Nasenbluten: Ursachen, neurologische Störungen und Behandlungsmöglichkeiten

Nasenbluten, medizinisch als Epistaxis bekannt, ist ein häufiges Phänomen, das viele Menschen im Laufe ihres Lebens erfahren. In den meisten Fällen ist es harmlos und klingt nach kurzer Zeit von selbst wieder ab. Allerdings kann wiederholtes oder starkes Nasenbluten auf zugrunde liegende Erkrankungen hinweisen, einschließlich neurologischer Störungen oder systemischer Erkrankungen wie Morbus Osler und Von-Willebrand-Jürgens-Syndrom.

Ursachen von Nasenbluten

Nasenbluten tritt auf, wenn die feinen Blutgefäße in der Nasenschleimhaut verletzt werden. Die Nase ist besonders stark durchblutet, und ein dichtes Gefäßnetz auf der Nasenscheidewand im vorderen Nasenbereich, dem Locus Kießelbachi, macht diesen Bereich besonders anfällig für Blutungen.

Lokale Ursachen

  • Trockene Nasenschleimhäute: Trockene Luft, insbesondere in den Wintermonaten oder durch Klimaanlagen, kann die Nasenschleimhaut austrocknen und anfälliger für Risse machen.
  • Mechanische Reizung: Starkes Schnäuzen, Nasenbohren oder Verletzungen durch Stöße oder Stürze können die empfindlichen Gefäße in der Nase verletzen.
  • Entzündungen und Infektionen: Erkältungen, Grippe, Sinusitis oder Allergien können zu geschwollenen und gereizten Nasenschleimhäuten führen, die leichter bluten.
  • Abschwellende Nasensprays: Übermäßiger Gebrauch von abschwellenden Nasensprays kann die Nasenschleimhaut austrocknen und schädigen.
  • Fremdkörper: Bei Kindern können Fremdkörper in der Nase zu Blutungen führen.
  • Veränderungen der Nasenscheidewand: Veränderungen an der Nasenscheidewand, wie z.B. Eiteransammlungen (Abszess) oder kleine Risse bzw. Löcher in der Scheidewand (Perforation), können ebenfalls zu Blutungen führen.

Systemische Ursachen

  • Bluthochdruck (Hypertonie): Hoher Blutdruck kann die Wände der Blutgefäße schwächen und sie anfälliger für Risse machen.
  • Blutgerinnungsstörungen: Erkrankungen wie Hämophilie, Von-Willebrand-Jürgens-Syndrom oder die Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten (Antikoagulanzien) können die Blutgerinnung beeinträchtigen und zu vermehrtem Nasenbluten führen.
  • Gefäßerkrankungen: Arteriosklerose und andere Gefäßerkrankungen können die Blutgefäße schwächen und das Risiko von Blutungen erhöhen.
  • Nierenerkrankungen: Nierenerkrankungen können den Blutdruck erhöhen und die Blutgerinnung beeinträchtigen.
  • Infektionen: Fieberhafte Infektionen wie Grippe oder Masern können die Durchblutung der Schleimhäute verstärken und zu häufigerem Nasenbluten führen.
  • Autoimmunerkrankungen: Bestimmte Autoimmunerkrankungen können die Blutgefäße angreifen und zu Nasenbluten führen.
  • Vitamin-C-Mangel (Skorbut): Ein Mangel an Vitamin C kann das Bindegewebe schwächen und die Blutgefäße brüchiger machen.
  • Morbus Osler (HHT): Diese seltene, erblich bedingte Gefäßerkrankung führt zu krankhaften Erweiterungen von Blutgefäßen (Teleangiektasien), die besonders anfällig für Blutungen sind.

