathien und sind richtungsweisend bei Stoffwechselerkrankungen und Intoxikationen. Einige Tumoren exprimieren Antigene, die auch in Nervenzellen auftreten. Die Immunantwort gegen diese Tumorantigene kann zur Autoimmunreaktion gegen Neuronen mit Ausbildung paraneoplastischer Syndrome führen. Diese durch Bildung neuronaler Autoantikörper gekennzeichneten Krankheitsbilder sind eng mit bestimmten Karzinomen wie Mammakarzinom oder kleinzelligem Bronchialkarzinom assoziiert.

Hier sind einige spezifische Gründe, warum ein Neurologe Blut abnehmen kann:

  • Ausschluss anderer Erkrankungen: Neurologische Symptome können auch durch andere medizinische Erkrankungen verursacht werden. Eine Blutuntersuchung kann helfen, diese auszuschließen.

  • Identifizierung von Biomarkern: Neurofilamente sind Biomarker, die auf biologischen Prozessen im Körper beruhen. Die Auswertung der Biomarker kann eine präzise Aussage über mögliche Erkrankungen im Gehirn geben. Bei einer Erkrankung degenerieren Hirnzellen und sterben ab.

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  • Überwachung von Medikamenten: Bei einigen neurologischen Erkrankungen müssen regelmäßig Medikamente eingenommen werden. Blutuntersuchungen können helfen, die Medikamentenspiegel im Körper zu überwachen und sicherzustellen, dass sie im therapeutischen Bereich liegen.

Häufige neurologische Untersuchungen, die Blutentnahmen erfordern

Obwohl eine neurologische Untersuchung eine Reihe von Tests umfasst, wird die Notwendigkeit einer Blutentnahme durch die spezifischen Symptome und die vermutete Diagnose des Patienten bestimmt. Hier sind einige häufige neurologische Untersuchungen, bei denen Blutentnahmen erforderlich sein können:

Liquoranalyse (Lumbalpunktion)

Eine Lumbalpunktion ist die Entnahme von Nervenwasser aus dem Wirbelsäulenkanal in Höhe der Lendenwirbelsäule. Dabei wird mit einer dünnen Nadel zwischen den Wirbelkörpern bis in den Wirbelsäulenkanal gestochen, der auf Höhe der Lendenwirbelsäule kein Rückenmark, sondern nur noch Nervenwurzeln enthält. Das entnommene Nervenwasser kann nun auf seine Bestandteile, insbesondere Zellen und Eiweiße untersucht werden. Diese Untersuchung ist geeignet, entzündliche Erkrankungen des Nervensystems, wie z.B. Multiple Sklerose, Neuromyelitis optica oder eine autoimmune Enzephalitis, zu diagnostizieren.

Eine Blutentnahme ist vor einer Lumbalpunktion notwendig.

Elektromyographie (EMG)

Bei dieser Untersuchung wird die elektrische Aktivität von Muskeln gemessen, indem eine dünne Nadel-Elektrode in einen Muskel injiziert wird. Die Untersuchung der Muskeln dient dazu Schädigungen am zuführenden Nerven feststellen zu können. Zur genaueren Abklärung braucht man bei Muskelerkrankungen aber meist zusätzliche Blutuntersuchungen.

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Untersuchung auf Autoimmunerkrankungen

Einige neurologische Erkrankungen werden durch Autoimmunprozesse verursacht, bei denen das Immunsystem fälschlicherweise das eigene Nervensystem angreift. Blutuntersuchungen können helfen, Autoantikörper zu identifizieren, die auf eine Autoimmunerkrankung hindeuten.

Stoffwechseluntersuchungen

Stoffwechselstörungen können neurologische Symptome verursachen. Blutuntersuchungen können helfen, Stoffwechselstörungen wie Vitaminmangel oder Schilddrüsenerkrankungen zu erkennen.