Neurologische Störungen und Nasenbluten

Obwohl Nasenbluten in den meisten Fällen nicht direkt mit neurologischen Störungen in Verbindung steht, gibt es einige neurologische Aspekte, die berücksichtigt werden sollten:

  • Morbus Osler (Hereditäre Hämorrhagische Teleangiektasie, HHT): Morbus Osler ist eine autosomal-dominant vererbte Krankheit, von der in Deutschland etwa 35.000 Menschen betroffen sind. Sie ist gekennzeichnet durch Teleangiektasien, d. h. krankhafte Erweiterungen von Blutgefäßen, die überall im Körper auftreten können, vor allem aber in der Nase, im Gesicht und im Magen-Darm-Trakt. Diese Gefäßerweiterungen sind sehr verletzlich und können leicht zu Einrissen und schweren Blutungen führen. Mutationen auf Chromosom 9 können zu HHT Typ 1 führen, die häufiger auch das Gehirn und die Lungen betrifft. Ursache dafür sind winzige Blutgerinnsel oder Bakterien, die aus betroffenen Lungengefäßen ins Gehirn geschwemmt werden und dort kleine Schlaganfälle oder Abszesse auslösen können.

  • Schlaganfälle und Abszesse: Bei Morbus Osler können Blutgerinnsel oder Bakterien aus betroffenen Lungengefäßen ins Gehirn gelangen und dort kleine Schlaganfälle oder Abszesse auslösen, was neurologische Symptome verursachen kann.

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  • Auswirkungen von Blutverlust: Starkes und wiederholtes Nasenbluten kann zu Blutarmut (Anämie) führen, was Müdigkeit, Blässe und Konzentrationsschwierigkeiten verursachen kann. In schweren Fällen kann eine Anämie auch neurologische Symptome wie Schwindel und Kopfschmerzen auslösen.

Von-Willebrand-Jürgens-Syndrom

Das Von-Willebrand-Jürgens-Syndrom ist die häufigste erblich bedingte Blutgerinnungsstörung. Rund 1% der Bevölkerung leidet an dieser Erbkrankheit, bei der ein Gerinnungsenzym - der so genannte Von-Willebrand-Faktor - zu wenig oder gar nicht gebildet wird. Etwa 80% der Betroffenen haben eine milde Variante der Erkrankung, in etwa 5% der Fälle verläuft sie dagegen schwer. Die milde Form wird in der Regel nicht behandelt, für die schwere Verlaufsform gibt es verschiedene Medikamente, die die Produktion des Von-Willebrand-Faktors erhöhen oder die Blutgerinnung verbessern. Typisch für die Gerinnungsstörung ist eine verstärkte Blutungsneigung. So bluten bereits kleinere Wunden stark und die Blutungen lassen sich nur schwer stoppen. Auch Blut im Urin sowie schwere Regelblutungen bei Frauen können auf das Von-Willebrand-Jürgens-Syndrom zurückgehen.

Diagnose von Nasenbluten

Die Diagnose von Nasenbluten umfasst in der Regel eine gründliche Anamnese und körperliche Untersuchung. Der Arzt wird Fragen zu Häufigkeit, Dauer und Stärke des Nasenblutens stellen, sowie nach Begleitsymptomen und Vorerkrankungen.

  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird die Nase mit einem Nasenspekulum untersuchen, um die Blutungsquelle zu lokalisieren und mögliche Ursachen wie Entzündungen, Verletzungen oder Gefäßveränderungen zu identifizieren.
  • Blutuntersuchungen: Bei Verdacht auf eine Blutgerinnungsstörung oder andere systemische Erkrankungen können Blutuntersuchungen durchgeführt werden, um die Blutgerinnungswerte zu überprüfen, das Blutbild zu bestimmen und nach spezifischen Markern für bestimmte Erkrankungen zu suchen.
  • Endoskopie: In einigen Fällen kann eine Nasenendoskopie erforderlich sein, um die Nasenhöhle und den Nasenrachenraum genauer zu untersuchen und mögliche Blutungsquellen oder andere Anomalien zu identifizieren.
  • Curaçao-Kriterien: Die Diagnosestellung bei Morbus Osler erfolgt nach den sogenannten Curaçao-Kriterien. Sind zwei der vier Kriterien erfüllt, besteht der Verdacht auf Morbus Osler, ab drei Kriterien gilt die Krankheit als gesichert.

Behandlung von Nasenbluten

Die Behandlung von Nasenbluten richtet sich nach der Ursache und der Stärke der Blutung.

Sofortmaßnahmen

  • Aufrechte Haltung: Setzen Sie sich aufrecht hin und beugen Sie den Kopf leicht nach vorne, um zu verhindern, dass Blut in den Rachen fließt.
  • Nasenflügel zusammendrücken: Drücken Sie die Nasenflügel für 10-15 Minuten fest zusammen. Atmen Sie währenddessen durch den Mund.
  • Kühlung: Legen Sie einen kalten Umschlag oder eine Eispackung auf den Nacken oder die Nasenwurzel.

Medizinische Behandlung

  • Verödung: Wenn die Blutungsquelle identifiziert wurde, kann der Arzt das betroffene Gefäß elektrisch (Elektrokoagulation) oder chemisch mit Silbernitrat veröden.
  • Tamponade: Bei starkem Nasenbluten kann eine Nasentamponade erforderlich sein, um Druck auf die Blutgefäße auszuüben und die Blutung zu stoppen.
  • Medikamente: Bei bestimmten Erkrankungen wie Morbus Osler können Medikamente eingesetzt werden, um die Blutungsneigung zu verringern. Tranexamsäure-Tabletten können verordnet werden, um die Blutungsneigung zu vermindern. In individuellen Heilversuchen wird auch der Antikörperwirkstoff Bevacizumab zur Behandlung von Morbus Osler eingesetzt.
  • Operation: In seltenen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um die Blutungsquelle zu beheben, z. B. bei einem Loch in der Nasenscheidewand oder bei größeren Gefäßfehlbildungen. Entlastung bringt die operative Entfernung der knotigen Gefäßerweiterungen in der Lunge. Wurde als Ursache anhaltenden Nasenblutens eine blutende Schlagader wie zum Beispiel die Keilbein-Gaumenarterie festgestellt, lässt diese sich endoskopisch über die Nase beziehungsweise von dort aus über die Kieferhöhle mit einem Clip oder Strom (Elektrokoagulation) verschließen.

Vorbeugung

  • Feuchtigkeit: Sorgen Sie für ausreichende Luftfeuchtigkeit in Innenräumen, insbesondere im Winter.
  • Nasenpflege: Verwenden Sie regelmäßig Nasensalben oder -öle, um die Nasenschleimhaut feucht zu halten. Auch pflegende Meerwasser-Sprays oder Nasensalben können verwendet werden.
  • Vermeiden Sie Reizungen: Vermeiden Sie starkes Schnäuzen, Nasenbohren und den übermäßigen Gebrauch von abschwellenden Nasensprays.
  • Gesunde Lebensweise: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Flüssigkeitszufuhr und regelmäßige Bewegung. Verzichten Sie auf Tabak.
  • Vorsicht bei Medikamenten: Informieren Sie Ihren Arzt über alle Medikamente, die Sie einnehmen, insbesondere blutverdünnende Mittel.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

In den meisten Fällen ist Nasenbluten harmlos und kann zu Hause behandelt werden. Es gibt jedoch Situationen, in denen ein Arzt aufgesucht werden sollte:

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  • Starkes Nasenbluten: Wenn die Blutung nach 20-30 Minuten nicht aufhört oder sehr stark ist.
  • Wiederholtes Nasenbluten: Wenn das Nasenbluten häufig auftritt.
  • Begleitsymptome: Wenn Begleitsymptome wie Schwindel, Schwäche oder Kopfschmerzen auftreten.
  • Verletzung: Nach einer Verletzung der Nase oder des Kopfes.
  • Blutgerinnungsstörung: Wenn eine Blutgerinnungsstörung bekannt ist oder vermutet wird.
  • Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten: Wenn blutverdünnende Medikamente eingenommen werden.

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