Andere neurologische Untersuchungsmethoden

Neben der Blutentnahme stehen Neurologen zahlreiche weitere diagnostische Verfahren zur Verfügung, um Erkrankungen des Nervensystems zu erkennen und zu beurteilen. Einige dieser Verfahren sind:

  • Neurologische Untersuchung: Eine umfassende neurologische Untersuchung umfasst die Beurteilung von Muskelkraft, Koordination, Reflexen, Sensibilität, Sprache und kognitiven Funktionen.

  • Elektroenzephalographie (EEG): Das EEG misst die elektrische Aktivität des Gehirns mithilfe von Elektroden, die auf der Kopfhaut platziert werden. Es wird häufig zur Diagnose von Epilepsie und anderen Anfallserkrankungen eingesetzt.

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  • Magnetresonanztomographie (MRT): Die MRT ist ein bildgebendes Verfahren, das detaillierte Bilder des Gehirns und des Rückenmarks liefert. Sie kann zur Diagnose von Tumoren, Schlaganfällen, Multipler Sklerose und anderen neurologischen Erkrankungen eingesetzt werden.

  • Computertomographie (CT): Die CT ist ein weiteres bildgebendes Verfahren, das Querschnittsbilder des Gehirns liefert. Sie wird häufig zur Diagnose von Schlaganfällen, Hirnblutungen und Schädel-Hirn-Traumata eingesetzt.

  • Doppler-Sonographie: Die Doppler-Sonographie ist eine Ultraschalluntersuchung, mit der die Blutgefäße, die das Gehirn versorgen, untersucht werden können. Sie wird häufig zur Diagnose von Gefäßverengungen und anderen Durchblutungsstörungen eingesetzt.

  • Evozierte Potentiale: Als evoziertes (=hervorgerufenes) Potential wird eine Hirnstromaktivität bezeichnet, die durch einen Sinnesreiz ausgelöst wird. Diese elektrische Aktivität (Potential) ist dabei zeitlich an den Sinnesreiz gekoppelt. Die Messung evozierter Potentiale erlaubt eine objektivierbare und quantifizierbare Darstellung von Störungen und eignet sich auch für Verlaufsuntersuchungen.

    • Visuell evozierte Potentiale (VEP): Durch den Blick auf ein Schachbrettmuster, das rasch zwischen schwarz und weiß wechselt, wird die Sehbahn vom Auge bis zur sogenannten Sehrinde des Gehirns im Hinterkopf untersucht.

    • Akustisch evozierte Potentiale (AEP): Über einen Kopfhörer werden akustische Reize (Hörreize) ausgesandt und die zentrale Hörbahn, vom Innenohr bis zur sogenannten Hörrinde, des Gehirns untersucht.

    • Somatosensibel evozierte Potentiale (SSEP): Bei diesen Untersuchungen wird die Leitfähigkeit des sogenannten sensiblen Systems von den peripheren Nerven (meist an Armen und Beinen) bis hin zum Gehirn untersucht.

  • Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG): Bei dieser Untersuchung wird die Geschwindigkeit gemessen, mit der elektrische Impulse entlang der Nerven wandern. Sie wird häufig zur Diagnose von Nervenschäden eingesetzt.

  • Magnetstimulation: Bei der Magnetstimulation wird über den Kopf des Patienten eine Magnetspule gehalten. Diese Spule gibt einen magnetischen Impuls ab, der die darunter liegenden motorischen Nervenzellen kurzzeitig stimuliert. Eine Muskelzuckung wird ausgelöst und an den Armen oder Beinen über aufgeklebte Elektroden registriert. Die Zeit zwischen der Impulsabgabe über dem Kopf bzw. der Wirbelsäule und der aufgetretenen Muskelzuckung wird gemessen.

Die Bedeutung der frühzeitigen Diagnose

Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung neurologischer Erkrankungen ist entscheidend, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Wenn Sie neurologische Symptome verspüren, sollten Sie sich daher so bald wie möglich an einen Neurologen wenden.

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